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Aus: Junge Deutsche und Polen begegnen sich. Schüleraustausch und Studienreisen. Herausgegeben von Lothar Nettelmann und Gerhard Voigt

Zur erweiterten Fassung 1993

Lothar Nettelmann

Einleitung: Schüleraustausch - warum mit Polen?

Für jeden für uns, der einen Austausch mit einer Schule in einem fremden Land anstrebt, stellt sich die Frage, worin die besondere Be­deutung der Wahl dieser oder jener Stadt besteht. Die traditionellen Schulpartnerschaften mit England oder Frankreich ließen sich didak­tisch und methodisch leicht begründen. Gleiches gilt für die beliebten London- oder Parisfahrten. Der Besuch der Stätten des Altertums ist ebenfalls durch Griechisch und Latein gut begründbar.

Eine andere Intention haben bereits die Partnerschaften zwischen Bildungseinrichtungen in Ostfriesland, der Grafschaft Bentheim mit denen der Niederlande. Sie dienen eindeutig dem Aussöhnungs- und Normalisierungsprozeß zwischen Jugendli­chen oder bereits im Beruf stehenden jungen Erwachsenen beider Länder. Diese primäre Auf­gabe gilt heute als erledigt, die fruchtbare Zusammenarbeit ist geblieben.

Mit Bildung des Deutsch-Französischen Jugendwerkes erlangten die auf schulischer und universitärer Ebene bereits funktionierenden Kontakte mit Frankreich, die von Beginn an neben dem Lernziel Sprache und Kultur in den historischen Prozeß deutsch-französischer Aussöhnung einmündeten, den tragenden organisatorischen Rahmen sowie die staatlichen Unterstützungen. Man bedenke dabei, daß erste vorsichtige Ansätze in den späten zwanziger Jahren der kulturellen Zerstörung durch die Nazis zum Opfer gefallen war.

Mit England gab es seit den frühen fünfziger Jahren eine Institu­tionalisierung von Schüleraustauschfahrten, oft im Zusammenhang mit neu entstandenen Städtepartnerschaften. Dies gilt vor allem für den norddeutschen Raum - die Anstöße gingen dabei oft von den ehemaligen britischen Besatzungsbehörden aus.

Bei den unsere östlichen Nachbarn Polen betreffenden Aktivitäten werden alle Ansätze, die über das Erlernen und Üben einer Sprache hinausgehen, in besonderem Maße deutlich.

Bei unseren Studienfahrten und Austauschprogrammen wurden die folgenden in das deutsch-polnische historische Verhältnis einge­bundenen Aspekte deutlich:

  • die historische Bedingtheit ist in Polen als Rahmen allgegen­wärtig;

  • die polnische Schule hat eine andere Entwicklung er­fahren als Schulen westlicher Industrieländer; auch bei Berücksichtigung deren separater Entwicklungen;

  • die Sozialisationsbedingungen polnischer und west­deut­scher Jugendlicher weichen deutlich voneinander ab; für die Jugend­lichen der DDR gelten wiederum andere Be­dingungen;

  • Tradition und Religiosität haben einen besonderen Stel­lenwert bei polnischen Jugendlichen;

  • die individuellen Lebensziele unterscheiden sich ande­rerseits praktisch nicht von denen westlicher Länder;

  • die Einschätzung des Materiellen ist ambivalent; der Wunsch nach persönlichem Besitz, der freien Verfüg­bar­keit über Ein­kommen sowie die Zielprojektion der ei­genen Freizeitgestal­tung sind analog dem Lebens­stan­dard - der Umgang erfolgt eher traditionell wertori­en­tiert.

Zur Konzeption

Die Aufsätze der hannoverschen Kollegen stellen selbstverständ­lich keine schulsoziologischen Untersuchungen dar. Sie sind Berichte und Reflektionen aus der pädagogischen Praxis. Aus den unterschiedli­chen Akzenten wird zugleich die Differenziertheit der Arbeit mit Polen deutlich wie auch die Vielfalt der Zusammenarbeit mit pol­nischen Kolleg(-innen) und Schüler(-innen). Die Verfasser der Texte sind zumeist Mitglieder der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Hanno­ver oder arbeiten mit ihr im Bereich der Jugend und Bildung zusam­men. Die Aufsätze der polnischen Kollegen stellen eine Ergän­zung aus polnischer Sicht dar.

Beispielhafte Reiserouten sowie organisatorische Hinweise runden das gesamte Werk ab. Sicherlich werden künftig neue private pol­nische Reiseveranstalter als Anbieter auf dem deutschen Markt er­scheinen. Von den Verfassern können die bewährten Kontakte, JUVENTUR und POLORBIS, empfohlen werden. Die von der Aktion Sühnezeichen angebotenen Aufenthalte werden ebenfalls über j

JUVENTUR abgewickelt. Alle polnischen Reiseunternehmen werden im Laufe des Jahres 1990 in die vollständige wirtschaftliche Selbstän­dig­keit überführt. Sie werden entweder in AG's oder GmbH's umge­wandelt. Dieser Prozeß ist normal und längst überfällig. Die Koope­ration mit finanzstarken westlichen Partnern, wie wir sie in Polen auch auf dem Dienstleistungssektor beobachten, muß positiv gesehen werden, auch im Hinblick auf unsere künftige Zusammenarbeit. Die sicherlich in den neunziger Jahren erfolgenden Angebote neuer Rei­seunternehmen sollten jeweils gut geprüft werden und vor allem bei besonders preisgünstig erscheinenden Angeboten eine vertrauens­volle, unabhängige Auskunft eingeholt werden, um unangenehmen und folgenschweren Erfahrungen vorzubeugen.

Lothar Nettelmann

Inhaltsverzeichnis

Herbert Schmalstieg: Vorwort

Zeitgeschichtliche Notiz 1990

Lothar Nettelmann: Einleitung: Schüleraustausch - warum mit Polen?1

Zur Konzeption

Lothar Nettelmann: Einleitung 1993. Zu den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen deutsch-polnischer Jugendarbeit als Folge des politischen Paradigmenwechsels in Polen und ihrer Bedeutung für die Träger politischer Bildung in Deutschland

Lothar Nettelmann: Der Schatten der Geschichte im Jahre 1989 - die Mahnung des 1. September 19392

Ulrich Bauermeister: Schüleraustausch zwischen jungen Deutschen und Polen als Auftrag der UNESCO (1989)

Gerhard Voigt: Polenreisen der Bismarckschule Hannover - Modellbeispiele und Alternativen (1989)

Gerhard Voigt: Polenreisen in Zeiten der gesellschaftlichen Krise [Didaktische Konzeption, Reiseroute, Reiseziele] (1993)

Lothar Nettelmann, Günther Fuchs, Dr.Wolfgang Scholz: Der Schüleraustausch der UNESCO-Schule am Maschsee, der Bismarckschule Hannover3

Wolfgang Jordan, Lothar Kutsch: Ein Schulchor, eine Theatergruppe und ein Leistungskurs fahren... (1989)

Siegfried Riedel: Schüleraustausch im Geist der Ökumene (1989/1993)

Michael Droldner, Matthias Bömeke: Ein Schüleraustausch zwischen katholischer Schule und Pfarrgemeinde (1989)

Werner Fink, Ursula Ruehr: Gedanken zu einem Arbeitsbesuch mit Schülern im ehemaligen Konzentrationslager Stutthof (1989)

Dr. Olgierd Lissowski, Poznań: Jugendaustausch und Politik (1989)

Piotr Korek, Poznań: Ein Schüler- oder Schulenaustausch? (1989)

Joachim Dallwig: Polenkontakte heute (1989)

Aleksandra Hoffmannowa: Neue Freundschaften (1991)

Gertrud Irmler: Eine polnische Dorfgemeinschaft lädt Hannoveraner ein (1992)

Phoebe Koch: Verständigung – auch ohne Worte (1993)

Aleksandra Hoffmannowa: Ein Brief aus Polen... (1991)

Elisabeth Goldmann: Bericht über den ersten Besuch einer Gruppe von 20 Schülern der Realschule I, Burgdorf (1993)

Lothar Nettelmann: Thesen zu den veränderten gesellschaftspolitischen Rahmenbedingungen in Polen und ihre Bedeutung für die deutsch-polnische Jugendarbeit (1993)

Lothar Nettelmann: Perspektiven für die neunziger Jahre im Jahre 1990

Henryk Wolkonskis: Ist der Weg deutsch-polnischer Verständigung am Ziel? Reflexionen 19924

Anhang: Autorenverzeichnis

Impressum für diese Publikation

Herausgeber: Lothar Nettelmann / Gerhard Voigt

Redaktion Gerda Heinemann Lothar Nettelmann Gerhard Voigt Armin Walthemate

Herausgegeben für die Deutsch-Polnische-Gesellschaft Hannover e.V. und den UNESCO-Club der Bismarckschule Hannover e.V.

Junge Deutsche und Polen begegnen sich. Schüleraustausch und Studienrei­sen. Hrsgg. von Lothar Nettelmann und Gerhard Voigt - Hannover: UNESCO-Club für die UNESCO-Schule am Maschsee, Bismarckschule Hannover, e.V. (An der Bis­marckschule 5, Hannover) und Deutsch-Pol­nische Gesellschaft Hannover e.V., 1990.

Satz und Layout: Ritterdesign, Laatzen

Printed in Germany

(Schriftenreihe des UNESCO-Clubs für die UNESCO-Schule am Masch­see, Bis­marckschule Hannover, e.V.) 1. Auflage 300

Alle Rechte vorbehalten. Verwendung im Bereich von Schule und Hochschule ist zugestanden. Nachdruck nur mit Genehmigung der Autoren bzw. des Herausgebers. Zitate bitte mit vollständigem Quellennachweis.

Internetpublikation auf http://www.polen-didaktik.de August 2009

Verantwortlich: Gerhard Voigt, OStR i.R. bismarckschule.voigt@gmx.de
http://www.voigt-bismarckschule.de

http://www.unesco-club-hannover.de

Vgl. dazu Impressum

Überarbeitet August 2009

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Bearbeitungsstand: 10. August 2009

URL: http://www.polen-didaktik.de

Verantwortlich: Gerhard Voigt, vgl. Impressum

eMail: bismarckschule.voigt@gmx.de