http://www.Polen-Didaktik.de

Home Inhalt Grundlegende Schriften Nation ohne Ausweg? Polen und Deutsche Jernsson: Historismus Polen 1980/81 Fachaufsätze Didaktische Praxis Impressum

Zur Seitennavigation

 
 

Lothar Nettelmann / Gerhard Voigt

Polen – Nation ohne Ausweg?

Eine Einführung in Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und Umwelt

Geschichte und Staat; Band. 274

Anhang I:

XII. Daten zur polnischen Geschichte

zusammengestellt nach:

Gotthold Rhode: Geschichte Polens. Ein Überblick. Darmstadt 1980'.

Feo Jernsson: Polen. Gesellschaft, Wirtschaft und Staat im Wan­del. München 1971.

Adam Bajcar: Polen. Warszawa 1980.

Brockhaus Enzyklopädie in zwanzig Bänden. Bd. 14. Wiesba­den 1972.

Ergänzungen bis zu Gegenwart aus einer Geschichtstabelle von Anna Gorodina (10 A / Jan. 2007) und aus „Wikipedia“

Die Anfänge: 750 900:

Machtverschiebungen an der Ostgrenze des Frankenreiches; slawische Völker beanspruchen Le­bens­raum und organi­sieren sich zu politischen Stammeseinheiten.

Die östlichen Grenzen des Karolingerreiches waren fließend. Vor allem Abodriten (zwischen unterer Eibe, Trave, Ostsee und Warnow), Wilsen (in Mecklenburg), Linonen (am rechten Elbufer) und Sorben bereiteten den Westen des späteren polnischen Siedlungs gebietes vor. Die Abodri­ten waren zeitweise mit den Franken gegen die Sachsen verbündet, während die Wilsen und Sorben ihre Eigenständigkeit kämpferisch behaupteten. Da diese Völker noch nicht zum Christentum übertraten, bildeten sie schließlich eine Art Pufferzone des Frankenreiches gegen Osten, ohne die fränkische Reichs- und Gesellschaftsverfassung zu übernehmen. (Vgl. Fischer Weltgeschichte Bd. 10, S. 16f.)

Der Piastenstaat 962 992

Mieszko I. lässt sich als erster historisch gesicherter polnischer Herrscher 966 nach christ­lich römischem Ritus taufen. 990 999 fallen Schlesien und Krakau an Polen, so dass jetzt das Staatsge­biet den polnischen Siedlungsbereich der Po­moranen (po morze = am Meer; vgl. Pommern), Polanen, Lendzici und Ljachen (im Warthege­biet) bis zu den Wisla­nen (um Krakau) und den Opolanen (an der Oder) umfasst.

990-999 fallen Schlesien und Krakau an Polen, so daß jetzt das Staatsge­biet den polnischen Siedlungsbereich der Pomoranen (po morze = am Meer; vgl. Pommern), Polanen, Lendzici und Ljachen (im Warthege­biet) bis zu den Wislanen (um Krakau) und den Opolanen (an der Oder) umfaßt. Um die Städte Gnesen, Posen und Lentschiza (Leczyca) bildet sich das mittelalterlich-feudale System heraus; der Bischofssitz von Gnesen, von dem aus die Christianisierung vorangetrieben wurde, bewahrte seine Unabhängigkeit von der deutschen Kirchenhierarchie. In Posen, Krakau, Breslau und Gnesen finden sich erste Zeugnisse der vorromanischen und romanischen Sakralbaukunst.

992 1025

Bolesław Chrobry („der Tapfere“) festigt und erweitert den neuen polnischen Staat. Gnesen wird 1000 Erzbistum. Im Bautzener Frieden 1018 fällt die Lau­sitz an Polen. 1025 lässt Bolesław sich zum ersten polnischen König krönen.

Gnesen wird 1000 Erzbistum. Im Bautzener Frieden 1018 fällt die Lau­sitz an Polen. 1025 läßt Bolesław sich zum ersten polnischen König krönen. Auch im Süden und Osten kommt es, z. T. jedoch nur kurzfri­stig, zu Gebietserweiterungen. Das innere Herrschaftssystem dieses ersten großen polnischen Staates hatte jedoch keinen Bestand. Doch wurden später oft romantisierende Vorstellungen mit diesem Beginn des Königtums verbunden (vgl. Jernsson, S. 29).

1102 1138

Bolesław III. Krzywousty („Schiefmund“) kämpft gegen das Deutsche Reich, sichert 1109 Schlesien (Śląsk) und ge­winnt Pommern (Pomorze) zurück.

Das 11. Jahrhundert war durch den Zerfall des polnischen Staates, kurzfristige Teilherrschaften und Kämpfe mit den Nachbarn gekenn­zeichnet, wobei sich das Staatsgebiet auf den Kernbereich reduzierte:

Großpolen (Wielkopolska, um Posen und Gnesen), Kleinpolen (um Krakau) und Masowien (um Warschau). Der Sieg in der "Schlacht bei Hundsfeld" 1109 über die kaiserlichen Ritter bei Glogau und Breslau hat in der Geschichtsideologie wohl einen höheren Stellenwert erhalten, als es seine unmittelbaren Folgen rechtfertigen. - Auf kultureller Seite war das 11. und 12. Jahrhundert fruchtbar; wichtige gotische Baudenk­mäler einer eigenen, originellen Prägung wurden errichtet (Krakau, Posen, Breslau, Danzig).

Zeitalter der Zersplitterung Polens: 1138 1306

1225/26 die Berufung des Deutschen Ritterordens durch den piasti­schen Teilfürsten Konrad von Masowien nach Polen zur Unterstützung im Kampf gegen die Pruzzen (im späteren Ostpreu­ßen); das Datum

1241 kennzeichnet mit der „Schlacht bei Liegnitz“ den Mongolenein­fall, der das europäische Macht­system erheblich erschüttert.

Dieser Zeitraum ist nicht nur durch inneren machtpolitischen Zerfall gekennzeichnet, sondern vor allem auch durch zwei Daten, die den weiteren Verlauf der Geschichte entscheidend beeinflussen: Nach Ein­griffen des deutschen Kaisers in die polnischen Wirren erfolgt

1225/26 die Berufung des Deutschen Ritterordens durch den piasti­schen Teilfürsten Konrad von Masowien nach Polen zur Unterstützung im Kampf gegen die Pruzzen (im späteren Ostpreußen); das Datum 1241 kennzeichnet mit der "Schlacht bei Liegnitz" den Mongolenein­fall, der das europäische Machtsystem erheblich erschüttert.

Zeitalter des Kampfes mit dem Deutschen Ritterorden: 1306 1333

Władysław L Łokietek („Ellenlang“), gekrönt 1320, gelang eine vorübergehende Einigung Polens mit Ausnahme des Ordensstaates.

Der Deutsche Ritterorden errichtete bis zum Beginn des 15. Jh. einen straff organisierten und regierten "Ordensstaat" , der sich auf Kosten Polens mehrfach erweiterte, so z. B. 1308 mit der Annektion von Pomerellen und 1331 mit dem Sieg über das polnische Heer bei Plowce. Zentrum des Ordensstaates wird die Marienburg (Malbork) bei Elbing.

1333 1370

Kazimierz Wielki („der Große“) erreicht eine gewisse innere Stabilisierung und einen ökonomischen Aufschwung Po­lens. Verlust Pommerns (Pomorze) an den Ritterorden. Verlust Schlesiens (Śląsk) an Böhmen (das damit 1526 zum Habsburger Reich und dann 1742 zu Preußen gelangt). Mit Kazimierz endet die piastische Dynastie.

Es beginnt, im Rahmen der aus deutscher Sicht als "Ostkolonisation" bezeichneten spätmittelalterlichen Siedlungs- und Städtegründungs­phase, eine Belebung der Stadtkultur; städtische Privilegien, ein neues Stadtrecht und Förderung des Handels finden ihren Höhepunkt in der Gründung der Krakauer Akademie (Collegium majus), der Vorgängerin der späteren Jagiellonen-Universität. Andererseits muß Kazimierz den endgültigen Verlust Pommerns (Pomorze) an den Ritterorden hinneh­men, ebenso wie den Verlust Schlesiens (Sl~sk) an Böhmen (das damit 1526 zum Habsburger Reich und dann 1742 zu Preußen gelangt). Mit Kazimierz endet die piastische Dynastie. - Auch in dieser Zeit entste­hen große gotische Kirchenbauen, Schlösser und Burgen.

1370 1382

König Ludwik Węgierski (Ludwig von Ungarn) aus der Dyna­stie der Anjou und seine Tochter Jad­wiga (1384 1386) leiten zur nächsten Epoche der polnischen Geschichte über.

Die Jagiellonen – Der Sieg über den Ritterorden: 1386 1434

Der litauische Großfürst WJadysJaw Jagiello, 1386 durch Heirat mit jadwiga (Hedwig) polnischer Herrscher geworden, leitet die Personalunion Polen-Litauen unter der Dynastie der Jagiel­lonen ein, die zu einer letzten staatlichen Blüte Polens führt.

Beide Landesteile bleiben bis zu einern gewissen Grade selbständig. Der polnische Adel hat in den Privilegien von Buda 1355 und Krakau 1374 als Preis für die Zustimmung zur Thronfolge der Anjou-Dynastie eine starke Stellung bekommen. Polen-Litauen wird zur führenden Macht Osteuropas. Die größte Ausdehnung wird mit der Tributpflicht des Fürstentums Moldau ab 1387 erreicht. 1409-1435 wird in mehreren Kriegen der Ordensstaat unterworfen. Die Entscheidung fällt vor allem mit dem Sieg über den Deutschen Ritterorden 1410 bei Grunwald (Tan­nenberg).

1447 1492

Kazimierz IV. Jagiellończyk erobert Pommern (Pomorze) und Danzig (Gdańsk) zurück und macht 1454 den Rest des Ordens­staates zum Lehen und sichert diese Oberhoheit in einem Krieg 1454 66. Polen wird damit auch zur führenden Macht an der Ostseeküste.

Beide Reichsteile operieren zeitweilig unabhängig. Litauen führt ver­lustreiche Abwehrkämpfe gegen das expandierende Großfürstenturn Moskau. Der Vielvölkerstaat, "Republik" genannt, umfaßt jetzt ein Gebiet von über 1,1 Mio. km2• 1493 wird der Reichstag, eine Versammlung der Szlachta, Sejm, gegrün­det, der die gesetzgebende Gewalt weitgehend übernimmt und 1505 eine erste Verfassung beschließt. Die Bürgerlichen sind im Sejm nicht vertreten. Die nicht zur Szlachta gehörende Landbevölkerung wird jetzt nach und nach unfrei und adelsabhängig. Es ist jedoch eine Zeit wirtschaftlicher Blüte auch im Handel und in den Städten. Ende des 15. und Anfang des 16. Jh. arbeitet Veit Stoß in Krakau, wo sich auch in der Akademie Wissenschaft und Künste entwickeln. Der Wawel in Krakau wird ausgebaut, ebenso die Schlösser von Czeisk und Ciechanow. An der Küste entwickelt sich die Backsteingotik zur vollen Blüte.

1506 1548

Zygmunt I. Stary („der Alte“) findet den friedlichen Ausgleich mit den Habsburgern (1515), indem er auf die Ansprü­che auf die böhmische und ungarische Krone verzichtet.

Der Ordensstaat wird säkularisiert und Großmeister Albrecht von Hohenzollern wird Herzog von Preußen unter polnischer Lehensho­heit (1525). Bis zur Union von Lublin (1569), die die Realunion von Polen und Litauen besiegelt, aber gleichzeitig auch das Ende der Jagiellonen-Herrschaft markiert, herrscht religiöse Toleranz, die Weiterent­wicklung der Adelsrechte im Sejm und kulturgeschichtlich die Ausbrei­tung des Renaissancestils. Bürgerhäuser in den Handelsstädten Danzig, Posen, Warschau und Krakau deuten auf gesellschaftliche Machtver­schiebungen hin. Gleichzeitig entwickelt sich eine Nationalliteratur in polnischer Sprache (Rej, Kochanowskt). In den Wissenschaften ragt Nikolaus Kopernikus hervor.

Wahlkönigtum – Adelsrepublik, 1572 1795: – 1573

Erste freie Königswahl durch die Adelsversammlung. Seitdem keine dynastische Bindung der Kö­nigsnachfolge mehr. Die Szlachta wird zur bestimmenden Kraft im Staate. Der Marienkult setzt sich durch („Maria, Königin von Polen“). 1648 Kosakenaufstand unter Bohdan Chmielnicki; weitere Schwä­chung der Königsmacht.

Erste freie Königswahl durch die Adelsversammlung. Seitdem keine dynastische Bindung der Königsnachfolge mehr. Die Szlachta wird zur bestimmenden Kraft im Staate.

Stefan Batory (1575-1586), Großfürst von Siebenbürgen, siegt über Moskau und erobert Livland. Aus Rivalitäten um die Thronfolge kommt es unter den nachfolgenden Königen aus dem Hause der Wasa (Zygmunt III. Wasa, 1587-1632; Wladyslaw IV., 1632-48) zu den ver­heerenden Schweden kriegen. - In der Zeit des Barock steht Polen unter dem Zeichen der Gegenreformation mit starkem Einfluß des J esuitenor­dens Qesuitenkirche in Posen z. B.). Der Marienkult setzt sich durch ("Maria, Königin von Polen").

1648 Kosakenaufstand unter Bohdan Chmie!nicki; weitere Schwächung der Königsrnacht.

1683

Sieg über die Türken in der Schlacht am Kahlenberg bei Wien; das Habsburgerreich wird durch ein polnisches Ent­satzheer gerettet. Letzter größerer militärischer Erfolg Polens. 1674 1696: Jan III. Sobieski, der Sieger vom Kahlen­berg, kann durch die dauernde Beschlussunfähigkeit des Sejm durch das Einstimmigkeitsprinzip des Liberum Veto und die dadurch ermöglichten rivalisierende „Konföde­rationen“ in der Szlachta kaum noch innenpolitische Erfolge verbuchen. – 1700 1721 wird Polen in den nordischen Krieg hineingezogen; mit Unterstützung Schwedens meldet Stanislaw Leszc­zyński (1704 1709 und 1733 1736) Thronansprüche an, die sich gegen die von Russland gestützten Sachsen­könige August II. („der Starke“), 1697 1733, und August III., 1733 1763, letztlich nicht durchsetzen können.

1674-1696: Stefan III. Sobieski, der Sieger vom Kahlenberg, kann durch die dauernde Beschlußunfähigkeit des Sejm durch das Einstimmigkeits­prinzip des Liberum Veto und die dadurch ermöglichten rivalisierenden "Konföderationen" in der Szlachta kaum noch innenpolitische Erfolge verbuchen (vgl. Anm. X/6). -

Die nachfolgenden Sächsischen Könige leiten die Epoche des Nieder­ganges ein. Die Großmächte Rußland, Habsburg und Frankreich kön­nen vermittelst der Unterstützung polnischer "Konföderationen" immer mehr Einfluß auf die innenpolitische Situation des Landes neh­men. Preußen kann sich derweil von Polen lösen und nach Vereinigung mit Brandenburg zur eigenständigen Großmacht werden.

1700-1721 wird Polen in den nordischen Krieg hineingezogen; mit Unterstützung Schwedens meldet Stanislaw Leszczynski (1704-1709 und 1733-1736) Thronansprüche an, die sich gegen die von Rußland gestützten Sachsenkönige August II. ("der Starke"), 1697-1733, und August III., 1733-1763, letztlich nicht durchsetzen können.

1764 1795

Stanisław August Poniatowski versucht durch liberale und auf­geklärte Reformen im Innern den Zer­fall des Landes aufzuhal­ten, scheitert aber am Widerstand in der Szlachta und an auslän­dischen Pres­sionen, die schließlich zu den Polnischen Teilungen führen. – Die Konföderationen von Radom und Bar, 1767/68, verbünden sich mit den ausländi­schen Nachbarn gegen den König und leiten die Erste Polnische Teilung 1772 durch Preußen, Russland und Öster­reich ein, bei der Polen rd. 1/3 seines Staatsgebietes verliert.

Die Szlachta formiert ihren Widerstand gegen diese Reformen und ver­bündet sich mit der reaktionären Regierung Russlands unter Katharina II. in der Konföderation von Targowica. Ein bewaffneter Bürgerkrieg führt zur Zweiten Polnischen Teilung 1793. Die Niederlage des nationalen Aufstandes unter Tadeusz Kościuszko führt zu einem erneu­ten Eingreifen der Nach­barmächte und damit zur Dritten Teilung des Landes, durch die der polnische Staat vollstän­dig aufgelöst wird (1795).

Die Konföderationen von Radom und Bar, 1767/68, verbünden sich mit den ausländischen Nachbarn gegen den König und leiten die Erste Polnische Teilung 1772 durch Preußen, Rußland und Österreich ein, bei der Polen rd. y, seines Staatsgebietes verliert.

Staats reformen unter Poniatowski; "Immerwährender Rat" 1773, erste funktionierende Staatsregierung mit der berühmten "Erziehungskom­mission", der ersten weltlichen Erziehungsbehörde der Welt. Unter der Federführung von H. Kol14taj wird am 3. 5. 1791 eine neue Staatsverfas­sung verabschiedet, die das Liberum Veto und das Konföderationsrecht abschafft und, ohne die Machtstellung der Szlachta zu beseitigen, den Bürgern und Bauern eine bessere Rechtsstellung einräumt.

Die Szlachta formiert ihren Widerstand gegen diese Reformen und ver­bündet sich mit der reaktionären Regierung Rußlands unter Katharina II. in der Konföderation von Targowica. Ein bewaffneter Bürgerkrieg führt zur Zweiten Polnischen Teilung 1793.

Die Niederlage des nationalen Aufstandes unter Tadeusz Kosciuszko führt zu einem erneuten Eingreifen der Nachbarmächte und damit zur Dritten Teilung des Landes, durch die der polnische Staat vollständig aufgelöst wird (1795).

Noch ist Polen nicht verloren“: Der Freiheitskampf 1795 1918 – 1797

Polnische Brigaden bilden sich in Italien unter Dąbrowski, um an der Seite Napoleons für ein unab­hängiges Polen ge­gen Preu­ßen und Russland zu kämpfen.

In der napoleonischen Zeit entsteht 1807 das Großherzogtum Warschau unter Mitwirkung des Freiheitshelden Dombrowski. Friedrich August von Sachsen wird Großherzog. Bis 1809 werden auch Teile des habsburgisch besetzten Gebietes dem Großherzogtum zugeschlagen.

Beim Wiener Kongress 1815 wird das Großherzogtum wieder auf einen Rumpfstaat "Königreich Polen" reduziert, der in Personalunion mit Russland regiert wird; ein Großherzogtum Posen gelangt unter preußi­sche Oberhoheit; Österreich behält Galizien und Krakau wird Freie Stadt unter Habsburger Oberhoheit.

Seit dem Januaraufstand 1863 im russischen Teil entsteht eine geheime Nationalregierung und ein Partisanenkampf gegen die russische Unter­drückung. Aufstände im preußischen und österreichischen Landesteil (z. B. 1846, 1848) führen nach und nach zum Verlust noch zugestande­ner Autonomie-Rechte.

1864 1890

Kampf der Dichter und Künstler um den Erhalt einer polni­schen Nationalidentität und Gründung der ersten politi­scher Gruppen und Parteien.

Der nationale Roman und die historische Malerei stellen sich in den Dienst der nationalen Unabhängigkeitsforderung (Boles/aw Prus, 1845-1912; Eliza Orzeszkowa, 1841-1910; Henryk Sienkiewicz, 1846-1916, "Quo Vadis"), Vorbilder in der ersten Jahrhunderthälfte sind vor allem die Klassiker Adam Mickiewicz, 1798-1855, undjuliusz S/owacki, 1809-1849, die Literatur und politische Publizistik verbanden und schließlich im Exil politisch für ein neues Polen kämpften. (Vgl. Anm. IX/8 + 9)

1882 gründet Ludwik Warynski in Warschau die erste Arbeiterpartei "Proletariat", die 1893 zur Sozialdemokratischen Partei des König­reichs Polen und Litauen wird.

Die Polnische Sozialistische Partei (PPS) mit u. a. j6zej Pi/sudski wird 1892 gegründet.

Die bürgerlich-nationalistischen Kräfte organisieren sich zunächst 1887 in der Polnischen Liga (Liga Polska) und 1894 als Nationaldemokraten in der Liga Narodowa unter der Führung von}. Pop/awski und Roman Dmowski. Diese suchen den Ausgleich mit Rußland unter panslawisti­schem Vorzeichen, während die Sozialisten für den bewaffneten Auf­stand und die nationalstaatliche Unabhängigkeit eintreten.

Der "internationalistische Flügel" der sozialistischen Bewegung wird von den Sozialdemokraten unter Rosa Luxemburg und Feliks Dzier­zynski, AdolfWarski undjulian Marchlewski repräsentiert und tritt für die sozialistische Revolution im internationalen Kontext ohne Rücksicht auf nationale Unabhängigkeitsbestrebungen ein. (Vgl. Anm. IX/I0) Ein kurzer Überblick der sozialistischen Parteiorganisationen :

Im russischen Gebietsteil :

"Erstes oder Großes Proletariat" 1882-86 (Warynski) "Zweites Proletariat" 1887 (Kulczycki und Kasprzak) "Drittes Proletariat" 1900

Polska Partia Socjalisryczna (PPS)

Teile des "Zweiten Proletariats" und des polnischen Arbeiterverbandes gründen 1893 die Socjaldemokracja Kr6lestwa (SDKP), die sich 1900 mit linken Teilen der litauischen Socjaldemokracja Kr6lestwa Polskiego i Litwy (SDKPiL) zusammenschloß (s.o.). Diese Richtung führt zur kommunistischen Internationale.

Im preußischen Gebietsteil:

1892 PPS als Teilorganisation der deutschen Sozialdemokratie

Nach dem Ersten Weltkrieg Vereinigung mit der im österreichischen Gebietsteil entstandenen PPSD und dem "Dritten Proletariat" (s.o.) Im habsburgischen Gebietsteil:

1892 Polska Partia Socjalno-Demokratyczna (PPSD)

Bismarcksche Polenpolitik: Der Preußen zugestandene polni­sche Anteil (Großherzogtum Posen) wird nach und nach in den preußischen Staatsverband integriert. Nach dem preußisch­österreichischen Krieg wird Preußisch-Polen dem Norddeut­schen Bund und damit später dem Deutschen Reich zugeschla­gen, obwohl staatsrechtlich bisher keine Zugehörigkeit zu Deutschland vorlag.

Im Ersten Weltkrieg war Deutschland ausschließlich bereit, ein freies Polen des Umfangs von (russisch) "Kongreßpolen" zuzulassen. Öster­reich dagegen war bereit, auch über einen Anschluß Galiziens aus eige­nem Besatzungsgebiet zu verhandeln. Pilsudski leitete seinen Befrei­ungskampf in dieser Zeit von Galizien aus. Hier organisierten sich seit 1870 auch die konservativen Nationalisten (Stanczyken) mit Szujski, Kozman, Wodzicki, Tarnowski. Pilsudskis spätere Abwendung vom Sozialismus mag hier schon ihre Wurzeln haben.

Die Wiedererlangung der Unabhängigkeit als Folge des Ersten Weltkrieges: 1917 1939

In der Endphase des Ersten Weltkrieges wurde das von Roman Dmowski und Ignacy Pęderewski im August 1917 in Lausanne gegrün­dete Nationalkomitee entsprechend der Wilson Deklaration von den Alliierten als Vertretung Polens anerkannt. Polnische Truppen wurden aus der Ukraine über Murmansk zur Westfront transportiert und nahmen am Krieg teil.

Die Polen kämpfen für ihre Unabhängigkeit.

Die Friedensverträge bringen noch keinen Frieden!

Der Frieden von Brest-Litowsk (3.3. 1918) sah nur einen abhängigen kleinen polnischen Staat vor. Nach der Kapitulation der Mittelmächte brach in "Großpolen" (d. i. weitgehend das Gebiet der preußischen Provinz Posen) im Dezember 1918 ein Aufstand aus; in Oberschlesien gab es im August 1919, im August 1920 und im Juli 1921 drei Auf­stände. Erst die Volksabstimmungen unter Aufsicht der Ententemächte führten zu einer relativen Stabilisierung der politischen Lage. Die erfolgte Grenzziehung rief aber auf beiden Seiten Enttäuschung hervor und wurde nur mit dem Ziel einer Revision akzeptiert. Im Osten wird der Krieg mit der Sowjetunion (April-Oktober 1920) als Teil einer ins­gesamt zwei Jahre dauernden Grenzauseinandersetzung mit dem Frie­den von Riga im März 1921 beendet.

Der Neue Polnische Staat

Der noch immer von vielen Menschen verehrte Piłsudski prägte das neue Polen. Die Zwischenkriegszeit ist gekenn­zeichnet durch innergesellschaftliche Auseinandersetzungen zur Bildung der Na­tion. Bis 1939 konnte keine Konsoli­dierung erfolgen – zudem waren nur ca. zwei Drittel der Staats­bürger auch polni­scher Nationalität. Die übrigen setz­ten sich zusam­men aus Deutschen, Ukrainern, Ruthenen und Juden. Die parla­menta­risch demokratischen Ansätze wurden durch das autoritäre Regime Marschall Piłsudskis abgelöst (1926 35).

Seine Aufgabe, die ,sanacja' (Gesundung) konnte er nicht lösen. Die Voraussetzungen für eine wirt­schaftliche Entwicklung waren denkbar ungünstig. Neben den schon relativ weit fortgeschrittenen Landesteilen - Raum Posen und Ober­schlesien - gab es noch die unterentwickelten Gebiete Zentral- und Ostpolens. Die Verkehrsnetze waren entsprechend den Bedürfnissen der Teilungsmächte angelegt worden und damit nach Westen (Berlin), nach Osten (Petersburg/Moskau) und Süden (Wien) ausgerichtet. Der neue Staat, der an innenpolitischen, gesellschaftlichen und wirtschaftli­chen Belastungen trug, konnte nur existieren aufgrund der Schwäche seiner Gegner. Die Menschen in Polen entwickelten aber ihr trotziges Selbstbewusstsein.

Polen unter der Naziokkupation (1939 1944)

Man vermeidet in Polen den Begriff deutsche Besetzung und spricht von den Nazis oder den Hitle­risten. Die Besat­zungszeit wird für Polen immer ein historisches Trauma blei­ben. Sie ist nicht vergleichbar mit anderen Kriegsabläu­fen, von Erobe­rungen zum Zwecke von Steuererhebungen, zur Rohstoffsicherung oder der Herrschaftsaus­dehnung. Die Eroberung Polens hatte deut­scherseits über den Raum des Landes hinaus die physische und psy­chische Vernich­tung des militärisch besiegten polnischen Volkes zum Ziel.

Polen hat bezogen auf die Bevölkerungszahl die größten Bevölkerungs­verluste des Krieges hinnehmen müssen: ca. sechs Millionen Menschen, darunter drei Millionen Juden. Der Terror der Besatzer war in Polen am grausamsten – zugleich der Widerstand am größten!

An dem in und um Warschau am 1. 8. 1944 begonnenen Aufstand waren 300000 Untergrundkämpfer der "Heimatarmee" (AK) beteiligt. Nach der "zweiten" Kapitulation polnischer Truppen in Warschau erhielten die Überlebenden den Kombattantenstatus zuerkannt und gingen in Kriegsgefangenschaft. Nach der Zerschlagung des Aufstandes wurde Warschau systematisch durch Sprengungen und Brände zerstört. Nur wenige Tausend Menschen lebten hinterher noch in den Ruinen. Der heutige Besucher Warschaus erlebt an jedem 1. August in einem zugleich bedrückenden und erhebenden Gefühl die Würdigung der Opfer dieses Aufstandes durch Blumen und brennende Kerzen in den Straßen!

Die großen Konzentrations- und Vernichtungslager befanden sich auf polnischen Boden. Die Liste der polnischen Bürger, die umgebracht werden sollten – vor allem die Intelligenz – waren schon vor Kriegsbe­ginn fertiggestellt. Das KZ Stutthof war auf dem Gebiet des früheren Freistaates Danzig zu diesem Zwecke bereits vor 1939 konzipiert wor­den.

Die Ausübung des staatlich verordneten Verbrechens ist die Ursache für das Geschehen nach der Befreiung. Die Bewältigung aller Leiden kann nur im Gedanken der Versöhnung erfolgen.

Die Stabilisierung des Kommunistischen Regimes (1944 1948)

Die Kommunisten konnten ihre Macht erst nach langen politi­schen Auseinandersetzungen – bis hin zum Bürgerkrieg – unter dem Schutz der Sowjetunion festigen.

Als Folge des Kriegsverlaufes wurde am 22.7.1944 auf „befreitem polnischem Boden“ eine provisorische (kommunis­tische) Regierung, das „Lubliner Komitee“, gebildet. Daneben bestand in London die (aufgrund der polnischen Ver­fassung legitime) Exilregierung fort. Im Januar 1945 beschlossen die Alliierten, eine gemeinsame Regierung unter Einschluss der Exilregierung (unter deren Protest!) zu bilden. 234|235

Ebenso wurde vereinbart, freie Wahlen abzuhalten. Dieses geschah auch 1947, allerdings bereits unter massiver Behinderung aller nicht­kommunistischen Parteien. Das Wahlergebnis (Sieg der Bauernpartei unter Mikolajcyk) wurde in einen Sieg der Kommunisten gefälscht. M. floh nach London. Polen wurde zu einem Randproblem im alles überla­gernden Kalten Krieg. Das feste, auf Dauer angelegte "Bündnis" mit der Sowjetunion war die zwangsläufige Folge. Die zunächst innerhalb der Kommunistischen Partei (PPR) dominierenden Nationalkommuni­sten unter Gomulka (1949 verhaftet) unterlagen 1948 den von Moskau abhängigen Stalinisten. Der noch bis 1948 in einigen Teilen des Landes (Süd-Osten) von Resten der Heimatarmee (AK) geführte Bürgerkrieg wurde 1948 eingestellt. In der offiziellen polnischen Historiographie wird diese Phase zu einer "Revolution" hochstilisiert.

Die polnische Variante des Stalinismus (1948 1956)

Der Stalinismus hatte in Polen das gleiche Strickmuster wie in den anderen kommunistisch geworde­nen Staaten. Der indirekte Widerstand der Bevölkerung war größer; es wurden aber keine Todesur­teile nach den Schauprozessen voll­streckt! Der innenpolitischen Stalinisierung mit all ihren negativen Erscheinun­gen – außer der Vollstreckung von To­desurtei­len – stand in Polen eine wirtschaftliche Aufwärtsentwicklung gegenüber. Der Aufbau erfolgte praktisch aus dem Nichts heraus. Als typisches Beispiel gilt das Hütten­werk „Nowa Huta“ bei Krakau, das mit sowjetischer Hilfe er­baut wurde. Zugleich war damit eine politische, wirtschaftliche und militäri­sche Integration in die sowjetisch be­herrschten Bündnissysteme ver­bunden. Nach dem Tode Bieruts im März 1956 entlud sich der in­nenpolitische Druck im Posener Aufstand, der am 28. Juni 1956 blutig unterdrückt wurde. Ursache waren die völlig vernachlässigte Land­wirtschaft und Konsumgüterindustrie. Einer Zwangskollektivierung, die z. T. mit brutalen Mit­teln versucht worden war, hatten die Bauern einen massiven Widerstand entgegengesetzt.

Ein typisches, den Nationalstolz der Polen tief verletztendes Beispiel: Oberbefehlshaber der Polnischen Armee (zeitweilig auch stellv. Ministerpräsident) war der Marschall der Sowjetunion Konstan­tin Rokossowskij. Er war zwar polnisch-ukrainischer Herkunft, hatte aber seit 1917 in Rußland gelebt und war Offizier der "Roten Armee" geworden und sowjetischer Staatsbürger. Im Oktober 1956 wurden im Zusammenhang mit der "Tauwetterpe­riode" unter Chruschtschow und unter dem Eindruck der Ereignisse in Ungarn Gomulka und Kardinal Wyszynski aus dem Gefängnis entlas­sen.

Polen unter Gomułka (1956 1970)

Gomułka wurde im Oktober 1956 wieder als Parteichef eingesetzt. Die vorsichtige Abkehr vom Stalinismus und die Nichteinhal­tung von Versprechungen. Gomułka wurde im Oktober 1956 wieder als Parteichef eingesetzt. Er versprach mit Duldung der Sowjetunion eine Liberalisierung in der Gesell­schaft und grundlegende wirtschaftliche Reformen. Die Locke­rungen wurden weitgehend wieder rückgängig gemacht. Außenpoli­tisch begann eine Intensivierung der Beziehungen zum Westen, vor allem zu Frankreich, den USA und England. Die Folge waren zuneh­mende wirtschaftliche Beziehungen – in den sechziger Jahren, auch zur Bundesrepu­blik nach Antritt der Regierung Erhard. Die Industrialisierung wurde auf Kosten des Lebensstandards der Bevölke­rung fortgesetzt. Letztlich ist Gomułka an Versorgungsschwie­rigkeiten gescheitert. Die Unterdrückung der Studenten­unruhen 1968 läutete das Ende der Amtszeit Gomułkas ein. Seinen großen außen­politischen Erfolg erntete bereits sein Nachfolger Edward Gierek: Die zum positiven Abschluss geführten Verhand­lungen mit der Bundesrepublik Deutsch­land 1970! Wenige Tage nach Vertragsabschluss in Warschau am 7.12.1970 wurde am 20.12. Gierek zum Nachfolger im Parteivorsitz berufen.

Er versprach mit Duldung der Sowjetunion eine Liberalisierung in der Gesellschaft und grundlegende wirtschaftliche Reformen. Die Locke­rungen wurden weitgehend wieder rückgängig gemacht. Außenpoli­tisch begann eine Intensivierung der Beziehungen zum Westen, vor allem zu Frankreich, den USA und England. Die Folge waren zuneh­mende wirtschaftliche Beziehungen - in den sechziger Jahren, auch zur Bundesrepublik nach Antritt der Regierung Erhard.

Die Industrialisierung wurde auf Kosten des Lebensstandards der Bevölkerung fortgesetzt. Letztlich ist Gomułka an Versorgungsschwie­rigkeiten gescheitert. Hervorzuheben ist aber die Erlangung einer gewissen außenpolitischen Selbständigkeit (Außenminister Adam Rapackl) und die Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten des Landes in wesentlichen Bereichen (!) wie auch die zunehmende Ent­krampfung des Verhältnisses zur Katholischen Kirche. Die Sowjetunion mußte entgegen den Leninschen Prinzipien eine weitgehende Gleichbe­rechtigung zugestehen. Seitens der Bevölkerung wurden zunehmend kulturelle Freiräume ertrotzt.

Die Unterdrückung der Studentenunruhen 1968 läutete das Ende der Amtszeit Gomulkas ein. Seinen großen außenpolitischen Erfolg erntete bereits sein Nachfolger Edward Gierek: Die zum positiven Abschluß geführten Verhandlungen mit der Bundesrepublik Deutschland 1970! Wenige Tage nach Vertrags abschluß in Warschau am 7. 12. 1970 wurde am 20. 12. Gierek zum Nachfolger im Parteivorsitz berufen.

Erfolg und Folgen der Öffnung zum Westen (1970 1980)

Wie bereits sein Vorgänger, so begann auch Edward Gierek seine Amtszeit mit großen Verspre­chungen: Wirtschafts­refor­men, Hebung des Lebensstandards, Freizügigkeit. Er bat um Vertrauen; die Arbeiter glaubten ihm.

In der 1. Phase seiner Amtszeit (bis 1975) gab es eine deutliche positive Entwicklung: Die Realeinkommen stiegen, die Pro­duktion wuchs in Landwirtschaft und Industrie. Mit westlichen Firmen wurden Koope­rationsverträge geschlos­sen und moderne Technologie importiert und mit Krediten finanziert, außerdem mit dem Export polnischer Konsum­güter und landwirtschaftlicher Produkte. Fehlkalkulationen, Stahl  und Energiekrise sowie Korruption führten gegen Ende der 70er Jahre zum wirtschaftlichen Kollaps: einer noch für lange Jahre anhaltenden Krise. Die Außenpolitik trug im Normalisierungsprozess mit der Bundesrepublik Früchte.

Der Erneuerungsprozess 1980/81

Das revolutionäre Geschehen im Sommer 1980 führte zu einem überschwänglich optimistischen Neuanfang, der in ohnmächti­ger Resignation endet. Die Aktionen wiesen wesentliche Elemente revolutionärer Bewegungen auf: Mas­senbewegung, (auch) Steuerung durch Kader, Kampf gegen ein überholtes und verkrustetes Herrschaftssystem und gegen eine unfä­hige, untätige pri­vilegierte Elite. Die unabhängige Gewerkschaft „Solidarität“ wurde als wesentliche Voraussetzung für einen politischen und gesell­schaftlichen Demokratisierungsprozess gegründet. Aufgrund der Un­veränderbarkeit der politi­schen und wirtschaftli­chen Rahmenbedingungen vertiefte sich die Krise 1981 zur Depres­sion. Der Desillusionierung der Bevölkerung folgte das abrupte Ende mit der Verhängung des Kriegszustandes am 13. Dezem­ber 1981. Die Hoffnung auf Wohlstand und Demokratie wurde ausge­setzt, von den Menschen aber nicht aufge­geben!

Jaruzelski – Unterdrücker oder Retter?

Die traurig realistische Haltung in der Bevölkerung konnte die Grundlage für neu keimende Hoffnung werden. Nach anfänglicher Resignation ergab man sich dem Unabwendbaren.

1989: Abschluss der Gespräche am Runden Tisch.

(Wieder-)Zulassung der „Solidarnosc“ und teil­weise Demokratisierung der politischen Institutionen (05.04.). Erste partiell demokratische Wahlen zu den gesetzgebenden Körperschaften - Sejm und neugeschaffener Senat - Überwälti­gender Sieg der „Solidarnosc“ (04.06.89) Staatsratsvorsitzender Jaruzelski wird Präsident der Volksrepublik Polen, - Tadeusz Mazowieckis wird zum Ministerpräsidenten (19.07.) gewählt. Der Sejm beschließt das Balcerowicz-Pro­gramm zur Umsetzung der Wirtschaftsreform, was ei­nen radikalen Schock durch die Freigabe der Preise nach sich zieht, aber der Grundstein für die erfolgreiche Transformation sein wird (27.12.). Der Sejm verabschiedet ein Gesetz zur Verfas­sungsänderung, das die grundlegenden Veränderungen im politischen, sozialen und wirtschaft­lichen Sys­tem festschreibt (29.12.1990: Ende der kommunistischen Herrschaft).

Erste freie Wahlen. Unterzeichnung des deutsch-polni­schen Grenzvertrags in Warschau (14.11.), Lech Walesa wird zum Präsidenten gewählt.

1991-2000: Neuorientierung der Republik Polen

Unterzeichnung des deutsch-polnischen „Vertrags über gute Nachbarschaft und freundschaftli­che Zusammenarbeit“ in Bonn (17.06.). Erste demokratische Sejm- und Senatswahlen seit 19266 (17.10.); Aufnahme Polens in den Europarat (06.11.). – 1992: Inkrafttreten der „Kleinen Verfassung“ (07.12.).– 1994: Beitritt zur Partnerschaft für den Frieden (PfP, 02.02.). – 1995: Kwasniewski wird zum Präsidenten gewählt. – 1996: Beitritt zur OECD (22.11.). – 1997: Neue Verfassung tritt am 17.10. in Kraft. Parlamentswahlen (Sejm und Senat - 21.09.). Neue Regierung von Wahlbündnis „Solidarität“ (AWS) und Freiheitsunion (UW). – 1998: Offizieller Beginn der Beitrittsverhandlungen mit der EU (März). – 1999: Aufnahme in die NATO gemeinsam mit Ungarn und der Tschechischen Republik (12.03.). – 2000: Auszug der Freiheitsunion aus der Koalition. MP Suzek regiert weiter mit einer Minderheiten­regierung der AWS (Juni). Wiederwahl Präsident Kwasniewskis für weitere 5 Jahre (08.10.).

seit 2004: Polen als Mitglied der EU: Eine ganz normale Demokratie?

Polen und Litauen seit dem 1. April 2004 Staaten der EU. 2004-2005: Während des Konfliktes um die Präsident­schaftswahlen im Nachbarstaat Ukraine im November/Dezember 2004 engagierte sich der polnische Präsident Alek­sander Kwaśniewski als Vermittler zwischen den Konfliktparteien, während die polnische Öffentlichkeit und die Me­dien in noch nie dagewesenem Ausmaß Solidarität mit Wiktor Juschtschenko übten. Im Herbst 2005 standen die Polen vor entscheidenden Wahlen: Am 25. September wurde das neue Parlament gewählt, zwei Wochen später, am 9. Okto­ber, sind die Präsidentschaftswahlen anberaumt, die wahrscheinlich am 23. Oktober in einer Stichwahl entschieden werden.

Die Wahl zum neues Parlament führte zu einem Richtungswechsel: Das bis dahin regierende Bündnis der „Demokra­tischen Linken“ wurde durch ein konservatives Bündnis abgewählt. Ge­winner ist Jarosław Kaczyński, Führer der na­tional-konservativen Partei PiS (deutsch: Recht und Gerechtigkeit) mit 27 % der Stimmen (152 Sitze) und Donald Tusk von der liberal-konserva­tiven Bürgerplattform PO mit 25% (133 Sitzen). Die radikale Bauernpartei „Selbstvertei­digung“ unter ihrem Vorsitzenden Lepper wird nach bisherigem Stand mit über 12 Prozent drittstärkste Kraft im Parlament. Erst an vierter Stelle kommt die bisherige Regie­rungspartei der „Demokratischen Linken“ mit knapp elf Prozent der Stimmen nach 41 Prozent bei der Wahl im Jahr 2001. Die Wahlbeteilung lag bei unter 40%. Die Regierung wird nicht aus einer Koalition aus der PiS und der PO gebildet und der Ministerpräsident wird nicht automa­tisch der Vorsitzende der PIS Jarosław Kaczyński, da bei der Stichwahl zur Präsidentenwahl sein Zwillings­bruder Lech Kaczyński gewann .

(http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_Polens_%28Die_Dritte_Republik%29)

Vom 19. Oktober 2001 bis zum 2. Mai 2004 regierte Leszek Miller – einen Tag nachdem seine erfolgreiche Politik zum Beitritt Polens zur EU geführt hatte, trat er zurück. Er wollte nicht zu­lassen, dass durch die Regierungskrise die Integration Polens in der EU geschwächt würde. Zu­vor hatten 20 Abgeordnete Millers Sozialdemokratische Partei verlassen und damit die Basis für die Minderheitsregierung weiter geschmälert.

Als Nachfolger wurde der ehemalige Finanzminister Marek Belka ernannt, der durch die Wah­len im September 2005 durch eine konservative Minderheitsregierung unter dem PiS-Politiker Kazimierz Marcinkiewicz abgelöst wurde. Marcinkiewicz war zwischen dem 31. Oktober 2005 und dem 14. Juli 2006 Ministerpräsident, ab Mai 2006 einer Ko­alitionsregierung aus PiS, der ultrarechten Liga Polnischer Familien (LPR) sowie der populistischen Samoobrona („Selbstvertei­digung“) des Bauernführers Andrzej Lepper.

Nach dem Rücktritt Marcinkiewiczs am 7. Juli 2006 ließ sich der Zwillingsbruder des Polni­schen Präsidenten Lech Kaczyński, der PiS-Vorsitzende Jarosław Kaczyński, zum Ministerpräsi­dent der Koalitionsregierung wählen.

(http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_Polens#Die_Regierungen_der_Dritten_Republik)

 
 

Verantwortlich für diese Seite

Gerhard Voigt, OStR i.R. - Kontakt vgl. Impressum

bismarckschule.voigt@gmx.de

Bearbeitungsstand:

Letzte Bearbeitung: 13.04.2010

 
 

top

 

Navigation:

Home ] [ Inhalt ] [Impressum]

Inhalt ] Grundlegende Schriften ] Nation ohne Ausweg? ] Polen und Deutsche ] Jernsson: Historismus ] Polen 1980/81 ] Fachaufsätze ] Didaktische Praxis ] Impressum ]

Nach oben ] [ Anhang I: Geschichtsdaten ] Anhang II: Statistische Daten ] Anhang III: Topographie ] Anhang IV: Literatur ]

Bearbeitungsstand: 10. August 2009

URL: http://www.polen-didaktik.de

Verantwortlich: Gerhard Voigt, vgl. Impressum

eMail: bismarckschule.voigt@gmx.de