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Aus: Junge
Deutsche und Polen begegnen sich. Schüleraustausch und Studienreisen.
Herausgegeben von Lothar Nettelmann und Gerhard Voigt
Wolfgang Jordan, Lothar Kutsch
Ein Schulchor, eine Theatergruppe und
ein Leistungskurs fahren...
Bemerkungen zur Vorbereitung
Zusammenstellung der Austauschgruppe
Da der Reisetermin von polnischer Seite recht
kurzfristig - mit Rücksicht auf die polnischen Ferien - gesetzt war, die
ursprünglich für den Austausch vorgesehene 10. Klasse eine Klassenfahrt geplant
und infolgedessen für die Sommerferien ausgebucht war, andere „französisch
sprechende“ Klassen sich schon finanziell durch ihren Austausch mit Frankreich
verausgabt hatten, war es nicht einfach, eine Gruppe von 25 interessierten
Schülern aus dem Jahrgang 9 und 10 sowie zusätzlich 10 Teilnehmer (statt 20
vorgesehener) für den Chorworkshop zu finden.
Wegen der knappen zur Verfügung stehenden Zeit -
es fanden nur etwa drei Vorbereitungssitzungen statt - konnte eine intensive
geographische, historisch-politische, sozioökonomische und
geistig-kulturelle Einweisung nicht geleistet werden; organisatorische
Aspekte nahmen einen breiten Raum ein.
In einem Vorbereitungsabend wurden die
Eltern und Schüler mit der Vorgeschichte und der Bedeutung dieses Austausches
mit Polen vertraut gemacht; Farbdias und allgemeine Informationen stimmten auf
die Reise ein, das Programm für den polnischen Besuch in Barsinghausen vom 2.
- 10.07.1989 wurde besprochen.
Für die Vorbereitungstreffen wurde den
Schülern eine Materialmappe in die Hand gegeben mit kurzen
Informationen über Geographie und Geschichte Polens, der Städte Warschau und
Lodz sowie ausführlicher Schilderungen über das Kinder-KZ, über das
polnische Schulwesen. Ertragreich erschienen mir die Auszüge aus dem
Reisebuch, Osteuropa - anders Reisen, mit den Themen:
West und Ost - Die Blöcke im Kopf; (zum Thema
„Vorurteile“) Geschichte - Panslawismus und nationale Erweckung; Polen - Nah
und fern zugleich;...
Die Vermittlung konnte aus den bereits genannten
Gründen nur auf der passiven Informationslinie erfolgen.
Psychologische Vorbereitung und
„Bewältigungshilfen“
Angesichts offen von einigen Teilnehmern
geäußerter Abneigung gegenüber dem Reizwort „Geschichte“ kam es besonders
darauf an, den Schülern folgenden Sachverhalt deutlich zu machen:
Geschichte ist in Polen nicht verstaubte
Vergangenheit, sondern allgegenwärtig. Der wichtigste Schlüssel zum Verständnis
Polens ist seine Geschichte. Es kann daher nicht oft genug dazu appelliert
werden, sich peinliche Gesprächs- und Begegnungssituationen aufgrund fehlender
selbstverständlicher Grundkenntnisse zu ersparen.
Die Achtung vor anderen Menschen und Völkern zeigt
sich auch darin, daß man sich bemüht, ihre Geschichte, Probleme, Eigenarten,
eben ihre Identität zu kennen und zu begreifen. Es gilt daher, als Botschafter
des guten Willens im kleinen in Polen aufzutreten - eine Erwartungshaltung, die
vielleicht wieder bei den Schülern ─ngste auslösen mag, weil sie sich
überfordert fühlen? Aber, was uns allen Not tut, ist nicht „gekrümmter Gang,
permanente Sühnebereitschaft, Selbstverleugnung“ („ich schäme mich, ein
Deutscher zu sein“), aber anderes wird verlangt, mit dem wir angesichts unserer
(durch das sog. Wirtschaftswunder bedingten) Größe nicht allzusehr gesegnet
sind: Einfühlungsvermögen.
Die Schüler wurden wegen der Gefahren eines
wachsenden neuen deutschen Überlegenheitsgefühls gebeten, in Polen nicht sofort
die unterschiedlichen Lebensbedingungen miteinander vorschnell zu vergleichen,
um alte Vorurteile wieder zu bekräftigen, sondern sich bewußt zu machen, daß
jede Gruppe/Gesellschaft/Nation ihre eigenen, unverwechselbaren Werte besitzt
und daß keine Nation „bessere“, sondern lediglich „andere“ Werte hat.
Dieses Erkenntnisziel kann natürlich nur am Ende
eines langen Lern- und Erfahrungsprozesses erreicht werden, eine nur
zweimonatige Vorbereitungsphase statt eines ganzjährigen und ein zehntägiger
Aufenthalt im Gastland - angesichts der Sprachschwierigkeiten - reichen nicht
ganz! -
Immer wieder eine Reise Wert: Krakau !
Heute steht Krakau auf dem Programm.
Abfahrt aus Lodz 5.00 h früh. Über den
Wallfahrtsort Czestochowa vorbei an den die Umwelt verpestenden Hochöfen von
Kattowitz - erreichen wir die Perle der polnischen Städte, Krakau - Kraków
Die Wawel-(Schloß-)höhe, wo der König Boleslaw
Chrobry (der Tapfere) um 1020 die erste Kathedrale errichten ließ, bildete wohl
den Keim der Stadt. Seit der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts bis 1596 war
sie die Hauptstadt Polens. Während der polnischen Teilungen war sie kurze Zeit
von 1815 bis 1846 als letzter Rest des selbständigen Polens ein Freistaat, bis
auch sie von Ísterreich einverleibt wurde.
Heute ist Krakau die drittgrößte Stadt Polens.
Berühmt ist die 1364 gegründete Jagiellonische Universität mit mehr als 500 000
Bänden und 7000 Handschriften.
Wie wir auf unserem Rundgang feststellen können,
zeigt das alte Krakau das Aussehen einer deutschen Siedlung: rechteckig ist der
Marktplatz, umrahmt von rechtwinklig sich schneidenden Gassen. Wir machen
unseren Rundgang auf dem sogenannten Königsweg und beginnen am St.Florian-Turm (St.Florian
ist der Schutzpatron der Feuerwehr). Die Floriansgasse, Ulica Florianska,
erinnert mit ihren hübschen Barockfassaden an österreichische Städte wie
Salzburg und Innsbruck. Im Haus Nr.45 besichtigen wir ein CafÚ im Jugendstil -
Treffpunkt der Künstler und Literaten. Frisch verputzte Fassaden wechseln mit
völlig verfallenen, aber zum Wiederaufbau vorgesehenen ab. Pferdestraßenbahnen
und Andenkenverkäufer sorgen für Atmosphäre. Die enge Gasse mündet in den
großräumigen Hauptplatz, den größten und prachtvollsten Marktplatz
Europas (wie das Projekt verspricht): den Krakowski Rynek (Ring).
Seine Mitte schmücken die über hundert Meter
langen Tuchhallen, besonders auffallend durch die Schönheit ihrer monumentalen
Bogengänge. Vor den Tuchhallen herrscht reges Treiben auf dem durch Seile
abgetrennten Flohmarkt (Pchli Targ); für einige Münzen Eintrittsgeld können
sich die durch die Belehrungen unseres übereifrigen Erklärers, der keine
Einzelheit ausgelassen hatte, erschöpften Schüler „Antiquitäten“ erwerben.
An der Ostseite des Ringes ragt die
Marienkirche (Panny Marii), eine dreischiffige gotische Basilika auf dem 14.
Jahrhundert, empor. Von einem der beiden unterschiedlich hohen Türme hatte laut
Legende einst ein Wächter mit einer Trompete vor den angreifenden Tartaren
warnen wollen und war mitten beim Geben des Signals von einem Pfeil getroffen
worden. Zur Erinnerung an dieses Ereignis bläst nun stündlich ein Türmer nach
allen Himmelsrichtungen sein Signal, um es nach drei Tönen abzubrechen.
Im Inneren der Kirche wollen wir den weltberühmten
Marienhochaltar von Veit Stoß bewundern, müssen aber zunächst warten,
bis eine Prozession zum Erntedankfest die Kirche verläßt, um sich kurz danach
hinter dem alten Rathausturm zu einer Veranstaltung der Solidarnosc
umzuformen.(!) Ständig kommen und gehen Scharen von Wallfahrern und Besuchern
aus aller Welt.
Wir durchlaufen die lange Ulica Grodzka - werfen
einen kurzen Blick in die St.Peter und Paul-Kirche, in die älteste Barockkirche,
und erreichen das Hauptziel, den Wawel.
Der Schloßberg ragt südlich der Innenstadt auf dem
Kalkfelsen an der Weichsel auf, er trägt den unter König Kasimir dem Großen 1364
geweihten Dom und das im 16. Jahrhundert gebaute Schloß.
Durch das hochgewölbte Tor betreten wir den
herrlichen Renaissance-Arkadenhof, wo in alten Zeiten farbenprächtige
Ritterturniere und Festlichkeiten stattfanden.
Die Führung durch die zahlreichen Räume und Säle
des Schlosses ermüdet uns leider schnell: überall sehen wir die vom König
Zygmunt August aus besten flämischen Weberwerkstätten eingeführten 136
wertvollen Arras-Gobelins mit Motiven aus biblischer, antiker und polnischer
Geschichte.
In der Kathedrale des Wawelschlosses, des
Krönungsortes polnischer Könige, sind auch die in Marmor gemeißelten Sarkophage
der Herrscher zu bewundern. Vom Sigismund-Turm aus, der die größte polnische
Glocke trägt, kann ich durch ein schmales Fenster einen kleinen Ausschnitt vom
Stadtbild in meine Kamera bannen.
Auf dem Rückweg zum Ring erlebe ich einen Polen,
der am Denkmal des Dichters Adam Mickiewicz laut, aber von der Polizei
unbehelligt, seinen Unmut über politische Zustände, seine Forderungen nach der
Freiheit Litauens und Lembergs hinausruft...
Von der Weichselbrücke, der Most Debnicki, aus
erfolgte die Abfahrt in Richtung Bialka Tatrzanska: Nach diesen „anstrengenden“
kulturellen Studien locken uns die Berge der Hohen Tatra.
Impressionen aus Lodsch/Łódź
„Theo, wir fahren nach Lodsch“ - dieser alte
Schlager, ursprünglich ein jiddisches Lied, das die Sehnsüchte der kleinen Leute
vom Lande auf die Schippe nimmt, die hier ihr Glück machen wollen, geht mir
durch den Kopf.
„Wir laden Sie nach Lodz, der nach Warszawa
zweitgrößten Stadt Polens, herzlich ein“ - locken die Prospekte. „Die
industrielle Bebauung dieser Stadt kontrastiert mit dem üppigen Grün der
Parkanlagen und die modernen Wohnsiedlungen mit dem hier befindlichen
interessantestem Komplex alter Architektur aus dem 19. Jahrhundert.“
Ansehnlich wirkt auf den ersten Blick diese trübe, vom Krieg äußerlich
verschonte Stadt, das Manchester des Ostens, Denkmal der Textilindustrie des
19. Jahrhunderts, gewiß nicht. Zumindest die Altstadt im Zentrum erinnert mich
mit ihren klassizistischen Bauten an der schnurgeraden Hauptstraße, der Ulica
Piotrkowska, den grauen, oft bröckelnden Fassaden, den vielen verfallenen
Hinterhöfen, wo Kohlehaufen auf den Winter warten, den Menschenschlangen vor
den Lebensmittelgeschäften, den geleerten Regalen in den Textilläden, den
lustlosen Verkäuferinnen in den CafÚ-Stehhallen an ähnliche Straßenszenen in
Ost-Berlin. Eleganter und fröhlicher wirken die vielen Jugendlichen, die sich im
EiscafÚ treffen. Einen bunten Farbtupfer bieten auch die vielen Blumenmärkte:
pflegt doch ein Pole gern Blumen zu verschenken - eine Sitte, die wir mit dem
Handkuß zugleich nachahmen sollten!
Sicherlich beweisen die vielen Neubauten rings um
den Stadtkern, vor allem die Häuser im sogenannten „Manhattan“ an der
Mickiewicz-Allee, den ungebrochenen Aufbauwillen des modernen Polen, aber sie
sehen genauso gesichtslos aus wie unsere nach dem Kriege im Eiltempo errichteten
Bauten.
Trotz allem bekundeten Optimismus habe ich den
Eindruck, daß Polen in Wirklichkeit noch immer den Krieg verloren hat und bis
heute dafür bezahlt:
5000 Zloty würde etwa eine bescheidene
Zweizimmerwohnung (das entspräche nach dem jetzigen Kurs dem Wert von DM 2,-!)
kosten, ein Pfund Butter oder 1 kg Fleisch jedoch das Mehrfache!
Ein Arzt verdient nach unserem Geld ca DM 150,-,
ein Facharbeiter das Dreifache. Dieses Ungleichgewicht im Gehalt ist auch für
unsere befreundeten Kollegen demütigend. Durch entsprechendes Bemühen, sich
unter den Schülern Autorität zu verschaffen, versuchen sie wenigstens moralisch
ihren Status bzw. ihr Prestige zu wahren.
Einige Bilder aus dem Prospekt sollen uns noch
einmal die Stadtrundfahrt ins Gedächtnis rufen. Unser Fremdenführer bzw.
„Stadtbilderklärer“, Herr Zdzislaw Zetko-Konicki, erklärte in flüssigem Deutsch
recht viele Bauten, die wir uns aber kaum merken konnten.
Lodz hatte einst einen hohen Anteil an deutschen
und jüdischen Bürgern. Herr Zetko-Konicki, Angestellter im städtischen Archiv,
versicherte, daß er bis zum Kriegsausbruch mit seinen deutschen Klassenkameraden
gut befreundet gewesen sei - und „plötzlich sollten wir von einem Tag zum
anderen Feinde sei?“
Leider blieb uns wegen des vollen Programms keine
Zeit, das Lodz der Museen, Hochschulen, Konzertsäle, Filmateliers, Theater
kennenzulernen oder einen Blick in die ehemaligen luxuriösen Villen und Paläste
der Tuchfabrikanten zu werfen. Nur eine Ausnahme sollte sich bieten:
Unserer Chorgruppe, die wir, Ulrich O. und ich als
Besitzer von Anzügen (!) im Baß verstärken durften, war es gestattet, den Palast
des Industriellen Poznanski zu betreten. Hier hatten wir eines der schönsten
Erlebnisse: In der Pause zwischen unserem Besuch im Krankenhaus „Mutter Polens“
und der Stadtrundfahrt waren wir gebeten worden, zusammen mit dem polnischen
Schulchor im ehemaligen Ballsaal des schloßartigen Palastes, im heutigen
Konzertsaal des Geschichtsmuseums der Stadt Lodz, vor dort versammelten
Veteranen der ehemaligen polnischen Heimatarmee zu singen. Wir blickten in
Gesichter, in die sich die Spuren der Vergangenheit tief eingeschnitten hatten.
Nachdem die Melodien eines lebhaften Begrüßungskanons in englischer,
französischer, polnischer und deutscher Sprache sowie des beliebten Liedes in
lateinischer Sprache (gaude, mater poloniae) in feierlichem Ton verklungen
waren, betrat ein betagter Veteran die Bühne und sagte mit leiser Stimme, die
leider nur die Umstehenden vernehmen konnten, zum deutschen Chorleiter, Herrn
Knappe, sinngemäß: „Es ist schön, daß wir Polen und Deutsche einmal auf andere
Weise zusammenkommen. Ich habe die Deutschen bisher nur in Uniformen und Waffen
kennengelernt. Die Musik ist die einzige Sprache in der Welt, die jeder
versteht, sie kann uns versöhnen.“
Nur wer dabei gewesen ist, kann ermessen, wie
beglückt wir in diesem Augenblick waren. Allein deswegen hätte sich die ganze
Reise nach Polen schon gelohnt.
Trauerarbeit:
Erschüttert stehen wir - nur einen Tag nach dem
Besuch von Auschwitz - im Promienistych-Park erneut vor einem Denkmal, das an
die faschistische Barbarei gemahnt, am Martyrium-Denkmal der eingekerkerten
Kinder: Wir sehen ein Kind, das vor dem gebrochenen Herzen einer Mutter steht. -
Schweigend bilden wir einen Kreis, während zwei Schüler im Namen unserer Gruppe
einen Kranz niederlegen.
Der Besuch eines weiteren ehemaligen KZ, des
Mausoleums des Märtyrertums, an der Stelle des ehemaligen Vernichtungslagers in
Radogoszsz, wo kurz vor der Befreiung bis auf wenige Überlebende zweitausend
polnische Häftlinge bei lebendigem Leibe verbrannten, übersteigt nahezu unser
Fassungsvermögen. Es ist daher nur verständlich, daß einige Schüler erschöpft
abseits sitzen bleiben.
Auch mich erfaßt hier eine tiefe Resignation. Als
ich dem uns begleitenden Herrn Konicki gegenüber meine Betroffenheit mit den
Worten Luft mache: „Das können wir Deutsche nie wieder gutmachen - am liebsten
möchte ich sofort abreisen, um nie wieder nach Polen zurückzukehren...“,
beruhigt er mich: „Das ist doch Geschichte, wir wollen doch trotz der
schrecklichen Vergangenheit an die Zukunft denken. Kommt auf jeden Fall wieder,
wir brauchen Euch doch!“
Er überließ mir daraufhin seine Visitenkarte, die
wohl jeder Pole bei sich trägt...
In Warschau / Warszawa
Um 7.00 h fahren wir mit dem Bus über die Orte
Radogoszcz-Lowicz in die Hauptstadt „Masowiens“. „Warszawa to stolica Polski“
(Warschau ist die Hauptstadt Polens) lautet ein Satz in meinem polnischen
Lehrbuch.
Warschau ist mit seinen eineinhalb Millionen
Einwohnern völlig neu wie „Phönix aus der Asche“ entstanden. Hier, wie an vielen
Orten Polens, sind die Spuren der durchlittenen faschistischen
Terrorherrschaft - die Polen differenzieren nämlich im Unterschied zum Westen
zwischen politischem System und Bevölkerung - besonders sichtbar: Am 1.
September 1939 wurde die Stadt als erste europäische Hauptstadt bombardiert,
vom April bis Mai 1943 erfolgte der Ghetto-Aufstand, während des Aufstandes vom
August bis Oktober 1944 wurde die Stadt dem Erdboden gleich gemacht.
Wir beginnen wie üblich die Erkundung der Stadt
vom Turm des Kulturpalastes aus, einem Wolkenkratzer gder im Stile der
stalinistischen „Zuckerbäckerbauten“ der Moskauer Lomonossow-Universität
nachgebaut worden war. Unten in der Vorhalle gegenüber dem Fahrstuhl begrüßen
uns schweigend die Plastiken der ersten polnischen Dichter, Jan Kochanowski und
Nikolaj Rej. Oben, dem Zugwind ausgesetzt, eröffnet sich uns ein
beeindruckendes Panorama:
Unter uns liegen die weiten Plätze und modernen
Geschäfts- und Hotelbauten, in der Ferne die Altstadt an der im Dunst silbern
schimmernden Weichsel. - Drüben am anderen Ufer, in der Vorstadt Praga, hatte
einst im Herbst 1944 die Rote Armee abgewartet, bis die sich gegen die deutsche
Wehrmacht erhebende polnische Heimatarmee zerschlagen war. Duldete doch Stalin
keine nationale polnische Befreiung aus eigener Kraft. - Am Denkmal dieses
Warschauer Aufstandes legen unsere Schüler einen Kranz nieder: Polnische
Soldaten in deutschen Wehrmachtshelmen steigen wie zum Sturme aus den
Abwässerkanälen empor. Sie erinnern mich an den aufrüttelnden polnischen Film
mit dem Titel „Der Kanal“, in welchem zum Schluß nach verzweifeltem Irren durch
das Netz der Kanäle überlebende Polen einen Ausgang fanden, um von draußen
wartenden „Einsatzgruppen“ doch gestellt zu werden.
Künstlerisch gelungen ist das Denkmal der Helden
von Warschau gegenüber dem monumentalen Operntheater: Die Warschauer Nike
(Siegesgöttin) stürmt offensichtlich herbei, um die Warschauer zum Aufstand
anzufeuern - sie gleicht ein wenig dem bekannten von Ernst Barlach geschaffenen
„schwebenden Engel“.
Wir schreiten an der rekonstruierten alten
Stadtmauer mit Wall und Graben entlang, verweilen an der Statue eines
Kind-Soldaten mit übergroßem Wehrmachtshelm und in den Stiefeln eines
Erwachsenen, vor welcher immer wieder frische Blumen liegen, und betreten
durch die dicken Tore einer Festungsanlage vorm Stadttor Brama Nowoniejska,
durch die sogenannten Barbakane, endlich die Altstadt: Hier schaffen
Künstler, die ihre Bilder zu verkaufen suchen, eine Atmosphäre wie auf
italienischen Plätzen. Auf dem alten Markt, dem „Rynek Starego Miasta“ von einer
Ausdehnung von 75.90 m,
sind die Gerüste vom Vorjahr gefallen, der Blick ist wieder frei auf die frisch
verputzten Renaissance- und Barockfassaden, die uns in das goldene Innsbruck zu
versetzen scheinen. Die von den Touristen so geliebten Pferdekutschen starten
von hier.
In der Gruft der St.Johannes Kathedrale werden mir
von meiner Begleiterin die Gräber berühmter polnischer Künstler und Politiker
gezeigt. Hier, und vor allem im Schloß, wird mir bewußt, wie wenig wir Deutsche
von der Kultur und Geschichte unseres Nachbarvolkes wissen!
Es war schon beschämend genug zu sehen, wie
lustlos und in nicht angemessener Kleidung einige Schüler durch die herrlichen
Säle des neu entstandenen Schlosses, des Zamek, schlurften. Ist doch nicht für
jeden gewöhnlichen Touristen der Eintritt selbstverständlich, zumal die Karten
hierfür nahezu ein Jahr im voraus bestellt werden mußten!
Warum Austausch mit Polen?
Genügt nicht der Kontakt zu Frankreich und den
USA? Dies mögen sich viele Schüler und Kollegen gefragt haben.
Ein Blick auf die Karte genügt: Deutschland
liegt in der Mitte Europas. Wollen wir unsere Einheit auf friedlichem Wege
erringen, sind wir auf unsere beiden großen Nachbarvölker, Franzosen und Polen,
angewiesen. Es ist unsere Aufgabe, sie als unsere Freunde zu gewinnen - schon
Konrad Adenauer hat uns Deutsche auf diesen Weg gewiesen. Die Vergangenheit
legt uns Deutschen eine besondere moralische Verpflichtung gegenüber unseren
Nachbarn auf.
Die deutsch-polnischen Beziehungen haben für
Europas Zukunft eine Schlüsselstellung. Die Geschichte dieser Beziehungen kann
eine tausendjährige Tradition nachweisen - von „Urfeindschaft“ kann keine Rede
sein:
Am Anfang stand die enge Freundschaft zwischen dem
Kaiser Otto III und dem polnischen König Boleslaw Chrobry (um das Jahr 1000),
der sogar Stellvertreter des römisch-deutschen Reiches genannt wurde. Es folgten
die Konflikte während der Zeit der Ostbewegung, wobei die friedliche
Durchdringung Schlesiens durch von polnischen Fürsten ins Land gerufene
deutsche Bauern und Bürger im Kontrast zu den aggressiven Kreuzrittern, den
deutschen Ordensrittern in Ostpreußen, stand; vorbildlich war für Europa das
Zeitalter der Toleranz unter Kasimir dem Großen (1333-1370). Polen wurde durch
die Verbindung mit Litauen der größte europäische Flächenstaat, Wien wurde durch
den Einsatz des Königs Jan III Sobiesky 1683 vor den Türken gerettet, hundert
Jahre später war die freie polnische Adelsrepublik durch die berüchtigten
Teilungen von 1772 bis 1795 eine Beute ihrer expansionslüsternden Nachbarn
Rußland, Preußen, Ísterreich geworden, um bald nach Wiederbegründung des
polnischen Staates im Jahre 1939 zum vierten Mal geteilt zu werden.
Die Beziehungen zwischen Deutschen und Polen sind
von besonderer Art. Die Entfesselung des Zweiten Weltkrieges durch das
Deutsche Reich mit dem Überfall auf Polen, die Erinnerung an den Krieg, die
Inbesitznahme der ostdeutschen Provinzen als Konsequenz des Krieges, Flucht und
Vertreibung der deutschen Bevölkerung, Ansiedlung der ihrerseits aus Ostpolen
vertriebenen Polen in den ehemaligen Ostgebieten steht einer „Normalisierung“
der Verhältnisse im Wege. Es ist daher nur allzu verständlich, wenn für viele
Polen das Stichwort „Deutschland“ die Erinnerungen an den Weltkrieg mit seinem
Vernichtungs- und Versklavungskrieg gegen ganze Völker wachruft. Heute aber -
durch den Warschauer Vertrag von 1970 eingeleitet, und vor allem durch unsere
Sympathie für die Solidarnosc-Bewegung - sind trotz der historischen Belastungen
die menschlichen, wissenschaftlichen und kulturellen Beziehungen zwischen
Polen und Deutschen intensiver als zur Zeit der Weimarer Republik.
In Erinnerung an die andere Seite unserer
Beziehungen, an das jahrhundertelange friedliche Neben- und Miteinander wollen
wir wieder anknüpfen an die vielfältigen kulturellen Beziehungen, an die
vergessene Polenbegeisterung in Deutschland nach dem verlorenen Aufstand von
1830: Wir müssen uns bewußt werden: Ohne Polens Freiheit
gibt es keine deutsche Freiheit und Einheit!
Eine Reise im Oktober 1989 - Reminiszenzen
Erinnerungen an Polen, zumal an die Studienfahrt
nach Polen bleiben unvollkommen und subjektiv. Demzufolge können die folgenden
Gedanken nicht mehr als ein Teil eines Kaleidoskops sein, dessen Teile sich
jeweils der entsprechenden Sichtweise zu immer neuen Varianten formen lassen.
Einige dieser bunten Erfahrungssplitter möchte ich
in Erinnerung rufen.
Es beginnt - wie fast immer - mit der üblichen
Aufregung über das Ziel der Studienfahrt- weniger über die Inhalte. Eine Fahrt
„gen Osten“ wird vom Kursleiter vorgeschlagen und, nach gutem Zureden,
angenommen.
DDR, nichts los, kennen wir, UdSSR, zu teuer, na
ja, dann fahren wir eben nach Polen - es gibt ja auch Zuschüsse. Kurz, die
Begeisterung der Kursteilnehmer hielt sich anfangs in Grenzen und
konzentrierte sich eher auf die Frage nach der Gestaltung der Freizeit. Dies
wurde für einige Kursteilnehmer auch deshalb bedeutsam, weil sich herausstellen
sollte, daß die Reisegruppe aus zwei Kursen bestehen sollte bzw. mußte, um die
Reise genehmigt zu bekommen und finanzieren zu können: dem Lk
Gemeinschaftskunde (Kutsch) und dem Lk Deutsch (Molle).
Um alle auf die Fahrt einzustimmen, wurde deshalb
„freiwillig“ an einem Wochenende ein Seminar im gesamteuropäischen Studienwerk
(Vlotho) veranstaltet. Das Ergebnis war zufriedenstellend: Neugierde und eine
gewisse gesellige Lockerheit schienen eine gute Anfangsbasis für eine
Realisierung der recht hehren inhaltlichen Ziele zu sein.
Immerhin hatten wir uns vorgenommen, „... die
historische und aktuelle politische Entwicklung kennenzulernen und/oder eine
Auseinandersetzung mit den dortigen Gegebenheiten zu suchen, ... ohne daß die
Fahrt zu einem reinen touristischen Ausflug würde.“ Pädagogische Versatzstücke.
Wann wurden sie Realität? Wurde dies Wirklichkeit, als wir an der
deutsch-polnischen Grenze bei Frankfurt/Oder längere Zeit warten mußten, mithin
unsere westliche Freiheit eingeschränkt sahen, oder als wir mit unserem guten
Geist „jolly Jolantha“, wie die Schüler unsere polnische Pilotin
(Reisebegleiterin) nannten, abends durch Posen bummelten und dabei im
Vorbeigehen eines polnischen Ehepaares aus einem Satz immerhin „... Fritz ...“
verstanden und nicht etwas anderes. Oder waren es die Erfahrungen, die die
Schüler in einer Westdisko machten, zu der sie mit „getauschtem Geld“ im Taxi
fuhren, um dann allzu bekannte Diskomusik zu hören, die immerhin zu der
Erkenntnis führt, „... fast wie bei uns!“?
Das Programm sah für Posen ein Referat im
Westinstitut zur Lage der polnischen Jugend vor, und doch führte die Diskussion
immer wieder zur Gretchenfrage in den deutsch-polnischen Beziehungen „Wie haltet
ihr es mit der Westgrenze zwischen Polen und Deutschland?“ Etwas, was bei den
Schülern zu einer sehr offen geführten Diskussion führte. Blieb am Vormittag
jedem die Möglichkeit zu einer persönlichen Meinung - so führte das
inoffizielle Programm (Besuch eines Kinderkrankenhauses zwecks Übergabe
gesammelter Medikamenten) zu Betroffenheit und Nachdenklichkeit.
Abends bei allen verhaltene Aufregung. Was wird
der nächste Tag in Łódź bringen? Auf der Fahrt weitere Eindrücke, nun weites
flaches Land, Weiden sind vermehrt zu sehen, neben Polski Fiat und Trecker auch
Panjewagen. Die Schüler interessieren sich als Mitglieder einer mobilen
Gesellschaft eher für die langen Warteschlangen an den Tankstellen. Jolantha
klärt uns geduldig über Versorgungsengpässe in der Volkswirtschaft und
insbesondere im Konsumbereich auf: „Die Russen lieferten ...“, was aber bereits
für einen Teil schon weniger bedeutsam ist und alsbald zu einer heftig geführten
Kontroverse zwischen unserem Fahrer und Jolantha über Polen an sich und
Sozialismus insbesondere Überging, leider auf polnisch!
Łódź, Industriestadt, empfängt uns mit
Nieselregen. Die folgende Schwierigkeit, sich in unserem Hotel mit dem
Schulleiter unserer Partnerschule, Herrn Olbrychowski vom III Liceum im „Tadeusza
Kosciuszki“ zu treffen, bringt endgültig zur Gewißheit, daß für Polen als
Maßstab gilt: Planung ist eines, Flexibilität aber alles!
Das Programm sieht die obligatorische
Stadtrundfahrt vor, die dann zu einem gewissen Hindernislauf durch die
polnische, aber auch jüngere deutsche Geschichte wird. Nur mit Mühe finden wir
die Gedenkstätte des Arbeitslagers und des Kinderlagers. Eine kleine
Ausstellung wirft Fragen auf. Wissen wir denn, was Holocaust wirklich bedeutet?
Betroffenheit und Nachfragen führen zu einem neuen Programmpunkt. Die Schüler
wollen nun doch noch das KZ Stutthof bei Danzig besuchen. Jolantha will es
ermöglichen. Bis dahin sind aber noch viele andere Aktivitäten geplant. Man wird
sehen. Für den Tag gilt es erst einmal, weitere „interkulturelle Kontakte“ zu
pflegen.
Höflichkeiten werden ausgetauscht, Präsente
übergeben, ein Bäumchen gemeinsam (?) im Vorgarten der Schule gepflanzt,
englische Sprachkenntnisse zögerlich unter Beweis gestellt. Einem in der Schule
eingenommenen Mittagessen folgen gemeinsame sportliche Aktivitäten sowie eine
Vorstellung unserer Schule (per Dia) auf einer Disko.
Dabei wird auch einem speziellen Wunsch der
Schüler Rechnung getragen. Der Kursleiter versucht, sich aktiv am sportlichen
Geschehen zu beteiligen. Resultate spielen ja bei Freundschaftsspielen keine
große Rolle, sagt man. Auch die Disko war nach Schülermeinung aufgrund der
mangelnden Beteiligung eher ein Flop gegenüber den privaten Kontakten am Abend.
Daher fiel der Abschied aus Lodz recht stimmungsvoll aus - wie immer, wenn
Freundschaften geschlossen werden, die dann unterbrochen werden.
Apfelbaumreihen, kleine Stände mit Obst und Gemüse
fliegen am Fenster vorbei - wir sind auf dem Weg nach Warschau. Die Stadt
empfängt uns mit Sonnenschein, einem Grand Hotel mit dem verblichenen Glanz
guter Tage und der Erkenntnis, daß urbanes Leben sogar für Polen schmerzliche
Überraschungen bringen kann. Jolantha wird in der Empfangshalle die Lederjacke
gestohlen. Die Schüler sammeln spontan einen größeren Betrag in DM, aber kann
man damit Erinnerungen ersetzen? Jolantha ist in mehrfacher Hinsicht betroffen.
Warschau, das bedeutet vielfältige Eindrücke. Das
bedeutet z.B. eine alte Dame, die uns auf Kultur und Kunst aufmerksam macht, die
um gegenseitiges Verständnis wirbt und erst später - so nebenbei - vom Überleben
spricht, damals, als sie Kind im General-Gouvernement war, und heute, wo Polen
im Umbruch von einer stalinistisch geprägten Gesellschaft zu einer neuen
Eigenständigkeit ist, in der Rentner auf Suppenküchen angewiesen sind. Die
Eindrücke überlagern sich. Anekdoten zu fürstlichem Leben des letzten
polnischen König Stanislaw, gehört in dem schönen kleinen Schloß, gelegen im
Lazienki Park, oder im Schloßtheater, kontrastieren zu Fotos über Zerstörungen
der Altstadt. Ein Blinder, der auf einem Akkordeon nationalistische Lieder
spielt und mit dem aus allen Ecken schallenden Modetanz Lambada vergeblich zu
konkurrieren sucht. Urbanes Leben bedeutet im Oktober 1989 für Warschau
Streikaufruf der Studentenschaft zugunsten eines eigenständigen Verbandes, das
bedeutet alte und neue Denkmäler, Gedenktafeln, Häusernarben, Nationalembleme,
weiß-rote Fahnen, das ewige Licht, das heißt Pawiak-Gefängnis und Kulturpalast
- ein wenig geschätztes Geschenk der UdSSR. Die Gegenwart interessiert die
Schüler mehr. Die Diskussion mit Herrn Krol, einem Redakteur und Mitarbeiter im
Kik (Klub der katholischen Intelligenz), über die gegenwärtige soziale Lage in
Polen dauert länger als geplant. Die Schüler sind äußerst interessiert - auch
aufgrund der gesammelten Eindrücke und Erfahrungen.
Ein gelungener Besuch im Jazzklub schafft die
nötige Distanz und Zeit zum Nachdenken.
Zur Erholung dient auch die Fahrt nach Danzig,
denn Ermüdungserscheinungen nehmen zu bzw. sind unübersehbar. An den
verbliebenen Tagen purzeln die Programmpunkte bzw. Termine durcheinander,
werden durch neue ersetzt oder abgehakt: ein masurisches Museumsdorf bietet die
Möglichkeit für Jolantha, ein Pferdeeisen als Glücksbringer zu erstehen, dafür
fällt der Spaziergang um den See bei Allenstein zeitlich sehr knapp und die
Stadtrundfahrt ganz aus. Zeitnot droht und führt zur Hektik „... dann machen wir
die Marienburg eben auf der Rückfahrt“.
Danzig heißt, auf den Spuren von Grass
(Blechtrommel) zu wandeln, um dabei auch einen Unverbesserlichen des
1000-jährigen Reiches zu treffen. Oder hat er versehentlich die westdeutsche
Reisegruppe nur falsch eingeschätzt, wie die Schüler meinen? Nur weiter wird
zur Devise. Überall ist Solidarnosc präsent - ein Gespräch über Ziele und
aktuelle Politik vor dem Werfttor bleibt unbefriedigend. Mahnwache und Besucher
haben nicht nur sprachliche Verständigungsschwierigkeiten. In der
Brigittenkirche ruft ein Bildnis der Schwarzen Madonna mit einem T-Shirt, auf
dem Solidarnosc steht, bei den Schülern Verwunderung hervor. Auch Marschall
Pilsudski ist präsent. Geschichte und Tradition sind in Polen lebendig, das ist
nicht übersehbar und wird für jeden einsehbar beim Besuch des KZ Stutthof. Der
nochmalige Versuch, Unfaßbares nachzuvollziehen, scheitert er? Stacheldraht und
gaz kamarowa kann jeder übersetzen, kann man aber auch verstehen? Rückfahrt:
eine kleine Gruppe von Schülern will noch zur Leninwerft und zur Westerplatte,
andere wollen sich über Geschehenes aussprechen, etliche wollen Freizeit. Danzig
wird zu einem besonderen Teil des Kaleidoskops. Wie passen auch die
Blechtrommel, die Orgeln des Marien-Doms oder zu Oliva mit Schwarzhändlern mit
Krim-Sekt (aber bitte nur als Gastgeschenk und bis zu Hause unter Verschluß)
oder der Besuch der Marienburg zusammen? Jeder wird sich sein Kaleidoskop
zusammensetzen, die bunten Eindrücke werden überwiegen.
Es gilt, Abschied zu feiern. Eine letzte
gemeinsame Abschlußbesprechung ist angesetzt. Das Gespräch plätschert so dahin.
Was hat gefallen, was nicht? Ein Punkt, der den eitlen Sonnenschein zu trüben
droht, bleibt die heikle Frage nach dem großzügigen Umgang mit dem Taschengeld.
Was in rund 14 Tagen ausgegeben worden ist, kann für sehr viele Polen das
Einkommen von Monaten sein...
Der Kurs verabschiedet sich fast formvollendet mit
Handkuß und Rosen. Sicherlich nur ein kleines, nichtsdestoweniger aber ehrliches
Dankeschön. Dann aber rasch nach Barsinghausen.
Ein letztes Wort zu Jolantha. Sie als
verständnisvollen und guten Geist zu charakterisieren, der es immer irgendwo
schaffte, unsere Wünsche auch dann noch zu erfüllen, wenn es eigentlich nicht
mehr ging, ist leicht berichtet. Aber werde ich ihr damit wirklich gerecht?
Beschreibe ich damit, was wirklich hinter den
Kulissen einer Fahrt ins „östliche Ausland“ so ablief, wo man bekanntlich keinen
Anspruch mehr auf irgend etwas hat, wenn man nur fünf Minuten zu spät kommt,
auch dann nicht, wenn man bereits bezahlt hat? Vielleicht hat es ja der eine
oder andere Schüler gemerkt, gesagt hat es keiner. Wenn ich an die Polenfahrt
denke, denke ich an....
Inhaltsverzeichnis
Herbert Schmalstieg: Vorwort
Zeitgeschichtliche Notiz 1990
Lothar Nettelmann:
Einleitung: Schüleraustausch - warum mit Polen?
Zur Konzeption
Lothar
Nettelmann: Einleitung 1993. Zu den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen
deutsch-polnischer Jugendarbeit als Folge des politischen Paradigmenwechsels in
Polen und ihrer Bedeutung für die Träger politischer Bildung in Deutschland
Lothar
Nettelmann: Der Schatten der Geschichte im Jahre 1989 -
die Mahnung des 1. September 1939
Ulrich
Bauermeister: Schüleraustausch zwischen jungen Deutschen
und Polen als Auftrag der UNESCO (1989)
Gerhard Voigt: Polenreisen der Bismarckschule
Hannover - Modellbeispiele und
Alternativen
(1989)
Gerhard Voigt:
Polenreisen in Zeiten der gesellschaftlichen Krise [Didaktische Konzeption,
Reiseroute, Reiseziele] (1993)
Lothar Nettelmann, Günther Fuchs, Dr.Wolfgang
Scholz: Der
Schüleraustausch der UNESCO-Schule am Maschsee, der Bismarckschule Hannover
Wolfgang Jordan, Lothar Kutsch: Ein
Schulchor, eine Theatergruppe und ein Leistungskurs fahren...
(1989)
Siegfried Riedel: Schüleraustausch im Geist der Ökumene (1989/1993)
Michael Droldner, Matthias Bömeke:
Ein Schüleraustausch zwischen katholischer
Schule und Pfarrgemeinde (1989)
Werner Fink, Ursula Ruehr: Gedanken zu einem Arbeitsbesuch mit Schülern
im ehemaligen Konzentrationslager Stutthof
(1989)
Dr. Olgierd Lissowski, Poznań: Jugendaustausch
und Politik
(1989)
Piotr Korek,
Poznań: Ein Schüler- oder Schulenaustausch? (1989)
Joachim
Dallwig: Polenkontakte heute (1989)
Aleksandra Hoffmannowa: Neue Freundschaften
(1991)
Gertrud Irmler: Eine polnische Dorfgemeinschaft
lädt Hannoveraner ein (1992)
Phoebe Koch: Verständigung – auch ohne Worte
(1993)
Aleksandra Hoffmannowa: Ein Brief aus Polen...
(1991)
Elisabeth Goldmann: Bericht über den ersten Besuch
einer Gruppe von 20 Schülern der Realschule I, Burgdorf (1993)
Lothar Nettelmann: Thesen zu den veränderten
gesellschaftspolitischen Rahmenbedingungen in Polen und ihre Bedeutung für die
deutsch-polnische Jugendarbeit (1993)
Lothar Nettelmann: Perspektiven für die neunziger
Jahre im Jahre 1990
Henryk Wolkonskis: Ist der Weg
deutsch-polnischer Verständigung am Ziel? Reflexionen 1992
Anhang: Autorenverzeichnis
Impressum für diese Publikation
Herausgeber: Lothar Nettelmann / Gerhard Voigt
Redaktion Gerda Heinemann Lothar Nettelmann
Gerhard Voigt Armin Walthemate
Herausgegeben für die
Deutsch-Polnische-Gesellschaft Hannover e.V. und den UNESCO-Club der
Bismarckschule Hannover e.V.
Junge Deutsche und Polen begegnen sich.
Schüleraustausch und Studienreisen. Hrsgg. von Lothar Nettelmann und Gerhard
Voigt - Hannover: UNESCO-Club für die UNESCO-Schule am Maschsee, Bismarckschule
Hannover, e.V. (An der Bismarckschule 5, Hannover) und Deutsch-Polnische
Gesellschaft Hannover e.V., 1990.
Satz und Layout: Ritterdesign, Laatzen
Printed in Germany
(Schriftenreihe des UNESCO-Clubs für die
UNESCO-Schule am Maschsee, Bismarckschule Hannover, e.V.) 1. Auflage 300
Alle Rechte vorbehalten. Verwendung im Bereich von
Schule und Hochschule ist zugestanden. Nachdruck nur mit Genehmigung der Autoren
bzw. des Herausgebers. Zitate bitte mit vollständigem Quellennachweis.
Internetpublikation auf
http://www.polen-didaktik.de August 2009
Verantwortlich: Gerhard Voigt, OStR i.R.
bismarckschule.voigt@gmx.de
http://www.voigt-bismarckschule.de
http://www.unesco-club-hannover.de
Vgl. dazu
Impressum
Überarbeitet August 2009
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