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Aus: Junge Deutsche und Polen begegnen sich. Schüleraustausch und Studienreisen. Herausgegeben von Lothar Nettelmann und Gerhard Voigt

Zur Originalfassung 1990

Gerhard Voigt

Polenreisen in Zeiten der gesellschaftlichen Krise (Fassung 1993)

1. Die politischen Rahmenbedingungen 1993

Das Dorf Großschönau bei Zittau will eine eigene Bürgerwehr auf ­stel­len. Großschönau liegt unmittelbar an der tschechischen Gren­ze, und seine Bewohner fühlen sich bedroht von ihren Nachbarn, den Tschechen, und von den Polen, die auch nicht weit weg sind. Sie würden stehlen wie die Raben, heißt es, seitdem die Grenze so löchrig geworden ist. Eine Stimmung, die überall vorherrscht in Zittau und Umgebung. Man selbst nutzt den kleinen Grenzverkehr nach Kräften aus: kauft preiswert ein, tankt das Auto voll und sich selber, denn in den Restaurants auf der an­deren Seite ist alles spottbillig. Und die Frauen lassen sich von pol­ni­schen Friseurinnen ihre Dauerwellen legen. Die Nachbarn von jenseits der Gren­ze sollen zwar kommen, um ihr Geld auszugeben – dann aber schnell­stens wieder verschwinden. Am liebsten wäre es vielen, wenn sie dabei auch noch unsichtbar blieben, »diese Polacken«.“

Diese bedrückende Momentaufnahme aus Zittau schildert Heiko GEBHARDT in seinem Artikel »Zittau im Wunderland« im STERN 19/93, S.78, und wirft da­mit ein bezeichnendes Schlaglicht auf die veränderte (oder im Grunde: nie geänderte?) politische Stimmungslage in vereinten Deutschland, in der Äng­ste, Vorurteile und Stereotypen wieder auftauchen, von denen man mei­nte und hoffte, daß sie in der (sozial)demokratischen Ära seit den aus­gehenden sechziger Jahren aufgearbeitet und überwunden worden wä­ren. Eine trügerische Hoffnung. Das Beispiel Zittau steht hier nicht allein für die »neuen Bundesländer«, über deren Sozialpathologie und ihre zeit­ge­schichtlichen Hintergründe vieles geschrieben wurde und noch viel mehr bedacht werden muß, es steht für die politische Krise in ganz Deutsch­land, in der sich ein Stück weit die globalen Krisen widerspiegeln.

Daß, wie Heiko GEBHARDT schreibt, der Versuch des sächsischen Innen­mi­nisters Heinz Eggert – selbst als evangelischer Pastor ehemaliges STASI-Opfer und Symbolfigur für die positiven Seiten des Ver­eini­gungs­pro­zesses –, für Vernunft und über die Grenzen hinausreichende (christ­li­che) Mitmenschlichkeit und für einen selbstkritischen Blick auf die eige­ne Befindlichkeit zu werben, als Angriff auf die wiederentdeckte, ag­gres­siv verteidigte »Ostidentität« verstanden wird – „Schöne Scheiße. Jetzt re­det der auch schon wie ein Wessi“ –, ist bezeichnend dafür, daß der alte Mechanismus, in einer Situation der Schwäche, Zukunftsangst und Orien­tierungsunsicherheit eigene Identität und sozialpsychologische Sicher­heit in der Eigengruppe durch aggressive Feindbildprojektionen zu er­zeugen, in unserer Gesellschaft zum virulenten Verhaltens- und Konfliktlösungspotential der eigenen politischen Kultur gehört und wirksam ge­blieben ist. Orientiert an der tiefenpsychologischen Begründung der »F-Skala« (von »Faschismus-Skala«) von Theodor ADORNO (Studien zum autoritären Charakter, Frankfurt 1973, S. 46 ff.) verbietet es sich, stellt man überrascht die sozialpsychologischen Parallelen zwischen den Nazi-Tä­tern und –Mitläufern und der heutigen dumpfen Aggressivität breiter Be­völkerungsschichten nicht nur aus der Neonazi-Szene fest, noch immer ver­harmlosend davon zu sprechen, daß Bonn nicht Weimar wäre und daß Deutsch­land aus seiner Geschichte gelernt hätte: für große Teile der po­li­ti­schen Elite, für die Intelligenzschichten trifft das ohne Zweifel zu, nicht aber für die Gesellschaft als Ganzes, deren politische Kultur nur un­we­sent­lich von Aufklärung und kritischen Geschichtsbewußtsein durch­drun­gen ist. Darüber ist im Folgenden im Vergleich zur Situation in Polen si­cher noch einiges auszuführen, um einen realistischen Hintergrund für die Begründung und Gestaltung einer politisch und gesellschaftlich bewußten Polenarbeit zeichnen zu können.

Unsere Gesellschaft ist gespalten und zutiefst verunsichert. Vernunft und wertorientierte Lebensentwürfe haben als Leitbilder nur noch geringe Chan­cen, der Rückgriff auf obsolete und anachronistische Verhaltens­mu­ster zeigt, daß die politische Bildung ihre Ziele nicht er­reicht hat, viel­leicht auch gegen das Beharrungsvermögen der In­sti­tu­tio­nen und die mit der Schule konkurrierenden Sozialisationsinstanzen in der internationalisierten Massenmedienkultur keine Chance haben konnte.

Für die Ziele unserer Polenarbeit: interkulturelles Lernen, Frie­dens­ak­ti­vitäten und Gerechtigkeitsvorstellungen vor dem Hintergrund eines ver­ant­wortungsorientierten Geschichtsbewußtseins haben sich die Vor­aus­set­zun­gen und Rahmenbedingungen in gleicher Weise dramatisch ver­schlech­tert wie die äußeren organisatorischen und politischen Barrieren und Hin­der­nisse im geeinten Europa verschwunden sind. So stellt sich für manch einen tatsächlich die Frage, ob in der neuen politischen Situation – mit dem Wunsch Polens nach EG- und NATO-Mitgliedschaft – nicht die politische Ziele der Ost-West-Auseinandersetzung erreicht sind und inhaltlich struk­turierte Polenprogramme mit Städte- und Schulpartnerschaften, Schüleraustausch und Studienreisen als »Nostalgieveranstaltungen frustrierter Sozialdemokraten« zu werten seien.

Das genaue Gegenteil ist der Fall. Die verfestigten staatlich-po­li­ti­schen Konfrontationen sind zerfallen; ein Abarbeiten der pädagogischen Ener­gien an institutionalisierten Konfliktbarrieren und organisatorischen Hemm­nissen von der Visumspflicht bis zur Devisenerklärung ist nicht mehr notwendig – dies ist der erfreuliche Aspekt der politischen Entwicklung. Doch sind diese pädagogischen Energien dringend benötigt für neue oder wieder virulent gewordene Aufgaben im Bereich des interkulturellen Ler­nens und des internationalen sozialen und kulturellen Konfliktabbaues. Jetzt ist es unsere Aufgabe, sensibel und zukunftsorientiert die gesellschaftliche Krisensituation in Europa im Rahmen der globalen Konfliktstrukturen zu erkennen und ihre gefährlichen Dimensionen – Ge­waltbe­reit­schaft, Zivilisationsverluste, Neonazismus und Nationalismus, neuer Ras­sismus bis hin zu Kriegen um „ethnische Säuberungen“ – als pä­da­go­gi­sche Herausforderungen zu begreifen. [Vgl. Gerhard VOIGT, Neonazismus und Ausländerinnen und Ausländer im Unterricht. Hamburg 1993.] Mit un­se­ren Nachbarn und von unseren Nachbarn zu lernen und sich gemeinsam der geschichtlichen Erfahrung zu stellen, ist eine der wenigen Auswege aus der gegenwärtigen gesellschaftlichen Krise.

Wenn kürzlich in einer mahnenden Resolution von hundert No­bel­preis­trä­gern festgestellt wurde, daß ohne eine neue politische Ethik und neues po­litisches Verhalten vor allem auch der Großmächte und der öko­no­mi­schen Führungsmächte, zu denen nicht nur Staaten sondern auch in­ter­na­tionale wirtschaftliche Institutionen (IWF, OECD) und Firmen („Multis“) ge­hören, die manche Staaten an Macht und Einfluß längst übertreffen, die Welt binnen knapp zwanzig Jahren durch Kriege, Sozialzusammenbrüche und ökologische Katastrophen irreversibel zu Grunde gerichtet sein wird, so bestätigt das die hellsichtigen Schlagworte Gorbatschows von der Not­wen­digkeit des »neuen Denkens« und »neuen Handelns« und sein schon sprich­wörtliches Résumé, daß das Leben den bestraft, der zu spät kommt, was nicht dadurch an Aktualität eingebüßt hat, daß Gorbatschow selbst in sei­nem eigenen Lande zu spät gekommen und in gewisser Weise ge­schei­tert ist.

Neues Denken bedeutet für uns vor allem, eine neuen, unbefangenen Blick auf die gesellschaftliche und historische Realität zu werfen, fest­zu­stel­len, daß nicht intellektuelle und analytische Defizite für unsere pre­käre politische Situation verantwortlich sind, sondern daß die Ursachen in einem strukturellen Vermittlungs- und Verständigungsdefizit begründet lie­gen, welches durch dominierende Konfliktbewertungen im Rahmen einer nicht reflektierten Politischen Kultur, in deren Umsetzung in verfestigten In­stitutionen und in der konfliktlösungsungeeigneten Interessendefinition der gesellschaftlichen Subsysteme (Politik, Wirtschaft, Recht u.a.) ver­fe­stigt und perpetuiert wird. Dies ist ein Problem der gesellschaftlichen Kom­munikation, und das bedeutet, daß der Ansatz des interkulturellen Ler­nens im Bereich der Kom­mu­ni­ka­tions­er­zie­hung liegen muß. [Vgl. Niklas LUHMANN, Öko­lo­gi­sche Kom­mu­nikation, Opladen 1986.]

Unsere Gesellschaft hat die Aufgabe, neue und geeignetere Kom­mu­ni­ka­tionsformen zu entwickeln (trotz der resignativen Analyse des Struk­tu­ra­lismus LUHMANNS, daß dies nicht möglich sei), und die Schule muß im Be­reich der politischen Bildung die Grundlage für eine geänderte Kom­mu­ni­ka­tionskompetenz legen. TREUHEIT und OTTEN [Akkulturation junger Aus­län­der in der Bundesrepublik Deutschland. Opladen 1986] sehen in einer auf kri­tischer Kommunikation und Metakommunikation gründenden Pädagogik die Voraussetzung, daß in die schulischen Enkulturationsstrategien auch die Akkulturationsaufgaben bei der Einbeziehung von Schülerinnen und Schü­lern fremder kultureller Herkunft einbezogen werden können, was in ihrer Sicht an die Stelle der traditionellen Ausländerpädagogik treten muß. Auf der Grundlage der bald zum Normalfall gewordenen mehr­kul­tu­rel­len Lerngruppen haben sich daher auch die Konzepte des in­ter­kul­tu­rel­len Lernens in der Schule zu entwickeln. Das verändert die ehdem eher »naiven« Grundlagen der schulischen Polenaktivitäten ganz be­trächt­lich, die sich Anfangs aus der aktuellen politischen Situation einer neuen Ost­politik der BRD und Paritätsvorstellungen im Vergleich zu den Ju­gend­pro­grammen mit unseren westlichen Nachbarn heraus entwickelt hatten. So hat­ten Polenreisen ebenso wie die Schulpartnerschaften mit Polen zu­nächst eher den Charakter wichtiger Zusatzveranstaltungen zum »nor­ma­len« Unterricht, in manchen Schule sogar mit dem Charakter einer »Be­loh­nung« für besonders gute und fleißige Schülerinnen und Schüler. Das hat sich geändert und mußte sich ändern. Interkulturelles Lernen rückt zu­se­hendst in das Zentrum der Unterrichtslegitimation nahezu aller Fächer; ge­mischtkulturelle Lerngruppen machen interkulturelles Lernen nicht nur zur pädagogischen Aufgabe sonder zunehmend auch zur un­ter­richts­me­tho­di­schen Voraussetzung, um fachliche Lernprozesse begründen und ein­lei­ten zu können. In diesem Rahmen haben internationale Programme einen Stel­lenwert erhalten, der sie tendenziell über die fachlichen Ver­mitt­lungsansprüche der Schule hinaushebt. Politische Bildung muß sich daher heu­te als Teil des interkulturellen Lernens in erster Linie als Kom­mu­ni­ka­tions­erziehung verstehen

Dazu gehört vor allem der rationale und angstmindernde Umgang mit der Fremdheit und dem Befremdlichen in und um uns, wobei Be­dro­hungs­ge­fühle und aggressive Abwehraffekte durch Neugier, Verständnis und Er­weiterung der Sozialkompetenz aufgehoben werden sollen. Dabei ist es Ziel, eine Einheit der affektiven Zuwendung und des rationalen Verstehens zu erreichen, was im Sinne der Tiefenpsychologie ein Konzept der »Ich-Stär­kung« beinhaltet.

Dies ist der gesellschaftliche und pädagogische Ort, von dem aus eine neue, erweiterte Grundlegung der Polenaktivitäten im Rahmen des in­ter­kul­turellen Lernens erfolgen muß – im Bewußtsein der heutigen Kri­sen­si­tua­tion unserer eigenen Politischen Kultur und mit Blick darauf, daß diese Kri­se nicht nur unsere Krise ist, sondern mit der gesellschaftlichen Krise in unseren Nachbarländern korrespondiert. Diese Krise läßt sich sowohl durch die objektiven materiellen Daten der Arbeitslosigkeit und Ver­ar­mung, wie dadurch kennzeichnen, daß traditionelle politische Lö­sungs­stra­te­gien nicht mehr greifen: die geschichtliche Erfahrung versagt.

2. Reisen, Begegnen, Wahrnehmen

Eine zentrale Frage unserer Polenarbeit ist es, wie eine strikte Ge­gen­sei­tig­keit des Kontaktes und des Lernens miteinander und aneinander zu er­rei­chen ist, der mit dem Begriff der »Begegnung« belegt werden kann. Nur diese gleichberechtigte Begegnung kann verhindern, daß die ge­gen­sei­tig gespiegelte sozioökonomische Krise als Konfrontation verstanden und funktionalisiert wird, wie es sich im eingangs zitierten Beispiel aus Zit­tau ablesen läßt. Begegnung ist ein komplexer, vielschichtiger Prozeß, in dem sich die eige­ne psychische Struktur – Motivation, Einstellung, Kom­munikationsfähigkeit – mit den Bedingungen der Begegnungen und den Erwartungen und Vor­aus­setzungen des Partners unlösbar ver­schränkt. Die Fähigkeit zur Be­geg­nung ist die Voraussetzung friedlichen Zu­sammenlebens in der ano­ny­mi­sierten Massengesellschaft und über die Gren­zen hinaus Grundlage für die Bereitschaft der Völker, vorbehaltsfrei und friedlich miteinander um­ge­hen zu können. Die weltweiten ge­gen­sei­ti­gen Abhängigkeiten, globalen Ge­fahren – die nur im Zusammenwirken ge­bannt werden können –, öko­no­mi­schen Verflechtungen fordern eine neue in­ternationale Ethik, die an die Stel­le der nationalen Konkurrenzen das Po­stulat der Zusammenarbeit und Gleich­berechtigung – auch im öko­no­mi­schen Bereich – setzt.

Das bedeutet von den Reichen und Mächtigen unabdingbar Macht­ver­zicht und ökonomische Umverteilung. Die nationale Großmannssucht, die im ver­einigten Deutschland wieder Raum greift in europäischer Wa­gen­burg­men­talität, Abwehr von sozialer und politischer Verantwortung gegenüber dem Heer der existenziell gefährdeten Migranten [mit denen möglichst das »siche­re Drittland« Polen fertig werden soll] bei gleichzeitiger Fixierung auf militaristische „out of area“-Einsätze der Bundeswehr, die in bester Orwell­scher »Neusprache« als „friedenssichernde und friedensschaffende“ Ein­sätze deklariert werden [ungeachtet der zusätzlichen Toten und der Per­petuierung militärischer Konfliktlösungsvorstellungen], ist zutiefst ana­chro­nistischen Nationalstaatsvorstellungen entsprungen und zeigt umso deut­licher, daß Konzepte wie nationale, unbedingte Souveränität, Staats­rai­son [deren historische Hintergründe KRIPPENDORFF, 1985, aufgedeckt hat] und das Konkurrenzprinzip der Mächte der geforderten neuen Ethik zu­tiefst zuwider laufen.

Die offensichtlichen Schwierigkeiten in der eigenen Gesellschaft, so­zia­le Solidarität, ökonomischen Ausgleich und vorurteilsfreien, friedlichen Um­gang miteinander durchzusetzen – wobei mit Fug bezweifelt werden kann, ob die derzeit herrschende Elite »in diesem unseren Lande« über­haupt daran interessiert ist, eine solche gesellschaftliche Entspannung zu för­dern –, lassen die Schwierigkeiten erahnen, vor denen erst recht neue in­ternationale Zusammenlebenskonzepte stehen, die das Ziel und das Motiv der internationalen Begegnung sind.

Internationale Begegnung hat mehrere Dimensionen oder, aus einer an­deren Perspektive heraus gesehen, mehrere, aufeinander aufbauende Ebe­nen. Die Motivation der Begegnung wurzelt in der eigenen En­kul­tu­ra­tion und ist damit schon in der eigenen gesellschaftlichen und schu­li­schen Umwelt mit dem Konzept des interkulturellen Lernens zu bewegen. be­vorzugter Rahmen interkulturellen Lernens ist dabei die Begegnung mit dem »Ausländer« in der eigenen Gesellschaft. Dabei ist die Kennzeichnung als »Ausländer« selbst schon problematisch und Ergebnis eines ge­sell­schaft­lichen Definitions- und Zuschreibungsprozesses. Für die in­ter­na­tio­nale Begegnung erscheint es vor allem für die Organisatoren von Schü­ler­austausch und internationalen Begegnungen, für die Multiplikatoren des in­terkulturellen Lernens sinnvoll, vorab in der eigenen Gesellschaft die Be­dingungen interkulturellen Lernens und der Definitionsprozesse des »Frem­den« oder »Ausländischen« zu erfahren und aufzuarbeiten, ehe die Un­befangenheit entsteht, sich der ausländischen Realität offen und kri­tisch zu stellen und Schülerinnen und Schüler in diese andere kulturelle Um­welt einzuführen.

Der Verfasser hat kürzlich in der »Zeitschrift für den Erd­kun­de­un­ter­richt« einige grundsätzliche Ausführungen zu diesem Thema gemacht [In­terkulturelle Erziehung im Erdkundeunterricht und in der Politischen Bil­dung, 1993], deren Tenor im folgenden kurz wiedergegeben werden soll.

Eine Vielzahl von Wahrnehmungs- und Definitionsprozessen bestimmt das Ver­hal­ten und die gegensätzlichen Einschätzungen zwischen Ein­hei­mi­schen und »Aus­län­dern«. [Zum soziologischen Begriff der »Situa­tions­de­fi­ni­tion« vgl. G.FALK und H.STEI­NERT, Über den Soziologen als Konstrukteur von Wirklichkeit. In: STEINERT, Hg., Sym­bolische Interaktion. Arbeiten zu einer reflexiven Soziologie. Stuttgart 1973, S. 13-44, H.POPITZ, Prozesse der Macht­bildung, Tübingen 1968, S. 35 ff.]

Daß dieser Unterschied überhaupt als wahrnehmbar erscheint und als Rea­­lität wahrgenommen wird, ist keineswegs so selbstverständlich, wie es dem All­tags­bewußtsein erscheinen mag, sondern erklärungsbedürftig. Die Dicho­tomie »Aus­länder / Deutscher«, die Aussonderung und Bestimmung des »Fremden« ist das Ergebnis eines gesellschaftlichen Defini­tions­pro­zes­ses. Paß und Staats­an­ge­hö­rig­keit sagen oft etwas ganz anderes aus als die gesellschaftliche Zuweisung nach dem »binären Code« Volks­zu­ge­hö­rig­keit: »Deutscher« oder »Ausländer« [vgl. Niklas LUHMANN, a.a.O., S. 75-100].

Das Instrumentarium zur Untersuchung der schu­li­­schen Prozesse, um die es hier geht, stellen die Soziologie und die So­zial­psy­cho­logie zur Ver­fü­gung, deren Bedeutung für die allgemeine Pädagogik neben den in­di­vi­dual­psychologischen Begründungszusammenhängen in der BRD lange un­ter­schätzt wurde.

Die Einordnung der Schülerinnen und Schüler in eine Kategorie »Aus­län­der« er­folgt zunächst schon in der Lehrererwartung, wenn er zum er­sten Mal vor die Klas­se tritt, und diese Einordnung bestimmt dann in ge­wis­ser Weise sein Ver­hal­ten gegenüber dieser Schülerin bzw. diesem Schü­ler, aber auch gegenüber der üb­rigen Lerngruppe, die er nicht als »Aus­länder« klassifiziert hat. Dieses Leh­rer­verhalten muß nun keineswegs be­nachteiligend oder abweisend sein, es kann im Gegenteil pädagogisch för­dernd und sympathiegetragen sein – es ist auf je­den Fall auch un­ter­schei­dend und damit im Wortsinne »diskriminierend«.

Welche Er­wartungen drüc­ken sich im Lehrerverhalten üblicherweise aus? Lehrerer­war­tung ist fast immer Problemerwartung und steht in der De­fizitperspektive: beim Schü­­ler »Defizite« zu erkennen und als pä­da­go­gi­sche Aufgabe zu ver­ste­hen ist schließ­lich das berufliche Selbst­ver­ständ­nis der Lehrerschaft, Selbst­verständnis der Pädagogik überhaupt. Die grund­sätzliche Über­le­gung, Schüler nicht als »de­fi­zitäre Wesen« wahr­zu­neh­men, und die eigene Rol­le damit als »minder defizitär« ab­zuheben, wirft Fragen auf, die schu­li­sche Erziehung in der Konsequenz frag­wür­dig machen kann und in dieser Per­spektive hier nicht diskutiert werden soll. Ivan ILLICH hat diese Frage ge­stellt und dafür an die Grundlagen des pä­da­­go­gi­schen Selbst­ver­ständ­nis­ses rührende Antworten gegeben [Ent­schu­lung der Ge­sellschaft, Mün­chen 1971 – Vgl. auch: Hartmut von HENTIG, Cuer­navaca oder: Alternativen zur Schule? Stuttgart/München 1971]. Doch sind Überlegungen in dieser Rich­tung für die interkulturelle Er­zie­hung von großer Bedeutung. In der Bismarckschule Hannover, auf die der Ver­fas­ser die vorliegenden Ausführungen bezieht, ist die Frage nach der Be­deu­tung des Begriffes »Ausländer« besonders auch dadurch virulent, als die­jenige Schülergruppe, die aus Lehrersicht vor allem als »ausländisch« und gleichermaßen »defizitär« wahrgenommen wird, die Gruppe der Aus­sied­ler aus Rußland und Polen ist, die sich an dieser Schule wegen das An­gebotes von Russischunterricht sammelt und in der Oberstufe schon einen Anteil von rund einem Viertel der Schülerinnen und Schüler aus­macht.

Diese Gruppe ist zwar recht heterogen, empfindet die Ak­kul­tu­ra­tions­pro­blematik aber besonders scharf, da sie „von Amts wegen“ aber auch auf dem Hintergrund ihrer eigenen Erziehung und ihrer Selbstdefinition Deut­sche sind und z.T. sogar deutschnationalistische Haltungen und Feind­bilder mitbringen. Diese Schülerinnen und Schüler sind keineswegs un­problematisch für den Arbeitsschwerpunkt „Polen“ der Bismarckschule, und es bedarf einfühlsamer pädagogischer Bemühungen, sie nicht wieder aus­zugrenzen und sie in ihrer gestörten Suche nach der eigenen Iden­ti­tät so zu unterstützen, daß sie ihrer polnischen oder russischen Her­kunfts­umgebung unbefangener und angstfrei gegenüber treten können.

Genau diese Aufgabe macht aber die Weiterführung unseres Schü­ler­aus­tausches mit dem heutigen Polen und das regelmäßige Angebot von Be­geg­nungen in Polen und ggf. auch in Rußland durch Reisen und Stu­dien­fahr­ten so wichtig. Die lange Tradition unserer Polenkontakte und die vie­len guten Freunde im polnischen Schulwesen, in den polnischen Uni­ver­sitäten und im Bereich der Publizistik und der akademischen Berufe, die wir im Laufe der letzten fünfzehn Jahre gewonnen haben, erleichtern ein solches intensives Polenprogramm und ermöglichen Informationen und Ein­blicke in die polnische Realität und den polnischen Alltag, die im üb­li­chen Polentourismus nicht vermittelt werden können. Damit stoßen wir wie­der auf die zentrale Bedeutung der Alltagserfahrung, der Politischen Kul­tur, für die sinnvolle Gestaltung der internationalen Begegnungen.

Die Doppelfunktion der Politischen Kultur – not­wen­dige Iden­ti­fi­ka­tions­muster für den Alltag in der Gesellschaft bereitzustellen und gleich­zei­tig Distinktion, Abwehr und Ausgrenzung des »Fremden« als dem »Be­droh­­lichen« zu bewirken – ist damit zentrales Problem der inter­kul­tu­rel­len Erzie­hung und berührt auch die eigene biographische Konzeption und Selbst­sicherheit der Lehrer.

Die Politische Kultur stellt so die Muster, nach denen die Unter­schei­dungs- und Ausgrenzungsprozesse gegenüber der Gruppe der »Aus­län­der« in der Ge­samt­gruppe der Schüler verlaufen; sie ist die Grundlage der gesellschaftlichen Stig­matisierung. [E.LIEBOW, Tally's Corner. Boston 1967]

Die internationale Begegnung, unsere Polenaktivitäten also, in einen über­geordneten, begründeten Zusammenhang zu stellen, verlangt von uns also die Auseinandersetzung mit dem Konzept der Politischen Kultur bzw. der Alltagskultur und seine vergleichende Anwendung sowohl auf die eige­ne Situation, um die eigenen Rezeptionsbedingungen zu überprüfen, als auch auf die Situation des besuchten Landes und unserer Begeg­nungs­partner in Polen, um diese aus ihren eigenen historischen und ge­sell­schaftlichen Bedingungen heraus verstehen und akzeptieren zu lernen. Erst diese Dialektik der Begegnung ist in der Lage, konkret zum Abbau von Stereotypien und Vorurteilen abzubauen – was auch wieder im Prozeß der Begegnung ein beidseitiger Prozeß sein wird: Begegnung ist ver­trau­ens­volle Kommunikation und schließlich Interaktion.

Das »naive Reisen« leistet dies nicht. Sehen ohne zu Wissen führt nicht zum Verstehen: Begegnung verlangt bei aller affektiver Besetzung und Motivation die rationale Fundierung des Verständigungsprozesses.

So sehr die innergesellschaftlichen Bedingungen – Entfremdung, Mo­no­tonie, Institutionalisierung und Arbeitsstreß – Reisen zu Er­ho­lungs­zwecken, auch mit einer gehörigen Prise »Exotikmotivation« und Aben­teu­er­lust gepaart, verständlich und vielleicht auch für den Reisenden selbst als notwendig erscheinen lassen – es liegt mir fern, diese Dimension zu ver­achten und hier zu verurteilen aus der privilegierten Position des ge­si­cherten Lehrers und Beamten heraus –, so muß doch sehr deutlich fest­ge­stellt werden, daß dieses Reisen in keiner Weise zum interkulturellen Ver­ständnis beiträgt, sondern Stereotypien und Vorurteile tendenziell ver­stärkt und innergesellschaftlichen Ausländerfeindlichkeit keineswegs ent­gegensteht! Dies haben vor allem Untersuchungen zu Fernreisen in die »Drit­te Welt« erwiesen. [Vgl. z.B. die Unterrichtseinheit »Eine neue Form der Unterentwicklung: Tourismus – am Beispiel Kenias« in Wulf D. SCHMIDT-WULFFEN, Entwicklung Europas – Unterentwicklung Afrikas. Kassel 1981; oder »Arbeitswut und Müßiggang« in FOHRBECK/WIESAND, »Wir Eingeborenen« – Zivilisierte Wilde und exotische Europäer. Reinbek 1983.] Mit anderer in­halt­licher Konkretisierung lassen sich die kritischen Perspektiven dieser Un­tersuchungen ohne weiteres auch auf die Begegnung mit Polen über­tra­gen. Daß sogar Polenreisen von der »Exotikmotivation« profitiert habe, zeigt die überraschende und, vor dem Hintergrund unserer grund­sätz­li­chen Ausführungen bedrückende, Erfahrung, daß die Attraktivität von Po­lenreisen gerade bei Schülern mit der Erleichterung der Rei­se­be­din­gun­gen, mit dem innergesellschaftlichen Wandel in Polen dramatisch abnimmt: was beweist, daß viele jugendliche Polenreisende der letzten Jahrzehnte wohl eher den Nervenkitzel der innerlich gefürchteten und dämonisierten »Ost­blockambiente« als die Begegnung mit der Realität unseres Nachbarn Po­len gesucht haben, wobei die »aufregenden« Reise durch die DDR wohl noch eine zusätzliche Abenteuerdimension hinzufügte. Doch war hier zumindest eine Klientel, die angesprochen und behutsam auf die eigent­li­chen Ziele der Begegnung hingeführt werden konnte. Heute ist schon oft die Reiseplanung resonanzlos, sicher auch bedingt durch die Abnahme der Glaub­würdigkeit und Attraktivität schulischer Angebote generell mit be­dingt.

Die Zusammenstellung von Reisegruppen erweist heute eher eine Op­tion für die Person des Reiseleiters oder die Attraktivität der Rei­se­grup­pe als solcher. Dies ist bei der Planung unbedingt zu berücksichtigen. Eine [intrinsische] Primärmotivation für das interkulturelle Lernen ist bei Schü­lerinnen und Schülern nur in den seltensten Fällen zu erwarten und ent­spricht der durch die gesellschaftliche Stimmungslage bedingten Ge­ring­schätzung internationaler Kontakte, die wir schon erörtert haben. Eige­ne Initiativen für Polenkontakte sind selten und kommen von Schü­le­rin­nen und Schülern, die in ihrer Bewußtseinsentwicklung auf dem Weg des interkulturellen Lernens schon weiter vorangeschritten sind [und eigent­lich unserer Angebote am wenigsten bedürfen, was übrigens auch in der Struktur von Reisegruppen Erwachsener sichtbar wird, wo, wie z.B. bei Angeboten der Landeszentralen für Politische Bildung oder der Deutsch-Polnischen Gesellschaften, die „Polenspezialisten“ eindeutig do­mi­nie­ren]; dennoch sollten solche Interessen dankbar aufgegriffen und als Nucleï weiterer Polenaktivitäten genutzt werden.

3. Politische Kultur und Alltagserfahrung

Die zentrale Bedeutung der Politischen Kultur für die Konzeption des in­ter­kulturellen Lernens und der Grundlegung der Polenkontakte und Po­len­reisen wurde schon dargelegt. Hier möchte ich noch einen Schritt wei­ter gehen und die Politische Kultur beider Länder – Polens und Deutsch­lands – zum zentralen Gegenstand des Lernens im Rahmen der Begegnung mit Polen und der Vorbereitung von Schüleraustausch und Polenreisen ge­macht sehen.

Das bedeutet eine rationale und kognitiv begründete Aus­ein­an­der­set­zung mit den Lebensformen, den Alltagsverhaltensweisen und dem sozialen und politischen Konfliktverhalten in beiden Länder, und es bedeutet, einen nicht wertenden, aber in gegenseitiger Perspektive kritischen Ver­gleich zu wagen.

Verständnis bedeutet hier die Frage nach den Gründen und den Ur­sa­chen von Verschiedenheiten, von überraschenden und befremdlichen Wahr­nehmungen beim Nachbarn. Damit wird die Wahrnehmungsfähigkeit und die Sensibilität für die Beobachtung alltäglicher Verhaltensweisen ge­schärft. Sinnvoll ist dieses Vorgehen jedoch nur, wenn ein tieferes Ver­ständ­nis nicht nur in einem aktualistischen Vergleich sondern im Ein­drin­gen in die geschichtlichen Hintergründe des Verhaltens gesucht wird.

Historische Studien zeigen, daß heutige Verhaltensformen und Wer­tun­gen, ohne daß sie von der Gesellschaft noch inhaltlich oder funktional ver­standen werden, die historische Erfahrung einer Gesellschaft tradieren und widerspiegeln, d.h.: daß sie rational erklärbar sind, wenn genügend Wis­sen um die historischen Zusammenhänge vorhanden ist. Am Beispiel der Mit­teleuropäischen Gesellschaft, vor allem im Vergleich von Deutschland und Frankreich, hat Norbert ELIAS dieses Erklärungskonzept überzeugend ent­wickelt und schon in den dreißiger Jahren, bei damals geringer Re­so­nanz in der Fachwissenschaft, in seinen Studien in detaillierter Quel­len­ar­beit belegt. Seine Zivilisationstheorie kann heute einen Ausweg aus dem Ver­lust an Erklärungskompetenz der Sozialwissenschaften weisen, die ge­ra­de im Zusammenhang mit den nicht vorausgesehenen Umbrüchen in Euro­pa offensichtlich geworden ist.

Für Osteuropa und damit für Polen fehlen Untersuchungen in diesem theo­retischen Bezugsrahmen noch völlig; sie widersprachen zu sehr den star­ren realsozialistischen Erklärungsmustern für die gesellschaftlichen Trans­formationsprozesse, die allein den Aspekt der Klassenanalyse für re­le­vant und erklärungsmächtig deklarierten. Ein Bezug auf die Be­wußt­seins­inhalte und die gesellschaftliche Wahrnehmung, die die Frage nach der Objektivität des eigenen Gesellschaftsbildes der Wirkungsmächtigkeit der subjektiv und als sinnerfüllt erlebten Geschichtserfahrung nach­ord­net, widerlegt damit durchaus nicht eine kritische Klassenanalyse [gerade ELIAS stellt sich der Frage nach der Durchsetzung herrschender Rea­li­täts­de­finitionen]. Doch wird der Alltag der Menschen, ihr Denken und ihre So­zialkompetenz, ihre Wertung ihrer eigenen Situation als ge­sell­schaft­li­ches Agens erkannt und in ihrer Geschichtsmächtigkeit beschrieben.

Da die Gegenwart durch die kollektiven Erfahrungen der Ver­gan­gen­heit strukturiert und definiert wird, weil sich Menschen so verhalten, wie sie es für angemessen halten und die Maßstäbe für die Angemessenheit im En­kulturationsprozeß von der Gesellschaft vermittelt und in der öf­fent­li­chen Kommunikation als Verhaltensmuster angeboten werden, gibt es keine Exi­stenz außerhalb der Geschichte der eigenen Gesellschaft. Akkulturation be­deutet damit, im Wechsel der gesellschaftlichen Zuordnung zur eigenen ge­sellschaftlichen Geschichte eine weitere kollektiv vermittelte Ge­schichtsdimension hinzuzugewinnen. Das zeigt auch, wie unsinnig die kon­ser­vative Forderung ist, Ausländern das »Deutschsein« als neue, aus­schließ­liche Existenzform im Sinne einer vollständigen kulturellen In­te­gra­tion anbieten zu wollen. Im Gegenteil: Gesellschaftlich notwendig ist es, Deut­schen durch interkulturelles Lernen zur eigenen Enkulturation An­sät­ze einer Akkulturation im eigenen Lande anzubieten, ihr »Deutschsein« zu er­weitern und zu relativieren, um einen kritischen und aktiv gestaltenden Blick auf die eigene hergekommene Existenz und Identität möglich zu machen.

Polenkontakte, Begegnungen mit Polen, sind daher ein dialektischer Pro­zeß: Durch das Erkennen des Unterschiedlichen, durch das Verstehen der Diskrepanzen, affektive Dissonanzen und Befremdlichkeiten zu über­win­den und in einer Erweiterung des Selbstverständnisses die Ge­mein­sam­kei­ten intensiver denn je erfahren zu können. Polenarbeit in der Schule, Or­ganisation von Polenreisen mit Schülerinnen und Schülern, muß die Re­vi­sion der eigenen politischen Sozialisation zum Ziel haben.

Es ist an der Zeit, in ein paar knappen Ausführungen die allgemeinen Be­gründungen am Beispiel Polens zu konkretisieren, um damit zentrale Un­terrichts- und Reisevorbereitungsschwerpunkte anzudeuten und mit ein paar exemplarischen Überlegungen zu vertiefen.

Zur Situation in Polen heute und in Hinblick auch auf ihre zeit­ge­schicht­liche Bedeutung und Dimension hat Lothar NETTELMANN in seinen Auf­sätzen in diesem Heft einiges Grundsätzliches ausgeführt, das hier nicht wiederholt zu werden braucht.

In Hinblick auf die Situation in den achtziger Jahren in der Zeit der Soli­darnosc und des Kriegsrechtes haben NETTELMANN und VOIGT [Polen – Na­tion ohne Ausweg? München 1986] versucht, Erklärungsansätze einer ge­wissen historisch fundierten Allgemeingültigkeit zu entwickeln, die auch heute noch eine Geschichtsanalyse des polnischen Alltages maßgeblich be­stim­men können (Identitätsprobleme, Anachronismen und Struk­tur­de­for­ma­tio­nen). Geschichtsphilosophisch knüpft dies an die Überlegungen von Feo JERNSSON [Polen. München 1971] an, die sich wiederfinden bei F.E.O. JERZYKIEWICZ-JAGEMANN [„Polonitas“, in: Politik Unterricht Aktuell 1/93, Han­no­ver/Verband der Politiklehrer]. Hier werden die Ursprünge der pol­ni­schen Kultur und des polnischen Selbstverständnisses, der „Polonitas“, die deutlich von den staatlich verfestigten Nationalvorstellungen West­eu­ro­pas abweicht, zurückverfolgt auf die Freiheitsideologie der polnischen Adels­republik in der Zeit des Wahlkönigtums der Jagiellonen, und noch wei­ter auf die bäuerliche Staatskonzeption des mittelalterlichen Pia­sten­staa­tes. Schon in diesen kurzen Stichworten ergeben sich auffällige Ab­wei­chungen von der germanisch-fränkischen Adelstradition West- und West­mittel-Europas, die noch verschärft herausgearbeitet werden können, wenn die historische, der Zivilisationstheorie von ELIAS verpflichtete Ana­lyse von Ekkehart KRIPPENDORFF [Staat und Krieg. Die historische Logik der po­litischen Unvernunft. Frankfurt 1985] gegengehalten wird. Zentrale Un­ter­schiede liegen dabei in der militärisch-kriegerischen („ritterlichen“) Tra­dition der germanisch-fränkischen Landnahme und Staatengründung im frü­hen Mittelalter, die sich in der Werte-Tradition des europäischen Hoch­adels tradiert und die Grundlage für die spätere Ideologie der »Staats­rai­son« wird, der im westslawischen Bereich die Tradition des wirtschaftlich-po­litisch weitgehend in autonomen Familienclans lebenden freien Bau­ern­tums entgegensteht, das eine ausgeprägte individuelle Freiheitsideologie ent­wickelt, die ausgehend von der vergleichenden Analyse von J.J.SMOLICZ [Ver­innerlichte Werte und kulturelle Identität, in: NITZSCHKE, Multikulturelle Ge­sellschaft – multikulturelle Erziehung. Stuttgart 1982] der Terminologie von KRIPPENDORFF folgend als „nichtetatistische Vergesellschaftung“ cha­rak­te­risiert werden kann.

Daraus resultiert schon in der Staatenbildungsphase ein grund­le­gen­der Unterschied, der sich in Verhalten und in Wertungen ausdrückt: in Staats­ferne und Partikularismus in Polen, in Institutionalisierungen und Hier­archisierungen in Westeuropa, in Skepsis und Mißtrauen gegenüber zen­tralen staatlichen Herrschaftsinstanzen in Polen und Unterordnung und Loyalität gegenüber Herrschaft und später Staatsraison in West­euro­pa, schließlich in dem auf sich selbst gestellte Sein in Polen, das auch als All­tagsanarchismus bezeichnet und von außen mangels Verständnis als Chaos und „Polnische Wirtschaft“ wahrgenommen worden ist, gegenüber der positiven Bewertung von Ordnung und Herrschaftssicherheit, die letzt­lich zum preußischen Beamtenstaat und in den So­zia­li­sa­tions­struk­tu­ren zum autoritären Charakter führten.

Polen und Preußen sind in dieser historischen Perspektive nicht nur macht­politische Gegner gewesen, sondern sie repräsentieren kontroverse Ent­würfe des Zivilisationsprozesses. Dabei ist deutlich zu machen, daß die Völ­ker diese historischen Wege nicht frei und willkürlich gewählt haben, erst recht nicht durch irgend eine metaphysische »Veranlagung« dazu ge­trie­ben wurden, sondern daß die ökonomischen und politischen Be­din­gun­gen der Staatengründungsphase die entscheidenden Weichen gestellt ha­ben: als Ergebnis der Ereignisse der Völkerwanderung, zum Teil auch noch in einer noch älteren Tradition der spätantiken Zeit, in der sich das Ger­manentum ebenso wie die Kelten kriegerisch mit dem römischen Im­pe­ri­um messen und an ihm messen lassen mußte, ehe diese kulturell und so­zio­ökonomisch weniger differenzierten Volksgruppen das Erbe Roms an­tra­ten – mit den Mitteln der Stammeskriegertradition und des Eroberungs- und Selbstbehauptungswillens –, und in der sich auf der anderen Seite das Westslawentum auf die agrarische Landnahme konzentrierte, eine äl­te­re mythologisch auszudeutende Bruderschaftsideologie, deren Ursprünge noch genauer untersucht werden müßten, zur Grundlage des Nach­bar­schafts­rechtes machend.

Nun ist eine solche historische Weichenstellung für die weitere Ent­wick­lung zwar prägend, aber nicht als Determination oder als un­ab­än­der­li­ches Fatum zu verstehen. Historische Erfahrung einer Gesellschaft wird per­manent an ihrer Bewährung in der Gegenwart gemessen, in ihrer An­wen­dung modifiziert und weiter entwickelt, und schließlich aufs Neue be­stä­tigt und verfestigt oder als untauglich und anachronistisch über­wun­den und abgeschlossen. Doch bleibt auch die als überwunden geglaubte Ver­gangenheit als Teil der Überlieferung in Alltagswertungen, My­tho­lo­gien, in Literatur und Trivialüberlieferung bis hin zum erzählten Witz noch viel länger gesellschaftlich verfügbar und virulent und damit – be­wußt oder unbewußt – in neuen gesellschaftlichen Krisen- und Kon­flikt­si­tua­tionen wiederbelebbar oder funktionalisierbar; gerade eine in­ter­es­sen­ge­lei­tete Machtpropaganda bemüht gerne und erfolgreich solche obsolet ge­wor­denen historischen Wertungen, wie die Funktionalisierung des ser­bi­schen Nationalismus seit den zelebrierten Feierlichkeiten zum Jubiläumstag auf dem Amselfeld für heutige Machtrivalitäten im zerfallenden Ju­go­sla­wien drastisch und blutig zeigt.

Polen ist ein Musterbeispiel dafür, wie sich gesellschaftliche Ver­hal­tens­muster in der Geschichte immer wieder – aus der Perspektive Polens her­aus gesehen – bestätigt und damit verfestigt haben. Nehmen wir hier als zentrales Verhaltenssyndrom die Staatsferne und die All­tags­sub­ver­si­vi­tät. In der bäuerlichen Agrargesellschaft als Rechtsschutz der Familien und Gentes entstanden, formalisierte sich die Freiheitsideologie in der sich entwickelnden Szlachta-Gesellschaft zum liberum veto im Sejm, dem pol­nischen Adelsparlament, und in dem sogenannten Konföderationsrecht, das Verhaltensweisen ausdrücklich bestätigte, die in Westeuropa als fun­da­mentaler Loyalitätsbruch und Landesverrat verstanden worden wären. Bei der inhaltlichen Entleerung der frühslawischen und mittelalterlichen Brü­derlichkeitsvorstellungen, die vordem eine Interessenbalance und eine Vor­stellung von der gemeinsamen Wertbasis garantierte, mußte nun der pol­nische Staat – wenn auch von den Nachbarstaaten darin kräftig un­ter­stützt – an seinen inneren Widersprüchen zerbrechen; die mittelalterliche Frei­heitsvorstellung war obsolet und anachronistisch, für die aktuellen po­litischen Konflikte ungeeignet geworden. Poniatowski hatte das klar er­kannt und versuchte den Polnischen Staat zu modernisieren und eine Phase der Reformen einzuleiten, scheiterte aber letztlich an den Wi­der­sprü­chen der polnischen Staatstradition: In den Polnischen Teilungen er­wie­sen die nationalstaatlich organisierten – in ihrer inneren Struktur il­liberalen und absolutistischen – Nachbarstaaten ihre machtpolitische Über­legenheit. Unter den Bedingungen der neuzeitlichen Ge­sell­schafts­ent­wick­lung hat sich der (pars pro toto) »preußische Verwaltungs- und Na­tio­nalstaat« gegenüber dem polnischen Freiheitsentwurf durchgesetzt.

Geschichte ist widersprüchlich und voller seltsamer Volten. Wäre es jetzt zu erwarten gewesen, daß das Verschwinden des polnischen Staates in der historische Erfahrung als Widerlegung der alten Ge­sell­schafts­kon­zep­tion verstanden worden wäre, daß also eine Wiedergeburt Polens wenn über­haupt dem neuen Nationalstaatenkonzept folgen mußte, geht die Po­li­ti­sche Kul­tur Polens einen anderen Weg. Äußerlich zwar wird nach dem er­sten Welt­krieg Polen als Nationalstaat wieder etabliert. Auch die Volks­re­pu­blik Polen nach dem zwei­ten Weltkrieg folgt dem üblichen in­ter­na­tio­na­len Staatenmuster. Doch die polnische Gesellschaft ist seit den Teilungen mit einer anderen hi­sto­ri­schen Erfahrung konfrontiert gewesen: Staat, wo im­mer er auftritt, ist der oktroyierte, der feindliche, der zu bekämpfende Staat. Individuelles Über­leben ist nur in der Solidarität der Gruppe ge­gen den Staat denkbar und erfolgreich. Das Syndrom der Staatsferne und des Alltags­wi­der­stan­des überträgt sich aufgrund neuer historischer Er­fah­rungen aus der Szlachtazeit auf die neue politische Situation und er­weist für den Einzelnen und die Gruppe seinen biographischen Erfolg für das Überleben unter der Fremd­herrschaft. So wird die Freiheitsideologie nicht in ihrem Versagen im Pro­zeß der Polnischen Teilungen sondern als Über­lebenshilfe in der Zeit der oktroyierten Herrschaft verstanden.

Die kurze Zeit von 1919 bis 1939 genügt nicht zu einer grundlegenden Um­­orientierung der Politischen Kultur; zu schwach und gefährdet, zu we­nig auch innenpolitisch erfolgreich ist dieser neue Staat, der in der deut­schen Ok­kupation 1939 verloren ist. Auch dieses Ereignis bestärkt die Iden­­ti­fi­kation von Staat und Fremdherrschaft, verstärkt die Ideologie der hi­­sto­ri­schen Opferrolle, die in Parallele zu christlichen Vor­stel­lungs­in­hal­ten als Opfer für die Freiheit und Opfer für die Welt, als stellver­tre­ten­des Lei­den überhöht und irrationalisiert wird, wozu die gei­stes­ge­schicht­li­che Di­men­sion des »Messianismus« in der Literatur des 19. Jahrhunderts die ver­fügbaren Bilder und Stereotypen bereit stellt. Individuelles Über­le­ben ist jetzt wieder, in brutaler Realität, nur in der Subversion, im Un­ter­­grund möglich. Drastisch wird Hitler-Deutschland als Erbe Preußens, wie es in der brutalen Germanisierungspolitik Bismarcks im Kontext des preuß­ischen »Kulturkampfes« in der Teilungszeit erlebt worden war, ver­stan­­den und als Gegenentwurf zur eigenen Politischen Kultur wahr­ge­nom­men.

Die Phase der Volksrepublik kann das grundlegende Staats- und Welt­bild nicht revidieren; zu sehr wird der neue polnische Staat als ab­hän­gig, von fremden, sowjetische Interessen gesteuert erlebt; die Gefahr auf der anderen Seite wird durch die revisionistischen Bestrebungen kon­servativer Kreise und Vertriebenenverbände in der BRD als auch nicht ge­ringer geworden wahrgenommen: letztlich eine umfassende neue hi­sto­ri­sche Bestätigung und Bewährung des antistaatlichen Syndroms in der po­li­tischen Alltagskultur Polens.

Diese Überlegungen bewegen sich bislang auf der ge­samt­ge­sell­schaft­li­chen und staatlichen Ebene. In der Tradition ELIAS fehlen jedoch die Be­le­ge aus dem tatsächlichen Alltagsverhalten, aus den alltäglichen Kon­flikt­lö­sungen und dem alltäglichen Umgang mit dem Staat. Gerade hier finden sich didaktisch überaus fruchtbare Ansätze, sich mit Verständnis der Vor­stellungswelt unseres Nachbarn zu nähern und das vielleicht Be­fremd­liche als das in historischer Perspektive Sinnvolle zu akzeptieren.

Für die ältere Geschichte fehlen noch die systematischen Un­ter­su­chun­gen der Quellen zum Alltagsverhalten. Die deutsche Polonistik hat sich diesen Aufgaben noch nicht gestellt, die Forschungsdefizite in Polen selbst wur­den schon weiter oben begründet. Doch werden sich gerade auch in der polnischen Trivialliteratur des letzten Jahrhunderts in­ter­es­san­te und er­giebige Belege finden. Für die Zeit der Adelsrepublik und die noch äl­te­ren Zeiten wird dies auch aus Mangel an Überlieferungen schwer sein, doch sollte ein Versuch lohnen.

Hier kann daher nur aus der unmittelbaren Gegenwart einiges an­ge­deu­tet werden, das einen zweiten, genaueren Blick begründen kann; sicher kann die­ser Aufsatz eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Politischen Alltagskultur Polens nicht leisten, noch nicht einmal in den Fragestellungen hinreichend begründen. Das soll jedoch nicht hin­dern, einige aus der Sicht des deutschen Besuchers zunächst befremd­li­che Fallbeispiele aus den vergangenen beiden Jahrzehnten anzureißen und auf Möglichkeiten einer rationalen Erklärung hinzuweisen. Bei Schü­le­rin­nen und Schülern können damit „Aha“-Effekte provoziert werden, die zu sinn­vollen Diskussionen und zum aufmerksamen Weiterfragen führen kön­nen.

Nehmen wir als ersten Interpretationsanlaß zunächst ein Beispiel aus dem Woh­nungsbau in Danzig. Im Danziger Vorort Oliwa befindet sich eine der größ­ten Plattenbau-Wohnanlagen Nordpolens, in der vor allem Werft­ar­bei­ter der Danziger Werft, ehemals Lenin-Werft, untergebracht sind. Auch Lech Walesa lebte hier mit seiner Familie jahrelang. Dieses Neubauviertel mit durchaus unterschiedlichen Wohneinheiten galt zunächst – ähnlich wie das Märkische Viertel in Westberlin oder Bijlmermeer bei Amsterdam – als be­­sonders fortschrittliches architektonisches Konzept des sozialen Woh­nungs­bau und einer neuen, preiswerten Wohnkultur. Daß sich hier, auch in Oliwa, seither die Beurteilungen, Maßstäbe und Wertungen geändert ha­ben, ist allgemein bekannt. Doch nicht das ist unser Thema. Ver­wun­der­lich erscheint es dem fachlich interessierten Besucher, daß in den Bau­plä­nen einige Hausblöcke an anderer Stelle gezeichnet und geplant wurden, als sie tatsächlich gebaut worden sind, und daß genau bei diesen Blocks die Straßenverkehrsführung einige umständliche Umwege aufweist. Nun wäre es zu einfach, das Schlagwort der „polnischen Wirtschaft“ hier an­zu­wenden. Die Gründe liegen woanders: In der ursprünglichen Planung gab es Probleme mit dem Anschluß der Fernheizung; einige Heiß­was­ser­tras­­sen waren einfach zu lang bzw. in ungünstiger Lage, so daß große Wär­meverluste zu erwarten waren. Auf der Baustelle wurde dann diese Pla­nung unmittelbar vor Ort korrigiert; die befürchteten Mängel konnten durch eine veränderte Anordnung der Wohnblocks vermieden werden; doch der Straßenbau wurde bei dieser Korrektur nicht hinreichend in­for­miert, so daß in einer späteren Ausbauphase in der Trassenführung im­pro­visiert werden mußte. Wo liegt jetzt das der Politischen Kultur ent­spre­chen­de »typisch Polnische« in diesem Beispiel? Sicher nicht in den er­­kann­ten Planungsmängeln und auch nicht in dem Versuch, diese mög­lichst sinn­voll zu korrigieren. Typisch und von üblichen Lösungen in Deutsch­land abweichend war es jedoch, daß die zentrale Planungsbehörde, die Ge­nehmigungsbehörde – also der Staat –, nicht informiert und in die Kor­rek­tur nicht mit einbezogen wurde. Ich interpretiere dies mit dem, meist durch­aus berechtigten Mißtrauen der fachlich kompetenten Bauleiter vor Ort, ob die Veränderungsvorschläge in der Planungsbürokratie über­haupt ver­standen, sinnvoll umgesetzt und jemals rechtzeitig an die Bau­stel­len zu­rück gegeben worden wären. Kennzeichen des polnischen Ver­hal­tens: Mut zur eigenen Initiative, Improvisationstalent und Ablehnung bü­ro­­kra­ti­scher Genehmigungsverfahren. Problem dieses Vorgehens: nicht be­teiligte In­teressen, wie der Straßenbau, die durchaus auch Aspekte des Ge­mein­wohls repräsentieren, werden nicht beteiligt und in der nächsten Hand­­lungs­runde selbst wieder zur Improvisation gezwungen. Das Ender­geb­nis wirt­schaftlichen und planerischen Vorgehens ist in Polen, ver­all­ge­mei­nert man dieses Beispiel, weitaus weniger vorhersehbar als in Deutsch­land; merk­würdigerweise funktioniert es aber doch, oft besser als Groß­pro­jekte bei uns.

Ein negativeres Beispiel soll diese Grundeinstellung noch ver­deut­li­chen. In Gdynia (Gdingen) befand sich jahrelang ein staatliches Be­ton­plat­tenwerk mitten in einer neu gebauten Wohnsiedlung und störte die Wohn­qualität durch Emmissionen und Lärm ganz erheblich, vor allem da die Straßen nicht für die schweren LKW ausgebaut waren. Ursprünglich war dieser Standort wegen der kurzen Wege zu den Baustellen durchaus sinn­voll; später stellte der Staat einen Ersatzstandort bereit und verfügte den Umzug. Nichts geschah. Der angestellte Direktor verweigerte einfach die Kooperation. Das hatte sicher auch Gründe im politischen Machtkampf in der PVAP in Gdingen, in der der Direktor zur privilegierten No­men­kla­tura zählte und zur Kooperation mit übergeordneten Stellen in der staat­li­chen Hierarchie in Warschau nur gegen weitere Einflußkonzessionen be­reit war. Wichtigere Begründung war jedoch, daß er die Produktions­un­ter­brechung während des Umzuges nicht für wirtschaftlich tragbar hielt. Damit hatte er die Unterstützung der übrigen Beschäftigten. In­ter­pre­ta­tion: die lokalen Machthaber und Honoratioren haben eine sichere Haus­macht und dadurch größeren Einfluß als zentralstaatliche Institutionen, die sich oft nicht gegen sie durchsetzen können. Loyalität gegenüber dem Staat und einem wie auch immer definierten abstrakten Gemeinwohl wird we­der erwartet noch gewährt. Respekt genießt derjenige, der sich gegen den Staat durchsetzt, selbst wenn er formal selbst Staatsbeamter ist.

Ein drittes Beispiel, wieder aus Gdingen: die längst notwendige Ha­fen­er­weiterung konnte über Jahrzehnte nicht durchgeführt werden, obwohl die Planungen abgeschlossen, die notwendigen Grundstücke im Besitz des Staa­tes und sogar schon Überquerungsbrücken für Straße und Eisenbahn über das noch nicht gebaute neue Hafenbecken hinweg fertig und im Be­trieb waren. Grund: auf dem staatlichen Grund und Boden hatten sich ohne Rechtstitel seit Jahren Besitzer von in Eigenarbeit erstellten Ein­fa­mi­lienhäusern angesiedelt. Die Sympathie der Bevölkerung lag eindeutig auf der Seite der Häuslebauer. Einen drastischen politischen Konflikt, den eine Zwangsräumung verursacht hätte, konnte und wollte der Staat nicht ris­kieren; die Tradition der Aufstände und Unruhen und ihre Kon­se­quen­zen wie Regierungssturz und Legitimationsverlust des Systems ist allen Re­gierenden nur allzu gut im Bewußtsein. Nun wird von der Stadt mit ho­hem finanziellen Aufwand Haus für Haus abgekauft und neuer Wohnraum be­reit gestellt. Der Hafenausbau hat begonnen. Die Interpretation der Macht­verhältnisse auf dem Hintergrund der polnischen Politischen Kultur braucht hier wohl nicht noch eigens angeführt werden.

Eine Bestätigung für die Ressentiments vieler Polen und der pol­ni­schen Öf­fentlichkeit gegenüber Vertretern des Staates zeigt auch der merk­­wür­dige Stimmungswandel gegenüber dem Arbeiterführer und heuti­gen Staats­prä­sidenten Lech Walesa, der als Vertreter der Solidarnosc im Kampf ge­gen den Staat nahezu uneingeschränkte Unterstützung und Be­wun­derung er­fuhr, mit seinem Aufstieg in das höchste Staatsamt jedoch fast durch­weg Ziel beißenden Spotts und oft peinlicher Witze und Her­ab­set­zungen ge­worden ist. Dabei spielt die Frage nach seiner tatsächlichen per­­sön­li­chen Qualifikation für unsere Interpretation nur eine geringe Rolle (die Rei­he unserer eher zweifelhaft begabter Spitzenpolitiker ist auch lang); in­teressant ist nur der abrupte Stimmungsumschwung, sobald Walesa „die Sei­ten gewechselt hatte“. Es gilt nicht als Ehre und Ver­dienst, im Staat hohe Stellungen zu erreichen, sonder viel eher, spek­ta­ku­läre Erfolge ge­gen den Staat erzielt zu haben. Was das für die Chancen der Über­win­dung der heutigen sozioökonomischen und politischen Krise in Po­len be­deuten wird, ist ein interessanter und längst nicht aus­ge­schöpf­ter Dis­kus­sionspunkt, der auch im Zusammenhang mit der inhaltlichen Struk­­tu­rie­rung von Polenreisen eine gewichtige Rolle spielen sollte, wenn die not­wendige Offenheit und Ambivalenz der Beurteilungskriterien ge­wahrt bleibt.

Letztes Beispiel soll die sich wandelnde gesellschaftliche Rolle der ka­tho­lischen Kirche in Polen sein. Über Polentum und Katholizismus hat Lothar NET­TELMANN, u.a. bezogen auf MECHTENBERG [z.B. in „Ak­tuelle Ost­in­for­ma­tion“ 3/4-90, 3/4-91], Kritisches ausgeführt [S. 18 f.]. Hier genügt der Hin­­weis auf den überraschenden Stimmungsumschwung zu­mindest im städ­­ti­­schen Bürgertum gegenüber der Kirche – unabhängig von den per­sön­­li­chen Glaubensüberzeugungen. War die Kirche in der Zeit vor der po­li­­ti­schen Wende auch hier wie im ganzen Lande unbestrittener und an­ge­se- ­he­ner Garant des Widerstandes gegenüber staatlichen Machtansprüchen, Schutz- und Aktionsraum zugleich, so überwiegt hier neuerdings heftige Kri­tik an Kirche und Klerus, und zwar vom Augenblick an, als die Kirche in der neuen polnischen Republik selbst Gestaltungsansprüche anmeldete und als Konsequenz aus dem erfolgreichen gemeinsamen Kampf gegen die Volks­republik Machtteilhabe einforderte. Diese Auseinandersetzungen sind noch nicht abgeschlossen; möglich ist es, daß sie letztlich zu einem neuen Form des Ka­tholizismus in Polen führen müssen, gerade auch gegen die Op­tionen des polnischen Papstes Johannes Paul II., dem vielleicht gerade mit dem »Sieg« der Kirche in Polen seine eigene Machtbasis entzogen wur­de. Aber das wird die Zukunft zeigen. Festzuhalten gilt, daß diese – schein­bare – Wi­dersprüchlichkeit zum Kernbestand der polnischen Über­le­bens­strategien zählt und Ergebnis des kollektiven Erfahrungsschatzes aus der Ge­schich­te ist. Lassen wir doch deutsche Schülerinnen und Schüler, denen diese Seite Polens nahe gebracht worden ist, einmal darüber re­flek­tieren, wie sich deutsches Alltagsverhalten und staatliches Auftreten aus dem Er­fah­rungs­schatz der deutschen Geschichte herleiten läßt und was somit die Cha­rakteristiken der politischen Alltagskultur in Deutsch­land sind!

Fahren wir nun mit einer Schülergruppe nach Polen, werden wir im Kon­takt mit polnischen Gesprächspartnern und in polnischen Familien mit einem weiteren Zug des polnischen Alltags konfrontiert, der fast allen Rei­seteilnehmern sofort auffällt und der dennoch erklärungs- und in­ter­pre­tationsbedürftig ist: die oft als unmäßig empfundene polnische Gast­freund­schaft. Ausgedehnte Begrüßungsrituale, trotz vielen Küssen und Kör­perberührungen durchaus nicht intim sondern von einer formelhaften Herz­lichkeit, die von Deutschen leicht mißverstanden werden kann; Hand­kuß für die Damen, umständliche und indirekte Ausdrucksweisen, ein­ge­klei­det in hunderte von Höflichkeitsfloskeln [die ohne polnische Sprach­kennt­nisse kaum zu verfolgen sind und im Versuch, sie ins Deutsche zu über­tragen, umständlich und unfreiwillig komisch bis peinlich wirken], aus­giebiges bis übermäßiges Essen und Trinken: was verbirgt sich da­hinter?

Wichtig ist es, daß wir in Deutschland z.B. mit Küssen und Kör­per­kon­tak­ten eine Stufe familiärer oder sexueller Intimität andeuten, die von den pol­nischen Begrüßungsritualen nicht gemeint ist. Sensibilität und Dezenz des eigenen Verhaltens in dieser Situation sind für deutsche Besucher not­­wendig. Daß vor dem Hintergrund unseres Verständnisses dieser Kör­per­sprache in letzter Zeit auch in Deutschland Teile der sich exzentrisch ge­benden jugendlichen »Softie-Kul­tur« ein öffentliches Küßchen- und Schmu­seritual zelebrieren, führt hierzulande nur zu Mißverständnissen und Irritationen, die dem ge­mein­samen öffentlichen Sinnverständnis zuwider laufen. Hier zeigt es sich, wie wichtig für ein konfliktfreies ge­sell­schaftliches miteinander Umgehen die Beherrschung der Semantik der non­verbalen Kommunikation ist, die nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden sollte, auch wenn ihre Kon­tin­genz und historische Bedingtheit of­fen­sichtlich ist und auch erkannt wer­den soll.

Die höhere Ritualisierung des polnischen Alltagsverhaltens ist die dia­lek­tische Kehrseite des Mangels an institutioneller Alltagssicherheit, die sich in der polnischen Geschichte durch die abweichende Form der Ver­ge­sell­schaftung und die nur – aus unserer Sicht – defizitär entwickelten staat­lichen Metastrukturen der Gesellschaft herausgebildet hat. Andere Bei­spiele, wie der islamische Orient, bestätigen die grundlegende Einsicht, daß gering entwickelte staatliche Sicherheit und Festigkeit notwendig eine auf­wendigere Symbolsprache zwischen den Kommunikationspartnern selbst er­forderlich macht, um die Friedlichkeit der Begegnungssituation zu ga­ran­tieren und ein Grundvertrauen für den weiteren Verlauf der Kom­mu­ni­ka­tion, des Handels oder der Interaktion aufzubauen. Auch diese All­tags­ri­tuale sind in Polen bis auf das piastische Mittelalter zurück zu ver­fol­gen. Ein gemeinsames Essen und ein gemeinsames Besäufnis (dem sich die Schü­lerinnen und Schüler aber tunlichst nicht unterziehen sollten) stiftet dauer­hafteren Frieden als lange Erklärungen.

Aber auch in Deutschland lassen sich Relikte solcher frie­dens­si­chern­den Alltagsrituale nachweisen, die in ihrer Bedeutung heute nicht mehr ver­standen werden, z.T. aber gerade in die „ritterliche“ Vergangenheit zu­rückweisen, wie z.B. das Händegeben bei der Begrüßung: Sicherheit da­vor, während der Begrüßung mit der rechten Schwerthand heimtückisch zur Waffe zu greifen. Je länger der Händedruck, desto größer das Miß­trau­en gegen den Partner!

Fassen wir unsere Überlegungen bis hierher knapp zusammen: Po­len­rei­sen sind in der kritischen politischen und sozialen Gegenwartssituation not­wendiger denn je zuvor; der Zusammenbruch der kommunistischen Re­gie­rungssysteme hat mitnichten das „Ende der Geschichte“ herbeigeführt, mit dem wir uns befriedigt zurücklehnen können, sondern im Gegenteil neue Konflikte und Probleme aufgeworfen, gesellschaftliche Konventionen und Legitimationen infrage gestellt und alte anachronistische Situations­de­finitionen und Stereotypen wieder virulent werden lassen, so daß un­se­re internationale Situation und Aktivität neu überdacht und begründet wer­den muß.

Ansätze dazu finden sich im Konzept des interkulturellen Lernens, das sich auf eine primär kommunikationsorientierte Didaktik stützt und in­halt­lich an den Konzepten der Politischen Kultur orientiert ist. Das ist auch ein Versuch, aus der Legitimationskrise einer engen Fachdidaktik hin­aus­zu­kommen und interdisziplinäre, an einer kritischen Realitätssicht zu mes­sen­de pädagogische Inhalte und Methoden zu entwickeln, die der in­ter­na­tio­nalen Begegnung und der Kommunikation über die Stukturen und ge­schicht­lichen Hintergründe der Politischen Kultur eine zentrale Stellung ein­räumen muß.

Im letzten Teil unserer Überlegungen muß aber auch die materielle Er­fahrbarkeit Polens, das was tatsächlich zu sehen und zu erleben ist, in eini­gen Reisebeispielen reflektiert und vorgestellt werden. Das kann und darf sicher keine Reiseführer ersetzen. Ausgewählt wurden Orte und Stät­ten – die auch mit Bildern repräsentiert werden – an denen sich die Be­sonderheiten der polnischen Geschichte besonders gut erfahren und er­leben lassen und wo sich ein Einblick in die „Polonitas“ anbietet. Sicher­lich hat eine solche Auswahl ihre subjektiven Seiten. Die inneren Aus­wahlkriterien lassen sich in den bisherigen Ausführungen ablesen, als äuße­res Ordnungsprinzip kommt die regionale Anordnung hinzu, die sich aus dem Vorschlag für drei – erprobte und bewährte – Reiserouten durch Po­len ergeben.

Zu kurz kommt in diesem Zusammenhang, in dem wir vor allem hi­sto­risch-politisch argumentiert haben, auch der geographische Er­klä­rungs­an­satz, der vor dem Hintergrund der vielfachen Grenzziehungen im Gebiet des heutigen Polens und der daraus historisch-geographisch herleitbaren Dis­paritäten und Strukturdeformationen wesentliche Erklärungsansätze zur heu­­tigen Krisensituation in Polen anbietet. In der Konzeption der vor­ge­stell­ten Reisen spielte auch dieser Aspekt eine Wichtige Rolle. Doch ge­nügt es hier, darauf hin­zuweisen, daß gerade dieses Thema bei NETTEL­MANN/­VOIGT [Polen – Na­tion ohne Ausweg. München 1986] einen Schwer­punkt der Darstellung aus­macht und daß aktuelle Informationen dazu nach­gelesen werden können bei Bronislaw KORTUS [Wirtschafts-räumliche Wand­lungsprozesse in Polen, in: Politik Unterricht Aktuell 1/93. Han­no­ver/­Verband der Politiklehrer].

4. Polenreisen der Bismarckschule Hannover

Die Polenkontakte der Bismarckschule Hannover haben eine lange Tra­di­tion. Die Bismarckschule war eine der ersten bundesdeutschen Schulen, der eine offizielle Partnerschaft gelungen ist. Dazu waren viele bü­ro­kra­ti­sche Hindernisse und politische Widerstände in der BRD wie in der VR Po­­len zu überwinden. Doch die Einbindung in die Städtepartnerschaft zwi­schen Hannover und Poznan, die Zusam­menarbeit mit der aktiven und po­litisch renommierten Deutsch-Pol­nischen Gesellschaft Hannover e.V. und das intensive Engagement des Schulleiters wie vieler Kollegen hat dann schließ­lich auch einen offiziellen beidseitigen Schüleraustausch ermöglicht. Da­rüber wird an anderer Stelle in diesem Heft ausführlicher berichtet. Die Kon­­takte wurden dadurch erleichtert, daß seit Beginn unserer Bemühun­gen vor etwa zehn Jahren regelmäßig Ferienreisen mit Schülern unter der Lei­tung von Lothar Nettelmann, der auch Vorstandsmitglied der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Han­no­ver, e.V., ist, und von Gerhard Voigt (Vor­sit­zender des Verbandes der Politiklehrer e.V., Hannover) durchgeführt wor­den sind und auch für die Zukunft wieder geplant werden. Beide ha­ben ihre langjährigen Po­lenerfahrungen in einer gemeinsamen Mo­no­gra­phie über „Polen – Nation ohne Ausweg?“ 1986 beim Olzog-Verlag in München nie­dergelegt.

Was sind die inhaltlichen Zielset­zungen von Polen reisen mit Schülern? Eine Studienfahrt nach Polen mit einer altersmäßig heterogenen Gruppe muß an die unterschiedli­chen Erfahrungs- und Lebenssituationen an­knüp­fen. Während Schüler vor allem durch eine an schulischen Vermitt­lungs­for­men orientierten inhaltlichen Vorbereitung durch die Einbin­dung der Rei­sevorbereitung in einen übergreifenden Arbeitsschwer­punkt „Polen“ der Schule motiviert werden können, müssen die übri­gen Reiseteilnehmer, El­tern, Kollegen, ehemalige Schüler – und wir legen Wert auf die Ein­be­zie­hung dieser Gruppen in die Poleninitiati­ven! – vor allem durch den per­sönlichen sozialen Kontakt in das Rei­segeschehen integriert werden. So ent­steht ein vielfältiges inhaltliches Programm mit historischen, zeit­ge­schicht­lichen, geographischen, politischen und kulturellen Aspekten.

Neben dem Schüleraustausch mit dem V. Liceum in Poznan wur­den von der Bismarckschule Hannover verschiedene Studienfahrt­programme in Po­len erprobt. An dieser Stelle wird von drei „exemplarischen Reisen“ be­rich­tet, die jeweils in den Osterferien der Jahre 1983, 1985 und 1987 statt­fanden.

Als Organisationsform wurde die Busreise für ca. 30 Teilnehmer mit Hotel­übernachtung (Kat. II) und Halbpension (gebucht bei JU­VENTUR, Wars­zawa) gewählt. Bei einer Reisedauer von ca. 10 Ta­gen entstanden so pro Teilnehmer Reisekosten von ca. 600,- DM, wobei ein Rei­se­ko­sten­zu­schuß der Landeszentrale für politische Bil­dung von 100,- DM pro Teil­neh­mer noch hinzugerechnet werden muß. Leider haben sich die Preise in den letzten Jahren so erhöht, daß reine Schülerreise in dieser Or­ga­ni­sa­tions­form kaum mehr möglich sind. So muß entweder ein Träger der Reise ge­funden werden, der eine eigene zahlungskräftigere Klientel ansprechen kann, aus der heraus die Schüler sozial alimentiert werden können, oder es müssen durch Familienunterbringung, Kombination mit dem Schü­ler­aus­tausch oder Unterbringung in billigeren Herbergen erhebliche Ko­sten­ein­spa­rungen vorgenommen werden. Über die Möglichkeiten einer Zelttour und über Arbeitseinsätze im Rahmen gemeinnütziger Organisationen wie der Aktion Sühnezeichen wird an anderer Stelle diese Heftes berichtet.

Die Programmvorbereitung konnte auf die vielfältigen persönli­chen Kon­takte der Bismarckschule Hannover ebenso zurückgreifen wie auf die Un­terstützung durch die Deutsch-Polnische Gesellschaft Hannover e.V. Seit 1987 wird die Organisation dieser Polenreisen noch stärker in den Ar­beitsschwerpunkt der UNESCO-Projekt-Schulen, zu denen die Bis­marck­schu­le Han­nover gehört, hineingestellt, was be­deutet, daß pädagogische Kon­zepte der interkulturellen Erziehungen bewußt mit berücksichtigt wer­den. Als Trä­ger der Vorbereitung (nicht aber als Reiseveranstalter) tritt seit­her der UNESCO Club für die UNESCO-Schule am Maschsee, Bis­marck­schu­le Han­nover, e.V., auf. Die Betreuung der drei hier vorgestellten Rei­sen über­nahm OStR Gerhard Voigt, Politik- und Geographielehrer an der Bis­marck­schule Hannover. Auf diesem breiten Fundament der inhaltlichen Kon­zep­tion und Vorbereitung war es dann auch möglich, das Reiseangebot über die zunächst angesprochenen Schülerinnen und Schüler der Bis­marck­schule Hannover hinaus für Kollegen, auch von anderen Schulen, ehe­malige Bismarckschüler und Eltern und Freunde der heutigen Schüler zu öffnen.

Wichtig war es uns jedoch, nicht im Sinne eines „Rei­se­ver­an­stal­ters“ öf­fentlich anzubieten (was auch rechtlich pro­blematisch gewe­sen wäre), son­dern eine Gruppe zusammenzustellen, die durch per­sön­liche Be­kannt­schaft und Beziehungen eine eigene inhaltliche Rei­se­motivation entwickeln konn­te, die sich in Vor- und Nach­be­rei­tungs­seminaren und der ge­mein­sa­men Veröffentlichung eines Reise­be­richtes doch wesentlich anders und ge­halt­voller aus­drückte als es bei üblichen kommerziellen Polenreisen üblich ist.

So stand immer das inhaltliche Vermittlungsangebot im Vorder­grund der Reiseplanungen. Dem Thema Polen kann man sich in un­terschiedlicher Weise nähern. Ausgehend von der aktuellen Krise sollte vor allem im Rah­men einer materiellen Analyse der sozioöko­nomische Aspekt in den Vor­der­grund gestellt werden, der sich in der unmittelbaren Beobachtung im Stadt- und Wirtschaftsraum verifizie­ren läßt. Weiter in die Tiefe gehende fach­liche Gespräche, auf die wir bei unseren Polenkontakten großen Wert legen, vermitteln unter­schiedliche Deutungsmuster für die polnische Ent­wick­lung und die historisch-kulturelle Identität dieses Landes. Sehr über­raschend ist es für die Teilnehmer zu beobachten, in wie starkem Maße in Polen geschichtliche Erfahrung präsent ist und heutiges po­li­ti­sches Verhalten prägt. Wie das aus der historischen Erfahrung heraus zu be­gründen ist, wurde in den vorangegangenen Abschnitten aufgezeigt.

Das gilt schließlich in besonderem Maße für die belasteten deutsch-pol­nischen Beziehungen, denen wir uns immer wie der an den Zeugnissen des Naziterrors in Polen und an den Mahnmalen der Okkupationszeit stel­len müssen, um auch selbst einen neuen Zugang zu unserer eigenen Ge­schich­te zu erlangen.

In die Zukunft weist der Kontakt mit den Jugendlichen unserer Part­ner­schule, dem V. Liceum in Poznan. Viele Freundschaften und per­sön­liche, überdauernde Kontakte konnten während der Besuche in unserer Part­nerschaft geknüpft werden, die immer wieder unter neuen fachlichen Schwer­punkten stehen – Sport, Geographie etc. – und von einer Vielzahl von Kollegen, darunter unserem Schulleiter Herrn Bauermeister begleitet wurden.

Unsere Polenkontakte sind ein Hoffnungsträger der UNESCO-Ar­beit! Die drei hier vorgestellten Polenreisen sind insofern typisch und maß­stab­setzend, da sie drei unterschiedliche Routen durch Polen mit einem je­weils dazu spezifisch entwickelten inhaltlichen Informati­onsprogramm dar­stellen:

- die „Nordroute“ (Szczecin, Gdansk, Warszawa, Poznan),

- die „Südroute“ (Wroclaw, GOP, Kraków, Warszawa, Poznan),

- das „Profil“ (Poznan, Gdansk, Warszawa, Kraków, Wroclaw).

Die Intensität der Begegnung mit den einzelnen Städten und Re­gionen ist natürlich durch die jeweiligen inhaltlichen Programm­schwerpunkte be­dingt; für die Bismarckschule Hannover ist der Be­such in Posen (Poznan) durch die Schulpartnerschaft mit dem dorti­gen V. Liceum natürlich für je­de Reiseplanung eine besondere At­traktion und die Chance für die Schü­ler zur persönlichen Begegnung mit Gleichaltrigen. Hier berühren sich Schulpartnerschaftsarbeit und Reiseprogramm unserer Schule, die sich beide gegenseitig stützen und intensivieren – auch eine Aufgabe der be­wußten UNESCO-Projektschul-Arbeit!

In den knappen Anmerkungen zu den drei Reisen soll, durch Fotos un­terstützt, ein erster Eindruck von Routen- und Programmplanung und der inneren „Dramaturgie“ einer jeden solchen Reise vermittelt werden.

Erläuterungen zur Konzeption der „Nordroute“

Erläuterungen zur Konzeption der „Nordroute“

Die „Nordroute“ führt durch die strukturschwächeren Regionen Po­lens, in denen durch das ehemalige Vorherrschen des Großbau­erntums ebenso wie durch die geographischen Lagenachteile die in­dustrielle Entwicklung zurückgeblieben ist.

Polens Entwicklung wird vor allem von den Industriegebieten des Südens gesteuert.

Eher isoliert, aber dafür modellhaft für eine ganze Skala pol­nischer Probleme, sticht daher der Agglomerationsraum der „Dreistadt“ Gdansk-Sopot-Gdynia heraus. Eine Route, die zunächst über Szczecin durch die pommerschen Moränen- und Dünengebiete führt und dabei der wechselvollen Geschichte dieses deutsch-pol­nischen Durchdringungsraumes nachgeht, findet dann in Danzig einen inhaltlichen Schwerpunkt, der in seiner Spannweite ausgereizt werden kann.

Geschichtliche Tiefe (Langer Markt, Marienkirche, Krantor), zeit­geschichtliche Problemlagen (Polnischer Korridor, Freie Stadt Dan­zig, Gründung von Gdingen), der brutale Einschnitt von Okkupation und Krieg (Westerplatte, Stutthof) und Brennpunkte der Nachkriegs­entwicklung (Wiederaufbau, Unruhen 1970/71, Nucleus der Solidar­nosc-Bewegung) geben dieser alten Stadt Aktualität und exemplari­sche Bedeutung.

Dies kann am Beispiel der Arbeiterdenkmäler erläutert werden:

Polen lebt mit seinen Widersprüchen. Die von der Solidarnosc er­richteten Denkmäler in Posen - in Erinnerung an die Aufstände vn 1956 - und in Danzig - in Erinnerung an die Unruhen von 1970/71, Ereignissen, die jedesmal Todesopfer forderten und dabei zu Ablö­sungen in der Staats- und Parteispitze führten - überdauerten Kriegs­recht und Verbot und haben im Bewußtsein dieser Städte „offiziösen“ Charakter angenommen. Sie sind Anlaß, sich mit dem Problem des Konfliktes um Staatsloyalität und Gruppenidentität, mit der grundsätzlich anderen (vielleicht auch positiv zu wertenden?), skepti­schen Haltung der polnischen Bevölkerung zur Staatsautorität zu beshäftigen. Hier lernt der Schüler, vielleicht anwendbar, was Zivil­courage bedeutet, ganz im Gegensatz zu den heute wieder bevorzug­ten affirmativen Gesellschaftsbildern.

Warschau als zweiter Großstadt (nach einem Besuch von Mal­bork auf dem Wege) führt dann wieder in die großstädtisch-metropo­litane Realität der Gegenwart und kann Ort für vorbereitete Gesprä­che und Kontakte sein, die zu einer ersten Sichtung und Klärung der eigenen Eindrücke beitragen. Der Besuch in Posen zum Abschluß der Reise vertieft diese persönliche Besinnung und ist Atemholen wie Abrundung der Polenerfahrungen. An einigen Fotos sollen die Erfah­rungsmöglichkeiten verdeutlicht werden:

Gdansk (1) Blick von der Marienkirche auf die Altstadt. Danzig ist in mehrfacher Hin­sicht ein lohnendes und aufschlußreiches Reise­ziel. Stellt sich doch hier sehr intensiv, wenn man die historischen materiellen Zeugnisse zu sehen und zu deuten weiß - was, übrigens, einiger vorheriger historischer Infor­mation und Einstimmung bedarf -, die Frage nach den deutsch-polnischen Beziehungen, nach der Ge­schichte des Zusammenlebens, nach Kulturkon­takt und auch, tragi­scherweise, Konflikt, Krieg und Okkupation!

Gdansk (2) Langer Markt. Die Restaurationsbemühungen und - erfolge, die Polen in den kriegszerstörten Städten gezeigt hat, bewahren ge­samt­eu­ropäisches Erbe der polnischen wie der deutschen Geschichte - ein not­wen­diger Akt der Selbstfindung und Selbstbehauptung nach dem Versuch der deutschen Okkupationsmacht, die polnische historische Identität zu vernichten.

Gdansk (3) Vortreppen der Mariengasse (Mariacka) im Schnee. Die Funktion der Alt­stadtgassen hat sich nach dem Wiederaufbau ge­ändert.

(3a) Jetzt finden sich hier, tourismusorientiert, Schmuckhändler, Kunsthandwerker u.ä.

Gdansk (4) Krantor, alter Hafen. Das alte Symbol dieser Stadt wird bald wieder in eine mittelalterlich wirkende „Speicherfront“ einbezogen sein. Der Übergang von Restauration und Nostalgie ist fließend. Die sozialen Probleme der Großstadt müssen anders und anderswo gelöst werden. Eine Fahrt in die Wohnsiedlungen um Dan­zig herum, im Stadtteil Oliwa - mit dem längsten Hochhaus Polens -, in die wilden Laubensiedlungen um Gdynia herum, die sogar schon eine Hafenbeckenerweiterung verhindert haben, in die Arbeitersied­lungen am Hafen rückt die Nostalgie wieder auf den gebühren­den Platz. Besucher müssen beide Seiten des heutigen Polens sehen: das ingenieuse Kulturland in seinem Geschichtsbewußtsein und seinem nationa­len Zusammenhalt und das wirtschaftlich ausgepowerte, von sozialen Kri­sen bedrohte Staatswesen, das nun seit Jahrzehnten ver­bissen aber recht er­folglos um eine grundsätzliche Reform von Staat und Gesellschaft ringt. Beides ist für die Zukunftsperspektive gleich wichtig. Nur deutschtümelnde Reminiszenzen und besserwisserische Einmischungen von deutscher Seite her sind unerwünscht und deplaziert.

Gdansk (5) (Foto: Wehking) Orgel im Dom von Oliwa. In der hi­storischen Abteikirche Kirche, in der 1660 der Frieden von Oliwa ge­schlossen wurde, der die langjährigen Schwedischen Kriege been­dete, finden auf der barocken Monumentalorgel regelmäßig Or­geldemonstrationen statt - ein beeindruckendes Klangerleb­nis.

Gdansk (6) Arbeiterdenkmal vor der Leninwerft. - Polen lebt mit seinen Wider­sprü­chen. Von der Solidarnosc illegal errichtet, wurde dies Denkmal erst zu ei­ner Sehenswürdigkeit und dann zum Kristallisationspunkt eines neuen Staatsverständnisses.

Poznan (7) Bus vor dem V. Liceum, der Partnerschule der Bis­marckschule Hannover. Für die „Dramaturgie“ einer Polenreise hat es sich als sehr vorteilhaft her­ausgestellt, einen „festen Anlaufpunkt“, in unserem Falle unsere Partner­schule in Posen zu haben, wo durch langjährige Kontakte und gegenseitige Besuche schon Vertrauen und Vertrautheit und das Angebot persönlicher Beziehungen existieren, die auch den polenunerfahrenen Schüler einbinden und einbeziehen. Doch sollte diese „Fermate“ einer Reise nicht gleich am Anfang ste­hen, um das „Ertasten und Beobachten“ der polnischen Realität durch jeden einzelnen Reiseteilnehmer nicht zu behindern.

Poznan (8) Rathaus bei Nacht, Flutlicht (Foto: Wehking) - Reise­ästhetik und „Genuß und Geschmack“ können trotz der Gefahr, manipulierend zu wirken und Vorurteile zu bestätigen, eingebunden in eine auf inhaltliche Vermittlung angelegte „Reisedramaturgie“ ein Ferment der Zuneigung und der emotio­nalen Verankerung des Polenbildes werden.

Eine Polenreise im „Nord-Süd-Profil“

Diese Route ist wegen ihrer Länge und Vielfältigkeit eher problema­tisch und verlangt besonders motivierte Teilnehmer der Reisegruppe. In Teilstücken folgt sie den beiden anderen Routen, doch setzt sie weniger deutliche städtische Schwerpunkt, ist dynamischer im Ab­lauf und gewinnt ihren Reiz vor allem aus der Abwechslung und dem Vergleich, der zwischen Nord- und Südpolen gezogen und durchaus gehaltvoll ausgewertet werden kann. An die Reiseleitung sind recht hohe Anforderungen gestellt, wobei sich eine geographische Schwer­punktsetzung anbietet.

Positiv hat es sich hier ausgewirkt, wenn wir die Reise verankern mit einer ersten etwas intensiveren Beschäftigung mit der zentralen und eher mitteleuropäisch wirkenden Landschaft Wielkopolskas um Posen und Gnesen. Diese beiden historischen Städte lenken das In­teresse auf die Piastenzeit, die Geburtsstunde Polens.

Eine Reihe von Museen und historischen Grabungsgeländen (Biskupin) machen diese Beschäftigung anregend und spannend.

Neben diesem kleinräumigen Einstieg wird der Blick auf die Größe Polens im Profil von Danzig über Warschau bis Krakau umso überzeugender.

Danzig und Krakau müssen exemplarischer und geraffter besich­tigt werden als bei den beiden anderen Routen; Städtebau, Stadtge­schichte, Stadtsanierung und heutige sozi-ökonomische Probleme können hier im Vordergrund stehen. Dabei sollte man sich der Unter­stützung durch örtliche Fachleute versichern. Der urbane Mittelpunkt der Reise, Gegenstück zu Posen am An­fang, ist dann Warschau, wo diesmal die historische und aktuell-po­litische Schwerpunktsetzung des Fahrtablaufes erfolgt.

Um das ganze Gewicht der Zeitgeschichte zu erleben, sollte je­doch unmittelbar vor dem Warschauaufenthalt auf einen Besuch in der KZ-Gedenkstätte Stutthof bei Danzig nicht verzichtet werden. Bei einer Umkehrung der Route sollte entsprechend die Gedenk­stätte Auschwitz im Programm auftauchen. Krakau und das oberschlesi­sche Industrierevier ermöglichen dann noch einmal industriege­schichtliche Besichtigungen und, wenn ent­sprechend vorbereitet, Be­suche in polnischen Industriebetrieben, bei denen vor allem Gesprä­che mit Betriebsleitung und Gewerkschafts­vertretern interessant sind. Wieweit die Zeit zu einem abschließenden „Atemholen“ in Breslau noch reicht, hängt dann von der individuel­len Reiseplanung der Gruppe ab; für uns war die Zeit von 11 Tagen für das Gesamtpro­gramm eher zu kurz. Auch diese Reise soll durch einige Fotos doku­mentiert werden.

Warszawa (9) Popieluszko-Grab

Das Thema Polen und der Katholizismus kann hier nicht vertieft werden. Es wird sicher ein wichtiger Punkt jeder Reisevorbereitung, der Gespräche in Polen und der eigenen Beobachtungen sein. Die emotionale Macht der Kir­che wird in der Verehrung des von staatli­chen Sicherheitsorganen ermor­deten Pater Popieluszko deutlich. Der überreiche Blumenschmuck, der jetzt seit Jahren sein Grab ziert, und die regelmäßige „Messe für das Vaterland“, die hier aus der Kirche durch Lautsprecher einer tausendköpfigen Menge übertragen wird, sprechen beredt Zeugnis...

Warszawa (10) Ghettodenkmal

Das Ghetto wurde von deut­schen Soldaten nach dem blutig niedergeschla­genen Ghettoaufstand dem Erdboden gleichgemacht. Das berühmte Denk­mal ist Erinnerung an dieses Geschehen und Mahnung zugleich. Willy Brandt hat das richtig gespürt, als er hier in Ehrfurcht vor den Opfern nie­derkniete und damit ein neues Kapitel der deutsch-polnischen Beziehungen möglich machte. Diese Bezüge, Kontinuitäten und historischen Ver­ankerungen der Gegenwart deutlich und bewußt zu machen, ist Auf­gabe ei­ner Polenreise mit Schülern.

Warszawa (11) Altstadtmarkt

Ganz Warschau wurde nach dem Warschauer Aufstand von deutschen Truppen dem Erdboden gleich­gemacht. Es war eine schier unmögliche und von Polen doch bewäl­tigte Leistung, die alte Stadt wiederaufzubauen und dazu ein moder­nes Warschau zu entwickeln. Nicht alles ist zuende geführt. Wo in den letzten Jahren sogar das Schloß wieder erstanden ist, setzen die zunächst rekonstruierten Häuser am Altstadtmarkt selbst schon wie­der Pa­tina an; auch Zeitgeschichte ist Geschichte, die Spuren hinter­läßt. Wir ler­nen in Polen mehrschichtig denken.

Warszawa (12) „Fliegender Händler und Drehorgelspieler“ auf dem Altstadtmarkt. Eine folkloristische Szene für Touristen.

Anmerkungen zur „Südroute“:

Bei der Südroute - Einreise über Wroclaw/Breslau - ist Kraków Zentrum und Angelpunkt, ähnlich wie bei der Nordroute Danzig. So ist die „Dramaturgie“ dieser beiden Reisen sehr ähnlich, auch was den abschließenden Besuch in Posen angeht (aus bestimmten äußeren Umständen mußte unsere letzte Reise in den Süden hier Abstriche machen; doch bleibt unsere Empfehlung für einen Aufbau der Süd­route wie im Folgenden beschrieben bestehen).

Breslau führt, auch im Blick auf die noch deutlich sichtbaren „Narben“ aus der Kriegszeit, als ein Wahnsinnsbefehl der deutschen Führung Breslau zur „Festung“ machte und damit ihre völlige Zerstö­rung geradezu provozierte, tief in die wechselvolle Geschichte der deutsch-polnischen Beziehungen hinein. Der Weg nach Krakau führt dann auch bald zum unbegreiflichen Schreckensort Auschwitz.

In Krakau selbst bietet sich eine solche Vielfalt thematischer Schwerpunktsetzungen an (Industrie/Nowa Huta, Städte­bau/Stadtsanierung, Geschichte der Jagiellonen, Bergbau von Wie­liczka bis Tarnowskie Gory, Kultur, Buchläden, Kunstgallerien und vieles andere), daß hier darauf nicht weiter eingegangen werden kann.

In Krakau lohnen sich auch individuelle „Streifzüge“ der Fahrt­teilnehmer. Warschau als zweiter Schwerpunkt - u.U. nach einem Besuch in Czestochowa - tritt dann wieder, ebenso wie abschließend Posen, in gleicher Funktion auf wie bei der Nordroute.

Wenn die Zeit reicht kann bei den Routen ein Tagesaufenthalt in L¾dz noch erheblichen thematischen Gewinn bringen. Gerade nach den industriegeographischen Themen des Südens - Bergbau und Metallverhüttung - bietet die manufakturell verwurzelte Textilindu­strie noch eine zusätzliche Perspektive zur Beurteilung der Wirt­schaftsgeschichte Polens und Osteuropas. Zu den zeitgeschichtlichen Aspekten eines Aufenthalts in L¾dz finden sich nachfolgend Anmer­kungen bei den Fotos.

Łódź (13) Textilindustriemuseum

Łódź wird (als „graue Industrie­stadt“) von Touristen nur wenig besucht. Doch gerade hier lassen sich wertvolle Eindrücke aus der polnischen Ge­schichte und Gegenwart - die auch eine Geschichte der Erneuerungsbestre­bungen und des Kampfes um Modernität war und ist - gewinnen. Das Textilindu­striemuseum mit seiner sehenswerten Sammlung historischer Textil­maschinen zeigt die ökonomische Wurzel des Aufstiegs dieser zen­tralpolnischen Stadt zu einem Handelsknotenpunkt zwischen Ost und West, aber auch die tragisch beendete Geschichte des polnischen Ju­dentums, das sich hier, in der Textilindustrie erstmals eine solide ei­gene wirtschaftliche Existenz schaffen konnte und eine Brücke der Modernisierung zwischen assimiliertem mitteleuropäischem und traditionellem Ostjudentum schuf.

Łódź (14) Gedenkstätte Radogoszcz. In der alten Textilfabrik er­richtete die GESTAPO während der Okkupationsjahre, als Łódź de­monstrativ „Litzmannstadt“ genannt wurde, ihr Polizeigefängnis Radegast. Hier in den Ruinen der heutigen antifaschistischen Gedenkstätte liegen die Gebeine von rund zwei­tausend Häftlingen, die verbrannten, als, zwei Tage vor der Befreiung durch die Sowjettrup­pen (hier ist diese Bezeichnung sicher ein­mal adäquat! Auch die GE­STAPO-Wärter unmittelbar vor ihrer Flucht das Gefängnis ver­­rammelten, Benzin in das Kellergeschoß leiteten und die In­sassen le­ben­dig verbrannten. Fluchtversuche durch einen Sprung aus den Fen­stern des vier­ten Stocks brachten den Bewachern lebende „bewegliche Ziele“, auf die um die Wette Schießübungen gemacht wurden. Fotos, die die „Kameraden“ davon als „Andenken“ machten, sind erhalten, im an­schließenden Dokumentationsraum ausgestellt und beweisen das grausige Treiben...

Łódź (15) Mahnmal auf dem Gelände des ehemaligen Kinder-Konzentrationslager Nur wenige Reste sind erhalten von einer weite­ren schrecklichen Einrich­tung der Nazi-Okkupanten in Łódź: dem Kinder-KZ, in dem Kinder und Jugendliche verhafteter oder ermor­deter Eltern aus dem ganzen Reich zu­sammengetrieben wurden zur „Selektion“ und zu einem großen Teil zur Ermordung in Auschwitz oder Treblinka...

Kraków (16) (Foto: D.Voigt) Sanierungsgebiet Uliza Kanonicza

Krakau ist die alte Königstadt, vom Schloß auf dem Wawel be­herrscht und von einem fast südländischen Reiz der Altstadt. Vieles ist hier tatsächlich noch alt und nicht wie in den völlig zerstörten nördlicheren Städten nach dem Krieg erst wieder rekonstruiert wor­den. Doch das bringt umso brutaler die Schwierigkeiten vor allem fi­nanzieller Art zum Vorschein, ein solch großes bauliches Erbe zu er­halten und zu bewahren. Nur in diesem Sinne kann auch der Gang durch die verfallenden Sanierungsgebiete zu einem po­sitiven Erleb­nis werden und Polen als alte Kulturnation ebenso wie als Gesell­schaft mit großen heutigen ökonomischen Problemen im Bewußtsein halten.

Kraków (17) (Foto: Schultz) Sanierungsgebiet

Krakau beher­bergt neben seiner traditionsreichen Universität eine Vielzahl von Gruppen („Bürger initiativen“), die sich um ökologische, stadtökolo­gische und stadtplanerische Probleme kümmern. Hier Gesprächs­kontakte aufzunehmen, ist sehr lohnend.

Tarnowskie Góry (18) Grubenfahrt im Silberbergwerk-Museum

Industriegeschichte ist spannend, wenn sie hautnah vermittelt wird im Gang durch die nur 1.60 m hohen Stollen des alten Silberbergwerkes am Nor­drand des Oberschlesischen Industriere­vieres (GOP) oder bei der Fahrt in einem schmalen Kahn auf einem unterirdischen Kanal: der einzigen Er­leichterung, die den Bergleuten bei ihrer schweren und langdauernden Ein­fahrt gewährt wurde.

Auschwitz (19) (Foto: Dallwig) Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationsla­gers bei der südpolnischen Industriestadt Oswiecim: von erschütter­ten Besuchern mit Blumen ge­schmückte Verbrennungsöfen.

Auschwitz (20) (Foto: Dallwig) Gedenkstätte

Eingangsgebäude zum Ver­nichtungslager Birkenau, mit er berüchtigten „Rampe“, dem Bahnan­schluß, zu dem die Reichsbahn nach einem speziel­len Sonderfahrplan regelmäßig aus allen besetzen Gebieten und aus „dem Reich“ Häftlingszüge zur „Selektion“ und zur „Vernichtung“ in den Gaskammern und Krematorien von Birkenau fahren ließ.

Tips für Polenreisen (Veränderte Fassung 1993)

Der zeitgeschichtliche Hintergrund (Nazi-Okkupation) macht für uns Deut­sche ein zurückhaltendes, sensibles Verhalten selbstverständlich; treffen wir doch Tag für Tag auf Menschen, die bis 1945 in Gefäng­nissen und im KZ festgehalten und gequält worden sind oder wäh­rend dieser Zeit enge An­gehörige durch die deutsche Besatzungs­macht verloren haben.

`Deutsch­nationale Attitüden' oder selbstge­rechtes Auftreten sind fehl am Platz. Daß deutsche Besucher dennoch fast immer herzlich und gastfreundlich aufgenommen werden, ist eine bewundernswerte Leistung der polnischen Kultur und kann von uns sicher nicht erwartet oder gar ein­gefordert werden. Offenheit, Kontaktbereitschaft und Freundlichkeit wer­den auch von uns erwar­tet. Symbolen und Erinnerungen aus der na­tio­nalen Geschichte des Landes und zeitgeschichtlichen Mahnmalen und Ge­denkstätten aus der Okkupationszeit ist mit Respekt und dem not­wen­digen Ernst zu begegnen (Flagge, Wappen, Gedenktafeln, Denkmäler, Mu­se­en der Zeitgeschichte etc.).

Ein Besuch zeitgeschichtlicher Gedenkstätten (KZ-Gedenkstätte Ausch­witz oder Stutthof; Ghettodenkmal in War­schau; Polizeige­fängnis Rado­goszcz und Gedenkstätte für das Kinder-KZ in Lódz und viele andere mehr) gehört zu einem Besuch in Polen notwendig da­zu und vermittelt eine wesentliche Verständnisdimen­sion für das Be­­wußtsein des heutigen Po­lens wie für die zeitge­schichtliche Si­tu­a­tion in Mitteleuropa wie im Ver­hältnis zwischen Polen und Deutsch­land. Die polnischen Änderungen der letz­ten Zeit ändern an diesen Rat­schlägen nichts, im Gegenteil, der deutsch-deut­sche Einigungs­prozeß weckt in Polen eher neue Besorgnisse!

Nach unseren Erfahrungen empfiehlt es sich, ein polnisches Reise­büro für die Vorbereitung einer Gruppenreise zu beauftragen. Wir ar­beiten zu­sam­men mit dem Jugendreisebüro:

JUVENTUR, 01-633 Warszawa, Gdanska 27

Tel. 33-04-45

Der Flexibilität, mit der dieses Reisebüro auf alle Programmwünsche ein­geht, und den relativ günstigen Preisen steht eine nicht allzu ent­wickelte organisatorische Sorgfalt und Kompetenz gegenüber. Als zuver­läs­sige Partner für allgemeine Gruppenreisen können nach bisherigen Er­fah­rungen u.a. empfohlen wer­den:

IDEAL-REISEN, Volgersweg 58, D 30175 Hannover
Tel. 0511-344259

POLORBIS, Hohenzollernring 99-101, D 50672 Köln 1

Tel. 0221-521185-9

Den Bustransport haben wir immer selbst organisiert. Hier haben die ört­lichen Reisebusunternehmen vielfältige und differenzierte Ange­bote, die wohl am besten durch eine Ausschreibung erfahren werden können. Für den Raum Hannover empfehlen wir das in Polenreisen erfahrene und im Preis für Schülerreisen angemessene Unternehmen:

Lehrter Omnibusbetrieb Albert Grund OHG, Everner Str. 8-10,

D 31275 Lehrte, Tel. 05132-2833,

das seit langem eng mit der Deutsch-polnischen Gesellschaft Hanno­ver e.V. zusammenarbeitet. Wir buchen grundsätzlich Halbpension, da die zu­sätz­liche warme Mahlzeit in Polen zu geringen Kosten und zeitlich un­ab­hän­giger an Ort und Stelle zu bestellen und in Zloty zu bezahlen ist. Der „Pi­lot“ wird je­weils beauftragt, die notwendige Bestellung und Re­ser­vie­rung durch­zuführen.

Ein Hinweis für die Reiseleiter von Schülerreisen: Informieren Sie sich über die Rechtslage! Nach meiner Erfahrung ist es empfehlenswert, sich von den Reiseteilnehmern (bei Jugendlichen von den Erziehungsberech­tig­ten) schriftlich und rechtsverbindlich bestätigen zu lassen, daß Sie nicht als Reiseveranstalter auftreten, sondern daß das beauftragte Reisebüro der Veranstalter ist, und daß Sie für die Reisedurchführung keine Haf­tung übernehmen. Lassen Sie nicht den Eindruck entstehen, daß Sie finan­ziellen oder sonstigen geldeswerten Gewinn aus der Reise ziehen wür­den oder daß Sie die Reisedurchführung in irgend einer Form ge­werb­­lich und regelmäßig übernehmen würden. Sie könnten sonst Schwie­rig­­keiten mit dem deutschen Reiserecht be­kommen. Bei privat or­gani­sier­ten Ferienreisen mit Schülern, die von Lehrkräften begleitet werden, ist zu­sätzlich der Hinweis aufzuneh­men, daß es sich um keine Schul­ver­an­stal­tung im Sinne des Gesetzes handelt und daß eine Diensthaftung aus­geschlos­sen ist. Denken Sie aber daran, daß Ihnen dennoch nach dem Dienst­recht auch in den Fe­rien gegenüber Schülern erweiterte Aufsichts- und Fürsorgepflichten zufallen, die bei Mißachtung u.U. zu Rechts- und Dis­ziplinarfolgen führen können.

Grundsätzlich bestehen Rechtsunsicherheiten, die eine besondere Sorg­falt der Reisevorbereitung und Reisebetreuung wichtig erschei­nen las­sen!

Bei Studienreisen in der Schulzeit gelten in den einzelnen Bundes­län­dern unterschiedliche Genehmigungsvoraussetzungen. In Nieder­sachsen z.B. ist nach der Genehmigung der Fahrt durch Schulleitung und Ge­samt­kon­ferenz ein rechtzeitiger Genehmigungsantrag bei der zuständigen Be­zirks­regierung einzureichen (etwa sechs Monate vor dem geplanten Rei­se­ter­min), der die organisatorischen Daten, einen Kostenvoranschlag (auch auf den einzelnen Schüler umgerechnet) und die pädagogische Be­grün­dung der Fahrt enthält (Erlaß MK vom 17.07.1979-304-32.021). Vor der Ge­neh­migung dürfen keine Ko­stenverpflichtungen eingegangen werden. (Auf An­frage können wir gerne weitere Auskünfte geben und Mu­ster­rei­se­be­din­gungen und Mustergenehmigungsanträge zur Verfügung stellen.)

5. Camping in Polen von Gerda Heinemann und Armin Walthemate

In Polen gibt es sehr viel mehr Campingplätze, als im ADAC-Führer ste­hen, nämlich rund 170 Plätze, die in drei Kategorien eingeteilt sind. Ge­ne­rel­le Öffnungszeit ist 15. Juni bis 31. August, in großen Städten und in eini­gen touristisch attraktiven Orten sind die Cam­pingplätze – in der Re­gel der ersten Kategorie – ab Mitte Mai bis Ende September geöffnet. Auf den Plätzen der ersten Kategorie ste­hen Cabanen (Bungalows) zur Ver­fü­gung. Außerhalb der polnischen Sommerferien (Juli/August) sind sie in je­dem Fall zu mieten.

Auf unseren Reisen sind wir niemals auf einen überfüllten Cam­ping­platz gestoßen. Vorbestellung ist nicht möglich, aber auch nicht not­wendig. Die Ausstattung der sanitären Anlagen entspricht zwar nicht ge­rade der 5-Sterne-Ideologie des ADAC, die Anlagen sind aber durchaus ohne Einschränkung zu benutzen. Die Übernachtungs­kosten betragen pro Per­son umgerechnet etwa DM 3,- bis DM 6,- pro Nacht.

Ein wesentlicher Vorteil dieser Reiseart gegenüber den herkömmli­chen Stu­dienreisen für Schüler liegt in der Flexibilität, mit der die Or­ga­ni­sa­to­ren planen können.

  • Man braucht sich nicht schon Monate vor der Reise auf be­stimmte Au­fent­haltsorte festzulegen.

  • Man braucht sich nicht schon im Voraus um Quartier zu bemü­hen.

  • Man braucht die endgültige Teilnehmerzahl nicht frühzeitig fest­zu­legen.

  • Man braucht die Planung in Polen nicht wegen organisatori­scher Ab­ma­chungen einzuhalten, sondern kann sie bei Bedarf jederzeit ändern.

  • Man braucht sich nicht um Essensmöglichkeiten in Restaurants zu be­mühen, man beköstigt sich selbst.


Natürlich ist das Ganze nur realisierbar, wenn der Busfahrer nicht auf Hotelunterkunft besteht, sondern die Reiseform für seine Person ak­zep­tiert. Derart aufgeschlossene Busunternehmen gibst es in zuneh­menden Maße, sie verfügen darüber hinaus über Campingküchen (Küchen­aus­rü­stung, Tische und Bänke) die eine Beköstigung bis zu 40 Personen er­lauben.

Dadurch ist es möglich, eine Gruppe polnischer Schüler zur Fahrt ein­zu­laden. Da die Teilnahme unserer Schüler am polnischen Unter­richt we­gen Unkenntnis der polnischen Sprache unergiebig ist und da nicht in je­der polnischen Familie die Möglichkeiten für die Unter­bringung eines Gast­schülers über längere Zeit gegeben sind, ermög­licht diese gemeinsame Fahrt ohne finanzielle und organisatorische Hindernisse das Zu­sam­men­kom­men deutscher und polnischer Schü­ler in Polen. Nach unseren Er­fah­run­gen gibt es keine Vorbehalte von Seiten der polnischen Familien, un­se­re Schüler ein bis zwei Tage zu Beginn, bzw. am Ende der Reise zu be­her­bergen.

Inhaltsverzeichnis

Herbert Schmalstieg: Vorwort

Zeitgeschichtliche Notiz 1990

Lothar Nettelmann: Einleitung: Schüleraustausch - warum mit Polen?1

Zur Konzeption

Lothar Nettelmann: Einleitung 1993. Zu den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen deutsch-polnischer Jugendarbeit als Folge des politischen Paradigmenwechsels in Polen und ihrer Bedeutung für die Träger politischer Bildung in Deutschland

Lothar Nettelmann: Der Schatten der Geschichte im Jahre 1989 - die Mahnung des 1. September 19392

Ulrich Bauermeister: Schüleraustausch zwischen jungen Deutschen und Polen als Auftrag der UNESCO (1989)

Gerhard Voigt: Polenreisen der Bismarckschule Hannover - Modellbeispiele und Alternativen (1989)

Gerhard Voigt: Polenreisen in Zeiten der gesellschaftlichen Krise [Didaktische Konzeption, Reiseroute, Reiseziele] (1993)

Lothar Nettelmann, Günther Fuchs, Dr.Wolfgang Scholz: Der Schüleraustausch der UNESCO-Schule am Maschsee, der Bismarckschule Hannover3

Wolfgang Jordan, Lothar Kutsch: Ein Schulchor, eine Theatergruppe und ein Leistungskurs fahren... (1989)

Siegfried Riedel: Schüleraustausch im Geist der Ökumene (1989/1993)

Michael Droldner, Matthias Bömeke: Ein Schüleraustausch zwischen katholischer Schule und Pfarrgemeinde (1989)

Werner Fink, Ursula Ruehr: Gedanken zu einem Arbeitsbesuch mit Schülern im ehemaligen Konzentrationslager Stutthof (1989)

Dr. Olgierd Lissowski, Poznań: Jugendaustausch und Politik (1989)

Piotr Korek, Poznań: Ein Schüler- oder Schulenaustausch? (1989)

Joachim Dallwig: Polenkontakte heute (1989)

Aleksandra Hoffmannowa: Neue Freundschaften (1991)

Gertrud Irmler: Eine polnische Dorfgemeinschaft lädt Hannoveraner ein (1992)

Phoebe Koch: Verständigung – auch ohne Worte (1993)

Aleksandra Hoffmannowa: Ein Brief aus Polen... (1991)

Elisabeth Goldmann: Bericht über den ersten Besuch einer Gruppe von 20 Schülern der Realschule I, Burgdorf (1993)

Lothar Nettelmann: Thesen zu den veränderten gesellschaftspolitischen Rahmenbedingungen in Polen und ihre Bedeutung für die deutsch-polnische Jugendarbeit (1993)

Lothar Nettelmann: Perspektiven für die neunziger Jahre im Jahre 1990

Henryk Wolkonskis: Ist der Weg deutsch-polnischer Verständigung am Ziel? Reflexionen 19924

Anhang: Autorenverzeichnis

Impressum für diese Publikation

Herausgeber: Lothar Nettelmann / Gerhard Voigt

Redaktion Gerda Heinemann Lothar Nettelmann Gerhard Voigt Armin Walthemate

Herausgegeben für die Deutsch-Polnische-Gesellschaft Hannover e.V. und den UNESCO-Club der Bismarckschule Hannover e.V.

Junge Deutsche und Polen begegnen sich. Schüleraustausch und Studienrei­sen. Hrsgg. von Lothar Nettelmann und Gerhard Voigt - Hannover: UNESCO-Club für die UNESCO-Schule am Maschsee, Bismarckschule Hannover, e.V. (An der Bis­marckschule 5, Hannover) und Deutsch-Pol­nische Gesellschaft Hannover e.V., 1990.

Satz und Layout: Ritterdesign, Laatzen

Printed in Germany

(Schriftenreihe des UNESCO-Clubs für die UNESCO-Schule am Masch­see, Bis­marckschule Hannover, e.V.) 1. Auflage 300

Alle Rechte vorbehalten. Verwendung im Bereich von Schule und Hochschule ist zugestanden. Nachdruck nur mit Genehmigung der Autoren bzw. des Herausgebers. Zitate bitte mit vollständigem Quellennachweis.

Internetpublikation auf http://www.polen-didaktik.de August 2009

Verantwortlich: Gerhard Voigt, OStR i.R. bismarckschule.voigt@gmx.de
http://www.voigt-bismarckschule.de

http://www.unesco-club-hannover.de

Vgl. dazu Impressum

Überarbeitet August 2009

   
   

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Gerhard Voigt, OStR i.R. - Kontakt vgl. Impressum

bismarckschule.voigt@gmx.de

Bearbeitungsstand: 25. 07 2005.

Letzte Bearbeitung: 06.01.2011

   
   

 

     
   

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