http://www.Polen-Didaktik.de

Home Inhalt Grundlegende Schriften Nation ohne Ausweg? Polen und Deutsche Jernsson: Historismus Polen 1980/81 Fachaufsätze Didaktische Praxis Impressum

 

Zur Seitennavigation

Inhaltsübersicht über diese Publikation

Impressum für diese Veröffentlichung

   
   

 

     
   

Aus: Junge Deutsche und Polen begegnen sich. Schüleraustausch und Studienreisen. Herausgegeben von Lothar Nettelmann und Gerhard Voigt

Ulrich Bauermeister

Schüleraustausch zwischen jungen Deutschen und Polen als Auftrag der UNESCO

Am Vorabend der 50. Wiederkehr des Tages, an dem mit dem deut­schen Angriff auf Polen der 2. Weltkrieg eingeleitet wurde, fand im ZDF eine Fernsehdiskussion statt, an der neben Historikern, Politi­kern und Studentinnen aus der Bundesrepublik und Polen auch der Vor­sitzende der CSU in München und Bundesfinanzminister in Bonn teil­nahm. Herr Waigel hatte mit Bemerkungen über die Westgrenze Po­lens auf dem Schlesiertreffen in Hannover erneut für Irritationen in Po­len gesorgt und eine Debatte um die Dauerhaftigkeit von Grenzen in Europa ausgelöst. Als Finanzminister und starker Mann in der Re­gie­rung Kohl hängt wesentlich auch von ihm ab, wie großzügig und um­fassend die Dollarhilfe für die Erneuerung und den Umbau der polnischen Wirtschaft und des Handels ausfällt. Nach längeren kon­tro­versen Ausführungen der Geprächsteilnehmer fragte der Modera­tor Herrn Waigel, ob er schon einmal in Polen gewesen sei; Antwort: „Nein, ich war noch nicht in Polen, habe aber schon mit Menschen aus Polen gesprochen.“ Jetzt wurde mir schlagartig deutlich, warum er so ein distanziertes und fast buchhalterisches Verhältnis zu diesen emi­nent wichtigen Problemen für das zukünftige Zusammenleben der europäischen Nationen offenbarte.

Man kann über Polen weder angemessen reden, noch tragfähige Lö­sungen für die Ausgestaltung unserer gegenseitigen Beziehungen in der Zukunft erarbeiten, wenn man das Land nicht kennengelernt und die Menschen nicht schätzen gelernt hat. Achtung vor der Kultur anderer Völker, Respekt vor den wissenschaftlichen und technischen Leis­tungen anderer Gesellschaften und Kenntnis von dem histori­schen Werdegang anderer Staaten sind kein Ergebnis von Buchwis­sen, sondern entstehen nur bei Reisen in diesen Ländern und bei men­schlichen Begegnungen in den Familien und mit den Bürgern dieser Völker. Private Freundschaften überdauern in Polen - mehr als an­­derswo - Raum und Zeit.

Was erfahren junge Deutsche, wenn sie an einem Schüleraus­tausch teilnehmen? „Denk ich an Polen in der Nacht...“ hat Heinrich Hei­ne nicht gesagt, aber „Wenn Vaterland das erste Wort des Polen ist, so ist Freiheit auch das zweite. Ein schönes Wort!“ Und dieses schö­ne Wort gilt auch heute noch, denn der Patriotismus ist aus dem Kampf um Selbständigkeit, aus historischer Erinnerung und aus dem Un­glück seit den Tagen Kosciuszkos entsprungen. Und nicht erst seit dem Hitler-Stalin-Pakt nennt man Polen im Westen den Osten, und im Osten den Westen; es ist also ein Stück Mitteleuropa: kommuni­s­tisch und katholisch, Industrienation und Bauernstaat, sowohl souve­rän als auch noch paktgebunden. Dieses „märchenhafte, wehrlose Land, von dem sich die schwarzen Adler, die hungrigen Kaiser, das Dritte Reich und das Dritte Rom ernähren“ (Adam Zagajewski) ist er­neut auf der Suche nach seiner politischen Identität.

Wenn man als aufmerksamer Deutscher Polen begegnet, kann man dies alles kennenlernen, ohne es sogleich zu verstehen. Der UNESCO-Auftrag zum interkulturellen Lernen findet im Schüler­aus­tausch einen zentralen Schwerpunkt der pädagogischen Arbeit, weil Schulpartnerschaften und Jugendaustausch die Erziehung zu in­ter­na­tionaler Verständigung und Zusammenarbeit auf intensive Weise för­dern und das Bild vom anderen prägen. Noch im Jahre 1970 ergab eine Untersuchung über das Polen-Bild deutscher Schul­kinder: „Die Polen sind primitiv und brutal, hinterlistig und kalt, un­freundlich, un­be­rechenbar und jähzornig“. Studienfahrten und Schü­leraustausch sind ein wesentlicher Faktor beim Abbau von Vorurtei­len und beim Zerstören von Feindbildern!

Der Auftrag der UNESCO lautet: „ Da Kriege im Geiste der Men­schen entstehen, müssen auch die Bollwerke des Friedens im Geiste der Menschen errichtet werden.“ Gesicherte und endgültige Grenzen ohne Gebietsansprüche sind ebenfalls ein Bollwerk des Friedens. Da­rum ist die Unterschrift des Jahres 1970 (siehe Karikatur) ein Frie­densakt, den a l l e Menschen durch ihr Reden und Handeln im­mer wieder erneuern sollten. „Wie durch den Angriff auf Polen vor einem halben Jahrhundert Europa in einen mörderischen Krieg ge­stürzt wurde, so können heute Polen und Deutsche mit ihrer Verstän­digung das ganze Europa einer freien und friedlichen Zukunft maß­geblich nä­herbringen“ (Richard von Weizsäcker).

Schüleraustausch zwischen jungen Deutschen und Polen ist ein Stück Friedenserziehung. Würde Herr Waigel aus München von Bonn nach Warschau fahren, so könnte er heute erleben, was andere schon seit 30 Jahren erfahren haben: „Hoffnung, Resignation und wie­der Hoffnung... verwirrende Impressionen... Vieles ist Übergang, Tas­ten nach neuen Wegen. Dabei wird die wirtschaftliche Misere noch lange das Grundproblem bleiben... Die Sehnsucht nach Europa, nicht nach einem westlichen oder östlichen, sondern nach dem Gan­zen, ist in Polen tief verwurzelt“ (Arbeit im Geiste der UNESCO heißt auch „Brücken bauen“: über die Vergangenheit hinweg in die Zukunft hinein, über die Grenzen hin­weg, in andere Länder hinein, über den Kopf bis in die Herzen; und transportiert werden sollte über diese Brücken Verständnis für ein­ander, Toleranz, Demokratie und Humanität. In diesen Tagen zwi­schen dem 1. und 17. September gilt in Erinnerung an diese Daten vor 50 Jahren:

Nicht nur deutsche und polnische Jugendliche müssen sich offe­nen Auges die Hand reichen, sondern auch polnische und russische so­wie russische und deutsche müssen miteinander reden und Pläne ent­werfen für ein vereintes Europa in sicheren Grenzen vom Atlantik bis zum Ural.

Inhaltsverzeichnis

Herbert Schmalstieg: Vorwort

Zeitgeschichtliche Notiz 1990

Lothar Nettelmann: Einleitung: Schüleraustausch - warum mit Polen?1

Zur Konzeption

Lothar Nettelmann: Einleitung 1993. Zu den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen deutsch-polnischer Jugendarbeit als Folge des politischen Paradigmenwechsels in Polen und ihrer Bedeutung für die Träger politischer Bildung in Deutschland

Lothar Nettelmann: Der Schatten der Geschichte im Jahre 1989 - die Mahnung des 1. September 19392

Ulrich Bauermeister: Schüleraustausch zwischen jungen Deutschen und Polen als Auftrag der UNESCO (1989)

Gerhard Voigt: Polenreisen der Bismarckschule Hannover - Modellbeispiele und Alternativen (1989)

Gerhard Voigt: Polenreisen in Zeiten der gesellschaftlichen Krise [Didaktische Konzeption, Reiseroute, Reiseziele] (1993)

Lothar Nettelmann, Günther Fuchs, Dr.Wolfgang Scholz: Der Schüleraustausch der UNESCO-Schule am Maschsee, der Bismarckschule Hannover3

Wolfgang Jordan, Lothar Kutsch: Ein Schulchor, eine Theatergruppe und ein Leistungskurs fahren... (1989)

Siegfried Riedel: Schüleraustausch im Geist der Ökumene (1989/1993)

Michael Droldner, Matthias Bömeke: Ein Schüleraustausch zwischen katholischer Schule und Pfarrgemeinde (1989)

Werner Fink, Ursula Ruehr: Gedanken zu einem Arbeitsbesuch mit Schülern im ehemaligen Konzentrationslager Stutthof (1989)

Dr. Olgierd Lissowski, Poznań: Jugendaustausch und Politik (1989)

Piotr Korek, Poznań: Ein Schüler- oder Schulenaustausch? (1989)

Joachim Dallwig: Polenkontakte heute (1989)

Aleksandra Hoffmannowa: Neue Freundschaften (1991)

Gertrud Irmler: Eine polnische Dorfgemeinschaft lädt Hannoveraner ein (1992)

Phoebe Koch: Verständigung – auch ohne Worte (1993)

Aleksandra Hoffmannowa: Ein Brief aus Polen... (1991)

Elisabeth Goldmann: Bericht über den ersten Besuch einer Gruppe von 20 Schülern der Realschule I, Burgdorf (1993)

Lothar Nettelmann: Thesen zu den veränderten gesellschaftspolitischen Rahmenbedingungen in Polen und ihre Bedeutung für die deutsch-polnische Jugendarbeit (1993)

Lothar Nettelmann: Perspektiven für die neunziger Jahre im Jahre 1990

Henryk Wolkonskis: Ist der Weg deutsch-polnischer Verständigung am Ziel? Reflexionen 19924

Anhang: Autorenverzeichnis

Impressum für diese Publikation

Herausgeber: Lothar Nettelmann / Gerhard Voigt

Redaktion Gerda Heinemann Lothar Nettelmann Gerhard Voigt Armin Walthemate

Herausgegeben für die Deutsch-Polnische-Gesellschaft Hannover e.V. und den UNESCO-Club der Bismarckschule Hannover e.V.

Junge Deutsche und Polen begegnen sich. Schüleraustausch und Studienrei­sen. Hrsgg. von Lothar Nettelmann und Gerhard Voigt - Hannover: UNESCO-Club für die UNESCO-Schule am Maschsee, Bismarckschule Hannover, e.V. (An der Bis­marckschule 5, Hannover) und Deutsch-Pol­nische Gesellschaft Hannover e.V., 1990.

Satz und Layout: Ritterdesign, Laatzen

Printed in Germany

(Schriftenreihe des UNESCO-Clubs für die UNESCO-Schule am Masch­see, Bis­marckschule Hannover, e.V.) 1. Auflage 300

Alle Rechte vorbehalten. Verwendung im Bereich von Schule und Hochschule ist zugestanden. Nachdruck nur mit Genehmigung der Autoren bzw. des Herausgebers. Zitate bitte mit vollständigem Quellennachweis.

Internetpublikation auf http://www.polen-didaktik.de August 2009

Verantwortlich: Gerhard Voigt, OStR i.R. bismarckschule.voigt@gmx.de
http://www.voigt-bismarckschule.de

http://www.unesco-club-hannover.de

Vgl. dazu Impressum

Überarbeitet August 2009

   
   

Verantwortlich für diese Seite

Gerhard Voigt, OStR i.R. - Kontakt vgl. Impressum

bismarckschule.voigt@gmx.de

Bearbeitungsstand: 25. 07 2005.

Letzte Bearbeitung: 06.01.2011

   
   

 

     
   

top

   

Navigation

Übergeordnete Ebene: Junge Deutsche und Polen begegnen sich ]

Gleiche Ebene: Home ] Nach oben ] Gesellschaftliche Rahmenbedingungen ] Titel Neuausgabe 1993 ] 1. September 1939 ] [ Auftrag der UNESCO ] Beispiel Bismarckschule ] UNESCO Modellschule ] Schulchor und Theatergruppe ] Ökumene ] Pfarrgemeinde ] Stutthof ] Jugendaustausch und Politik ] Schüler- oder Schulenaustausch ] Polenkontakte heute ] Dorfgemeinschaft ] Brief 1991 ] Freundschaften ] Verständnis ohne Worte ] aus Burgdorf ] Perspektiven 90er-Jahre ] Reflexionen 1992 ] Thesen zum Abschluss ]

Untergeordnete Ebene: