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Gertrud Irmler Eine polnische Dorfgemeinschaft lädt Hannoveraner ein (1992) Im Oktober 1991 waren 14 Kinder im Alter von 12 Jahren mit ihren beiden Lehrerinnen aus Goleczewo bei Poznan in Hannover zu Gast gewesen. Vor ihrer Rückreise luden sie die Gasteltern und deren Kinder in ihr Dorf ein. Und so fuhren vom 4. – 9. Juni 1992 12 Erwachsene und 11 Kinder im Bus nach Polen. Keine Stadt vermag wohl so gute Kontakte herzustellen wie eine Dorfgemeinschaft. Alle Hannoveraner wohnten in den Familien des Dorfes. Darüber hinaus hatte sich eine Gruppe von Helfern und Helferinnen gebildet, die für die Ausgestaltung des Aufenthalts verantwortlich waren. Für Erwachsene und Kinder waren das neue, großartige Erlebnisse. Die polnische Gastfreundschaft, die überall berühmt ist, hat sich noch übertroffen. Es fing mit dem großzügigen Taschengeld für jedes deutsche Kind an und endete mit einem Geschenkkorb für jedes Kind. Doch war das nur das Materielle. Die Zuwendung von allen Seiten, die wirklich freundschaftlichen Kontakte waren der Gewinn dieser Tage. Die Hannoveraner nahmen am Leben der Familien teil, freuten sich über weite Felder, den nahen Wald, über Kühe, Pferde und Federvieh und erlebten viel Gemeinsames: eine Besichtigung der nahen Stadt Poznan mit kleinen Einkäufen. Die neunjährige Anke schrieb darüber „von meinem polnischen Taschengeld habe ich mir ein T-Shirt gekauft, das mir so gut gefiel“. Am Abend wurden am Lagerfeuer an langen Spießen Würste geröstet. Auch lustige Wettbewerbe wurden veranstaltet, bei denen Kinder und Erwachsene abwechselnd um den Sieg rangen. Erste Preise waren z. B. für Erwachsene ein Flasche Sekt und für die Kinder ein deutsch-polnisches Wörterbuch. Abwechselnd wurden polnische und deutsche Lieder gesungen. Zwei polnische Jungen führten ein phantastisches pantomimisches Spiel vor, das großen Beifall fand. Am Ende löschte die bereit stehende Feuerwehr das Feuer. Ein besonderes Erlebnis war bei Dunkelheit der Gang durch den Wald in zwei Gruppen, bei dem verschiedene Aufgaben zu erfüllen waren. Während die Kinder sich am Sonntag in der Disko in der Schule vergnügten, saßen die Erwachsenen im Hause der Deutschlehrerin bei Kaffee und Kuchen zusammen und erfuhren alles Wissenswerte über den Ort Goleczewo. Und am Ende tanzten auch die Erwachsenen in der Disko. Das größte Erlebnis war dann ein Tagesausflug zu dem 100 km entfernten Gestüt in Lubnica. Während all dieser Tage durften wir nicht unseren eigenen Bus benutzen, diese Fahrten unternahm der Gemeindebus und gehörte zum Geschenk unserer Gastgeber. Auf der langen Busfahrt wurde viel abwechselnd polnisch und deutsch gesungen und schnell erfaßten alle den jeweiligen Refrain der anderen Sprache. Auf dem Gestüt waren dann Kinder und Erwachsene gleich glücklich beim Reiten oder beim Fahren mit der Kutsche über Felder und durch Wälder. Das abschließende Bad in einem kleine See war dann eine gute Erfrischung. Und dann kam am nächsten Tag der Abschied von Goleczewo. Da standen die Gastgeber und deren Kinder und die deutsche Gruppe miteinander auf dem Schulhof, der Direktor holte die übrigen Schulkinder hinzu und auch viele Dorfbewohner hatten sich eingefunden. Deutsch und polnisch wurde das Lied vom Abschied und von der Freundschaft gesungen, und in kleinen Abschiedsreden wurde der Dank an alle ausgesprochen. Spontan gaben sich alle die Hand. Und am Ende weinten die Kinder und viele Erwachsene hatten Tränen in den Augen. Diese Tage lassen sich mit Worten nur schwer wiedergeben. Der zwölfjährige Michal schrieb nach Hannover u.a. „die polnisch-deutsche Kinderfreundschaft wollen wir für immer aufrecht erhalten.“ Und Kasia erwähnte u. a. „als ich nach Hause kam, weinte ich, weil ich diese Tage, die ich mit so wunderbaren Menschen verbracht habe, nie vergessen kann.“ Die ganze deutsche Gruppe will diese Freundschaften pflegen, wir wollen uns nicht verlieren und überall von dieser deutsch-polnischen Freundschaft erzählen: in Hannover und in Goleczewo. Juni 1992
Aleksandra Hoffmannowa: Neue Freundschaften (1991) Gertrud Irmler: Eine polnische Dorfgemeinschaft lädt Hannoveraner ein (1992) Phoebe Koch: Verständigung – auch ohne Worte (1993) Aleksandra Hoffmannowa: Ein Brief aus Polen... (1991) Lothar Nettelmann: Perspektiven für die neunziger Jahre im Jahre 1990 Henryk Wolkonskis: Ist der Weg deutsch-polnischer Verständigung am Ziel? Reflexionen 19924
Alle Rechte vorbehalten. Verwendung im Bereich von Schule und Hochschule ist zugestanden. Nachdruck nur mit Genehmigung der Autoren bzw. des Herausgebers. Zitate bitte mit vollständigem Quellennachweis. Internetpublikation auf http://www.polen-didaktik.de August 2009
Verantwortlich: Gerhard Voigt, OStR i.R.
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Bearbeitungsstand: 10. August 2009 URL: http://www.polen-didaktik.de Verantwortlich: Gerhard Voigt, vgl. Impressum eMail: bismarckschule.voigt@gmx.de |