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Zur überarbeiteten Fassung 1993 Polenreisen der Bismarckschule Hannover Die Polenkontakte der Bismarckschule Hannover haben eine lange Tradition. Die Bismarckschule war eine der ersten bundesdeutschen Schulen, der eine offizielle Partnerschaft gelungen ist. Dazu waren viele bürokratische Hindernisse und politische Widerstände in der BRD wie in der VR Polen zu überwinden. Doch die Einbindung in die Städtepartnerschaft zwischen Hannover und Poznan, die Zusammenarbeit mit der aktiven und politisch renommierten Deutsch-Polnischen Gesellschaft Hannover e.V. und das intensive Engagement des Schulleiters wie vieler Kollegen hat dann schließlich auch einen offiziellen beidseitigen Schüleraustausch ermöglicht. Darüber wird an anderer Stelle in diesem Heft ausführlicher berichtet. Die Kontakte wurden dadurch erleichtert, daß seit Beginn unserer Bemühungen vor etwa zehn Jahren regelmäßig Ferienreisen mit Schülern unter der Leitung von Lothar Nettelmann, der auch Vorstandsmitglied der DPG Hannover ist, und von Gerhard Voigt durchgeführt worden sind und auch für die Zukunft wieder geplant werden. Beide haben ihre langjährigen Polenerfahrungen vor drei Jahren in einer gemeinsamen Monographie über „Polen - Nation ohne Ausweg?“ beim Olzog-Verlag in München niedergelegt. Was sind die inhaltlichen Zielsetzungen von Polen reisen mit Schülern? Eine Studienfahrt nach Polen mit einer altersmäßig heterogenen Gruppe muß an die unterschiedlichen Erfahrungs- und Lebenssituationen anknüpfen. Während Schüler vor allem durch eine an schulischen Vermittlungsformen orientierten inhaltlichen Vorbereitung durch die Einbindung der Reisevorbereitung in einen übergreifenden Arbeitsschwerpunkt „Polen“ der Schule motiviert werden können, müssen die übrigen Reiseteilnehmer, Eltern, Kollegen, ehemalige Schüler - und wir legen Wert auf die Einbeziehung dieser Gruppen in die Poleninitiativen! - vor allem durch den persönlichen sozialen Kontakt in das Reisegeschehen integriert werden. So entsteht ein vielfältiges inhalt-liches Programm mit historischen, zeitgeschichtlichen, geogra-phischen, politischen und kulturellen Aspekten. Neben dem Schüleraustausch mit dem V. Liceum in Poznan wurden von der Bismarckschule Hannover verschiedene Studienfahrtprogramme in Polen erprobt. An dieser Stelle wird von drei „exemplarischen Reisen“ berichtet, die jeweils in den Osterferien der Jahre 1983, 1985 und 1987 stattfanden. Als Organisationsform wurde die Busreise für ca. 30 Teilnehmer mit Hotelübernachtung (Kat. II) und Halbpension (gebucht bei JUVENTUR, Warszawa) gewählt. Bei einer Reisedauer von ca. 10 Tagen entstanden so pro Teilnehmer Reisekosten von ca. 600,- DM, wobei ein Reisekostenzuschuß der Landeszentrale für politische Bildung von 100,- DM pro Teilnehmer noch hinzugerechnet werden muß. Die Programmvorbereitung konnte auf die vielfältigen persönlichen Kontakte der Bismarckschule Hannover ebenso zurückgreifen wie auf die Unterstützung durch die Deutsch-polnische Gesellschaft Hannover e.V. Seit 1987 wird die Organisation dieser Polenreisen noch stärker in den Arbeitsschwerpunkt der UNESCO-Schulen, zu denen die Bismarckschule Hannover gehört, hineingestellt, was bedeutet, daß pädagogische Konzepte der interkulturellen Erziehungen bewußt mit berücksichtigt werden. Als Träger der Vorbereitung (nicht aber als Reiseveranstalter) tritt seither der UNESCO Club für die UNESCO-Schule am Maschsee, Bismarckschule Hannover, e.V., auf. Die Betreuung der drei hier vorgestellten Reisen übernahm StR Gerhard Voigt, Politik- und Geographielehrer an der Bismarckschule Hannover. Auf diesem breiten Fundament der inhaltlichen Konzeption und Vorbereitung war es dann auch möglich, das Reiseangebot über die zunächst angesprochenen Schülerinnen und Schüler der Bismarckschule Hannover hinaus für Kollegen, auch von anderen Schulen, ehemalige Bismarckschüler und Eltern und Freunde der heutigen Schüler zu öffnen. Wichtig war es uns jedoch, nicht im Sinne eines „Reiseveranstalters“ öffentlich anzubieten (was auch rechtlich problematisch gewesen wäre), sondern eine Gruppe zusammenzustellen, die durch persönliche Bekanntschaft und Beziehungen eine eigene inhaltliche Reisemotivation entwickeln konnte, die sich in Vor- und Nachbereitungsseminaren und der gemeinsamen Veröffentlichung eines Reiseberichtes doch wesentlich anders und gehaltvoller ausdrückte als es bei üblichen kommerziellen Polenreisen üblich ist. So stand immer das inhaltliche Vermittlungsangebot im Vordergrund der Reiseplanungen. Dem Thema Polen kann man sich in unterschiedlicher Weise nähern. Ausgehend von der aktuellen Krise sollte vor allem im Rahmen einer materiellen Analyse der sozioökonomische Aspekt in den Vordergrund gestellt werden, der sich in der unmittelbaren Beobachtung im Stadt- und Wirtschaftsraum verifizieren läßt. Weiter in die Tiefe gehende fachliche Gespräche, auf die wir bei unseren Polenkontakten großen Wert legen, vermitteln unterschiedliche Deutungsmuster für die polnische Entwicklung und die historisch-kulturelle Identität dieses Landes. Sehr überraschend ist es dabei zu beobachten, in wie starkem Maße in Polen geschichtliche Erfahrung präsent ist und heutiges politisches Verhalten prägt. Das gilt schließlich in besonderem Maße für die belasteten deutsch-polnischen Beziehungen, denen wir uns immer wie der an den Zeugnissen des Naziterrors in Polen und an den Mahnmalen der Okkupationszeit stellen müssen, um auch selbst einen neuen Zugang zu unserer eigenen Geschichte zu erlangen. In die Zukunft weist der Kontakt mit den Jugendlichen unserer Partnerschule, dem V. Liceum in Poznan. Viele Freundschaften und persönliche, überdauernde Kontakte konnten während der Besuche in unserer Partnerschaft geknüpft werden, die immer wieder unter neuen fachlichen Schwerpunkten stehen - Sport, Geographie etc. - und von einer Vielzahl von Kollegen, darunter unserem Schulleiter Herrn Bauermeister begleitet wurden. Unsere Polenkontakte sind ein Hoffnungsträger der UNESCO-Arbeit! Die drei hier vorgestellten Polenreisen sind insofern typisch und maßstabsetzend, da sie drei unterschiedliche Routen durch Polen mit einem jeweils dazu spezifisch entwickelten inhaltlichen Informationsprogramm darstellen:
Die Intensität der Begegnung mit den einzelnen Städten und Regionen ist natürlich durch die jeweiligen inhaltlichen Programmschwerpunkte bedingt; für die Bismarckschule Hannover ist der Besuch in Posen (Poznan) durch die Schulpartnerschaft mit dem dortigen V. Liceum natürlich für jede Reiseplanung eine besondere Attraktion und die Chance für die Schüler zur persönlichen Begegnung mit Gleichaltrigen. Hier berühren sich Schulpartnerschaftsarbeit und Reiseprogramm unserer Schule, die sich beide gegenseitig stützen und intensivieren - auch eine Aufgabe der bewußten UNESCO-Schul-Arbeit! In den knappen Anmerkungen zu den drei Reisen soll, durch Fotos unterstützt, ein erster Eindruck von Routen- und Programmplanung und der inneren „Dramaturgie“ einer jeden solchen Reise vermittelt werden. Erläuterungen zur Konzeption der „Nordroute“ Die „Nordroute“ führt durch die strukturschwächeren Regionen Polens, in denen durch das ehemalige Vorherrschen des Großbauerntums ebenso wie durch die geographischen Lagenachteile die industrielle Entwicklung zurückgeblieben ist. Polens Entwicklung wird vor allem von den Industriegebieten des Südens gesteuert. Eher isoliert, aber dafür modellhaft für eine ganze Skala polnischer Probleme, sticht daher der Agglomerationsraum der „Dreistadt“ Gdansk-Sopot-Gdynia heraus. Eine Route, die zunächst über Szczecin durch die pommerschen Moränen- und Dünengebiete führt und dabei der wechselvollen Geschichte dieses deutsch-polnischen Durchdringungsraumes nachgeht, findet dann in Danzig einen inhaltlichen Schwerpunkt, der in seiner Spannweite ausgereizt werden kann. Geschichtliche Tiefe (Langer Markt, Marienkirche, Krantor), zeitgeschichtliche Problemlagen (Polnischer Korridor, Freie Stadt Danzig, Gründung von Gdingen), der brutale Einschnitt von Okkupation und Krieg (Westerplatte, Stutthof) und Brennpunkte der Nachkriegsentwicklung (Wiederaufbau, Unruhen 1970/71, Nucleus der Solidarnosc-Bewegung) geben dieser alten Stadt Aktualität und exemplarische Bedeutung. Dies kann am Beispiel der Arbeiterdenkmäler erläutert werden: Polen lebt mit seinen Widersprüchen. Die von der Solidarnosc errichteten Denkmäler in Posen - in Erinnerung an die Aufstände vn 1956 - und in Danzig - in Erinnerung an die Unruhen von 1970/71, Ereignissen, die jedesmal Todesopfer forderten und dabei zu Ablösungen in der Staats- und Parteispitze führten - überdauerten Kriegsrecht und Verbot und haben im Bewußtsein dieser Städte „offiziösen“ Charakter angenommen. Sie sind Anlaß, sich mit dem Problem des Konfliktes um Staatsloyalität und Gruppenidentität, mit der grundsätzlich anderen (vielleicht auch positiv zu wertenden?), skeptischen Haltung der polnischen Bevölkerung zur Staatsautorität zu beshäftigen. Hier lernt der Schüler, vielleicht anwendbar, was Zivilcourage bedeutet, ganz im Gegensatz zu den heute wieder bevorzugten affirmativen Gesellschaftsbildern. Warschau als zweiter Großstadt (nach einem Besuch von Malbork auf dem Wege) führt dann wieder in die großstädtisch-metropolitane Realität der Gegenwart und kann Ort für vorbereitete Gespräche und Kontakte sein, die zu einer ersten Sichtung und Klärung der eigenen Eindrücke beitragen. Der Besuch in Posen zum Abschluß der Reise vertieft diese persönliche Besinnung und ist Atemholen wie Abrundung der Polenerfahrungen. An einigen Fotos sollen die Erfahrungsmöglichkeiten verdeutlicht werden: Gdansk (1) Blick von der Marienkirche auf die Altstadt. Danzig ist in mehrfacher Hinsicht ein lohnendes und aufschlußreiches Reiseziel. Stellt sich doch hier sehr intensiv, wenn man die historischen materiellen Zeugnisse zu sehen und zu deuten weiß - was, übrigens, einiger vorheriger historischer Information und Einstimmung bedarf -, die Frage nach den deutsch-polnischen Beziehungen, nach der Geschichte des Zusammenlebens, nach Kulturkontakt und auch, tragischerweise, Konflikt, Krieg und Okkupation! Gdansk (2) Langer Markt. Die Restaurationsbemühungen und - erfolge, die Polen in den kriegszerstörten Städten gezeigt hat, bewahren gesamteuropäisches Erbe der polnischen wie der deutschen Geschichte - ein notwendiger Akt der Selbstfindung und Selbstbehauptung nach dem Versuch der deutschen Okkupationsmacht, die polnische historische Identität zu vernichten. Gdansk (3) Vortreppen der Mariengasse (Mariacka) im Schnee. Die Funktion der Altstadtgassen hat sich nach dem Wiederaufbau geändert. (3a) Jetzt finden sich hier, tourismusorientiert, Schmuckhändler, Kunsthandwerker u.ä. Gdansk (4) Krantor, alter Hafen. Das alte Symbol dieser Stadt wird bald wieder in eine mittelalterlich wirkende „Speicherfront“ einbezogen sein. Der Übergang von Restauration und Nostalgie ist fließend. Die sozialen Probleme der Großstadt müssen anders und anderswo gelöst werden. Eine Fahrt in die Wohnsiedlungen um Danzig herum, im Stadtteil Oliwa - mit dem längsten Hochhaus Polens -, in die wilden Laubensiedlungen um Gdynia herum, die sogar schon eine Hafenbeckenerweiterung verhindert haben, in die Arbeitersiedlungen am Hafen rückt die Nostalgie wieder auf den gebührenden Platz. Besucher müssen beide Seiten des heutigen Polens sehen: das ingenieuse Kulturland in seinem Geschichtsbewußtsein und seinem nationalen Zusammenhalt und das wirtschaftlich ausgepowerte, von sozialen Krisen bedrohte Staatswesen, das nun seit Jahrzehnten verbissen aber recht erfolglos um eine grundsätzliche Reform von Staat und Gesellschaft ringt. Beides ist für die Zukunftsperspektive gleich wichtig. Nur deutschtümelnde Reminiszenzen und besserwisserische Einmischungen von deutscher Seite her sind unerwünscht und deplaziert. Gdansk (5) (Foto: Wehking) Orgel im Dom von Oliwa. In der historischen Abteikirche Kirche, in der 1660 der Frieden von Oliwa geschlossen wurde, der die langjährigen Schwedischen Kriege beendete, finden auf der barocken Monumentalorgel regelmäßig Orgeldemonstrationen statt - ein beeindruckendes Klangerlebnis. Gdansk (6) Arbeiterdenkmal vor der Leninwerft. - Polen lebt mit seinen Widersprüchen. Von der Solidarnosc illegal errichtet, wurde dies Denkmal erst zu einer Sehenswürdigkeit und dann zum Kristallisationspunkt eines neuen Staatsverständnisses. Poznan (7) Bus vor dem V. Liceum, der Partnerschule der Bismarckschule Hannover. Für die „Dramaturgie“ einer Polenreise hat es sich als sehr vorteilhaft herausgestellt, einen „festen Anlaufpunkt“, in unserem Falle unsere Partnerschule in Posen zu haben, wo durch langjährige Kontakte und gegenseitige Besuche schon Vertrauen und Vertrautheit und das Angebot persönlicher Beziehungen existieren, die auch den polenunerfahrenen Schüler einbinden und einbeziehen. Doch sollte diese „Fermate“ einer Reise nicht gleich am Anfang stehen, um das „Ertasten und Beobachten“ der polnischen Realität durch jeden einzelnen Reiseteilnehmer nicht zu behindern. Poznan (8) Rathaus bei Nacht, Flutlicht (Foto: Wehking) - Reiseästhetik und „Genuß und Geschmack“ können trotz der Gefahr, manipulierend zu wirken und Vorurteile zu bestätigen, eingebunden in eine auf inhaltliche Vermittlung angelegte „Reisedramaturgie“ ein Ferment der Zuneigung und der emotionalen Verankerung des Polenbildes werden. Eine Polenreise im „Nord-Süd-Profil“ Diese Route ist wegen ihrer Länge und Vielfältigkeit eher problematisch und verlangt besonders motivierte Teilnehmer der Reisegruppe. In Teilstücken folgt sie den beiden anderen Routen, doch setzt sie weniger deutliche städtische Schwerpunkt, ist dynamischer im Ablauf und gewinnt ihren Reiz vor allem aus der Abwechslung und dem Vergleich, der zwischen Nord- und Südpolen gezogen und durchaus gehaltvoll ausgewertet werden kann. An die Reiseleitung sind recht hohe Anforderungen gestellt, wobei sich eine geographische Schwerpunktsetzung anbietet. Positiv hat es sich hier ausgewirkt, wenn wir die Reise verankern mit einer ersten etwas intensiveren Beschäftigung mit der zentralen und eher mitteleuropäisch wirkenden Landschaft Wielkopolskas um Posen und Gnesen. Diese beiden historischen Städte lenken das Interesse auf die Piastenzeit, die Geburtsstunde Polens. Eine Reihe von Museen und historischen Grabungsgeländen (Biskupin) machen diese Beschäftigung anregend und spannend. Neben diesem kleinräumigen Einstieg wird der Blick auf die Größe Polens im Profil von Danzig über Warschau bis Krakau umso überzeugender. Danzig und Krakau müssen exemplarischer und geraffter besichtigt werden als bei den beiden anderen Routen; Städtebau, Stadtgeschichte, Stadtsanierung und heutige sozi-ökonomische Probleme können hier im Vordergrund stehen. Dabei sollte man sich der Unterstützung durch örtliche Fachleute versichern. Der urbane Mittelpunkt der Reise, Gegenstück zu Posen am Anfang, ist dann Warschau, wo diesmal die historische und aktuell-politische Schwerpunktsetzung des Fahrtablaufes erfolgt. Um das ganze Gewicht der Zeitgeschichte zu erleben, sollte jedoch unmittelbar vor dem Warschauaufenthalt auf einen Besuch in der KZ-Gedenkstätte Stutthof bei Danzig nicht verzichtet werden. Bei einer Umkehrung der Route sollte entsprechend die Gedenkstätte Auschwitz im Programm auftauchen. Krakau und das oberschlesische Industrierevier ermöglichen dann noch einmal industriegeschichtliche Besichtigungen und, wenn entsprechend vorbereitet, Besuche in polnischen Industriebetrieben, bei denen vor allem Gespräche mit Betriebsleitung und Gewerkschaftsvertretern interessant sind. Wieweit die Zeit zu einem abschließenden „Atemholen“ in Breslau noch reicht, hängt dann von der individuellen Reiseplanung der Gruppe ab; für uns war die Zeit von 11 Tagen für das Gesamtprogramm eher zu kurz. Auch diese Reise soll durch einige Fotos dokumentiert werden. Warszawa (9) Popieluszko-Grab Das Thema Polen und der Katholizismus kann hier nicht vertieft werden. Es wird sicher ein wichtiger Punkt jeder Reisevorbereitung, der Gespräche in Polen und der eigenen Beobachtungen sein. Die emotionale Macht der Kirche wird in der Verehrung des von staatlichen Sicherheitsorganen ermordeten Pater Popieluszko deutlich. Der überreiche Blumenschmuck, der jetzt seit Jahren sein Grab ziert, und die regelmäßige „Messe für das Vaterland“, die hier aus der Kirche durch Lautsprecher einer tausendköpfigen Menge übertragen wird, sprechen beredt Zeugnis... Warszawa (10) Ghettodenkmal Das Ghetto wurde von deutschen Soldaten nach dem blutig niedergeschlagenen Ghettoaufstand dem Erdboden gleichgemacht. Das berühmte Denkmal ist Erinnerung an dieses Geschehen und Mahnung zugleich. Willy Brandt hat das richtig gespürt, als er hier in Ehrfurcht vor den Opfern niederkniete und damit ein neues Kapitel der deutsch-polnischen Beziehungen möglich machte. Diese Bezüge, Kontinuitäten und historischen Verankerungen der Gegenwart deutlich und bewußt zu machen, ist Aufgabe einer Polenreise mit Schülern. Warszawa (11) Altstadtmarkt Ganz Warschau wurde nach dem Warschauer Aufstand von deutschen Truppen dem Erdboden gleichgemacht. Es war eine schier unmögliche und von Polen doch bewältigte Leistung, die alte Stadt wiederaufzubauen und dazu ein modernes Warschau zu entwickeln. Nicht alles ist zuende geführt. Wo in den letzten Jahren sogar das Schloß wieder erstanden ist, setzen die zunächst rekonstruierten Häuser am Altstadtmarkt selbst schon wieder Patina an; auch Zeitgeschichte ist Geschichte, die Spuren hinterläßt. Wir lernen in Polen mehrschichtig denken. Warszawa (12) „Fliegender Händler und Drehorgelspieler“ auf dem Altstadtmarkt. Eine folkloristische Szene für Touristen. Anmerkungen zur „Südroute“: Bei der Südroute - Einreise über Wroclaw/Breslau - ist Kraków Zentrum und Angelpunkt, ähnlich wie bei der Nordroute Danzig. So ist die „Dramaturgie“ dieser beiden Reisen sehr ähnlich, auch was den abschließenden Besuch in Posen angeht (aus bestimmten äußeren Umständen mußte unsere letzte Reise in den Süden hier Abstriche machen; doch bleibt unsere Empfehlung für einen Aufbau der Südroute wie im Folgenden beschrieben bestehen). Breslau führt, auch im Blick auf die noch deutlich sichtbaren „Narben“ aus der Kriegszeit, als ein Wahnsinnsbefehl der deutschen Führung Breslau zur „Festung“ machte und damit ihre völlige Zerstörung geradezu provozierte, tief in die wechselvolle Geschichte der deutsch-polnischen Beziehungen hinein. Der Weg nach Krakau führt dann auch bald zum unbegreiflichen Schreckensort Auschwitz. In Krakau selbst bietet sich eine solche Vielfalt thematischer Schwerpunktsetzungen an (Industrie/Nowa Huta, Städtebau/Stadtsanierung, Geschichte der Jagiellonen, Bergbau von Wieliczka bis Tarnowskie Gory, Kultur, Buchläden, Kunstgallerien und vieles andere), daß hier darauf nicht weiter eingegangen werden kann. In Krakau lohnen sich auch individuelle „Streifzüge“ der Fahrtteilnehmer. Warschau als zweiter Schwerpunkt - u.U. nach einem Besuch in Czestochowa - tritt dann wieder, ebenso wie abschließend Posen, in gleicher Funktion auf wie bei der Nordroute. Wenn die Zeit reicht kann bei den Routen ein Tagesaufenthalt in L¾dz noch erheblichen thematischen Gewinn bringen. Gerade nach den industriegeographischen Themen des Südens - Bergbau und Metallverhüttung - bietet die manufakturell verwurzelte Textilindustrie noch eine zusätzliche Perspektive zur Beurteilung der Wirtschaftsgeschichte Polens und Osteuropas. Zu den zeitgeschichtlichen Aspekten eines Aufenthalts in L¾dz finden sich nachfolgend Anmerkungen bei den Fotos. Łódź (13) Textilindustriemuseum Łódź wird (als „graue Industriestadt“) von Touristen nur wenig besucht. Doch gerade hier lassen sich wertvolle Eindrücke aus der polnischen Geschichte und Gegenwart - die auch eine Geschichte der Erneuerungsbestrebungen und des Kampfes um Modernität war und ist - gewinnen. Das Textilindustriemuseum mit seiner sehenswerten Sammlung historischer Textilmaschinen zeigt die ökonomische Wurzel des Aufstiegs dieser zentralpolnischen Stadt zu einem Handelsknotenpunkt zwischen Ost und West, aber auch die tragisch beendete Geschichte des polnischen Judentums, das sich hier, in der Textilindustrie erstmals eine solide eigene wirtschaftliche Existenz schaffen konnte und eine Brücke der Modernisierung zwischen assimiliertem mitteleuropäischem und traditionellem Ostjudentum schuf. Łódź (14) Gedenkstätte Radogoszcz. In der alten Textilfabrik errichtete die GESTAPO während der Okkupationsjahre, als Łódź demonstrativ „Litzmannstadt“ genannt wurde, ihr Polizeigefängnis Radegast. Hier in den Ruinen der heutigen antifaschistischen Gedenkstätte liegen die Gebeine von rund zweitausend Häftlingen, die verbrannten, als, zwei Tage vor der Befreiung durch die Sowjettruppen (hier ist diese Bezeichnung sicher einmal adäquat! Auch die GESTAPO-Wärter unmittelbar vor ihrer Flucht das Gefängnis verrammelten, Benzin in das Kellergeschoß leiteten und die Insassen lebendig verbrannten. Fluchtversuche durch einen Sprung aus den Fenstern des vierten Stocks brachten den Bewachern lebende „bewegliche Ziele“, auf die um die Wette Schießübungen gemacht wurden. Fotos, die die „Kameraden“ davon als „Andenken“ machten, sind erhalten, im anschließenden Dokumentationsraum ausgestellt und beweisen das grausige Treiben...
Łódź (15) Mahnmal auf dem Gelände des ehemaligen Kinder-Konzentrationslager Nur wenige Reste sind erhalten von einer weiteren schrecklichen Einrichtung der Nazi-Okkupanten in Łódź: dem Kinder-KZ, in dem Kinder und Jugendliche verhafteter oder ermordeter Eltern aus dem ganzen Reich zusammengetrieben wurden zur „Selektion“ und zu einem großen Teil zur Ermordung in Auschwitz oder Treblinka... Kraków (16) (Foto: D.Voigt) Sanierungsgebiet Uliza Kanonicza Krakau ist die alte Königstadt, vom Schloß auf dem Wawel beherrscht und von einem fast südländischen Reiz der Altstadt. Vieles ist hier tatsächlich noch alt und nicht wie in den völlig zerstörten nördlicheren Städten nach dem Krieg erst wieder rekonstruiert worden. Doch das bringt umso brutaler die Schwierigkeiten vor allem finanzieller Art zum Vorschein, ein solch großes bauliches Erbe zu erhalten und zu bewahren. Nur in diesem Sinne kann auch der Gang durch die verfallenden Sanierungsgebiete zu einem positiven Erlebnis werden und Polen als alte Kulturnation ebenso wie als Gesellschaft mit großen heutigen ökonomischen Problemen im Bewußtsein halten. Kraków (17) (Foto: Schultz) Sanierungsgebiet Krakau beherbergt neben seiner traditionsreichen Universität eine Vielzahl von Gruppen („Bürger initiativen“), die sich um ökologische, stadtökologische und stadtplanerische Probleme kümmern. Hier Gesprächskontakte aufzunehmen, ist sehr lohnend. Tarnowskie Góry (18) Grubenfahrt im Silberbergwerk-Museum Industriegeschichte ist spannend, wenn sie hautnah vermittelt wird im Gang durch die nur 1.60 m hohen Stollen des alten Silberbergwerkes am Nordrand des Oberschlesischen Industrierevieres (GOP) oder bei der Fahrt in einem schmalen Kahn auf einem unterirdischen Kanal: der einzigen Erleichterung, die den Bergleuten bei ihrer schweren und langdauernden Einfahrt gewährt wurde. Auschwitz (19) (Foto: Dallwig) Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers bei der südpolnischen Industriestadt Oswiecim: von erschütterten Besuchern mit Blumen geschmückte Verbrennungsöfen. Auschwitz (20) (Foto: Dallwig) Gedenkstätte Eingangsgebäude zum Vernichtungslager Birkenau, mit er berüchtigten „Rampe“, dem Bahnanschluß, zu dem die Reichsbahn nach einem speziellen Sonderfahrplan regelmäßig aus allen besetzen Gebieten und aus „dem Reich“ Häftlingszüge zur „Selektion“ und zur „Vernichtung“ in den Gaskammern und Krematorien von Birkenau fahren ließ. Tips für Polenreisen (1989) 1. Was bietet Polen für Reisemöglichkeiten? a. Polen ist nicht das Land traditioneller touristischer Programme, wenngleich sich auch in diesem Bereich interessante bieten, denen eine größere Bekanntheit zu wünschen wäre. Zu nennen wäre hier u.a. der Winterurlaub in der Hohen Tatra (Zakopane); die Masurischen Seen bieten landschaftliche Reize für Wandern, Zelten, Radfahrten und Wassersport und viele abgelegene und ruhige, romantische Winkel für Entspannung und Erholung - Zeltplätze und günstige Übernachtungsmöglichkeiten sind vorhanden; Segeltouren auf der Ostsee sind von der pommerschen Küste (Pomorze) aus zu organisieren. Die Anreise kann mit der Bahn oder mit dem eigenen Bus erfolgen. b. Städtetouren und Kurzreisen sind auch nach Polen möglich, wenn auch zu fragen ist, ob für eine solche kurze Reise, so erlebnisreich sie auch sein mag, der notwendige zeitliche und finanzielle Aufwand angemessen ist; für Schülergruppen kommt diese Reiseform wohl kaum in Frage. Gdansk/Danzig kann unter Umständen in einer kombinierten Bahn-/Schiffspassage über die Ostsee besucht werden. Sonst sind sicher Warszawa/Warschau und Krak¾w/Krakau sehenswerte Reiseziele auch für ein verlängertes Wochenende. Zu berücksichtigen ist aber, daß derzeit die Bahnverbindungen noch sehr zu wünschen übrig lassen. Stadtbesichtigungen und kulturelle Programme (Museen, Theater, Musik etc.) stehen im Vordergrund von Kurzreisen, die sich vor allem für Einzelreisende und Kleingruppen eignen. c. Shopping-tours sollten skeptisch beurteilt werden, vor allem wegen der besonders kritischen ökonomischen Lage in Polen. Die ökonomische Seite ändert sich sehr schnell; doch Not und Armseligkeit greifen um sich und lassen ein behutsames Auftreten des deutschen Touristen notwendig erscheinen. Auch bei stark steigenden Preisen hat das mitgebrachte Reisegeld immer noch eine hohe Kaufkraft. So stellt sich immer noch das - auch psychologische - Problem: Ist es denn natürlich und für uns selbst akzeptabel, wenn das mitgebrachte Taschengeld unserer Schüler, das in der BRD gerade für einige Disko-Besuche reicht, in Polen plötzlich dem Monatslohn eines Facharbeiters oder Lehrers entspricht? Sensibilität ist hier angebracht. Als für Polen typische Gegenstände, die auch gerne den Touristen angeboten werden, sind zu nennen: kunstgewerbliche Artikel aus Holz, Leder (z.B. Hand- und Aktentaschen) sowie entsprechende Textilien meist folkloristischen Zuschnitts (Cepelia-Läden, Tuchhallen in Krakau), kunsthandwerklicher Schmuck (aber auf das Ausfuhrverbot von Gold und auf die hohen Zölle auf Silberwaren ist zu achten!), Bücher (z.B. in der Internationalen Buchhandlung im Kulturpalast in Warschau oder im nahebei gelegenen DDR-Kulturzentrum; aber auch in mehreren Buchhandlungen im Zentrum Krakaus), Musikalien und Schallplatten (in allen größeren Städten), Kunst und Druckgraphik (in Krakau z.B. beim Florianska-Tor), Bernstein (in Danzig; wegen Ausfuhrbeschränkungen - wie auch für das beliebte geschliffene Bleiglas - nur in konzessionierten Läden kaufen und an der Grenze den Kaufbeleg vorlegen). Achtung: Für alle Gegenstände - Bücher, Noten, Drucke, Kunstwerke etc. -, deren Herstellung bzw. Herausgabe vor dem 9. Mai 1945 lag, muß im Hauptzollamt in Warschau eine besondere Exportgenehmigung eingeholt werden. Die Ausfuhr von nationalen Kulturgütern ist (wie überall auf der Welt) verboten; Besitz und Ausfuhr von Schriften, Geld, Briefmarken etc. aus der Okkupationszeit ist grundsätzlich strafbar und sollte unbedingt vermieden werden. d. Für katholische oder ökumenische Reisegruppen können interessante Kontakte über ihre Kirche geschlossen werden (die EKD in Hannover hat einen eigenen Polenbeauftragten); Reisen von kirchlichen Gruppen sollten diese Kontakte nutzen und kirchliche Stellen in Polen anschreiben und besuchen. Neben Gemeindebesuchen kann zum Beispiel das Kloster Czestochowa/Tschentstochau mit der verehrten Ikone der „Schwarzen Madonna“ besucht werden. Zu erwähnen ist, daß die katholische Kirche in Polen stärker als in der BRD eine eigene politische Kraft in Staat und Gesellschaft ist und daher auch über die rein religiösen Fragen hinaus als Ansprechpartner interessant ist. e. Für Schülergruppen, die sich über das Land, seine Geschichte, Gegenwart und Kultur informieren wollen, kommt - wenn ein Aufenthalt im Rahmen einer Schulpartnerschaft nicht möglich ist - vor allem die organisierte Rundreise in Frage. Wenn auch oft versucht wird, diese mit einem traditionellen touristischen Programm zu verbinden - z.B. einem Wanderurlaub in den Masuren -, so reichen Zeit und Geld, vor allem bei dem Wunsch, doch ein etwas umfassenderes Bild des Landes zu gewinnen, meist nicht aus, über eine etwa 10- bis 14tägige Busrundfahrt auf erprobten Routen hinaus offenere Reiseformen zu finden. An anderer Stelle werden drei von uns erprobte „Standardrouten“ (Südroute, Nord-Süd-Profil, Nordroute) inhaltlich genauer vorgestellt. Daher beziehen sich die nachfolgenden organisatorischen Ratschläge vor allem auf diesen Reisetyp. 2. Was ist im Lande selbst zu beachten? Der zeitgeschichtliche Hintergrund (Nazi-Okkupation) macht für uns Deutsche ein zurückhaltendes, sensibles Verhalten selbstverständlich; treffen wir doch Tag für Tag auf Menschen, die bis 1945 in Gefängnissen und im KZ festgehalten und gequält worden sind oder während dieser Zeit enge Angehörige durch die deutsche Besatzungsmacht verloren haben. Deutschnationale Attitüden oder selbstgerechtes Auftreten sind fehl am Platz. Daß deutsche Besucher dennoch fast immer herzlich und gastfreundlich aufgenommen werden, ist eine bewundernswerte Leistung der polnischen Kultur und kann von uns sicher nicht erwartet oder gar eingefordert werden. Offenheit, Kontaktbereitschaft und Freundlichkeit werden auch von uns erwartet. Symbolen und Erinnerungen aus der nationalen Geschichte des Landes und zeitgeschichtlichen Mahnmalen und Gedenkstätten aus der Okkupationszeit ist mit Respekt und dem notwendigen Ernst zu begegnen (Flagge, Wappen, Gedenktafeln, Denkmäler, Museen der Zeitgeschichte etc.). Ein Besuch zeitgeschichtlicher Gedenkstätten (KZ-Gedenkstätte Auschwitz oder Stutthof; Ghettodenkmal in Warschau; Polizeigefängnis Radogoszcz und Gedenkstätte für das Kinder-KZ in Łódź und viele andere mehr) gehört zu einem Besuch in Polen notwendig dazu und vermittelt eine wesentliche Verständnisdimension für das Bewußtsein des heutigen Polens wie für die zeitgeschichtliche Situation in Mitteleuropa wie im Verhältnis zwischen Polen und Deutschland. Die polnischen Änderungen der letzten Zeit ändern an diesen Ratschlägen nichts, im Gegenteil, der deutsch-deutsche Einigungsprozeß weckt in Polen eher neue Besorgnisse! 3. Rechtlicher Rahmen für Reisen in Polen Reisende aus der BRD benötigen ein Visum. Gegen eine Aufhebung der Visapflicht bestehen bei der Bundesregierung noch Bedenken. Bislang gilt noch: Die Ein- und Ausfuhr von Zloty und anderer nichtkonvertierbarer Währung ist verboten. Es sollten zu erwartende Änderungen der Rechts- und Wirtschaftslage sorgfältig betrachtet werden. Devisen und Edelmetalle (in unbegrenztem Wert) müssen bei der Einreise deklariert und bei der Ausreise nachgewiesen werden. Der Umtausch im Lande sollte, zumindest bei größeren Beträgen, amtlich bescheinigt werden (Bankquittung); doch werden mäßige Fehlbeträge bei der Ausreise akzeptiert, da das begrenzte Verschenken von ausländischen Sorten an polnische Bürger ebenso wie Trinkgeldzahlungen in DM nicht verboten sind. Fingerspitzengefühl für die Glaubwürdigkeit und Angemessenheit der Auskünfte an den Zoll bei der Ausreise ist notwendig, vor allem, da die Rechtssicherheit und Gleichbehandlung nicht immer gewährleistet sind. Im Lande selbst herrscht für die Gruppe wie für einzelne Teilnehmer Freizügigkeit auch bei kurzfristigen Programmänderungen oder zusätzlichen (z.B. privat vereinbarten) Besuchen. Der Kontakt zu polnischen Staatsangehörigen ist jederzeit und unkontrolliert möglich. Die polizeiliche Anmeldung wird bei Hotelübernachtungen vom Hotel selbst übernommen. Der Reisegruppenleiter hat sich darum nicht zu bemühen, sollte aber zur Vereinfachung bürokratischer Abläufe immer genügend Kopien einer Teilnehmerliste der Reisegruppe verfügbar haben. Nur privat untergebrachte Reisende müssen sich, so die bislang gültige Regelung, zur Anmeldung zur Polizeistation begeben und den entsprechenden Stempel im Visumformular einholen, da sonst Schwierigkeiten bei der Ausreise auftreten können. Der Reisebegleiter („Pilot“) des Reisebüros hat ausschließlich Übersetzer- und Serviceaufgaben und braucht zu privat organisierten Programmpunkten nicht notwendigerweise mitgenommen zu werden (erst recht nicht zu privaten Besuchen). Doch ist seine Anwesenheit bei Gruppenprogrammen meist recht hilfreich und für die oft zeitraubenden Verhandlungen mit Restaurants und Hotels, aber auch bei Kontakten mit Behörden geradezu unentbehrlich. Vorsicht beim Fotografieren! Wie in fast allen Ländern der Welt dürfen auch nach den politischen Änderungen Militäranlagen, -fahrzeuge und -personen, Polizei/Miliz, Brücken, Eisenbahnen, Bahnhöfe, Häfen und wichtige Industriekomplexe nicht oder nur mit amtlicher Genehmigung fotografiert werden. Da nicht in jedem Falle die international bekannten Schilder (durchkreuzte Kamera) auf solche Fotografierverbote hinweisen, sollte im Zweifelsfalle vorher beim „Piloten“, bei der Polizei oder einem anwesenden uniformierten Diensthabenden nachgefragt, oder auf das Fotografieren verzichtet werden. 4. Reiseorganisation (1989!) Nach unseren Erfahrungen empfiehlt es sich, ein polnisches Reisebüro für die Vorbereitung einer Gruppenreise zu beauftragen. Wir arbeiten zusammen mit dem Jugendreisebüro: JUVENTUR, 01-633 Warszawa, Gdanska 27 Tel. 33-04-45 Der Flexibilität, mit der dieses Reisebüro auf alle Programmwünsche eingeht, und den relativ günstigen Preisen steht eine nicht allzu entwickelte organisatorische Sorgfalt und Kompetenz gegenüber. Für höhere Ansprüche und vor allem für Einzelreisende ist daher das staatliche Reisebüro zu empfehlen: ORBIS, Warszawa, ul. Bracka 16, Tel. 26-02-71 mit seiner deutschen Niederlassung:
POLORBIS, Hohenzollernring 99-101, D-5000 Köln
1 Den Bustransport haben wir immer selbst organisiert. Hier haben die örtlichen Reisebusunternehmen vielfältige und differenzierte Angebote, die wohl am besten durch eine Ausschreibung erfahren werden können. Für den Raum Hannover empfehlen wir das in Polenreisen erfahrene und im Preis für Schülerreisen angemessene Unternehmen:
Lehrter Omnibusbetrieb Albert Grund OHG,
Everner Str. 8-10, das seit langem eng mit der Deutsch-polnischen Gesellschaft Hannover e.V. zusammenarbeitet. (Fahrtkosten (1987) für zehntägige Rundreisen je nach Kilometerzahl und Busgröße zwischen 5.500,- und 6.500,- DM.) Wir buchen grundsätzlich Halbpension, da die zusätzliche warme Mahlzeit in Polen zu geringen Kosten (ca. 10,- DM p.P. und Tag bei guter Qualität mit Getränken) und zeitlich unabhängiger an Ort und Stelle zu bestellen und in Zloty zu bezahlen ist. Der „Pilot“ wird jeweils beauftragt, die notwendige Bestellung und Reservierung durchzuführen. Ein Hinweis für die Reiseleiter: Informieren Sie sich über die Rechtslage! Nach meiner Erfahrung ist es empfehlenswert, sich von den Reiseteilnehmern (bei Jugendlichen von den Erziehungsberechtigten) schriftlich und rechtsverbindlich bestätigen zu lassen, daß Sie nicht als Reiseveranstalter auftreten, sondern daß das beauftragte Reisebüro der Veranstalter ist, und daß Sie für die Reisedurchführung keine Haftung übernehmen. Lassen Sie nicht den Eindruck entstehen, daß Sie finanziellen oder sonstigen geldeswerten Gewinn aus der Reise ziehen würden oder daß Sie die Reisedurchführung in irgend einer Form gewerblich und regelmäßig übernehmen würden. Sie könnten sonst Schwierigkeiten mit dem deutschen Reiserecht bekommen. Bei privat organisierten Ferienreisen mit Schülern, die von Lehrkräften begleitet werden, ist zusätzlich der Hinweis aufzunehmen, daß es sich um keine Schulveranstaltung im Sinne des Gesetzes handelt und daß eine Diensthaftung ausgeschlossen ist. Denken Sie aber daran, daß Ihnen dennoch nach dem Dienstrecht auch in den Ferien gegenüber Schülern erweiterte Aufsichts- und Fürsorgepflichten zufallen, die bei Mißachtung u.U. zu Rechts- und Disziplinarfolgen führen können. Grundsätzlich bestehen Rechtsunsicherheiten, die eine besondere Sorgfalt der Reisevorbereitung und Reisebetreuung wichtig erscheinen lassen! Bei Studienreisen in der Schulzeit gelten in den einzelnen Bundesländern unterschiedliche Genehmigungsvoraussetzungen. In Niedersachsen z.B. ist nach der Genehmigung der Fahrt durch Schulleitung und Gesamtkonferenz ein rechtzeitiger Genehmigungsantrag bei der zuständigen Bezirksregierung einzureichen (etwa sechs Monate vor dem geplanten Reisetermin), der die organisatorischen Daten, einen Kostenvoranschlag (auch auf den einzelnen Schüler umgerechnet) und die pädagogische Begründung der Fahrt enthält (Erlaß MK vom 17.07.1979-304-32.021). Vor der Genehmigung dürfen keine Kostenverpflichtungen eingegangen werden. (Auf Anfrage können wir gerne weitere Auskünfte geben und Musterreisebedingungen und Mustergenehmigungsanträge zur Verfügung stellen.) 5. Reisekostenzuschüsse in Niedersachsen Für Schüler- und Jugendreisen mit politisch bildendem Themenschwerpunkt nach Polen wurden bislang von der Niedersächsischen Landeszentrale für politische Bildung Hohenzollernstraße 46, 3000 Hannover 1, Zuschüsse von i.d.R. etwa 100,- DM p.P. gezahlt. Ob diese Möglichkeit angesichts der politisch geänderten Situation weiter bestehen bleibt, ist fraglich. Eine informelle, inhaltlich begründete, mit Programmentwurf und Kostenvoranschlag versehene Voranfrage muß spätestens im Oktober/November des Vorjahres der geplanten Reise bei der Landeszentrale eingegangen sein. Rechnen Sie mit einem erheblichen „Papierkrieg“ und der Pflicht zur Rechnungslegung und Berichterstattung nach Abschluß der Reise. Die Zuschüsse werden erst nachträglich gezahlt, wenn die Abrechnung akzeptiert ist. Dennoch sind Sie selbst für die Zahlung der Gesamtkosten der Reise verpflichtet. Machen Sie daher gegenüber den Reiseteilnehmer einen Kostenvorbehalt. Um das Geld nicht selbst vorauszahlen zu müssen, können Sie ggf. mit dem Busunternehmen Rechnungserstellung nach der Reise vereinbaren und die Zahlungsfrist ausnutzen. Für Schulveranstaltungen (schulische Studienfahrten) werden von der Landeszentrale keine Zuschüsse gezahlt. Hier empfiehlt es sich nachzufragen, ob ggf. über den kommunalen Schulträger im Rahmen bestehender Städtepartnerschaften mit Polen o.ä. (in Hannover z.B. mit Poznan) Förderungsmittel verfügbar sind. Über Förderungs- und Vorbereitungsmöglichkeiten in anderen Bundesländern, vor allem in Nordrhein-Westfalen gibt gerne Auskunft:
Gesamteuropäisches Studienwerk Vlotho 6. Camping in Polen von Gerda Heinemann und Armin Walthemate In Polen gibt es sehr viel mehr Campingplätze, als im ADAC-Führer stehen, nämlich rund 170 Plätze, die in drei Kategorien eingeteilt sind. Generelle Íffnungszeit ist 15. Juni bis 31. August, in großen Städten und in einigen touristisch attraktiven Orten sind die Campingplätze - in der Regel der ersten Kategorie - ab Mitte Mai bis Ende September geöffnet. Auf den Plätzen der ersten Kategorie stehen Cabanen (Bungalows) zur Verfügung. Außerhalb der polnischen Sommerferien (Juli/August) sind sie in jedem Fall zu mieten. Auf unseren Reisen sind wir niemals auf einen überfüllten Campingplatz gestoßen. Vorbestellung ist nicht möglich, aber auch nicht notwendig. Die Ausstattung der sanitären Anlagen entspricht zwar nicht gerade der 5-Sterne-Ideologie des ADAC, die Anlagen sind aber durchaus ohne Einschränkung zu benutzen. Die Übernachtungskosten betragen pro Person umgerechnet etwa DM 3,- bis DM 6,- pro Nacht. Ein wesentlicher Vorteil dieser Reiseart gegenüber den herkömmlichen Studienreisen für Schüler liegt in der Flexibilität, mit der die Organisatoren planen können.
Natürlich ist das Ganze nur realisierbar, wenn der Busfahrer nicht auf Hotelunterkunft besteht, sondern die Reiseform für seine Person akzeptiert. Derart aufgeschlossene Busunternehmen gibst es in zunehmenden Maße, sie verfügen darüber hinaus über Campingküchen (Küchenausrüstung, Tische und Bänke) die eine Beköstigung bis zu 40 Personen erlauben. Dadurch ist es möglich - wie bereits einmal realisiert und für den Sommer 1990 vorgesehen - eine Gruppe polnischer Schüler zur Fahrt einzuladen. Da die Teilnahme unserer Schüler am polnischen Unterricht wegen Unkenntnis der polnischen Sprache unergiebig ist und da nicht in jeder polnischen Familie die Möglichkeiten für die Unterbringung eines Gastschülers über längere Zeit gegeben sind, ermöglicht diese gemeinsame Fahrt ohne finanzielle und organisatorische Hindernisse das Zusammenkommen deutscher und polnischer Schüler in Polen. Nach unseren Erfahrungen gibt es keine Vorbehalte von Seiten der polnischen Familien, unsere Schüler ein bis zwei Tage zu Beginn, bzw. am Ende der Reise zu beherbergen. Konkreter Finanzierungsplan für Sommer 1990 (9 Tage) für 20 deutsche Schüler als Gastgeber von 20 polnischen Schülern:
Bus (ca. 2500 km) ca. DM 275,- pro Teilnehmer In der Regel gibt die Landeszentrale für politische Bildung einen Zuschuß von DM 100,- pro Teilnehmer. Der Finanzierungsplan zeigt einen weiteren wesentlichen Vorteil dieser Reiseart. Neben größtmöglicher Mobilität und organisatorischer Flexibilität ermöglicht der geringe Fahrtpreis vielen Schülern - sowohl von polnischer als auch von deutscher Seite - die Teilnahme an der Fahrt.
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Verantwortlich: Gerhard Voigt, OStR i.R.
bismarckschule.voigt@gmx.de http://www.unesco-club-hannover.de Vgl. dazu Impressum Überarbeitet August 2009 |
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Bearbeitungsstand: 10. August 2009 URL: http://www.polen-didaktik.de Verantwortlich: Gerhard Voigt, vgl. Impressum eMail: bismarckschule.voigt@gmx.de |