http://www.Polen-Didaktik.de

Home Inhalt In memoriam Grundlegende Schriften Nation ohne Ausweg? Polen und Deutsche Jernsson: Historismus Polen 1980/81 Fachaufsätze Didaktische Praxis Impressum

 

Zur Seitennavigation

Zu den anderen Aufsätzen in diesem Band

Inhaltsübersicht

Impressum für diesen Text

 

   
   

 

     
   

Bronisław Kortus:

Die Integration semiperipherer Regionen Ostmitteleuropas in die Europäische Union und die Auswirkung der Globalisierung

Einführung

immer ein Teil der großen Peripherie. Dar­über hinaus war (und ist) die Kluft zwischen dem Kern und der Peripherie des Kontinents einer der fundamentalen Merkmale Europas. Man spricht auch von einem osteuropäischen ‚Mezzogiorno‘.

Es besteht die Frage ob sich im 21. Jahrhundert der periphere Status Ostmit­teleuropas durch Nivellierung der bisherigen Diskrepanz zwischen dem Kern und der Peripherie ändert? Wenn wir positiv antworten, dann tauchen zwei weitere Fragen auf :

1.   Erstens, in welchem Maße wird Ostmitteleuropa im Stande sein, seine eige­nen (endogenen) Kräfte aufzubringen um seine Entwicklung zu beschleuni­gen?

2.   Zweitens, in welchem Maße wird die Europäische Union bereit sein diese Entwicklung durch exogene Impulse zu unterstützen?

„Es liegt im Interesse sowohl Europas wie auch Deutschlands, die existierende wirtschaftliche und soziale Kluft zwischen der EU und Ostmitteleuropa abzu­bauen. Andererseits droht das der stabi­len Situation in ganz Europa.“ Volker Rü­he (Interview in ‚Polityka‘, 20 Febr. 1999):

1. Westeuropa und Ostmitteleuropa (Kern und Peripherie) – einige Struk­turmerkmale

Tab.1

Kern und Peripherie Europas – Bevölkerungsproportionen

Westeuropa (EU + EFTA)

Postkommunistisches Europa [[i]]

 Fläche

Bevölkerung (Mio)

Fläche

Bevölkerung (Mio)

Tsd. km2

1993

2010

Tsd. km2

1993

2010

3702

380.8

389.3

2188

197.6

202.6

 63 %

 66 %

 66 %

 37 %

 34 %

 34 %

Quelle:Council of Europe 1994

Nach dem Anteil des Bevölkerungspotentials nimmt Westeuropa aktuell 2/3 und Ostmitteleuropa (ohne Russland) 1/3 ein. Laut Prognosen für das Jahr 2010 wer­den sich diese Proportionen nicht ändern (Tab.1). Der Bevölkerungszuwachs wird in beiden Teilen Europas niedrig sein. Allerdings stützt sich die Prognose nur auf dem natürlichen Zuwachs, also ohne Wanderungsbilanz.

Der Pro-Kopf-Index der Bruttoinlandproduktes (BIP) bestätigt die sozial-wirt­schaftlichen Disparitäten zwischen West- und Osteuropa.

In den EU-Ländern beträgt dieser Index von über 30 Tsd. US-$. (Luxemburg) bis 13 Tsd. (Portugal und Griechenland). In den ostmitteleuropäischen Ländern liegt er unter 10 Tsd. (nur in Slowe­nien und Tschechien beträgt er über 10 Tsd. US-Dollar).

2.1 Eine differenzierte Peripherie

Die Peripherie, welche das postkommunistische Europa umfasst (von Russland hier abgesehen), ist stark differenziert. Sowohl nach historisch-kulturellen wie auch sozial-wirtschaftlichen Kriterien kann man in diesem Gebiet Europas fol­gende Teilgebiete unterscheiden:

1.   Den westlichen Teil, welcher Polen, Tschechien, Slowakei, Ungarn, Slowe­nien und Kroatien umfasst. Alle diese Länder haben ihre gemeinsame westli­che, christlich-katholische Tradition. Aktuell sind sie die Vorreiter im Trans­formationsprozess. Unter ihnen befinden sich auch die ersten Kandidaten der EU und NATO. Seit März 1999 sind Polen, Tschechien und Ungarn bereits Mitglieder der NATO.

2.   Die Balkan-Region (Rumänien, Bulgarien, Makedonien, Albanien, Jugosla­wien und Bosnien-Herzegowina) ist durch die byzantinische Tradition und nachher durch 5 Jahrhunderte lange türkische Herrschaft gekennzeichnet. Aktuell zeichnet sich diese Region durch nationale Kon­flikte und politische Instabilität aus. Dazu ist sie wirtschaftlich weit rückständig.

3.   Die post-sowjetischen Republiken – Estland, Lettland, Litauen, Weißruss­land, Ukraine und Moldawien. Diese Staaten sind noch am stärksten poli­tisch und wirtschaftlich von Russland beeinflusst. Russland wird die Annähe­rung dieser Länder an den Westen (zur NATO und EU) auch in Zukunft zu verhindern versuchen.

Aus dieser Ländergruppe muss man die drei Baltischen Staaten ausschlie­ßen. Abgesehen von ih­rer westlich-christlichen Tradition sind sie innerpoliti­sch wie auch wirtschaftlich deut­lich höher entwickelt. Estland ist einer der aktuellen EU-Kandidaten. Alle drei Länder schei­nen auch die nächsten NATO-Kandidaten zu sein.

Laut manchen geopolitischen Konzeptionen sollten solche Länder Ostmitteleuro­pas wie Polen und Ukraine sowie auch die drei Baltenländer eine Baltisch-Schwarzmeerachse bilden. Aktuell scheinen Polen und die Ukraine daran inter­essiert zu sein. Es geht vor allem um wirtschaftliche Zusammenar­beit sowie um offene Transitwege vom Schwarzen Meer zur Ostsee. Über eine Öllei­tung Odes­sa – Gdansk wird aktuell zwischen Polen und der Ukraine diskutiert. Beide Län­der streben nämlich ihre Energiesicherheit an, insbesondere was die Öl- und Gas-Versorgung betrifft. Es geht darum, die bis­herige große Abhängigkeit von Russ­land in dieser Hinsicht zu reduzieren.

2.2 Die wirtschaftlich-räumliche Differenzierung

Die meisten wirtschaftlichen Kennziffer wie auch verschiedene Ranglisten be­zeugen, dass die fünf / sechs westlichen Länder der Peripherie – Polen, Tsche­chien, Ungarn, Slowenien und Slowakei, dazu noch Estland – hinsichtlich der wirtschaftlichen Entwicklung die führende Gruppe bilden. Auch im bisherigen Transformationsprozess sind diese Länder am weitesten fortgeschritten.*

Man könnte diese Ländergruppe als Semiperipherie in der osteuropäischen Peripherie be­zeich­­nen. Innerhalb dieser Länder sind jedoch das Wirtschaftsni­veau wie die Trans­for­ma­tions­pro­­zesse räumlich stark differenziert.

Deutlich ist hier der positive Einfluss der “westnahen Lage” zu bemerken. Das betrifft die westli­chen Landesteile Polens, Tschechiens, Ungarns und der Slowa­kei. Zugleich tritt aber auch ein West-Ost-Gefälle in den genannten Ländern auf, was historisch bedingt ist. Beide Tendenzen sind z.B. im räumlichen Transfor­mationsprozess der polnischen Industrie zu erkennen (Buchhofer, Kortus 1999, Zur Geographie der Transformation polnischer Industriefirmen, Zeitschrift für Wirt­­schaftsgeogra­phie, Jg. 43, H.1).

3.1 Endogene und exogene Impulse zur beschleunigten Entwicklung der Pe­ripherie

Nach der Auflösung der bisherigen wirtschaftlichen und militärischen Bündnisse (RGW und Warschauer Pakt), die den Sowjet-Block zusammenhielten, fiel Ost­europa sozusagen auseinander. Ein starker Rückgang war vor allem im Außen­handel unter diesen Ländern zu verzeichnen. Es entstand in diesem Gebiet ein Vakuum im politischen und wirtschaftlichen Sinne.

Unter diskretem Druck der Europäischen Gemeinschaft haben die drei Länder der Visegrad-Grup­pe (Polen, Tschechoslowakei und Ungarn) ein Freihandelsab­kommen (CEFTA) 1992 in Krakau unterzeichnet (das 1993 in Kraft getreten ist). Diese Länder sollten ein “Übungsgelände” des frei­en Handels bilden, bevor sie der EU beitreten.

Der Anfang war schwierig, doch ab 1994 wächst der Außenhandel zwischen den CEFTA-Ländern bedeutsam. Weil am Anfang politische Zusammenarbeit in der Visegrad-Gruppe auf Schwierig­keiten stieß, haben die Partnerländer eingese­hen, dass man eher in der Wirtschaft effektive gemeinsame Geschäfte machen kann.

Dies kann man als Parallele zu den Anfängen der Europäischen Gemeinschaft betrachten, die auch in den 50er Jahren mit Interessengemeinschaften, wie die Montanunion anfing.

Ab dem Jahr 2000 soll der Außenhandel innerhalb der CEFTA- Länder in fast allen Waren­grup­pen zollfrei verlaufen. Die meisten Schwierigkeiten treten hier zwischen Polen und Tsche­chien auf. Die beiden Nationalwirtschaften sind näm­lich mehr konkurent zueinander als komple­mentär, beson­ders was Kohle und Stahl betrifft.

Der Anteil der CEFTA am Außenhandel einzelner Mitgliedsländer betrug 1995 6-7%, aktuell beträgt er jeweiligst bis zu 10%. Die CEFTA scheint in den letzten Jahren immer mehr attraktiv auch für andere Länder der Peripherie zu sein. 1996 ist nämlich Slowenien beigetreten und letz­tens auch Rumänien und Bulgarien. Es melden sich weitere Kandidaten (Ukraine, Makedonien). Die bis­herige Zusammen­arbeit soll nicht nur den Warenhandel umfassen sondern auch den frei­en Umlauf von Kapital und Dienstleistungen.

Die CEFTA ist somit ein Beispiel endogener Kräfte der (semi-) Peripherie, die zur beschleu­nig­ten Entwicklung beitragen soll.

Die CEFTA nachahmend, entstand ein Jahr später (1994) die Baltische Frei­handelszone (Estland, Lettland, Litauen). Doch diese, auch endogene Initiative, zeigt bis jetzt keine besonde­ren Erfolge, Litauen hat z.B. ein Freihandelsabkom­men 1996 mit Polen abgeschlossen.

Auf Initiative Schwedens (unterstützt durch Deutschland und Dänemark) entstand 1992 das Projekt “Vision and Strategies around the Baltic See” (VASAB), in dem 10 Ostsee-Anrainer-Staa­ten teilnehmen, sowohl aus dem We­sten wie aus dem Osten Europas. Polen ist von Beginn an ein aktives Mitglied dieser Ostsee-Gemein­schaft. 1996 wurde das Sekretariat der VASAB in Gdansk/Danzig eingesetzt. Der Schwerpunkt der Zusammenarbeit liegt hier auf Umweltproblemen der Ostsee, es geht aber auch um transbalti­sche Transportkon­zeptionen (in Nord-Süd-Richtung) und grenzüber­schreitende Zusammenarbeit.

Eine weitere Initiative Schwedens ist die Organisation einer Art Euregio im sudöstlichen Teil der Ostsee, welche die Grenzgebiete von Schweden, Polen, Russland (Kaliningrad Region), Li­tauen und Dänemark (Bornholm) umfassen soll. Beides sind Beispiele von exogener Unter­stüt­zung seitens der Kernländer für die Peripherie-Länder.

Die Ostsee-Initiative nachahmend haben sich letztens auch die Schwarz-Meer-Anreiner Län­der, darunter zwei ‚westliche‘ (Griechenland und die Türkei) zur wirtschaftlichen Zusammen­ar­beit ent­schlossen.

Darüber hinaus ist die Einbindung Polens in das s.g. “Weimarer Dreieck” (Deutschland, Frank­reich, Polen) sehr wichtig für Polen. [ii] Es stärkt zugleich die West-Ost- Entwicklungsachse Euro­pas: Paris-Berlin-Warschau-(Moskau bzw. Kiew) und verbindet auch den Kern Europas mit der östlichen Peripherie (siehe: The changing Map of Europe. The Trajectory Berlin-Poz­nan -War­saw, Ed. R.Domanski, Warsaw 1999, Friedrich Ebert Stiftung)

3.2 Zusammenarbeit in den Grenzgebieten

Das westeuropäische Muster der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit nach­ahmend, versuchen auch die Länder Ostmitteleuropas in den grenznahen Gebie­ten verschiedene Formen der Zusam­men­arbeit zu entwickeln.

Es fing Anfang der 90er Jahre an der damaligen Ost-West-Grenze Europas an, also an der polnisch-deutschen, tschechisch-deutschen wie auch ungarisch-österreichischen Grenze. Hier wa­ren so­wohl exogene Impulse seitens der Kernländer wie auch eigene endogene Initiativen der betreffenden ostmitteleuro­päischen Länder ausschlaggebend. Auch das erprobte westeuropäische Modell von Eu­roregionen wurde hier teilweise übernommen.

In der nächsten Phase entwickelte sich auch diese Art Zusammenarbeit in den Grenzgebieten zwischen einzelnen Ländern der Peripherie, obwohl mit viel mehr Schwierigkeiten. Diese haben nicht nur organisatorisch-institutionellen Charak­ter, aber sind auch von mentaler Natur.

Hier muss man die aktive Rolle und positive Einstellung Polens hervorheben, diese Art Zu­sam­menarbeit mit ihren Nachbarn trotz dieser Schwierigkeiten zu entwickeln.

Darüber hinaus möchte ich auf die positive Resonanz hinweisen, die in den deutschen wie auch polnischen Geographieschulbüchern hinsichtlich der deutsch-polnischen grenzüber­schreiten­den Zusammenarbeit vorzufinden ist. [iii] Die Schule kann und soll zum Abbau der noch existieren­den mentalen Barrieren zwischen den Menschen beiderseits der Grenzen wesent­lich beitragen.

4. Auswirkung der Globalisierung

Die Länder Ostmitteleuropas befinden sich beim Übergang von der sozialisti­schen Zentral­verwal­tungs­wirtschaft zur Marktwirtschaft in einem doppelten An­passungsprozeß. Einerseits muss das planwirtschaftliche Wirtschaftssystem durch ein marktwirtschaftliches ersetzt werden. Andererseits treten die Länder in zu­nehmend globalisierte weltwirtschaftliche Verflechtungen ein, von denen sie bis­lang kaum erfasst worden waren. Durch die Globalisierung von Arbeit, Kapital und Infor­mationen verlieren die Transformationsstaaten erheblich an Steuerungs­kraft zur Gestaltung ihrer wirtschaftli­chen Entwicklung. Die Transformationspro­zesse vollziehen sich damit in einem Span­nungsfeld zwi­schen »interner Restruk­turierung« und »Internationalisierung«. (Faßmann, Lichten­berger 1995, Märkte in Bewegung. Metropolen und Regionen in Ostmittel­europa, Wien u.d.)

Globalisierung bedeutet auch neue Chancen für die Peripherie Europas. Wenn der Zugang zum globalen Informationsnetz wie auch qualifizierte Arbeitskräfte gesichert sind (und das kann im west­lichen Teil der Peripherie, also in der Semi­peripherie der Fall sein), wird es möglich sein hoch­effektive Aktivitäten zu ent­wickeln, auch in Gebieten die anfangs vom niedrigen Entwick­lungspotenzial ge­kennzeichnet sind.

Die Träger der Globalisierung in diesem Teil Europas sind vor allem die gro­ßen transnationa­len Firmen, die sich hier gleich nach der Wende ihre Standorte suchten. Anziehend wirkten solche Standortfaktoren wie der neue bedürftige Markt sowie billige und relativ gut geschulte Arbeits­kräfte. Anfangs negative Faktoren wie mangelnde Infrastruktur, schwaches Bankensystem sowie unsichere Regulationssysteme weichen mit der Zeit zurück. Somit werden diese Länder verstärkt in die »neue internationale Arbeitsteilung« und die Globalisierung von Produktionssystemen ein­gebunden.

5. Auslandskapital

Schon in den 80er Jahren fing das ausländische Kapital an in Osteuropa ‚durch­zu­sickern‘, vor al­lem in Ungarn und in Polen, wo es die entsprechenden Regula­tionsvorschriften ermöglichten. Aktuell betragen die Auslandsinvestitionen in Polen 31 Mrd US-$. (Ende 1998), in Ungarn 22 Mrd. in Russ­land ca. 12 Mrd. (1996), in Tschechien knapp 10 Mrd. In allen übrigen Ländern Ostmitteleuropas sind diese Quoten noch sehr gering. Außer den bereits erwähnten positiven Stand­ort­faktoren ist für die ausländischen Firmen das Inves­ti­tionsrisiko in jewei­ligen Ländern aus­schlag­gebend. Dieses wächst deutlich gegen Osten und Süd­osten der Peripherie Europas.

Die Rangliste der Länder mit größten Auslandsinvestitionen in Polen (bis ein­schließlich 1998) sieht folgendermaßen aus (in Mrd. US-$.): Deutschland – 5.1, USA – 4.9, Frankreich – 2.4, Italien – 2.0, (davon FIAT – 1.4), internationale Firmen – 2.0, Großbritannien – 1.9, Nieder­lande – 1.9, Korea – 1.5 (davon Dae­woo – 1.4).

Etwa 60 % des Auslandskapitals in Polen wurde in der Industrie investiert (darunter vor al­lem in der Lebensmittelindustrie und in der Automobilindustrie). Es wächst in der letzten Zeit der Anteil des Bankwesens (über 20 %) und des Handels an.

35 % des Bankkapitals in Polen gehört zum Auslandskapital (in 40 % davon sind deutsche Banken beteiligt). In Ungarn und in Tschechien ist der Anteil des III Sektors an Auslands­investi­tionen höher.

Ein genereller Merkmal der Auslandsinvestitionen in Ostmitteleuropa ist der Mangel an high-tech Investitionen sowie am Transfer moderner Technologien. Wegen der billigen Arbeitskräfte werden arbeitsintensive Produktionsbereiche vorgezogen. Größere Multiplikatoreffekte (in Tech­nologie und Produktionsorga­nisation) weisen die Investitionen in der Automobilindustrie auf.

Ein gegenläufiger Prozess der sich in den Ländern der Peripherie bemerkbar machte, beson­ders Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre, war der “brain drain” d.h. die Flucht von hoch­qualifizier­ten Arbeitskräften in den Westen. Allein aus Polen emigrierten innerhalb von zehn Jah­ren etwa eine Million Leute mit Universitätsausbildung.

Komplementär zur Globalisierung entwickelt sich gleichzeitig in Europa die Regionalisie­rung, z.B. in Form von autonomer Wirtschaftsentwicklung, regiona­ler Identität, regionalen Inno­vations­systemen, interregionaler (auch grenzüber­schreitender) Zusammenarbeit u.a. Auch dieser Prozess kann zur Integration in “Europa der Regionen” beitragen.

6. Fazit

Es gibt für Polen wie auch für andere Länder Ostmitteleuropas keine positive Alternative zur Integration mit der Europäischen Union.

Ein Bündnis der Länder Ostmitteleuropas ist nämlich keine Lösung. Auch ei­ne Allianz mit Ost­europa (d.h. mit Russland) und somit eine Isolierung von West­europa kommt nicht in Frage. Desto weniger ein Schweben in der Peripherie von Westeuropa, was praktisch das Abrutschen in die graue Zone “im Osten des Westens und im Westen des Ostens” bedeutet. Diese negativen Lö­sungen sollen mehr als Warnungsszenarien für Ostmitteleuropa betrachtet werden.

Doch in der labilen Situation (politisch und wirtschaftlich), die in der großen Peripherie Ost­europas noch herrscht, ist die Verwirklichung eines der negativen Szenarien durchaus möglich, zumin­dest im Falle einiger Länder der Peripherie.

Mehr optimistisch klingen die Ergebnisse neuerer sozio-psychologischen Un­tersuchungen. Laut denen sieht die Mehrheit der Polen (wie auch anderer ostmit­teleuropäischer Nationen), be­sonders die junge Generation, keine Barrieren mehr in Kontakten mit den Deutschen wie auch mit anderen Europäern. Die Haltung der Bevölkerung wird immer offener, der Europa – Gedanke tritt immer deutli­cher zum Vorschein. [iv] Mentale Wandlungen dieser Art lassen auf die Perspekti­ven der Zusammen­arbeit und des Zusammenlebens in Europa mit Hoffnung blic­ken. Auch in die­ser Hin­sicht gibt es aber negative Ausnahmen, was die Konflikte im ehemaligen Jugoslawien bezeugen.

Doch in den nächsten Jahren wird das europäische Denken in einigen Staaten Ostmit­tel­euro­pas unter Prüfung gestellt. Das geschieht in den bevorstehenden Volksabstim­mungen in den Län­dern die der EU beitreten wollen (Polen, Tsche­chien, Ungarn, Slowenien und Estland). 

Abb. 1:

Abb. 2:

Staat

BIP

BIP pro Einwohner

1997-1998

1.

Tschechien

8,9

1.

Luxemburg

32,9

2.

Polen

8,3

2.

Dänemark

23,7

3.

Ungarn

8,0

3.

Belgien

21,8

4.

Slowenien

8,0

4.

Österreich

21,2

5.

Slowakei

7,2

5.

Deutschland

20,9

6.

Estland

7,0

6.

Niederlande

20,8

7.

Lettland

6,5

7.

Frankreich

20,2

8.

Kroatien

6,4

8.

Irland

19,7

9.

Litauen

6,2

9.

Italien

19,6

10.

Russland

6,2

10.

Finnland

19,3

11.

Rumänien

5,7

11.

Großbritannien

19,0

12.

Bulgarien

5,6

12.

Schweden

18,9

13.

Albanien

4,4

13.

Spanien

15,1

14.

Ukraine

4,4

14.

Portugal

13,8

15.

Weißrussland

4,3

15.

Griechenland

13,2

16.

Moldawien

4,2

16.

Slowenien

11,3

17.

Jugoslawien

4,2

17.

Tschechien

11,3

18.

Ungarn

10,0

19.

Estland

9,0

20.

Slowakei

8,4

21.

Polen

7,0

22.

Lettland

7,0

23.

Litauen

5,0

24.

Kroatien

4,8

25.

Bulgarien

4,5

26.

Rumänien

3,0

top

Anmerkungen

[[i]]   ohne Russland

 *     Vgl. Abb. 2, S. 25.

[ii]   Alle drei Partner des Weimarer Dreiecks tun gut daran, keine Politik an der Geographie vorbei zu ent­wer­fen. Warschau liegt trotz des Gewichts von der Vereinigten Staaten von Amerika auch heute näher bei Bonn als bei Washington. Und mit Stettin und Breslau ist Polen näher an Ber­lin angerückt, als es dies mit Vilnius und Lemberg je war. (...) Auf den 2000 Kilometern zwi­schen Brest in der Bretagne und Brest am Bug wird vieles den gewohnten Charakter von Innen­politik be­kom­men, während die Beziehun­gen zu den trans­konti­nen­talen Großmächten Amerika und Russland bei aller Wertschätzung pri­mär außen­po­liti­scher Natur bleiben. (Adam Krze­minski , Rudolf von Thadden & Daniel Vernet, “Weima­rer Dreieck. Po­lens Weg nach Eu­ropa führt über Deutschland und Frankreich”, Die Zeit, Nr. 10, 26. Febru­ar 1998).

[iii]  (Kortus, Bronislaw, Polen im deutschen Geographieunterricht an der Peripherie des Vereinigungs­pro­zes­ses in Europa. In: Internationale Schulbuchforschung Jg. 21, H.1, Hannover 1999

[iv]  Micha Dobroczynski, Europa Wschodnia i Zachodnia w nowych warunkach mindzynaro­do­wych, (Ost­eu­ropa und Westeuropa im neuen internationalen Kontext), Przeglzd Regionalny Nr. 2/1997, Torun, 23-42. Die­ser Meinung ist auch A. Kuklinski (Wizje i dylematy Europy XXI wieku – Visionen u. Dilemmas Europas des 21. Jahrhunderts), ebenda.

Inhaltsverzeichnis

Einführung

1. Westeuropa und Ostmitteleuropa (Kern und Peripherie) – einige Strukturmerkmale

2.1 Eine differenzierte Peripherie

2.2 Die wirtschaftlich-räumliche Differenzierung

3.1 Endogene und exogene Impulse zur beschleunigten Entwicklung der Peripherie

3.2 Zusammenarbeit in den Grenzgebieten

4. Auswirkung der Globalisierung

5. Auslandskapital

6. Fazit

Zu den anderen Aufsätzen in diesem Band

Impressum

 

Internet Publikation von: Lothar Nettelmann, Hrsg.: Europäische Umbrüche in deutsch-polnischer Perspektive. Reflexionen zur Entwicklungsdynamik in Mitteleuropa. Beiträge des Symposions »Politik und Wirtschaft in Polen – ein Beitrag zur politischen Bildung« der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Hannover e.V. und der Niedersächsischen Landeszentrale für Politische Bildung im April 1999. Schriftenreihe des UNESCO-Clubs für die UNESCO-Schule am Maschsee, Bismarckschule Hannover, e.V., ISSN 0945-1536: Son­der­heft 1 / 2001.  Texte aus der Arbeit der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Hannover e.V. Hannover 2001, 104 S., A 4, kart. - Inhalt / Vorwort - Durchgesehen Fassung. Alle Rechte vorbehalten. Verwendung im Schul- und Bildungsbereich zugestanden. Jede weitere Verwendung nur mit ausdrücklicher Zustimmung des Herausgebers, UNESCO-Club für die UNESCO-Schule am Maschsee, Bismarckschule Hannover, e.V. – Verantwortlich für die Internet-Publikation: Gerhard Voigt, eMail: bismarckschule.voigt@gmx.de.

   
   

Verantwortlich für diese Seite

Gerhard Voigt, OStR i.R. - Kontakt vgl. Impressum

bismarckschule.voigt@gmx.de

Bearbeitungsstand: 1999/2991

Letzte Bearbeitung: 18.02.2011

   
   

 

     
   

top

   

Navigation

Übergeordnete Ebene: Polnische Nationalkultur ] Polen Facetten ] Politische Kultur ] Wandlungsprozesse ] Voigt/Dutkowski: Werften ] Voigt/Dutkowski: Werftkrise ] Voigt/Dutkowski: Leninwerft ] Transformation in Osteuropa ] Nettelmann: Die ökonomische Krise ] Die polnische Rosskur 1990 ] Nettelmann: Oppositionelles Verhalten ] Nettelmann: Zivilisationsprozesse ] Nettelmann: PVAP ] Nettelmann/Voigt: Thesen zur Wende ] Deutsch-polnische Umbrüche ] Grenzen und Blöcke ]

Gleiche Ebene: Home ] Nach oben ] Moffen und Polacken ] Jugend ] Umwelt ] [ Kortus: Ostmitteleuropa ] Weltsystem ]

Untergeordnete Ebene: