|
Bronisław
Kortus:
Die
Integration semiperipherer Regionen Ostmitteleuropas in die Europäische
Union und die Auswirkung der Globalisierung
Einführung
immer ein Teil der großen Peripherie. Darüber hinaus
war (und ist) die Kluft zwischen dem Kern und der Peripherie des
Kontinents einer der fundamentalen Merkmale Europas. Man spricht auch von
einem osteuropäischen ‚Mezzogiorno‘.
Es
besteht die Frage ob sich im 21. Jahrhundert der periphere Status Ostmitteleuropas
durch Nivellierung der bisherigen Diskrepanz zwischen dem Kern und der
Peripherie ändert? Wenn wir positiv antworten, dann tauchen zwei weitere
Fragen auf :
1. Erstens, in welchem Maße wird
Ostmitteleuropa im Stande sein, seine eigenen (endogenen) Kräfte
aufzubringen um seine Entwicklung zu beschleunigen?
2. Zweitens, in welchem Maße wird die Europäische
Union bereit sein diese Entwicklung durch exogene Impulse zu unterstützen?
„Es
liegt im Interesse sowohl Europas wie auch Deutschlands, die existierende
wirtschaftliche und soziale Kluft zwischen der EU und Ostmitteleuropa abzubauen.
Andererseits droht das der stabilen Situation in ganz Europa.“ Volker
Rühe (Interview in ‚Polityka‘, 20 Febr. 1999):
1. Westeuropa und Ostmitteleuropa (Kern
und Peripherie) – einige Strukturmerkmale
|
Tab.1
Kern und Peripherie Europas – Bevölkerungsproportionen
|
|
Westeuropa (EU + EFTA)
|
Postkommunistisches Europa
[[i]]
|
|
Fläche
|
Bevölkerung (Mio)
|
Fläche
|
Bevölkerung
(Mio)
|
|
Tsd. km2
|
1993
|
2010
|
Tsd. km2
|
1993
|
2010
|
|
3702
|
380.8
|
389.3
|
2188
|
197.6
|
202.6
|
|
63 %
|
66 %
|
66 %
|
37 %
|
34 %
|
34 %
|
|
Quelle:Council of Europe 1994
|
Nach
dem Anteil des Bevölkerungspotentials nimmt Westeuropa
aktuell 2/3 und Ostmitteleuropa (ohne Russland) 1/3 ein. Laut
Prognosen für das Jahr 2010 werden sich diese Proportionen
nicht ändern (Tab.1). Der Bevölkerungszuwachs wird in beiden
Teilen Europas niedrig sein. Allerdings stützt sich die
Prognose nur auf dem natürlichen Zuwachs, also ohne
Wanderungsbilanz.
Der
Pro-Kopf-Index der Bruttoinlandproduktes (BIP) bestätigt die
sozial-wirtschaftlichen Disparitäten zwischen West- und Osteuropa.
In
den EU-Ländern beträgt dieser Index von über 30 Tsd. US-$.
(Luxemburg) bis 13 Tsd. (Portugal und Griechenland). In den
ostmitteleuropäischen Ländern liegt er unter 10 Tsd. (nur in
Slowenien und Tschechien beträgt er über 10 Tsd.
US-Dollar).
2.1 Eine differenzierte Peripherie
Die
Peripherie, welche das postkommunistische Europa umfasst (von Russland hier
abgesehen), ist stark differenziert. Sowohl nach historisch-kulturellen wie
auch sozial-wirtschaftlichen Kriterien kann man in diesem Gebiet Europas folgende
Teilgebiete unterscheiden:
1. Den westlichen Teil, welcher Polen, Tschechien, Slowakei, Ungarn,
Slowenien und Kroatien umfasst. Alle diese Länder haben ihre gemeinsame westliche,
christlich-katholische Tradition. Aktuell sind sie die Vorreiter im Transformationsprozess.
Unter ihnen befinden sich auch die ersten Kandidaten der EU und NATO. Seit März
1999 sind Polen, Tschechien und Ungarn bereits Mitglieder der NATO.
2. Die Balkan-Region (Rumänien, Bulgarien, Makedonien, Albanien,
Jugoslawien und Bosnien-Herzegowina) ist durch die byzantinische Tradition
und nachher durch 5 Jahrhunderte lange türkische Herrschaft gekennzeichnet.
Aktuell zeichnet sich diese Region durch nationale Konflikte und politische
Instabilität aus. Dazu ist sie wirtschaftlich weit rückständig.
3. Die post-sowjetischen Republiken – Estland, Lettland, Litauen,
Weißrussland, Ukraine und Moldawien. Diese Staaten sind noch am stärksten politisch
und wirtschaftlich von Russland beeinflusst. Russland wird die Annäherung dieser
Länder an den Westen (zur NATO und EU) auch in Zukunft zu verhindern versuchen.
Aus
dieser Ländergruppe muss man die drei Baltischen Staaten ausschließen. Abgesehen
von ihrer westlich-christlichen Tradition sind sie innerpolitisch wie auch
wirtschaftlich deutlich höher entwickelt. Estland ist einer der aktuellen EU-Kandidaten.
Alle drei Länder scheinen auch die nächsten NATO-Kandidaten zu sein.
Laut
manchen geopolitischen Konzeptionen sollten solche Länder Ostmitteleuropas
wie Polen und Ukraine sowie auch die drei Baltenländer eine Baltisch-Schwarzmeerachse
bilden. Aktuell scheinen Polen und die Ukraine daran interessiert zu sein.
Es geht vor allem um wirtschaftliche Zusammenarbeit sowie um offene Transitwege
vom Schwarzen Meer zur Ostsee. Über eine Ölleitung Odessa – Gdansk wird aktuell
zwischen Polen und der Ukraine diskutiert. Beide Länder streben nämlich ihre
Energiesicherheit an, insbesondere was die Öl- und Gas-Versorgung betrifft.
Es geht darum, die bisherige große Abhängigkeit von Russland in dieser Hinsicht
zu reduzieren.
2.2 Die wirtschaftlich-räumliche
Differenzierung
Die
meisten wirtschaftlichen Kennziffer wie auch verschiedene
Ranglisten bezeugen, dass die fünf / sechs westlichen Länder
der Peripherie – Polen, Tschechien, Ungarn, Slowenien und
Slowakei, dazu noch Estland – hinsichtlich der
wirtschaftlichen Entwicklung die führende Gruppe bilden. Auch
im bisherigen Transformationsprozess sind diese Länder am
weitesten fortgeschritten.*
Man
könnte diese Ländergruppe als Semiperipherie in der osteuropäischen
Peripherie bezeichnen. Innerhalb dieser Länder sind
jedoch das Wirtschaftsniveau wie die Transformationsprozesse
räumlich stark differenziert.
Deutlich
ist hier der positive Einfluss der “westnahen Lage” zu
bemerken. Das betrifft die westlichen Landesteile Polens,
Tschechiens, Ungarns und der Slowakei. Zugleich tritt aber
auch ein West-Ost-Gefälle in den genannten Ländern auf, was
historisch bedingt ist. Beide Tendenzen sind z.B. im räumlichen
Transformationsprozess der polnischen Industrie zu erkennen
(Buchhofer, Kortus 1999, Zur Geographie der Transformation polnischer Industriefirmen, Zeitschrift
für Wirtschaftsgeographie, Jg. 43, H.1).
3.1 Endogene und exogene Impulse zur
beschleunigten Entwicklung der Peripherie
Nach
der Auflösung der bisherigen wirtschaftlichen und militärischen
Bündnisse (RGW und Warschauer Pakt), die den Sowjet-Block
zusammenhielten, fiel Osteuropa sozusagen auseinander. Ein
starker Rückgang war vor allem im Außenhandel unter diesen
Ländern zu verzeichnen. Es entstand in diesem Gebiet ein Vakuum im politischen und wirtschaftlichen Sinne.
Unter
diskretem Druck der Europäischen Gemeinschaft haben die drei
Länder der Visegrad-Gruppe (Polen, Tschechoslowakei und
Ungarn) ein Freihandelsabkommen (CEFTA) 1992 in Krakau
unterzeichnet (das 1993 in Kraft getreten ist). Diese Länder
sollten ein “Übungsgelände” des freien Handels bilden,
bevor sie der EU beitreten.
Der
Anfang war schwierig, doch ab 1994 wächst der Außenhandel
zwischen den CEFTA-Ländern bedeutsam. Weil am Anfang
politische Zusammenarbeit in der Visegrad-Gruppe auf Schwierigkeiten
stieß, haben die Partnerländer eingesehen, dass man eher in
der Wirtschaft effektive gemeinsame Geschäfte machen kann.
Dies
kann man als Parallele zu den Anfängen der Europäischen
Gemeinschaft betrachten, die auch in den 50er Jahren mit
Interessengemeinschaften, wie die Montanunion anfing.
Ab
dem Jahr 2000 soll der Außenhandel innerhalb der CEFTA- Länder
in fast allen Warengruppen zollfrei verlaufen. Die meisten
Schwierigkeiten treten hier zwischen Polen und Tschechien
auf. Die beiden Nationalwirtschaften sind nämlich mehr
konkurent zueinander als komplementär, besonders was
Kohle und Stahl betrifft.
Der
Anteil der CEFTA am Außenhandel einzelner Mitgliedsländer
betrug 1995 6-7%, aktuell beträgt er jeweiligst bis zu 10%.
Die CEFTA scheint in den letzten Jahren immer mehr attraktiv
auch für andere Länder der Peripherie zu sein. 1996 ist nämlich
Slowenien beigetreten und letztens auch Rumänien und
Bulgarien. Es melden sich weitere Kandidaten (Ukraine,
Makedonien). Die bisherige Zusammenarbeit soll nicht nur
den Warenhandel umfassen sondern auch den freien Umlauf von
Kapital und Dienstleistungen.
Die
CEFTA ist somit ein Beispiel endogener Kräfte der (semi-)
Peripherie, die zur beschleunigten Entwicklung beitragen
soll.
Die
CEFTA nachahmend, entstand ein Jahr später (1994) die
Baltische Freihandelszone (Estland, Lettland, Litauen). Doch
diese, auch endogene Initiative, zeigt bis jetzt keine besonderen
Erfolge, Litauen hat z.B. ein Freihandelsabkommen 1996 mit
Polen abgeschlossen.
Auf Initiative Schwedens (unterstützt durch
Deutschland und Dänemark) entstand 1992 das Projekt “Vision
and Strategies around the Baltic See” (VASAB), in dem 10 Ostsee-Anrainer-Staaten
teilnehmen, sowohl aus dem Westen
wie aus dem Osten Europas. Polen ist von Beginn an ein aktives
Mitglied dieser Ostsee-Gemeinschaft. 1996 wurde das
Sekretariat der VASAB in Gdansk/Danzig eingesetzt. Der
Schwerpunkt der Zusammenarbeit liegt hier auf Umweltproblemen der Ostsee, es geht aber auch um transbaltische Transportkonzeptionen
(in Nord-Süd-Richtung) und grenzüberschreitende
Zusammenarbeit.
Eine
weitere Initiative Schwedens ist die Organisation einer Art
Euregio im sudöstlichen Teil der Ostsee, welche die
Grenzgebiete von Schweden, Polen, Russland (Kaliningrad
Region), Litauen und Dänemark (Bornholm) umfassen soll.
Beides sind Beispiele von exogener Unterstützung seitens
der Kernländer für die Peripherie-Länder.
Die
Ostsee-Initiative nachahmend haben sich letztens auch die
Schwarz-Meer-Anreiner Länder, darunter zwei ‚westliche‘
(Griechenland und die Türkei) zur wirtschaftlichen Zusammenarbeit
entschlossen.
Darüber
hinaus ist die Einbindung Polens in das s.g. “Weimarer Dreieck” (Deutschland,
Frankreich, Polen) sehr wichtig für
Polen.
[ii]
Es stärkt zugleich
die West-Ost- Entwicklungsachse Europas: Paris-Berlin-Warschau-(Moskau bzw.
Kiew) und verbindet auch den Kern Europas mit der östlichen Peripherie (siehe: The changing Map of Europe. The Trajectory
Berlin-Poznan -Warsaw, Ed. R.Domanski,
Warsaw 1999, Friedrich Ebert Stiftung)
3.2 Zusammenarbeit in den Grenzgebieten
Das
westeuropäische Muster der grenzüberschreitenden
Zusammenarbeit nachahmend, versuchen auch die Länder
Ostmitteleuropas in den grenznahen Gebieten verschiedene
Formen der Zusammenarbeit zu entwickeln.
Es fing Anfang der 90er Jahre an der
damaligen Ost-West-Grenze Europas an, also an der
polnisch-deutschen, tschechisch-deutschen wie auch ungarisch-österreichischen
Grenze. Hier waren sowohl exogene Impulse seitens der
Kernländer wie auch eigene endogene Initiativen der
betreffenden ostmitteleuropäischen Länder ausschlaggebend.
Auch das erprobte westeuropäische Modell von Euroregionen
wurde hier teilweise übernommen.
In
der nächsten Phase entwickelte sich auch diese Art
Zusammenarbeit in den Grenzgebieten zwischen einzelnen Ländern
der Peripherie, obwohl mit viel mehr Schwierigkeiten. Diese
haben nicht nur organisatorisch-institutionellen Charakter,
aber sind auch von mentaler Natur.
Hier
muss man die aktive Rolle und positive Einstellung Polens
hervorheben, diese Art Zusammenarbeit mit ihren Nachbarn
trotz dieser Schwierigkeiten zu entwickeln.
Darüber
hinaus möchte ich auf die positive Resonanz hinweisen, die in
den deutschen wie auch polnischen Geographieschulbüchern
hinsichtlich der deutsch-polnischen grenzüberschreitenden
Zusammenarbeit vorzufinden
ist. [iii]
Die Schule kann und soll zum Abbau der noch existierenden
mentalen Barrieren zwischen den Menschen beiderseits der
Grenzen wesentlich beitragen.
4. Auswirkung der Globalisierung
Die
Länder Ostmitteleuropas befinden sich beim Übergang von der
sozialistischen Zentralverwaltungswirtschaft zur
Marktwirtschaft in einem doppelten Anpassungsprozeß.
Einerseits muss das planwirtschaftliche Wirtschaftssystem
durch ein marktwirtschaftliches ersetzt werden. Andererseits treten die Länder in zunehmend globalisierte
weltwirtschaftliche Verflechtungen ein, von denen sie bislang
kaum erfasst worden waren. Durch die Globalisierung von
Arbeit, Kapital und Informationen verlieren die
Transformationsstaaten erheblich an Steuerungskraft zur
Gestaltung ihrer wirtschaftlichen Entwicklung. Die
Transformationsprozesse vollziehen sich damit in einem Spannungsfeld
zwischen »interner Restrukturierung« und »Internationalisierung«.
(Faßmann, Lichtenberger 1995, Märkte in Bewegung. Metropolen und Regionen in Ostmitteleuropa,
Wien u.d.)
Globalisierung
bedeutet auch neue Chancen für die Peripherie Europas. Wenn
der Zugang zum globalen Informationsnetz wie auch
qualifizierte Arbeitskräfte gesichert sind (und das kann im
westlichen Teil der Peripherie, also in der Semiperipherie
der Fall sein), wird es möglich sein hocheffektive Aktivitäten
zu entwickeln, auch in Gebieten die anfangs vom niedrigen
Entwicklungspotenzial gekennzeichnet sind.
Die
Träger der Globalisierung in diesem Teil Europas sind vor
allem die großen transnationalen Firmen, die sich hier
gleich nach der Wende ihre Standorte suchten. Anziehend
wirkten solche Standortfaktoren wie der neue bedürftige Markt
sowie billige und relativ gut geschulte Arbeitskräfte.
Anfangs negative Faktoren wie mangelnde Infrastruktur,
schwaches Bankensystem sowie unsichere Regulationssysteme
weichen mit der Zeit zurück. Somit werden diese Länder verstärkt
in die »neue internationale Arbeitsteilung« und die
Globalisierung von Produktionssystemen eingebunden.
5. Auslandskapital
Schon
in den 80er Jahren fing das ausländische Kapital an in
Osteuropa ‚durchzusickern‘, vor allem in Ungarn und
in Polen, wo es die entsprechenden Regulationsvorschriften
ermöglichten. Aktuell betragen die Auslandsinvestitionen in
Polen 31 Mrd US-$. (Ende 1998), in Ungarn 22 Mrd. in Russland
ca. 12 Mrd. (1996), in Tschechien knapp 10 Mrd. In allen übrigen
Ländern Ostmitteleuropas sind diese Quoten noch sehr gering.
Außer den bereits erwähnten positiven Standortfaktoren
ist für die ausländischen Firmen das Investitionsrisiko
in jeweiligen Ländern ausschlaggebend. Dieses wächst
deutlich gegen Osten und Südosten der Peripherie Europas.
Die
Rangliste der Länder mit größten Auslandsinvestitionen in
Polen (bis einschließlich 1998) sieht folgendermaßen aus
(in Mrd. US-$.): Deutschland – 5.1, USA – 4.9, Frankreich
– 2.4, Italien – 2.0, (davon FIAT – 1.4), internationale
Firmen – 2.0, Großbritannien – 1.9, Niederlande –
1.9, Korea – 1.5 (davon Daewoo – 1.4).
Etwa
60 % des Auslandskapitals in Polen wurde in der Industrie
investiert (darunter vor allem in der Lebensmittelindustrie
und in der Automobilindustrie). Es wächst in der letzten Zeit
der Anteil des Bankwesens (über 20 %) und des Handels
an.
35 %
des Bankkapitals in Polen gehört zum Auslandskapital (in 40 %
davon sind deutsche Banken beteiligt). In Ungarn und in
Tschechien ist der Anteil des III Sektors an Auslandsinvestitionen
höher.
Ein
genereller Merkmal der Auslandsinvestitionen in
Ostmitteleuropa ist der Mangel an high-tech Investitionen
sowie am Transfer moderner Technologien. Wegen der billigen
Arbeitskräfte werden arbeitsintensive Produktionsbereiche
vorgezogen. Größere Multiplikatoreffekte (in Technologie
und Produktionsorganisation) weisen die Investitionen in der
Automobilindustrie auf.
Ein
gegenläufiger Prozess der sich in den Ländern der Peripherie
bemerkbar machte, besonders Ende der 80er und Anfang der
90er Jahre, war der “brain drain” d.h. die Flucht von hochqualifizierten
Arbeitskräften in den Westen. Allein aus Polen emigrierten
innerhalb von zehn Jahren etwa eine Million Leute mit
Universitätsausbildung.
Komplementär
zur Globalisierung entwickelt sich gleichzeitig in Europa die
Regionalisierung, z.B. in Form von autonomer
Wirtschaftsentwicklung, regionaler Identität, regionalen
Innovationssystemen, interregionaler (auch grenzüberschreitender)
Zusammenarbeit u.a. Auch dieser Prozess kann zur Integration
in “Europa der Regionen” beitragen.
6. Fazit
Es
gibt für Polen wie auch für andere Länder Ostmitteleuropas
keine positive Alternative zur Integration mit der Europäischen
Union.
Ein
Bündnis der Länder Ostmitteleuropas ist nämlich keine Lösung.
Auch eine Allianz mit Osteuropa (d.h. mit Russland) und
somit eine Isolierung von Westeuropa kommt nicht in Frage.
Desto weniger ein Schweben in der Peripherie von Westeuropa,
was praktisch das Abrutschen in die graue Zone “im Osten des
Westens und im Westen des Ostens” bedeutet. Diese negativen
Lösungen sollen mehr als Warnungsszenarien für
Ostmitteleuropa betrachtet werden.
Doch
in der labilen Situation (politisch und wirtschaftlich), die
in der großen Peripherie Osteuropas noch herrscht, ist die
Verwirklichung eines der negativen Szenarien durchaus möglich,
zumindest im Falle einiger Länder der Peripherie.
Mehr
optimistisch klingen die Ergebnisse neuerer
sozio-psychologischen Untersuchungen. Laut denen sieht die
Mehrheit der Polen (wie auch anderer ostmitteleuropäischer
Nationen), besonders die junge Generation, keine Barrieren
mehr in Kontakten mit den Deutschen wie auch mit anderen Europäern.
Die Haltung der Bevölkerung wird immer offener, der Europa
– Gedanke tritt immer deutlicher zum
Vorschein. [iv]
Mentale Wandlungen dieser Art lassen auf die Perspektiven
der Zusammenarbeit und des Zusammenlebens in Europa mit
Hoffnung blicken. Auch in dieser Hinsicht gibt es aber
negative Ausnahmen, was die Konflikte im ehemaligen
Jugoslawien bezeugen.
Doch
in den nächsten Jahren wird das europäische Denken in
einigen Staaten Ostmitteleuropas unter Prüfung
gestellt. Das geschieht in den bevorstehenden Volksabstimmungen
in den Ländern die der EU beitreten wollen (Polen, Tschechien,
Ungarn, Slowenien und Estland).
|
Abb. 1:
|
|
Abb.
2:
|
|
|
Staat
|
BIP
|
|
|
BIP pro Einwohner
|
1997-1998
|
|
1.
|
Tschechien
|
8,9
|
|
1.
|
Luxemburg
|
32,9
|
|
2.
|
Polen
|
8,3
|
|
2.
|
Dänemark
|
23,7
|
|
3.
|
Ungarn
|
8,0
|
|
3.
|
Belgien
|
21,8
|
|
4.
|
Slowenien
|
8,0
|
|
4.
|
Österreich
|
21,2
|
|
5.
|
Slowakei
|
7,2
|
|
5.
|
Deutschland
|
20,9
|
|
6.
|
Estland
|
7,0
|
|
6.
|
Niederlande
|
20,8
|
|
7.
|
Lettland
|
6,5
|
|
7.
|
Frankreich
|
20,2
|
|
8.
|
Kroatien
|
6,4
|
|
8.
|
Irland
|
19,7
|
|
9.
|
Litauen
|
6,2
|
|
9.
|
Italien
|
19,6
|
|
10.
|
Russland
|
6,2
|
|
10.
|
Finnland
|
19,3
|
|
11.
|
Rumänien
|
5,7
|
|
11.
|
Großbritannien
|
19,0
|
|
12.
|
Bulgarien
|
5,6
|
|
12.
|
Schweden
|
18,9
|
|
13.
|
Albanien
|
4,4
|
|
13.
|
Spanien
|
15,1
|
|
14.
|
Ukraine
|
4,4
|
|
14.
|
Portugal
|
13,8
|
|
15.
|
Weißrussland
|
4,3
|
|
15.
|
Griechenland
|
13,2
|
|
16.
|
Moldawien
|
4,2
|
|
16.
|
Slowenien
|
11,3
|
|
17.
|
Jugoslawien
|
4,2
|
|
17.
|
Tschechien
|
11,3
|
|
|
|
|
|
18.
|
Ungarn
|
10,0
|
|
|
|
|
|
19.
|
Estland
|
9,0
|
|
|
|
|
|
20.
|
Slowakei
|
8,4
|
|
|
|
|
|
21.
|
Polen
|
7,0
|
|
|
|
|
|
22.
|
Lettland
|
7,0
|
|
|
|
|
|
23.
|
Litauen
|
5,0
|
|
|
|
|
|
24.
|
Kroatien
|
4,8
|
|
|
|
|
|
25.
|
Bulgarien
|
4,5
|
|
|
|
|
|
26.
|
Rumänien
|
3,0
|
top
Anmerkungen
[[i]] ohne
Russland
*
Vgl.
Abb.
2,
S.
25.
[ii]
Alle
drei
Partner
des
Weimarer
Dreiecks
tun
gut
daran,
keine
Politik
an
der
Geographie
vorbei
zu
entwerfen.
Warschau
liegt
trotz
des
Gewichts
von
der
Vereinigten
Staaten
von
Amerika
auch
heute
näher
bei
Bonn
als
bei
Washington.
Und
mit
Stettin
und
Breslau
ist
Polen
näher
an
Berlin
angerückt,
als
es
dies
mit
Vilnius
und
Lemberg
je
war.
(...)
Auf
den
2000
Kilometern
zwischen
Brest
in
der
Bretagne
und
Brest
am
Bug
wird
vieles
den
gewohnten
Charakter
von
Innenpolitik
bekommen,
während
die
Beziehungen
zu
den
transkontinentalen
Großmächten
Amerika
und
Russland
bei
aller
Wertschätzung
primär
außenpolitischer
Natur
bleiben.
(Adam
Krzeminski
,
Rudolf
von
Thadden
&
Daniel
Vernet,
“Weimarer
Dreieck.
Polens
Weg
nach
Europa
führt
über
Deutschland
und
Frankreich”,
Die
Zeit,
Nr.
10,
26.
Februar
1998).
[iii]
(Kortus,
Bronislaw, Polen im deutschen Geographieunterricht an der Peripherie des
Vereinigungsprozesses
in
Europa.
In:
Internationale
Schulbuchforschung
Jg.
21,
H.1,
Hannover
1999
[iv] Micha
Dobroczynski,
Europa Wschodnia i Zachodnia w nowych warunkach mindzynarodowych, (Osteuropa und Westeuropa im neuen
internationalen
Kontext),
Przeglzd
Regionalny
Nr.
2/1997,
Torun,
23-42.
Dieser
Meinung
ist
auch
A.
Kuklinski
(Wizje i dylematy Europy XXI wieku – Visionen u. Dilemmas Europas
des
21.
Jahrhunderts),
ebenda.
Inhaltsverzeichnis
Einführung
1. Westeuropa und Ostmitteleuropa (Kern und Peripherie) – einige
Strukturmerkmale
2.1 Eine differenzierte Peripherie
2.2 Die wirtschaftlich-räumliche Differenzierung
3.1 Endogene und exogene Impulse zur beschleunigten Entwicklung der
Peripherie
3.2 Zusammenarbeit in den Grenzgebieten
4. Auswirkung der Globalisierung
5. Auslandskapital
6. Fazit
Zu den anderen Aufsätzen in diesem Band
Impressum
Internet Publikation
von: Lothar Nettelmann, Hrsg.: Europäische Umbrüche in deutsch-polnischer
Perspektive. Reflexionen zur Entwicklungsdynamik in
Mitteleuropa. Beiträge des Symposions »Politik und
Wirtschaft in Polen – ein Beitrag zur politischen
Bildung« der Deutsch-Polnischen Gesellschaft
Hannover e.V. und der Niedersächsischen
Landeszentrale für Politische Bildung im April 1999.
Schriftenreihe des UNESCO-Clubs für die
UNESCO-Schule am Maschsee, Bismarckschule Hannover,
e.V., ISSN 0945-1536: Sonderheft 1 / 2001. Texte
aus der Arbeit der Deutsch-Polnischen Gesellschaft
Hannover e.V. Hannover 2001, 104 S., A 4, kart. -
Inhalt / Vorwort - Durchgesehen Fassung. Alle Rechte
vorbehalten. Verwendung im Schul- und
Bildungsbereich zugestanden. Jede weitere Verwendung
nur mit ausdrücklicher Zustimmung des Herausgebers,
UNESCO-Club für die UNESCO-Schule am Maschsee,
Bismarckschule Hannover, e.V. – Verantwortlich für
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