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2. Zum Prozess der Zivilisierung in Polen und der DDR
3. Zivilisierungsprozesse aufgrund der Ereignisse von 1980 sowie der Gründung der Solidarność
4. Die historischen Paradigmen des Zivilisationsprozesses
Anmerkungen
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Lothar Nettelmann:

Zivilisierungsprozesse in Mittelosteuropa am Beispiel Polens

Thesen zum Prozeß der Zivilisierung in der polnischen Gesellschaft 

1. Vorbemerkungen

Die Zivilisierungsprozesse mittelosteuropäischer Gesellschaften unterscheiden sich wesent­lich von denen in Westeuropa. Namentlich am Beispiel Frankreichs hat Norbert Elias die Theorie der Zivilisation entwickelt.[1] Sie wurde u.a. von holländischen, britischen und deutschen Soziologen auf Untersuchungen ihrer eigenen Ethnien angewandt,[2] später auf die Er­forschung von Migrationsprozessen peripherer und semiperipherer Regionen.[3] Anwendungen zi­vilisa­tions­theo­retischer Ansätze auf die österreichische Gesellschaft sind ebenfalls erfolgt.[4] Ver­bunden damit ist das Denken in Figurationen.[5]

Die Kernbereiche der Zivilisationstheorie lassen sich über Stichworte wie Staatenbildungs­prozeß, Heraus­bil­dung des legitimen Monopols physischer Gewalt sowie des Steuermonopols er­klären. Norbert Elias versteht die mit der Herausbildung des Staates als Organisation von Gesell­schaft genannten Phänomene als in lan­gen Schüben ablaufende Prozesse. Damit verbunden sind auf psychosozialer Ebene Prozesse von Verän­de­rungen der Verhaltens­standards: die Herausbil­dung individueller Fähigkeiten zu Affektkontrollen, die Ver­än­derungen von Scham- und Peinlich­keitsschwellen. Die entwickelte Form der Zivilisierung ist die Fähigkeit zu selbststeuerndem Ver­halten; auch die Fähigkeit zu langfristig geplanten Verhalten, zur Langsicht.

Elias knüpft bezüglich des Staats- und Machtbegriffes zweifellos an die maßgeblich von Max Weber geprägten Denkstile und -traditionen an. Neuere Denkansätze zur – noch nicht geschriebe­nen Machttheorie – formuliert z.B. Peter R. Gleichmann.[6]

Ein Spezifikum zivilisationstheoretischer Betrachtungen, zugleich ein Weiterdenken und –entwickeln, ist das Verhalten von Menschen gegenüber Tötungsvorgängen.[7] Die Erhöhung der Hemmschwelle zu töten als Ausdruck hoher Affektkontrolle ist in diesem Vorgang höchst mögli­cher Machtausübung Ausdruck eines hohen Grades von Zivilisiertheit.

In den europäischen Gesell­schaften ist insgesamt eine Dissyn­chro­nisation konsta­tierbar, kor­relierend mit den jeweils ent­sprechenden europäischen inner­gesell­schaftlichen Macht­balancen. Die Betrachtung der Zivi­lisierung der polnischen Gesellschaft impliziert das Problem dissynchroner sozialer Prozesse sowie Ana­chronismen. Die Frage nach dem Grad von Zivilisierung der genann­ten Ethnien im Vergleich zu westeuro­päischen, kann nicht in vergleichendem Sinne gestellt wer­den. Die Deskription spezifischer Ansätze und Erschei­nun­gen ist aber möglich und sinnvoll. Die Problematik der Anwendung zivilisations­theoretischer Ansätze – als Ausdruck eines soziohistori­schen Denkstiles – auf mittelosteuropäische Gesell­schaften, enthält dabei implizit das Problem der Inadäquanz notwendig zuzuordnender Ebenen. Dieses soll am Beispiel der polnischen Gesell­schaft skizziert werden.

Wie Elias dargelegt hat, ist die Abgrenzung der Begriffe Kultur und Zivilisation ein typisches Phänomen der deutschen Geistesgeschichte, das als Problem in Polen in dieser Form gar nicht vollzogen werden kann. Die von Elias betonte politische Funktionalisierbarkeit – bezogen auf das 19. Jahrhundert – ist kein Bestand­teil des polnischen intellektuellen Habitus.[8]

Die Begriffe Kultur und Zivilisation unterliegen ebenfalls einem Prozeßcharakter. Dies gilt vor allem für die Zeit v. 18. – 20. Jahrhundert. In der Gegenwart werden sie eher statisch darge­stellt. In der Gesellschaft bil­det sich nur wenig Gefühl für soziale Dynamik heraus. Der Kulturbe­griff gewinnt in Deutschland erst im 18. Jahrhundert an Bedeutung. Die Kultur wird von den auf­steigenden deutschen Mittelklasse-Eliten als Aus­druck ihres Selbst­bildes und ihrer Ideale adop­tiert. Der Idealismus erfährt in der deutschen Intelligenz einen relativ ho­hen Stellenwert. »Vielleicht war ihr Denken hoch­flie­gender und ihre Ausrichtung idealistischer als bei den entspre­chenden Gruppen im Westen, da ihre soziale Lage in einem relativ unterentwickelten Land mit einer sehr exklusiven Oberschicht von Hofleuten und Adligen beengter war«.[9]

In Analogie zu Polen kann die These abgeleitet werden, daß je weniger entwickelt die soziale Lage, desto ausgeprägter die Idealisierung ist. Für die polnische Nation bedeutet das, daß der so­zio-ökonomischer Ab­stieg idealistische Überhöhungen begünstigt.

In Deutschland blickten die mittelständischen Intellektuellen mit Hoffnung und Zuversicht auf eine bessere Zukunft (S. 162). Für die deutschen Intellektuellen war der soziale Fortschritt wichtig – man vergleiche z.B. Schiller. Das Empfin­den der deutschen Intelligenz, in einem fortge­schrittenen und fortschreitenden Zeitalter zu leben, war eine Weile fast ebenso stark wie das der aufsteigenden Mittelklassen-Intelligenz in anderen europäischen Gesellschaften. (S.162) Die deut­sche Gesellschaft ist geprägt durch ein aufstiegsorientiertes Bürgertum. Für Polen gilt das Prinzip des Wiederaufstiegs der Nation im Sinne einer Rückgewinnung von Bedeutung, von psychosozia­len Anerkennung durch die westeuropäischen Machteliten, insbesondere Wie­dererlangung der Macht. Verbunden waren damit auch Restitutions­forderungen nach enteignetem Besitz.

Kulturgeschichte ist als Konkurrenz der politischen Geschichte zu verstehen. Die Begriffe ›Kultur‹ und ›Zivilisation‹ hängen mit dem Wir-Bild zusammen. Sie spiegeln den entwicklungs­bezogenen (prozessualen) und dyna­mischen Charakter ihrer Einstellungen und Glaubensaxiome wieder. Die politische Geschichte ist in Deutsch­land geprägt durch den Adel als Träger der Machteliten, in Polen durch den ent­machteten Adel. Dort dominiert die Nationalgeschichte als politische Geschichte. Man benutzt die Kultur als histo­rische Dar­stel­lungen in Romanen als ›moralischen Ersatz‹ für (politisch erfolglose) Nations­geschichte.

Wie im 19. Jahrhundert in Deutschland die Gefühle der Demütigung der Mittelklasse-Eliten die Entwick­lung der Kultur zur Folge hatte, Gefühle von Freiheit und Stolz, gilt für Polen ent­sprechendes für die Nations­eliten.[10] Während in Deutschland die Nation als verbindendes gemein­sames Idealbild der Mittelklasse-Eliten gilt, das über Kultur erzeugt wird, stellt für den Adel in Deutschland die Nation diesen selbst dar. Er reprodu­ziert das Prinzip der Höflichkeit als ziviles Verhalten.

»Für viele Angehörige der gebildeten deutschen Mittelklasse bedeutete die ›Kultur‹ weiterhin einen Raum des Rückzugs und der Freiheit von den drückenden Zwängen eines Staates, der sie, im Vergleich zu dem privi­legierten Adel, als Bürger zweiten Ranges behandelte und ihnen den Zugang zu den meisten seiner Führungs­positionen und zu den Verantwortungen, der Macht, dem Prestige, die damit verknüpft waren, verweigerte. Der Rückzug in den apolitischen Bereich der Kultur erlaubte es ihnen, eine Haltung der Reserve, und oft einer sehr kritischen Reserve, gegen­über der bestehenden Gesell­schaftsordnung zu wah­ren, ohne sich dem Regime aktiv zu widerset­zen und einen offenen Konflikt mit seinen Repräsentanten einzugehen.[11] In Polen hat in der Tei­lungszeit diese Rolle der Adel inne.

Für die Phase der Volksrepublik Polen kann festgestellt werden, daß die nichtkommunisti­schen Segmente der polnischen Gesellschaft sich deutlich über ihre Hinwendung zur Kultur vom Sozialismus abgrenzten. Ande­rerseits ver­such­te die­ser über die Kultur sein Idealbild von der Ver­schmel­zung der Gesellschaft zu errei­chen. Das Para­doxon besteht nun darin, daß die Gegner des Sozialismus die vom sozialistischen Staat zu Verfügung gestellten Nischen besetzten. Ihre Enttäu­schung war groß, als nach der Wende die Subventio­nierung der Kultur sehr stark reduziert wurde.

Die innergesellschaftlichen Identifikationsprozesse mit der polnischen Nation – die Nations­bildung selbst – unterliegen spezifischen, sich von dem in den genannten westeuropäischen Gesell­schaften abhebenden Paradigmen. Die polnische Gesellschaft als Ethnie, die Herausbildung sowie der Erhalt der Nation, stellt eine Besonderheit europäischer Gesell­schafts­ent­wicklung dar. Aus dem genannten Zusammenhang resul­tier­ten die Facetten antistaatlichen Verhaltens in den nach 1919 bzw. 1944 neu induzierten Staatsbildungen.

In der Phase der Fremdherrschaft und Okkupation entstand ein gegen die ausgeübte physi­sche Gewalt der institutionellen Macht fremder Staaten gerichteter Ethos des Widerstandskamp­fes. Er schließt die mora­lischen Legitimation des Tötens zum Ziele des Nationserhalts ein. Affekt­regulierungen fremd­beherrschter und unterdrückter Figurationen sind funktional verbunden mit dem Aspekt der Sicherstellung des Über­le­bens der eigenen Ethnie. Spezielle Rituale im gesell­schaftlichen Umgang können die Folge sein und sich in Formen des Höflichkeits­ver­haltens aus­drücken.

Eine entsprechende Habitualisierung – bezogen auf die polnische Gesellschaft – zeigt sich in prinzipiell anti­staatlichem Verhalten. Dies war in der damaligen Volksrepublik Polen, die den An­spruch des Staates erhob, Träger und Exekutor legitimer Macht zu sein, der ›Staatsmacht‹ entge­gengerichtet und hat die Auswirkun­gen der Machtausübung relativiert und abmildert. Mit dem Offenkundigwerden der Min­de­rung eben dieser Macht beginnt – insbesondere auf der Symbol­ebene – die Gegenentwicklung. Es gab in der neu­zeit­lichen Geschichte Polens nicht die Voraus­setzungen, sich gegen – illegitime – Gewalttaten des eigenen Staates zu wenden.

Das Erlernen von Affektsteuerung und -beherrschung erfolgte in der Adels­gesell­schaft nicht als Selbst­zwang gegenüber dem an Macht gewinnenden Zentrum. Die Herausbildung eines ent­sprechenden Mono­pols erfolgte nicht.

In der polnischen Gesell­schaft liegt in der Industriearbeiterschaft gegenüber dem bäuer­lichen Milieu eine Phasenverschiebung im Entwicklungsprozess vor. Ein großer Teil der ›neuen‹ Indu­strie­arbeiter­schaft Polens, insbesondere der ersten und zweiten Nachkriegs­gene­ra­tion befindet sich in einer Über­gangs­phase, verbunden mit einer spezifischen psychosozialen Spannungs­situation. Die durch die nach dem Zweiten Weltkrieg verstärkt durchgesetzte indu­strielle Produktionsweise, die den Übergang zu Moder­ni­­­sie­rungs­pro­zessen westlicher Gesellschaften nicht nachvollziehen konnte, bedingte Lebens  und Arbeits­situa­tionen, die nicht mit der mentalen Situation der polni­schen Gesellschaft korrelliert. Die polnische Gesell­schaft ist in hohem Maße an tradierten Habitus­formen orientiert. Ein Paradigmenwechsel ist noch nicht voll­zogen.

Es wäre sehr fruchtbar, das Verhalten der polnischen, tschechisch-slowakischen, der ungari­schen, auch der rumänischen und bulgarischen Gesellschaft unter der Fragestellung der Repro­duktion historisch gewachse­ner Ausformungen der Verhaltensweisen zu erfor­schen und gegebe­nenfalls nationstypische Habitusformen herauszuarbeiten. Dieses könnte auch unter dem Aspekt spezifischer figurativer Überlebenstechniken in der Phase kommunistischer Machtmonopole ge­schehen.

Kollektive Affektkontrollen, so beim ersten Papstbesuch 1979 in Polen, wie auch kollektives wie indivi­du­el­les öffent­liches Ausdrücken von Gefühlen z.B. in den verschiedenen Phasen des ge­sellschaftlichen Kom­plex (1956, ’68, ’70, ’76 und ’80/81), zeigen dieses.

Eine Phasenverschiebung gegenüber westeuropäischen Entwicklungsprozessen ist in Berei­chen der Abwen­dung vom Militärischen zum Zivilen zu erkennen. Man denkt weiterhin in nen­nenswertem Maße in militä­rischen Kategorien, z.B. davon, ›Vorhut bzw. Bollwerk des christ­li­chen Abendlandes‹ (Lech Walesa) zu sein. Der Einsatz polnischer Soldaten in Krisenzonen steht in der Nation außer Zweifel.

Versuche einer Anwendung zivilisationstheoretischer Aspekte auf die polnische Gesellschaft können bezüg­lich mehrerer Ansätze geschehen. Als historischer Rückblick bietet sich die Phase der religiösen Toleranz in der Adelsgesellschaft des 15. und 16. Jahrhunderts an. Die Fragestel­lung wäre, inwieweit die Duldung Fremder Ausdruck sein kann von in der eigenen Gesellschaft ablaufendem friedlichen, d.h. keine Gewalt­taten einschließenden Verkehrsverhalten.

Eine weitere Frage wäre, inwieweit die Teilungszeit, beginnend 1772 und endend 1919, auf psychosozialer Ebene die Herausbildung zivilisatorischer Standards herbeiführte. Dabei ist die in­nergesellschaftliche Habi­tualisierung abzusetzen von an Gewalttaten armen Phasen als Ausdruck von Machtarmut der Eliten dieser Gesellschaft mit Phasen von Versuchen, mit physischen Machtmitteln das Machtmonopol zurückzuerlangen – symbolisiert durch den Kampf um die Restitution des Staates.

In diesem Kontext ist die Phase der Nachkriegszeit in der VR Polen zu verstehen. Die Fra­gestellung muß in diesem Zusammenhang lauten, inwieweit die spezifischen Bedingungen des polnischen Realsozialismus den Pro­zeß der Zivilisierung gefördert oder gehemmt haben oder auch wirkungsneutral geblieben sind. Formulie­rungen wie ›kommunistische Machtausübung‹ sind dabei zu vermeiden.

Eine Primärbedingung des Zivilisationsprozesses ist in der VR Polen erfüllt: der das physi­sche Gewalt­monopol beanspruchende und durchsetzende Staat. Die Ausbildung des Steuermono­pols ist zu relativieren für einen Staat, der über keine klaren haushaltsrechtlichen Prinzipien ver­fügt und Steuern wie Subventionen nur begrenzt als solche erkennbar werden ließ.

Die Auswirkungen auf psychosozialer Ebene bedürfen längerer differenzierter Untersuchun­gen. Es ist gegenwärtig feststellbar, daß soziologische Untersuchungen in Polen über diesen For­schungsgegenstand nur in Ansätzen erfolgen. Die Sozialwissenschaften haben sich seit 1990 in hohem Maße in den Dienst­leistungssektor der Sozialtechniken verlagert.

Generell kann von der These ausgegangen werden, daß in den neunziger Jahren die End­punkte mehrerer Entwicklungsströme zusammengeführt worden sind und in Modernisierungspro­zesse einmünden, ohne daß die langfristigen Wirkungen von in der Vergangenheit angelegten Prozesse abgeschlossen sowie bewußt gemacht und verarbeitet geworden sind.

In diesem Zusammenhang ist auf den Aufsatz von Piotr Sztomka hinzuweisen.[12] Sztompka stellt die Proble­ma­­tik des Übergangs von der kommunistischen zur post-kommunistischen Ära dar und reflektiert die hem­men­­den Paradigmen, das Erbe der vormodernen Vergangenheit, die Scheinmodernität des Real­sozialis­mus auf dem Wege zur Modernität, zusammengefaßt unter dem Begriff der ›zivilisatorischen Inkompetenz‹. »The viciuos effect of these complex historical influ­ences is described by the concept of ›civilizational incompe­tence‹ comprising deficiencies in: a) entrepreneurial culture, b) civic or political culture, c) discourse culture and d) everyday culture.« (S. 85)

2. Zum Prozess der Zivilisierung in Polen und der DDR

Als besonderes Spezifikum kann ein Vergleich zur DDR-Gesellschaft betrachtet werden sowie die mit der Bildung der Solidarnosc verbundenen Phase von 1980/81.

In Polen hat eine mit der DDR vergleichbare psychische Deformation[13] nicht stattgefunden. Die Verarbeitung der Systemwidersprüche der sozialistischen Staats- und Gesellschaftsordnung, die in der DDR vor allem indi­vi­dualistisch durch Internalisierungsprozesse verarbeitet wurde ['psychische Deformation'], wurde in Polen auf die Ebene des Sozial- und Alltagsverhaltens ver­schoben, in der Systemwidersprüche als – in der polnischen Geschichte als Verhaltensunterschiede – mehrdeutige, inkonsequente und wider­sprüchliche Verhal­tens ... neben und übereinander umge­setzt wurden.[14] Schutzmechanismen gegen­über Deformationen bestanden:

-  durch den dominierenden Glauben bzw. das gegen den Marxis­mus-Leninismus als atheistische Staats­doktrin gerichtete Glaubens­system des Katholizismus.

-  eine aus der Geschichte der Untergrund- bzw. der Widerstandsgesellschaft resul­tierende, ver­innerlichte, bzw. als Selbstzwang[15] erfolgende Abwehr­haltung, eine 'psychosoziale Resistenz'. Diese war u.a. gegen den Versuch der Indoktrination anderer Über­­zeu­­gungen gerichtet.

-  das Verhalten zwischen Katholizismus und Gesellschaft: Die Repräsentation, Leitung und Machtzentrum sind außer­national und außerstaatlich angeordnet. Die niederen Vertreter des Klerus haben demgegenüber einen hohen Integra­tionsgrad in die Gesell­schaft, die insgesamt mit der etablierten Glaubens­gemeinschaft in hohem Maße interdependent verbunden ist.

Die polnische Gesellschaft steht im Gegensatz zum (deutschen) Protestantismus und seinen traditio­nellen obrig­keits­­staats­bezogen Entwick­lungen. Diese finden in Polen keine Entsprechung. Der Wider­stands­kampf der polnischen Nation ist im konkreten Fall bezogen auf die siebziger und achtziger Jahre auch als Emanzi­pationsbewegung der (katholischen) Arbeiter zu verste­hen. Die Arbeiter­bewegung fand dagegen in Deutsch­land bis über die Zeit des Zweiten Weltkrieges hinaus kaum eine positive Resonanz in Kirche und Klerus. Austritts­bewe­gungen waren die Folge. In besonderem Maße gilt dies für die DDR.

Aufgrund der historisch gewachsenen Funktion ihres Selbstverständnisses konnte die Kirche in diesem deutschen Nach­kriegs­system der DDR, einer doppelten Wechselwirkung: Kirche – Staat sowie Kirche – Gesellschaft, nicht Bündnis oder gar stabili­sierender Faktor für Industriear­beiter sein. Eine erheb­liche Ent­machtung, u.a. bedingt durch Austritte und die Abschaffung der Kirchen­steuer, haben dazu beigetragen. In der DDR hat sich ein Teil der Arbeiter zweifellos mit der kommunistischen Führung und der SED identifiziert bzw. glaubte, durch diese vertreten zu werden und seine Interessen gewahrt. Der andere Teil konnte nicht ent­gegen diese Figuration Unterstützung von Kirche und Klerus erfahren. Vergleichbare Voraussetzungen wa­ren also nicht gegben.

In Polen war diese innergesellschaftliche Identität vorhanden. Sie wurde mit wachsendem Unmut der Arbei­ter und Werktätigen aktiver, wirkungsvoller und letztlich dominant. Dadurch wurde einer entsprech­en­de psycho­soziale Deformation in Ansätzen begegnet. Eine andere Ebene stellte die Form von Sozialpathologie dar, die außerhalb dieser Wechsel­wirkungs­ebene liegen, d.h. sie ist nicht dem machtspezifischen Inter­de­pen­­denz­­geflecht Kirche - Gesellschaft zuzu­ordnen.

Die polnische Gesellschaft hat die Deformationsprozesse ›abgepuffert‹. Ihre Habitusentwick­lung blieb relativ stabil. Ein Problem ist die Dominanz wunschzentrierter Selbstbilder und ihre Re­produktion und Verinner­lichung so­wie ihre Instru­men­tali­sie­rung. Den Versuchen, durch Fremd­zwänge bestimmte Selbst­­­zwänge durch­­zu­set­zen, stan­den tradierte stabile verinnerlichte, aber auch selbst­steue­rungs­­­dominierte Mechanismen gegen­­über.

Der zivilisatorische Kernprozeß, die Herausbildung des Gewalt­  wie auch des Steuermono­pols durch den Staat, ist in der DDR erfolgt,[16] nicht aber dessen für moderen Gesellschaften we­sentlicher Teil, die gesell­schaft­­liche Kontrolle. In Polen bildeten sich Ersatz­mecha­nismen durch Nutzung tradierter Machtquellen im ›Untergrund‹ heraus und die Kirche behaup­tete autonome gesell­schaft­liche Bereiche. Sie hatte die Funktion eines ›Über-Staates‹ bis hin zur Aus­übung sepa­rater gesell­schaftlicher Verwal­tungs- bzw. Organi­sations­aufgaben.

Die Folge war, daß die Verhaltenszivilisierung in Polen nur bis zu einem – empirisch nicht bestimmbaren – Grenzwert fremdzwangdominierten Mustern folgt. Man spricht generell von einer Gesellschaft der ›Halbhei­ten‹.[17] In der stalini­sierten Idustriearbeiterschaft, die z.B. aus städtischer, verarmter Rand­bevöl­kerung und aus länd­lichen Tagelöhnern hervorgegangen ist, kann man sagen, daß sie möglicherweise deshalb gegen­über dem neuen Staat loyal waren. Diese Gruppen stiegen nach dem Kriege in der Partei auf. Sie wurden bevorzugt in die Polizei etc. übernommen.[18] Man sah sie seitens der Partei als ›Unterdrückte der Feudal­gesell­schaft‹ an. Für die Mehrheit der Be­völkerung galt diese Einschätzung nicht. Es gab in der Gesellschaft opportunistische Anpassungs­mechanismen. Dies aber ist ein verbreitetes Problem aller Gesellschaften.

Das ›Bündnis zwischen Intellektuellen und Arbeitern‹ in der Solidarnosc war in seiner Wech­selbeziehung Ausdruck zeitlich begrenzter Loyalität. Die Solidarnosc war ein strategisches Zweckbündnis, bestehend aus der hoch zu differen­zie­rende Intelligenz und den Werktätigen, die ebenfalls unterschiedliche Segmente der Gesell­schaft abdeckten. Es handelte sich nicht um eine ›Solidarität‹ im Sinne eines langfristig beobachtbaren Phänomens.

Die polnische Gesellschaft hatte bereits spezifische Probleme erfahren und bewäl­tigt. Die Menschen in Polen standen nicht in vergleich­barer Weise vor den Problemen, in einer autoritär verfaßten Mangel­­gesell­schaft für den Preis psychischer Deformationen Überlebensmechanis­men zu entwickeln. Vergleichende Ansätze bezüg­lich den westeuropäischen Gesellschaften und ihren ›Saturie­rungs­problemen‹, sind kaum möglich, zumal wenn sie eine Wertungs­tendenz aufweisen. Man war in Polen z.B. nicht ›gehorsam‹. Es galt niemals das Prinzip der ›Pflichterfüllung‹.[19] Fremdzwäng sind als nationales Ziel nur sehr begrenzt durch­setzbar, abhängig vom Grad des je­weiligen äußeren Zwanges. Sie bewirkten deshalb in der Regel ein hohes Maß an entgegen­gerich­teten Selbst­steuerungs­mechanismen im nationalen Konsens.

Folgen der Reduktion des Zivilisationsprozesses auf den Kernprozeß waren, daß der Staat wie eine Besat­zungs­macht empfunden wurde. Belehrungsversuche (Propaganda) rufen keine nachfolgende gesellschaft­liche Achtung oder gar Umsetzung hervor sondern erzeugen Nichtbe­achtung bis hin zur Antihaltung ver­bunden mit einer Feind­fixierung.[20]

Es liegen fremdzwangdominierte Verhaltensmuster vor. Sie sind nur dort (scheinbar) stabil, wo man das Herr­schaftsmuster akzeptiert z.B. wegen persönlich empfangenner Versorgungslei­stungen (S.55). In Polen hat man sich die überflüssigen Zwänge nicht ›auferlegt‹, man hat sie als ›Ritual‹; Pflichtübung zeitweilig not­gedrungen akzep­tiert. Fremdzwangmechanismen wurden in Polen als temporäre Zwänge begriffen und erduldet.

In der DDR hatten sie eine Wirkung als langzeitig und nicht als begrenzt eingeschätzte Zwänge. Deshalb erfolgten in der DDR wesentlich stärkere Verin­ner­lichungen, in Polen nicht. Die Wirkungen in der DDR 1989 war ein Schock. In Polen dagegen bedeutete die Bildung der Soli­darnosc-Regierung 1989 Erleich­terung und Hoffnung.

Die DDR-Gesellschaft zeichnete sich durch erhebliches Nichtwissen aus bezüglich der Berei­che außerhalb des durch den Staat gesetzten Rahmens aus.[21] In Polen befand man sich in der Gewißheit, daß der reale Sozialis­mus eine temporäre Erscheinung sei. Es handelte sich um die Umsetzung einer Überzeugung, wenn nicht gar einer Glaubens­gewißheit, die aus historisch-mysti­schem Zusammenhang resultiert. Eine idelle Anknüpfung an die Messias- bzw. Opferrolle ist im Ansatz zu konstatieren. Man schöpft daraus seine die Überlebensstärke.

Partei und Staat partizipieren vom ›Akzep­tanzkredit‹ seitens der Arbeiter bis etwa 1976, dann deutlich abnehmend bis 1979. Die Loyalitätsverluste entstanden wesentlich als Folge der sich verschlech­ternden Versorgung. »Die staatssozialistischen Gesellschaften existierten und niemand wußte, wie lange. Erst wenn man den Tatbestand des Nichtwissens berücksichtigt, vermag man ein realistisches Bild von den Distanzie­rungschancen aber auch grenzen zeichnen. Per Existenz bezog der Staatssozialismus einen Akzeptanz­kredit seitens all derer, die ihm nicht den Rücken gekehrt hatten.«[22]

Die Frage möglicher Triebunterdrückungen muß an anderem Ort untersucht werden. Englers Ansatz, der Gegensätzlichkeit von ›fremdzwangdominierter‹ und ›reflexiver‹ Steuerung (S.54) kann aufgrund des spezi­fischen (historischen) Zivilisationsprozesses der polnischen Gesellschaft nicht angewandt werden. Die aner­kannten Zivilisationsinstanzen (Staat) fehlen oder werden machtschwächer. Deshalb hat die Kirche einen höheren Stellenwert. Insgesamt kann in Polen eine Balance zw. fremdzwangs- und selbststeuerungsdomi­nanter Zivilisierungs­mustern zugunsten letzteren konzediert werden, da eine permanente Abwehrhaltung gegenüber dem Fremden be­steht.[23] Eine Chance zu reflexiver Zivilisierung ist in Bezug zu ›rationalem‹ Den­ken potentiell ge­geben. Andererseits wirkt die Tendenz zur ›Überindividualisierung‹. Die selbst­steuerungs­domi­nierte Zivilisierung entwickelt sich in Richtung eines zunehmenden Einbaus ›narzistischer‹ Wir-schwä­chender Ich-Ideale. Untersuchungen der Wechselbeziehung zwischen Über  und Unterzivi­lisierung können für die polnische Gesellschaft im gegebenen Zusammenhang nicht vertieft wer­den.[24]

Die Ereignisse des Jahres 1980 zeigen, daß die Industriearbeiterschaft über den sozialisti­schen Versor­gungs­staat über positive Erfahrungen verfügte. Egalitaristische Parolen, wie ›vom Ich zum Wir‹ sind fak­tisch nie in entsprechende Selbstzwänge umgesetzt worden.

Charakteristisch ist, daß auf der Basis zurückliegender Habitusentwicklung als DDR-spezi­fisch eine Identi­fi­zie­rung mit Überlebenseinheiten Staat erfolgte, in Polen eine in gleicher Ebene liegende Antihaltung, dort aber eine dominierende Identifizierung mit der Überlebenseinheit Na­tion. Wenn die DDR – verbunden mit krampfhaften Versuchen seitens der Machthabenden – über den Staat definiert wurde, dann war die polni­sche Gesellschaft bereits per se über die Nation de­finiert.

3. Zivilisierungsprozesse aufgrund der Ereignisse von 1980 sowie der Gründung der Solidarność.

Man wußte im Sommer 1980, daß sich jeder in dieser gesellschaftlichen Auseinandersetzung äußerst dis­zipliniert verhalten mußte, daß man aufgrund der Erfahrungen von 1970 oder der un­garischen Erfah­rungen von 1956 keine Gewalt ausüben durfte. Es gab 1980 sehr viele spontane Proteste, kleinere Streiks. Eine sehr bedeutende Rolle hatte die Bildung der innerbetrieblichen Streikkomitees. Sie gehen auf Initiati­ven der Berater zurück. Dieses Muster der Streiklenkung bewirkte eine Kontrolle der Streikenden sowie der potentiell strei­kenden Arbeiter. Die Beleg­schaften der Betriebe mußten sich bei der zentralen Streikleitung melden, wenn sie z.B. mit dem Ziel, einen Betriebsdirektor abzulösen, einen Streik beabsichtigten. Man versuchte dann soweit möglich, diese Ziele durch entsprechende Methoden, Verhandlungen mit der Regie­rung oder über die Presse, zu lösen. Dadurch wurden spontane Prozesse zwar nicht verhindert, aber in wichtigen Ansätzen kanalisiert.

Man nahm in mehreren Sektionen die Werktätigen aller Bereiche, auch die Studenten und Rentner sowie später die Bauern auf – mit dem Ziel der Steuerungs- und Disziplinierungsmög­lichkeit. Dies kann als partiel­ler und sektoraler Zivilisierungsschub angesehen werden.[25] Ein wei­terer Zivilisierungsschub zeigt sich im Verhalten bei öffentlichen Diskussionen in Betrieben oder auch der Universität.[26] Über Gruppendruck wer­den Affektkontrollen erreicht. Es handelte sich um eine Zivili­sie­rung des Verhaltens im gesellschaftlich-poli­tischen Bereich.[27]

In ersten Aufsätzen über die Solidarność wird versucht, die ›civil society‹ mit der Solidar­nosc-Bewegung zu ver­knüpfen. »Dem Staat ist es nicht gelungen ... die ›civil society‹ wirklich aufzulösen«, die Solidarnosc-Be­we­gung, so intellektuelle Dissidenten, sei Ausdruck der Existenz und der Vitalität der ›civil society‹.«[28] Das Pro­blem besteht aber darin, daß mit dem Begriff ›civil society‹ »oder ›Zivilgesellschaft‹ jene gesell­schaft­­lichen Beziehungen zu kennzeichnen (sind), die mit der Übewindung des Kapitalismus keineswegs ab­zu­schaf­fen, sondern positiv in einer ›civil society‹ aufzuheben sind.«[29] die Zivilgesellschaft kann damit nicht als ein genuiner Begriff ver­standen werden. Er unterliegt individuellen Definitionskriterien, d.h. er ist ab­hän­gig vom Denkstil wie auch dem meinungsspezifischen Standort des Betrachters, seinem Denkmilieu.[30] Für den Verfasser bedeutetet dies, daß er sich wesentlich am Elias'schen Begriff der Zivilgesellschaft ori­en­tiert.

Soziale Rechte wurden über den Sozialismus eingeführt. Die politische Betätigung im demo­kratisch-eman­zipativen Sinne wurde wesentlich 1980 durch­gesetzt. In den achtziger Jahren wurde in der Phase der gesellschaftlichen Agonie dieser Prozeß in gewisser Weise eingefroren, aber nicht aufgehoben. Die Bürger­gesellschaft beginnt sich seit 1989 langsam herauszubilden. Ein Problem ist die staatsbürgerliche Kompe­tenz der Zivilgesellschaft, das Wissen über die Mecha­nis­men des demokratisch verfaßten Rechts­staates. Das Spannungsniveau steigt jeweils in der Übergangs­phase temporär an.[31]

Ein Parallelbeispiel ist die Ostpolitik der Bundesrepublik, getragen von der sozial-liberalen Koalition. Über die sog. wirtschaftliche Öffnung erfolgten zunächst offizielle Kontakte, aus denen sich umfangreiche soziale soziale Kontakte entwickelten. Es erfolgte die Durchsetzung der Öff­nung im ökonomischen wie gesell­schaft­­lichen Bereich. Die Folge waren Forderungen nach politi­schen Reformen sowie der Herausbildung des demo­kratisch verfaßten Staates.

Als These kann formuliert werden: Man knüpft in Polen an die alte Adelstradition der Glei­chen an. Man akzeptiert sich gegenseitig als gleich­be­rechtigt und damit in der Abstimmung. Es gab den Konsens, das ›nie poswalam‹[32] anzuerkennen. Damit knüpft der Zivilisationsschub der Solidarnosc-Bewegung an diese demo­kratische Tradition an.[33]

Man zeigt in der kurzen Phase des August 1980 ein hochgradig disziplines und damit ziviles Verhalten, eine deutlich erkennbare Affekt­kon­trolle in diesem hstorischen Moment. Nachdem die Entscheidung der Bildung der Solidarnosc durchgesetzt war, konnte man sich schwerlich auf ein Progamm einigen. Die Affekt­kontrol­len bezogen ich auf die entscheidende Kampfphase.[34] Diese Phase wird gegenwärtig mytholo­gisiert, ver­gleichbar mit der Mytho­logisierung der Aufstände. Auch in den Aufständen hat man ein hohes Maß von Selbstkontrolle und Diszi­plinierung entwic­kelt. Das Alltagsverhalten weicht davon ab. Die Verknüp­fung des Vorbilds mit dem gegen­­sätzli­chen konkreten Verhalten, die Überlagerung der Wider­sprüchlichkeit ist ein charakteristisches Paradoxon.[35]

Das System selbst hat die Solidarnosc als große Figuration gegebenenfalls im Sinne der Vorstellung ent­gegen­gesetzter Lager. Seit 1980 hat sich die Streitkultur verändert, die Affektbe­setzung hat sich verringert. Der Zivilisierungsschub wurde hervorgerufen durch die Zwänge und Tendenzen zum Pluralismus (innerhalb der Solidarność) zum Auspendeln von neuen Machtbalan­cen. 1989 wäre ohne 1980 nicht möglich. Den Zivilisierungsprozeß kann man auch bei den Lin­ken, bei den Linksparteien, z.B. bei der SLD beobachten. Man bedient sich auch eines modernen Habitus.

Ein aktuelles Problem der Herausbildung der Zivilgesellschaft zeigt sich im Alltagsverhalten von Betrieben, Behör­den oder auch im Bildungssystem. Die Kolleg(-innen) dort glauben nicht, daß sich der Aufwand lohnt, ›von unten‹ etwas durchsetzen zu wollen: Man benötigt die Geneh­migung ›von oben‹. Wenn diese zumindest signali­siert ist, dann erst wird man aktiv und improvi­siert gegebenenfalls. Man glaubt also nicht, daß man so stark ist, von ›unten‹ etwas durchzusetzen. Eine Position ist, daß man nicht die Energie aufwenden möchte, sich in einem vergeblichen Ver­such durch­zu­setzen zu versuchen. Anderseits befürchten die Vorgesetzten um Machtverluste, wenn Rangniedere sich in selbständigen Verhalten durchsetzen. Sie wollen verhindern, daß man von ›unten‹ in ihren Machtbereich eindringt.

Es gibt einen speziellen Zivilisationsprozeß unter Bedingungen nicht- bzw. antistaatlichen Verhaltens in – heute – semiperipheren Gesellschaften Ost-Mitteleuropas.[36]

Als Beispiel dafür können die ›freiwilligen‹ Selbstdisziplinierungsprozesse in Polen z.B. beim Papstbesuch 1979 und vor allem während der kritischen Streikphasen der Jahre 1980/81 und wäh­rend des Kriegs­zustan­des 1982 gelten. Sie stellten Vorgänge innerfigurativer Selbstkontrollen dar und drückten sich u.a. in Selbst­verzicht, insbesondere auf Alkohol aus.

Ein generelles Problem ist nach Auffassung des Verfassers der ›westlich‹ erscheinende Denk­ansatz Elias', eine Sichtweise, die sich in den mehr oder weniger entwickelten westeuropäischen Staats­gesell­schaften herausbildete, zu denen er andererseits selbst ein angemessenes und feines Distanzierungsverhalten entwickelt hat. Die Frage, warum Elias z.B. mittel­ost­europäische Gesell­schaften – die er zweifellos exzellent kennt – wie auch zu grundsätzlichen Fragen der Religiosität sowie der Rolle der Religionsgemeinschaften, nicht oder nur in sehr geringem Maße in sein Den­ken einbezieht, muß an anderem Ort reflektiert werden.

Eine neue Erwägung wäre, die Gesamtproblematik unter die Fragestellung von Modernisie­rungsprozessen zu sub­­sumieren. Der Verfasser will dabei nicht verhehlen, daß er diesem Ansatz mit erhöhter prinzipieller Dis­tanz gegen­über­steht. Der Grundsatz, die Rolle des Staates in Inter­dependenz zur Moderni­sie­rung zu reflek­tieren und theoretisch abzubilden, muß dabei erhalten bleiben. Eine von historischen Zusammen­hängen ausgehende Betrachtungsweise kann und darf dabei den Staat an sich – so die grund­sätzliche Auffassung des Verfassers – nicht nicht aus der Betrachtung ausblenden.

Es würde sich um eine Synthese des zivilisationstheoretischen Ansatzes handeln, basierend auf gesell­schafts­­historischem Denken, weitergedacht und verknüpft mit modernisierungstheoreti­schen Ansätze, die ihrerseits primär gegenwartsbezogen und wesentlich ökonomisch bestimmt sind. Brunon Synak versteht den Wechsel von der ›state society‹ zur ›civil society‹ wesentlich als Folge ein­schließlich seiner Definition über einen sozio-ökonomischen Prozeß: »The transition from the economiy to market eco­nomy entails progressive structural changes in the society e.g. the ›middle class‹ is increasing essentially.[37]

These: In Deutschland haben sich die Intellektuellen einbinden lassen in Ideologemsysteme: Wil­heminische Ära, NS-System, Kommunismus bzw. Sozialismus. Man bildet ein Selbstdisziplin her­aus läßt sich und in Denk­kollektive einbinden und reproduziert dabei intendierte Überzeugun­gen in entsprechenden Denkstilen. In Frankreich und Polen erfolgt dieses nicht. Die polnischen In­tel­lektuellen haben sich nicht den neu etablier­ten Denkkollektiven unterworfen. Sie brachen dar­aus bald aus und gingen in die Emigration. Sie reproduzierten keine ›fremden‹ Denkstile.

4. Die historischen Paradigmen des Zivilisationsprozesses

Wenn es den Erfahrungen der Menschen in Europa entspricht, daß das Erleben des Tötens im kollektiven Gedächtnis tiefe Spuren hinterläßt, dann ist es in der polnischen Nation die spezifische Opfererfahrung resultierend aus ihrer Geschichte.[38] Beispiele lassen sich für die Menschen in die­ser Region, die aufgrund ihrer geographischen Struktur keine natürlichen Barrieren aufweist aus ihrer Geschichte seit Beginn der Staatsgündung um die Jahr­tausend­wende anführen: Der Mongo­lenansturm[39] im 13. Jahrhundert, die Bedrohung durch den Deutschen Orden, die in eine Bedro­hung durch Preußen-Deutschland einmündete; die Schwedenkriege sowie die Kosaken­über­fälle seit der Mitte des 17. Jahrhunderts; dann die Opfer der Aufstände wie auch durch die Beteiligung an den napoleonischen Kriegen sowie die Deportationen und Depossedierungen als Folge der Aufstände durch die Teilermächte, insbesondere das zaristische Rußland; im 20. Jahrhundert die begonnene physische Vernichtung im ›polnischen Holocaust‹ durch die Okkupanten.

Folgen finden sich in einer sehr komplexen Spannungskonstellation, einer interdependenten Beziehung aus Messianismus, Paradoxien bis hin zu individuellen oder kollektiven neurotischem Verhalten.[40] Die Rolle der Intellektuellen besteht in besonderer Weise in der sozialen Sicht­bar­ma­chung dieser Erfah­rungs­prozesse in der Nationalliteratur. Charakteristisch für die Schöpfung der hi­stori­schen Literatur, die polnische ›Nationalliteratur‹ apostrophiert wird, daß die Literaten, die In­tel­lek­tuellen, sie in hohem Maße im Exil geschrieben haben. Selbst in de Verla­gerung des Ortes des historischen Gesche­hens ist die polnische Gesellschaft erkennbar.[41] Die Frage ist dabei, inwieweit das kollektive Erinnern durch Wachhalten der Opfervorgänge zu einer neuen Phase im Zi­vilisati­onsprozeß beigetragen hat. So lassen sich für die polnischen Intellektuellen typische Wahr­nehmungs- und Wertungsper­spektiven der historischen und gesellschaftlichen Realität bis in die gegenwärtige politische Dis­kussion hinein feststellen. Sie stehen in der Tradition des uto­pi­schen Denkens, das seinen idealty­pischen Ausdruck im 18. und 19. Jahrhundert in der unlöslichen Ver­knüpfung von gesellschaftli­chen Realitätswahrnehmung und finalistischer Wertperspektive (fast religiös-eschatologischer Charakter) im polnischen ›Messianismus‹ gefunden hatte. Die Fra­ge nach der ›Stunde Null‹ und dem ›Warten der Völker auf den Neuanfang‹, die zu den zentralen Topoi heutiger innerpolnischer Diskurse zählt, der idealistische Umgang mit Wertbegriffen wie ›Frei­heit‹ und ›Selbstkontrolle‹ spiegelt eine soche utopische innergesellschaftlich-weltliche Escha­tologie wieder. Typische Aus­sagen in diesem Kontext finden sich z.B beim ehemaligen pol­ni­schen Außenminister, Träger des Frie­dens­­preises des deutschen Buchhandels von 1985 und in­ter­national anerkanntem Geschichts­philosophen Wladyslaw Batoszewski wieder.

Bartoszewski drückte auf dem ›Katholischen Kongreß‹ in Hildesheim, der das Thema Soli­darität zum Gegenstand hatte, die zivilisatorische Lücke – ohne allerdings im gegebenen Kontext zu denken und zu argu­men­tieren, mit folgenden Worten aus: “Die Stunde ›Null‹ hat für die mei­sten Völker noch nicht geschla­gen. Sie warten noch auf einen Neuanfang. … Jahrzehntelang hat man die Menschen in den kommu­nisti­schen Staaten daran gehindert, miteinander den wahren, authen­tischen Kontakt und Dialog aufzunehmen. Die Entfrem­dung und eine gewisse Ratlosigkeit angesichts der anderen hat man auf diese Weise pro­grammiert.” Barto­szewski erwartet von der Kirche, daß sie nicht nur dem herrschenden System wider­spricht, sondern auch aktiv am gesell­schaftlichen Umbruch mitwirkt, “selbst wenn viele Priester und Bischöfe in der Demokratie noch unerfahren sind.” … Die neugewonnene Frei­heit dürfe nicht als Narrenfrei­heit verstanden werden. … “vielmehr geht es um die Freiheit zur Selbst­kon­trolle”. … Er warnt vor “popu­listischen Para­dies­vor­stel­lungen”; … “Osteuropa hat ein großes politisches Potential; häufig mangelt es jedoch an Niveau.” … Es wür­den keine Programme vorgeschlagen sondern Parolen. “Es mangelt an mo­ra­lischen Orientierungen und mensch­licher Solidarität.” [42]

Vor allem der letztere Satz ist charakteristisch für die Ausdrucksweise polnischer Intellek­tuel­ler und damit auch für die Ausbildung der politischen Kultur in der polnischen Gesellschaft. Man sollte seine Gedanken in Bezug auf Zivilisierugsvorgänge reflektieren. Es ist nur begrenzt mög­lich, die Rolle der Intellektuellen in der Zivilgesellschaft darzustellen und eine Stand­ort­be­stim­mung dieses Entwick­­lungs­­prozesses zu geben, wohl aber Überlegungen und Thesen dazu. In­tel­­lektuelle haben ein traditionell selbststeuerndes Verhalten, da die Bedin­gungen für Fremd­­steu­erun­­gen zwar gegeben waren, aber nicht in Selbstzwänge umgesetzt wur­den, sondern in psycho­so­ziale Gegnerschaft münden. Als Hypothese kann formuliert werden, daß keine neuen Schübe im Zi­vilisationsprozeß er­folgt sind. Dies hängt zweifellos mit in der der jüngsten zeithistorischen Phase, seit 1989/90 er­folgten Beendigung der sozio­­­histo­rischen Voraussetzung, Opfernation zu sein: Die Beendigung der letzten Reste sowjetischer Macht­ausübung durch das Ende der UdSSR sowie der Abschluß des Vertragswerkes mit der Bundes­repu­blik Deutschland im Zusam­menhang mit der Wiederver­einigung und damit der endgültigen vorbe­halts­freien Anerkennung der Grenzen der Republik Po­len – verbunden mit der Einbindung der Bundesrepublik in internatio­nale Ver­trags­­werke: UNO-Charta, EG/EU-Verträge und die NATO und damit der Garantie auf su­pra­na­­tionaler Ebene. Parameter für die Zuordnung zu entsprechenden Phasen des Zi­vi­li­sa­ti­ons­pro­zesses sind im Kontext zum polnischen Spezifikum der Staatenbildung die Ausprägung der Kom­ponenten in der genannten komplexen Spannungskonstellation.

Andererseits liegen in dieser Gesell­schaft, insbesondere in ihren urbanen Zentren, die Vor­aussetzungen zu einem dynamischen Paradig­men­wechsel und zum beschleunigten Nachvollzug moderner Prozesse ein­schließlich innovativer Elemente.

Anmerkungen

[1]    Elias, Norbert: Über den Prozeß der Zivilisation. Bd 1. Frankfurt/M. 1988. –  Elias, Norbert: Über den Prozeß der Zivilisation. Bd. 2. Frankfurt/M. 1990

[2]    Gleichmann, Peter R. / Goudsblom, Johan / Korte, Hermann (Hg.): Materialien zu Norbert Elias’ Zivilisationstheorie. Frankfurt/M. 1979. – Gleichmann, Peter R. / Goudsblom, Johan / Korte, Hermann (Hg.): Materialien zu Norbert Elias’ Zivilisationstheorie. 2. Frankfurt/M. 1984. – Elias, Norbert / Scotson, John L.: Etablierte und Außenseiter. Frankfurt/M. 1993 

[3]    KÜrSat-Ahlers, E.: Zur frühen Staatsbildung von Steppenvölkern: Über die Soziogenese der eura­si­schen Nomadenreiche am Bei­spiel der Hsiung-Nu und Göktürken, mit einem Exkurs über die Skythen, Berlin 1994. – Waldhoff, Hans-Peter: Fremde und Zivilisierung. Wissenssoziologische Studie über das Verhalten von Gefühlen der Fremd­heit. Probleme der modernen Peripherie-Zen­trums-Migration am türkisch-deutschen Beispiel, Frankfurt 1995

[4]    Nowotny, Helga; Taschwer, Klaus (Hg.): Macht und Ohnmacht im neuen Europa: Zur Aktualität der Soziologie von Norbert Elias. Wien 1993

[5]    Elias, Norbert: Was ist Soziologie? 6. Aufl. Weinheim, München 1991. – Schäfers, Bernhard: Grundbegriffe der Soziologie. 2. Auflage Leverkusen 1986; UTB 1416. – Elias, Norbert: Menschen in Figurationen. Ein Lesebuch zur Einführung in die Prozeß- und Figu­ra­tions­soziologie von Norbert Elias. Opladen 1995                                          

[6]    Gleichmann, Peter R.: Zum Entstehen einer Machttheorie. In: Schulte, Werner (Hg.): Sozio­logie in der Gesellschaft. S. 773 -777. Bremen 1980      

[7]    Gleichmann, Peter R.: Sind Menschen in der Lage, vom gegenseitigen Töten abzulassen? in: FOCUS MUI.10. Heft 1 (1993). –  Gleichmann, Peter R.: Sind Menschen in der Lage, vom gegen­sei­tigen Töten abzulassen? Zum Verflechten von Militari­sie­rungs- und Zivilisationsprozessen. In: Seifert, Jürgen, u.a.: Logik der Destruktion. Diskussionsbeiträge des Institutes für Politische Wis­senschaft Hannover. Frankfurt/M. 1992; S. 89 - 120

[8]    Auch wenn Elias die sozialgeschichtliche Verankerung dieses ideologischen Widerspruches im Deutschland des 19. Jahr­hun­derts nachweist, sind die ideologiegeschichtlichen Folgen vor allem als Funktionalisierung innerhalb konservativer und restau­rativer Kultur- bzw. Zivilisationskritik bis heute erkennbar.

[9]    Elias Norbert: Studien über die Deutschen: Machtkämpfe und Habitusentwicklung im 19. und 20. Jahr­hundert. Frankfurt/M. 1990, S. 161

[10]   Elias 1990, S. 165

[11]   Elias 1990, S. 166

[12]   Sztompka Piotr: Civilisational incompetence. The trap of Post-Communist societies. In: Zeitschrift für Soziologie. Stuttgart 22.1993, H. 2. S. 85 - 95

[13]   vgl.: Maaz, Hans-Joachim: Der Gefühlsstau, Berlin, 1990, S. 96ff.; vgl. auch: ders.: Psychosoziale Aspekte im deutschen Einigungsprozeß, in: Aus Politik und Zeitgeschichte; B 19/91, S. 3ff.

[14]   In der gesamten Diskussion wird auch vom Phänomen der Sozialpathologie gesprochen, die sich in Po­len in durchaus erkennbarem Maße herausgebildet hat.

[15]   Das von Norbert Elias entwickelte und aus der Psychoanalyse abgeleitetete Muster des Selbstzwangs läßt sich gut an­wenden auf das Verhalten der Arbeiterschaft in den siebziger und achtziger Jahre in Po­len.

[16]   vgl.: Engler, Wolfgang: Die zivilisatorische Lücke. Frankfurt/M. 1992, S. 32ff.

[17]   nach Kakol; vgl. auch Wagner, Helmut: Die Doppelgesellschaft in Polen, Berlin 1981

[18]   In mündlichen Aussagen polnischer Wissenschaftler wurde durchaus darauf hingewiesen; Untersu­chun­gen darüber sind in der VR Polen nicht erfolgt.

[19]   Engler 1992, S. 42

[20]   Begriffe wie: Versorgung, und empfangen haben umgssprachliche Veränderungen erfahren (Bogucka)

[21]   Engler 1992, S. 47

[22]   Engler 1992, S. 47

[23]   vgl. Engler 1992, S. 44/45

[24]   vgl. Engler 1992, S. 56

[25]   Die Kirche hat in ihrer Funktion als ›Ersatz‹-Zentralmacht, die Priester der Gemeinden als Repräsen­tan­ten dieser ›mora­lischen‹ Macht eine Wirkung ausgeübt, die zur Affektkontrolle als Selbstzwang der Ar­beiter führte. Es galt für eine relativ kurze Phase im August 1980 und endete im Zusammenhang mit der offiziellen Bildung der Gewerk­schaft Solidarnosc den Machtkämpfen um die Positionen so­wie die Machtverteilung zwischen der Zentrale (Danzig) und den Regionen.

[26]   Informationen von Marek Dutkowski, Univ. Danzig; nicht veröffentlicht. Jadwiga Staniskis deutete das damalige Verhalten als Schritt zur politischen Kultur.

[27]   Im technischen Bereich hatte es über die Industrialisierungsphase der Nachkriegszeit bereits wesent­lche Zivili­sie­rungsschübe gegeben. Entsprechendes gilt für das Gewalt- und das Steuermonopol des Staates. Der Prozeß der Bildung der Zivilgesell­schaft im Sinne einer Staatsbürgergesellschaft hat we­sentlich erst nach 1989 begonnen.

[28]   Andrew Arato: ›Civil Society‹ gegen den Staat, in: Fenchel, Reinhard / Pietsch Anna-J. (Hrsg.), 1982. S.46ff.

[29]   so die Herausgeber, ebenda Anmerkung 0, S. 82.

[30]   vgl.: Fleck, Ludwik: Entstehung und Entwicklung einer wissenschaftlichen Tatsache, Frankfurt/M. 1994

[31]   Eine These besagt, daß, wenn man soziale Rechte zugesteht, man den Wunsch unterstützt nach politi­schen Rechten, d.h. nach erweiterter Machtpartizipation. Das Spannungsnivau steigt mit dem Zuge­ständnis sozialer Rechte, mit der Ausbildung des sozialen Versorgungsstaates.

[32]   Durch das ›nie poswalam‹ [Ich stimme nicht überein] konnte in den Sitzungen des Sejm vor der Tei­lungszeit Abstimmungen blockiert werden; eine Gegenstimme genügte dabei; das sog. ›Liberum veto‹.

[33]   Ebenfalls knüpft man an die Gleichheit implizierende Anredeform des ›Herr‹ an. Das ›Du‹ stellt in Po­len eine Abwertung, eine Wortaggression dar.

[34]   Walesa knüpft in seinem Wahlkampf 1995 an diese Phase an: Man hat sich nicht gestritten und hat nicht getrunken. Die Phase dauerte aber kaum mehr als zwei Wochen.

[35]   Ein anerkanntes aber nicht zugegebenes Paradoxon ist die Auseinandersetzung um den Kriegszustand. Aufgrund der Sach­lage war er notwendig. Trotzdem war er moralisch ein Verbrechen an der Nation. Die Kommunisten haben ihre moralische Legitimation endgültig verspielt. Die (damalige) Opposition vermeidet in der Diskussion um den Kriegszustand die Ebene der sachlichen Diskussion und begibt sich statt dessen in die moralische Ebene. Damit korreliert die Nichtbeschäftigung in der Wissenschaft. Die einen sind involviert (die Linken), die anderen instrumentalisieren die Situation. Dazwischen gibt es nur eine sehr kleine Gruppe, die genügend Distanz zu beidem besitzt.

[36]   Eine umfangreiche Studie des Verfassers zu einer zivilisationstheoretischen und figurationssoziologi­schen Betrachtung der polnischen Gesellschaft, der Spezifika der polnischen Nation, erscheint vor­aus­sichtlich im Frühjahr 1997.

[37]   Synak, Brunon: Polish society, Introduction and anomie, University of Gdansk, Dep. of Sociology, 1990; unveröff. Manuskript. 1990, S. 10

[38]   vgl. Gleichmann, P.R.: Sind Menschen in der Lage, vom gegenseitigen Töten abzulassen? in: FOCUS MUI.10. Heft 1 (1993)

[39]   Im Polnischen spricht man von den Tataren als Synonym für beide Bevölkerungsgruppen. Die Tataren waren von den Mon­golen zur Kriegsleistung verpflichtet worden. Der polnische Raum ist von mongo­lisch-tatarischen Heeren in hohem Maße zerstört worden.

[40]   vgl. Leed 1979; S. 163...

[41]   so z.B. bei Sienkiewicz (Quo vadis?) oder J. Conrad, div. Romane.

[42]   Berger, Michael / Gundlach, Jens: wie buchstabiert man Solidarität? Auf der Suche nach dem Nächsten: Ermutigungen im Sozialkongreß. Hannoversche Allgemeine Zeitung Nr. 217, 14. 09. 1996, S. 4

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Herausgeber: Verband der Politiklehrer e.V., Hannover

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Internetausgabe / Internetseite / politik unterricht aktuell 1-2/1996 / Lothar Nettelmann / Gerhard Voigt: Reflexionen über den Begriff der Krise/ Netzpublikation 06.11.02. http://www.pu-aktuell.de/pua1996/p196-npl.htm - Letzte Überarbeitung: 10.08.2004. Übernahme und durchsicht auf http://www.polen-didaktik.de am 23.02.2011.

   
   

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