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Lothar Nettelmann:

Die Ereignisse in Polen im Sommer 1980

Welche Ursachen und Hintergründe haben sie*

Fünfundzwanzig Jahre ist es her, als Menschen aus der ganzen Welt – und in besonderem Maße wir Deutsche – auf Polen blickten. Dort war es vor allem eine Person: der unbekannte Elektriker auf der Lenin-Werft in Danzig, Lech Wałęsa.

Kaum jemand konnte seinen Namen richtig aussprechen. Viele Leute in Westeuropa merkten erst jetzt, dass die Polen eine eigene Sprache haben mit eigenen Lauten und nicht nur die be­rühmten Zischlaute. Vorher war Polen für die meisten Menschen, die nicht von dort kamen oder die nie zuvor in diesem schönen Land gewesen waren, eine weiße Landkarte ohne Geschichte. Und kaum jemand hatte sich für die Menschen dort interessiert. Es ist leider so. Polen war für die meisten Deutschen ein „Nichts“ bezüglich seiner Geschichte, seines Raumes und seiner Menschen.

Dabei gibt es in den in allen Weltsprachen erschienenen bzw. in diese übersetzten Büchern vieles Interessante zu lesen. Es sind auch die Bilder, die als Stereotype in die Vorstellungen der Deutschen Eingang gefunden haben: „Die schöne Polin,“ so Heinrich Heine, „mit der man wohl ausgehen darf, die man aber tunlichst nicht heiraten solle.“ Die Franzosen besingen gar den schönen Popo der Polin „Madame promène son cul sur les remparts de Varsovie...“. Dies über die lustige Seite der Medaille. Daneben gibt es die unschönen – beiderseitigen – z.T. sehr bös­artigen Stereotype, aber die sind jetzt nicht das Thema.

Auf der anderen Seite war für uns Deutsche Polen mit „gefühlter Eiseskälte“ verbunden. Man ordnete es kurz vor dem russischen Bären ein, dessen Pranken als „Warschauer Pakt“ gleich hinter Helmstedt lagen.

Und nun dieser Theaterdonner in Danzig, der sich in Wirklichkeit als der Beginn eines Erd­bebens herausstellte, das nicht nur Europa sondern die ganze Welt erschüttern sollte. Das größte bisher da gewesene Machtimperium brach in seiner Folge zusammen, es implodierte.

Jetzt waren die Medien, die Zeitungs- und Fernsehreporter vor Ort. Alle Welt kannte plötzlich das Gesicht und den Namen des ‚kleinen‛ Elektrikers, den man später in Polen den ‚großen‛ nannte, allerdings nur ironisch.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten sich dem Thema zu nähern. Man kann den Ablauf der Ereig­nisse nachzeichnen, die Geschichte der Solidarność von ihrer Gründung am 1. September 1980 bis zu ihrer Suspendierung durch Ausrufung des Kriegszustands am 13. Dezember 1981 durch General Jaruzelski.

Der Kriegszustand ist ein düsteres Kapitel für sich. Es folgte die verlorene Zeit der Agonie bis 1989. Dann der Sieg der Solidarność durch die Machtübernahme von den Kommunisten mit der Wahl von Tadeusz Mazowiecki als ersten frei gewählten Ministerpräsidenten (nach der kurzen Episode ab 1919, die dann in die autoritäre Herrschaft Piłsudskis mündete). Dann die Spaltung und der Zerfall dieser Gewerkschaft, die zu den berühmten unserer Zeit gehört, gar der Miss­brauch ihres Namens für Geschäftemacher. Aber soweit sind wir noch nicht. Alles sind für sich abendfüllende Themen oder gut für Wochenendseminare geeignet.

Ich möchte mich der Frage widmen, warum dieses alles geschah und dabei die in meinen Augen wichtigen Gedanken aufnehmen.

Dazu werde ich einen Ansatz wählen, der in der Wissenschaft als Gesellschaftsgeschichte oder Historische Soziologie eingeordnet wird. Er bezieht sich wesentlich auf das Verhalten von Menschen in ihrer Lebenswelt und die in ihrem Bezug zu zurückliegende Zeiten. Dieser Ansatz ist verbunden mit der Weltsystemtheorie, die u. a. am Historischen Seminar der Uni Hannover gelehrt wird. Mein Ansatz basiert auf der Theorie des in Breslau geborenen Norbert Elias, die bei den Sozialwissenschaftlern in hohem Ansehen steht. Die Theorie ist von Elias in den dreißiger Jahren entwickelt worden und hat ihre Bestätigung und Verbreitung vor allem seit den achtziger Jahren gefunden. Ich werde aber nicht zuviel theoretisieren.

Zur Erklärung der weltgeschichtlich bedeutenden Phänomene des Jahres 1980 muss man als eine wesentliche Voraussetzung die historische Dimension sehen. Konkret heißt das: man muss die Geschichte der Polnischen Nation betrachten. Dieses ist verbunden mit folgenden Gedanken:

  • der Besonderheiten in der Geschichte der Polnischen Nation;

  • der Frage: was bedeutet eigentlich die Polnische Nation?

  • was charakterisiert ihr Handeln und

  • welches Handeln der Polnischen Nation ist in der Gegenwart gesellschaftspolitisch von Be­deutung?

Die Grundlagen liegen in ihren Wurzeln wesentlich begründet ca. 300 bis 400 Jahre zurück, sie reichen bis zur Renaissance-Zeit.

Zu diesem Komplex:

Die Polnische Nation ist nicht nach dem Muster des französischen oder deutschen Nations­begriffes beschreibbar. Sie wird wesentlich bestimmt über den Adel (die Szlachta) in ihrer Ab­stufung von den Magnaten bis zum (verarmten) Kleinadel. Zu ihr zählen sich bis zu 15 Prozent oder mehr der Bevölkerung. Der Adel hatte auf der Basis von Landbesitz in der Geschichte eigene Machtfülle. Man hat die eigene Verfügungsgewalt nicht von der Macht des Königs ab­geleitet. Dieser wurde von allen wahlberechtigten Adligen als einer ihresgleichen gewählt. [Wahlberechtigt war im 18. Jahrhundert ein höherer Anteil der Bevölkerung als in England.] Symbol war, dass es keine Titel gab. Die Anrede war Herr (pln.: pan). Es gab keinen vom Kaiser ernannten Fürsten oder Baron.

Man tat das, was man für opportun, richtig oder durchsetzbar hielt. Man verbündete sich mit anderen gegen Dritte, ggf. auch gegen den König. Dieses wurde nicht als ehrenrührig angesehen. Man bildete deshalb auch kein Loyalitätsbewusstsein gegenüber dem König oder anderen Nationsangehörigen heraus. Von Bedeutung ist das „Liberum Veto“, in dem einem Einzelnen zugestanden wurde – auch zum Nachteil aller anderen – einen Beschluss zu verhindern.

Die negative Konsequenz war: Man hat niemals einen funktionierenden Staat aufgebaut. Die Bildung dessen wurde im Gegenteil verhindert. Die Wesenselemente eines Staates, das Steuer­monopol und das Gewaltmonopol (d.h. die Verfügung über das Militär und die Polizei) wurde dem König bzw. der Rzeczpospolita Polska versagt. Anders ausgedrückt: Man akzeptiert in der polnischen Gesellschaft keinen Staat und seine Organe (Polizei, Verwaltung). Im Gegenteil: Man reproduziert eine grundsätzliche Abwehrhaltung.

Dieses Verhalten prägt das Freiheitsbewusstsein, damit auch die Haltung zur Demokratie. Man kann sagen: bis heute!

Die nachteiligen Folgen sind: Die Adelsrepublik, die Rzeczpospolita Polska war im 18. Jahr­hundert so schwach, dass sie praktisch ohne Gegenwehr von den Nachbarn, von Russland, Preußen und Österreich einverleibt wurde. Die Teilungszeit dauerte fast 125 Jahre bis 1919.

Aber – und das ist ebenfalls charakteristisch: Die Polnische Nation hat sich immer gewehrt. Die Menschen haben für die Existenz ihrer Nation gekämpft – und das immerwährend. Wesentlich bei dieser polnischen Widerstandsgeschichte ist, dass die Aufstände als moralisch hoch bewertet werden. Es gibt deshalb in der Nation die innere Pflicht, am Kampf um den Erhalt der Nation teilzunehmen, also am Kampf gegen die fremde Nation: den Fremdherrscher, den Okkupanten, denjenigen, der die Freiheit und Unabhängigkeit geraubt hat, der die Nation beherrscht, unter­drückt oder gar in ihrer Existenz bedroht.

Zuerst richtete es sich gegen die Russen: Man denke an die Aufstände 1794 (Kośćiuszko), 1830 (November), 1861 (Januar). In diesem Zusammenhang ist auch die letztlich wirkungslos erfolgte opfervolle Beteiligung polnischer Soldaten in den Napoleonischen Kriegszügen zu sehen.

Gegen die Preußen (Germanisierungs­politik) entwickelte man intelligente Widerstandsformen (Kultur, Wissenschaft, Wirtschaft – Radcziński und Cegielski in Posen!). Alle Aufstände – bis hin zu 1944 (Warschau) [im Ghetto-Aufstand im April 1943 wehrten sich die Juden erbittert] waren von vornherein militärisch aussichtslos – aber nicht sinnlos! Es ist dabei unerheblich und nach­rangig, dass sie im Grunde genommen sämtlich von vornherein zum Scheitern verurteilt waren. Die Aufständischen waren machtpolitisch chancen­los. Aber, die Erhebungen waren nicht wider­sinnig sondern für den Erhalt und damit die Existenz der Nation notwendig. Und darin lag ihre Sinngebung. Sie waren für das Selbstbewusstsein der Menschen tragend.

Dazu zwei Aspekte, die jetzt nicht ausgeführt werden können:

Die Kirche und die Frauen

  • Die besonders tragende Rolle der katholischen Kirche, die sozusagen ideologisch die Existenz der Nation verkörpert: „Pole gleich Katholik“; das bedeutet, dass die Zugehörig­keit zur Polnischen Nation über den römisch-katholischen Glauben definiert wurde. Diese besondere Rolle hat die Kirche – vor allem getragen von niederen Klerus – in der Zeit der Teilungen, der Okkupation und der sowjetischen Machtdominanz von 1945 bis Gorbatschow innegehabt.

  • Die besondere Rolle der Frau in Polen ist wesentlich eine Folge des politischen Nieder­gangs am Ende des 18. Jahrhunderts. Dieser stellte innerhalb der polnischen Gesellschaft eine Machtverringerung der Männer dar und erhöhte dadurch gleichzeitig die Macht der Frauen (in der Familie). Die Männer waren nach und nach ihrer wesentlichen Machtquellen beraubt worden, was auch zur Verringerung ihrer psychischen Macht führte. Hierin hat die Ent­wicklung des Matriarchats in der polnischen Gesellschaft seine Ursache. Man denke in diesem Zusammenhang an die so bedeutende Rolle von Frauen im Widerstand während der Okkupationszeit und ebenfalls an den hohen Anteil in den Auseinandersetzungen von 1980, die als Ereignisse von Danzig in die Geschichte eingegangen sind.

Zum zeitgeschichtlichen Bezug

Die in direktem Zusammenhang zu den Ereignissen von 1980 stehenden Ursachen sind zeit­geschichtlich einzuordnen. Sie liegen in der gesamten Nachkriegsgeschichte begründet, die mit dem Einfluss der sowjetischen Herrschaft in Osteuropa verbunden ist. Dabei ist es nicht un­erheblich, dass es auch eine gewisse nach Gründung der VR Polen anwachsende Akzeptanz im neuen System gab.

Man kann nicht die gesamte Nachkriegsgeschichte aufrollen; aber die wichtigsten Aspekte müssen genannt werden:

  • Im Bewusstsein der Bevölkerung war die UdSSR durchaus der Befreier von der schlimmsten Besatzung des II. WK, die bekanntlich sechs Millionen polnischen Staats­bürgern das Leben gekostet hat, darunter drei Millionen Juden.

  • Dieses wurde permanent in den Schulen gelehrt und in den Medien vorgestellt und re­produziert (z.B. durch die Pfadfinderserie vom „Panzer und dem Hund“).

  • Mit Hilfe der UdSSR wurde die Industrie aufgebaut und dieses war sichtbar, z.B. in Nowa Huta.

Dass man den Aufbau bewerkstelligte auf der Basis der immensen Anstrengungen der Zwischenkriegszeit (Stalowa wola, Gdynia) sowie den nach 1945 aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten übernommenen (Schlesien, Stettin) wurde „vergessen“. Alle Betriebe in Polen wurden während der Okkupation in die deutsche Rüstungsindustrie einbezogen – mit deutschen Besitzern!

Als positiv wurde in der VR Polen erfahren:

  • die Lebenssicherheit, die Ordnungssicherheit;

  • der Aufbau eines gebührenfreien Bildungs- und Ausbildungssystems;

  • und: man sah durchaus den Aufbau in den 50er und 60er Jahren.

Die Folge war: Man fügte sich in das Unabwendbare, das nicht Beeinflussbare, man arrangierte sich so gut es ging. Man arbeitete, tat das Verlangte – mehr oder weniger gut; mehr oder weniger willig. Man hoffte auf bessere Zeiten, die einzutreten, damals eher unwahrscheinlich schienen. Man entwickelte deshalb spezifische Formen des Überlebens. Man war findig im Improvisieren und Entdecken neuer Verhaltens­techniken. Dass dabei die Überlebenstechniken der Nation, die diese – man kann sagen Jahrhunderte lang eingeübt und praktiziert hatte – von Nutzen waren und zur Anwendung kamen, sei ausdrücklich erwähnt.

Dass diese Wahrnehmungen der Bevölkerung z.T. propagandistisch initiiert worden sind und man Vergleichsmöglichkeiten wegen der nahezu totalen Abschottung nicht hatte, ist in diesem Zusammenhang nachrangig. Der vergleichende und vor allem unabhängige Blick war nicht vor­handen. Die freie Gestaltung des Lebens, die politische Unabhängigkeit war nicht gegeben. Und dieses alles rächte sich 1980. Man nahm aber vorher schon nicht alles widerspruchslos hin – im Gegenteil!

Es hat nicht nur den 17. Juni 1953 der DDR gegeben, wo die Arbeiter durch Streiks und Demonstrationen ihre Rechte von den herrschenden Kommunisten einforderten. Die brutale Niederschlagung durch sowjetische Panzer und die darauf folgende stalinistische Verfolgungs­welle der DDR-Justiz sind bekannt.

Der stalinistische Terror war in Polen nicht so brutal, wie in den anderen damaligen Ostblock­staaten. Es gab in Polen keine vollstreckten Todesurteile aus politischen Gründen.

Es hat in Polen im Juni 1956 den Posener Arbeiter-Aufstand gegeben. Hier sind qualifizierte Mitarbeiter eines erfolgreichen Industrieunternehmens mit Tradition (Cegielski) auf die Straße gegangen mit Unterstützung nahezu der gesamten Bevölkerung der Stadt. Es hat mehrere hundert Tote gegeben als der Demonstrationszug für bessere Bezahlung und Versorgung von der Polizei zusammengeschossen wurde. Erst dadurch wurde er nachträglich – zu Recht (!) – zum Posener Arbeiter-Aufstand.

Die kommunistischen Staaten haben über speziell ausgerüstete Polizeitruppen verfügt, die besser bezahlt und versorgt wurden als die übrigen Werktätigen. Sie rekrutierten sich weitgehend aus einer randständigen Stadtbevölkerung.

Im Spätsommer/Frühherbst 1956 gab es dann den Aufstand in Ungarn mit Tausenden von Opfern beim brutalen Niederschlagen durch die Sowjetische Armee, die in ein Land ein­marschierte, aus dem sie sich zuvor zurückgezogen hatte und das seine Unabhängigkeit gegen­über der UdSSR erklärt hatte.

Es hatte in Polen im Herbst ’56 ebenfalls Unruhen gegeben; man befürchtete ein „zweites Ungarn“. Dieses wollte Chrustschow aber offensichtlich nicht riskieren. Von polnischen Historikern habe ich (die nicht belegte) Information erhalten, dass die Chinesen (Mao) den Russen für diesen Fall militärisch gedroht haben sollen.

Dies alles ist ein geopolitischer Rahmen, aber man muss ihn vor Augen haben als Ausdruck rücksichtsloser militärischer Gewaltausübung. Und dessen war man sich in Polen im Sommer 1980 bewusst. Die damals vorliegende „Manöverlage“ der WPO-Truppen einschließlich der Landungsoperationen sei in diesem Zusammenhang erwähnt. Die systematischen Drohungen mit Gewaltakten waren gegenwärtig.

Der Kampf ging weiter. In den 60er Jahren gab es an den Universitäten Unruhen; d.h. nicht nur in den USA und Westeuropa, sondern auch massiv in Warschau! Hier wurden die Studentenun­ruhen von der Polizei niedergeknüppelt. Studenten wurden relegiert und auch Dozenten von den Universitäten entfernt. Es war die Zeit, in der viele Intellektuelle, die bis dato dem sozialistischen System verbunden waren bzw. der marxistischen Lehre anhingen, zumindest dieser positiv verbunden waren, sich nach und nach abwandten. Sie hatten Fehler, Irrtümer und Irrwege erkannt: Dazu gehören z.B. Geremek, Kuron und Michnik, Holzer und viel andere. Aus diesem Kreis kamen später viele Intellektuelle der Solidarność-Bewegung. Geistige Väter wie der Philosoph Leszek Kołakowski oder der Soziologe Zygmunt Baumann waren nach England gegangen. Mit diesen und anderen Emigranten (Kultura in Paris) stand man in gutem Kontakt, d.h. irregulär, illegal oder als Ausdruck von Untergrundarbeit. In dieser Zeit bildete sich ein zweites inoffizielles informatives und zugleich hoch effizientes Bildungssystem heraus. Ein überzeugter Trotzkist, der mehrfach aus politischen Gründen in Gefängnissen gesessen hatte, scharte in einem Café in der Krakowskie Przedmeiście Studenten um sich. Auch dieses war in Warschau möglich. Diese „zweite Ebene“ der Bildung führte eine Tradition aus der Zeit der Fremdherrschaft und Okkupation fort.

Die Einleitung dessen, was dann im Sommer 1980 kumulierte, erfolgte in dieser Phase – dieses aber allein auf der Ebene der Intellektuellen. Die Arbeiter (Werktätigen) standen 1968 abseits.

Zwei Jahre später, im Spätherbst 1970 gab es dann die Arbeitsniederlegungen in den Werften. Die Polizei schoss auf die Arbeiter, die zur Frühschicht über die Eisenbahnbrücke in Gdynia gingen. Die gesamte Tragik, die Legendenbildung sei jetzt aber ausgeblendet.

1956 waren die an Moskau orientierten Kommunisten durch den Nationalkommunisten Gomułka ersetzt worden. Er versprach eine Verbesserung der Lebensbedingungen und mehr Freiheit. Nach einem halben Jahr wurden die Lockerungen wieder zurückgenommen als die Kommunisten wieder fest im Sattel saßen.

Im Dezember 1970 kam Gierek an die Macht als technokratisch orientierter Reformer. Wenige Tage zuvor, am 7. Dezember 1970, war der Warschauer Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Volksrepublik Polen abgeschlossen worden, der noch von seiner Vor­gänger-Regierung ausgehandelt worden war. Auf diesen Vertrag richtete sich die Hoffnung vieler Menschen in Deutschland und Polen.

Gierek verkündete das Ziel, die Wirtschaft reformieren und modernisieren zu wollen. Dies sollte mit westlicher Hilfe geschehen. Er bat um Vertrauen. Die Bevölkerung glaubte ihm bis auf Weiteres. Die Arbeiter und die Intellektuellen hielten still, zumal sich die Lebenssituation der Durchschnittsbevölkerung deutlich verbesserte. Es gab eine positiv erfahrbare Entwicklung bis 1975; dann begann der Rückschlag.

Man gab zwar vor, weiterhin wirtschaftliche Erfolge zu haben. Diese beruhten aber wesentlich auf der Basis westlicher Kredite und der Propaganda, verbunden mit der Verschleierung realer Daten. Die Investitionen waren zwar vorhanden, man hatte aber auf die Schwerindustrie gesetzt und diese geriet in den Sog der weltweiten Stahlkrise. Dazu muss man feststellen, dass ca. ein Drittel der Kredite für den Import von Konsumgütern verwendet worden waren und ebenfalls ca. Drittel flossen in die Korruption – so sagt man.

Die Gierek-Regierung versuchte gegenzusteuern, hatte aber Bedürfnisse geweckt – und zwar in jeder Hinsicht! Die Folge: Arbeiter der Stahl-Industrie streikten 1976. Die sog. Rädelsführer wurden entlassen. Viel kamen in Gefängnisse, aber nicht lange! So schwach war der kommunistische Staat bereits geworden, dass er seine Gegner nicht mehr wirksam einschüchtern konnte. Sie ließen sich nicht mehr beeindrucken. Sie sahen ihre Chance für gravierende Ver­änderungen heranreifen. Wissenschaftler, Juristen und Journalisten sahen die Zeit gekommen: Sie bildeten Geheimorganisationen (KOR) und schulten Betriebsangehörige und entlassene Arbeiter zur Vorbereitung des Tages ‚X‛. 1 Aus diesem Kreis kamen die späteren „Berater“ und ab 1989/90 die Politiker und Wirtschaftler.2

Auf die vielfältigen Probleme der Landwirtschaft, die Unterversorgung mit Konsumgütern (die wesentlich ein Verteilungsproblem war), die mangelnde Qualität der Waren, die Wohnungsnot dieser schnell wachsenden Bevölkerung als Ursache bzw. auslösendes Element soll nicht näher eingegangen werden. Ein Aspekt erscheint aber besonders wichtig:

Die Öffnung

Die Reformpolitik Giereks hatte zur Folge; dass immer mehr westliche Ausländer ins Land kamen: Firmenvertreter und Touristen, darunter viele Heimatbesucher. Umgekehrt reisten die Polen ins westliche Ausland: Experten, Touristen, Studenten und gegen Ende der 70er Jahre immer mehr Privatleute „ohne Arbeitserlaubnis“. Sie alle hatten die Forderungen deutscher Politiker nach Reiseerleichterungen in die Tat umgesetzt. Alle brachten etwas nach Hause mit: Devisen, hochwertige (z.T. gebrauchte) Güter und vor allem mündliche und schriftliche Informationen.

Man mag darüber streiten, welches der Hauptgrund für das Scheitern des Gierek’schen System des Reformsozialismus in Polen war. Der Reformsozialismus selbst ist übrigens nie mehr er­forscht worden, er wurde einfach „vergessen“. Zu den Gründen des Scheiterns gehören:

  • die Freiheitsaspekte des Reisens, das Lesen, Schreiben und Diskutieren – die Polen haben sie nie einschüchtern lassen;

  • die Kreditfalle [die nicht mehr zahlbaren Zinsen wurden ab 1976/77 auf die Kreditsumme aufgeschlagen], die dann Ende 1979 eingestanden werden musste. Sie war zuvor im Unter­grund von Experten auf der Basis geheimer Daten veröffentlicht worden [die DiP-Studie]; 3

  • die sich ab 1979 extrem verschlechternde Versorgungslage – in jeder Hinsicht

  • und insgesamt die Strukturdefizite und Fehler des Sozialistischen Systems.

Die Folge war auf jeden Fall die umfassende Krise [besser wäre der kapitalistische Ausdruck: schwerwiegende Depression]. Sie schloss die totale psychische Krise in der Gesellschaft ein. Niemand glaubte mehr der Regierung, der Partei, dem Staat. Das System war wirklich am Ende. In dieser Phase begannen im Frühsommer 1980 die ersten Streiks. Die ersten Anlässe mögen sich spontan ergeben haben; insgesamt war die Streikbewegung aber perfekt vorbereitet worden.

So schwach war die Regierung, dass man alle gestellten Forderungen erfüllte: Wiedereinstellung von Lech Wałęsa und Frau Walentynowicz. [Ich habe sie nicht interviewen können, sie schimpfte 1992 gegen­über den studentischen Interviewern die ihr die Fragebogen vorlegten, nur noch auf die Geschäftemacher aus der ehemaligen Solidarność und besonders auf ihren früheren Mit­streiter Lech Wałęsa, der nahezu den gesamten Ruhm auf sich vereinigte.] Weiterhin versprach man im Sommer 1980 Lohnerhöhungen und eine bessere Versorgung mit Lebensmitteln und Wohnungen. Als die Belegschaften der übrigen Betriebe dieses erfuhren, erhoben sie die gleichen Forderungen und begannen ebenfalls zu streiken. Wie ein Flächenbrand entwickelte sich die Streikbewegung im Sommer 1980 – zuerst langsam dann immer schneller. Sie erfasste das ganze Land und alle Branchen. Im August 1980 hatte sie den Höhepunkt erreicht. Die Streiks verliefen allesamt sehr diszipliniert; notwendige Arbeiten wurden erledigt und Dienstleistungen erbracht.

Die Fragen nach dem Warum

Es ist jetzt interessant zu fragen, welche Antworten die Arbeiter selbst auf die Frage nach dem „Warum“ gegeben haben.

Hierbei richtet sich die Fragestellung:4

  • auf historische Zusammenhänge, genauer: auf das ggf. anzuwendende historische Wissen,

  • auf Vorbilder,

  • den Bezug zur Kirche und zum Glauben,

  • zum Ausland (Ost wie West),

  • und auf die damals aktuelle Situation.

Die Antworten wurden systematisch ausgewertet. Interessanter Weise gab es viele Zusatz­bemerkungen, die separat ausgewertet worden sind.

Weiterhin wurden Einzelpersonen von mir befragt. Dazu gehörten (ehem.) Aktivisten der Solidarność, Personen, die damals politisch auf der Seite der Partei [PVAP/PZPR] gestanden haben, dann Personen, die als neutral einzustufen waren, aber der Bewegung verbunden waren, mit mehr oder weniger Distanz.

Alle Befragten bekamen den gleichen Fragenkatalog vorgelegt. Auf Grund der längeren Zeit­spanne der Befragung ergaben sich individuelle Ergänzungen. Die Fragen wurden individuell unterschiedlich aufgenommen.

Vor allem zu Beginn (1991) verliefen die Befragungen problemlos und ergiebig. Später nahm die Neigung, klare und deutliche Antworten zu geben ab. Inzwischen bekleideten einige der Be­fragten hohe Ämter. Als sehr unschön und enttäuschend empfand ich es, dass Bielecki nach mehrfachen Zusagen sich ohne Absage weigerte; er wollte sich nicht mehr offenbaren. Er „kniff“ einfach. Man kann daraus schließen, dass das Interesse an einer Aufarbeitung dieser Weichen­stellung in der Geschichte Polens von einigen Personen nicht so sehr erwünscht war.5

Ergebnisse der eigenen Studien

Ein in den westlichen Medien damals stark in den Vordergrund gerückter Aspekt – alles was mit der Religion, dem Glauben und der Kirche zusammenhängt – hatte eine geringere Bedeutung als im Westen vermutet. Bei einem Mittelwert [MW: 2.06] in der Skala von 1 (zutreffend) bis 5 (nicht zu­treffend) in den schriftlichen Befragungen der ehemaligen Werftarbeiter ist z.B. die Rolle Marias z. T. als sehr hoch, bei wenigen aber als sehr niedrig eingeschätzt worden. Dies verdeutlicht die relativ hohe Religiosität der polnischen Industriearbeiter. Sie entstammten einer ländlichen Bevölkerung mit traditionalen Lebensformen. Die Standard-Abweichungen sind dann relativ hoch.

Die Rolle des Heiligen Vaters wird sehr hoch, die der Priester und Bischöfe weniger hoch ein­geschätzt.

Als wesentliches Ziel galt die Veränderung der gesellschaftlichen Machtverhältnisse und die Methode der Machtausübung; auch das Eintreten für die Pressefreiheit und die Freilassung der in­haftierten Kollegen.

Arbeitsbedingungen, Löhne, Versorgung und niedrige Renten haben einen geringeren Stellen­wert. An diesen Beispielen lässt sich tendenziell die Einflussnahme der Intellektuellen verdeut­lichen, sowie die Schulung durch die Berater in den Jahren zuvor.

Als historische Vorbilder sehen die Arbeiter die traditionellen nationalen Helden an; nicht die kommunistischen (bzw. sozialistischen), die in der Propaganda und im allgemeinen Bildungs­system einen hohen Stellenwert hatten. Es handelt sich zumeist um gefühlsbetonte historisch ableitbare Einstellungen, sowohl pro als auch ablehnend.

In der Frage, für wen sie gestreikt haben, kommt eine deutliche Pro-Haltung gegenüber der eigenen Gruppe und eine Anti-Haltung gegenüber staatlich Beschäftigten (Verwaltung, Polizei etc.) zum Ausdruck. Gegenüber Bauern und dem Dienstleistungssektor (Post/Bahn) gibt es ambivalentes Verhalten.

Sozialethische und politische Ziele weisen eine hohe Zustimmung auf.

Unterstützung hat man von der Kirche, der Familie und engen Freunden erfahren sowie von den Be­ratern. Die Distanz zu den offiziellen Gewerkschaften ist hoch.

Insgesamt erfolgen Vertrauensbezüge im engen überschaubaren Bereich; Ablehnung und Miss­trauen im ferneren Bereich.

Ein Bedrohungsgefühl bzw. Angst vor einer Intervention durch WPO-Truppen ist durchaus vor­handen; ebenfalls aber ein gewisses Schutzgefühl in religiösem Bezug: der Priester auf der Werft, das Madonnenbild am Werkszaun.

Insgesamt vermitteln die Arbeiter einen zurückhaltenden aber eindeutig selbstbewussten Ein­druck. Dieser lässt sich u. a. aus der Einschätzung der Qualität der Produkte bzw. der geleisteten Arbeit ableiten.

Interessant sind die Anmerkungen, die die Arbeiter ergänzend zur Befragung gemacht haben. Sie zeigen ein sehr individuelles und bewusstes Verhalten. Sehr deutlich und scharf äußert man sich betreffend der Ziele des Kampfes, klar betreffend der Unterstützung durch den Hl. Vater, den Priester auf der Werft und die Intellektuellen. Man betont seitens der – damals besonders aktiven Arbeiter – insgesamt und grundsätzlich den politischen bzw. gesellschaftspolitischen Charakter des damaligen Kampfes.

Fazit – Bezug zur Kirche

Man kann sich im Zusammenhang mit der Arbeiterbewegung des Jahres 1980 – man sollte vielleicht besser formulieren der „Widerstandsbewegung der Polnischen Nation“ – die Frage nach dem besonderen Charakter des polnischen Katholizismus stellen.

Damals versuchten die westlichen Medien das Geschehen mit der Rolle der Kirche zu erklären. Die polnische katholische Kirche hat zweifellos über ihre Organisationsstruktur und die Priester vor Ort eine erhebliche Rolle innegehabt.

Die Religiosität diente (aber nur) am Rande der geistig-moralische Stützung. Die religiösen Symbole am Zaun der Werft wurden als traditionelle Symbole ohne besonders gerichtete Ziel­setzung angebracht. Marienbilder findet man in (fast) jedem Haushalt in Polen. Lech Wałęsa hatte sein Bild von einer Pilgerreise mitgebracht. Er trug es am Revers. Es mag aus Tradition oder als Zu­fall erfolgt sein. Weil er es aber damals getragen hatte, trug er es später ständig. Die symbolisch-politische Bedeutung erhielt das Bildchen erst danach als „Ex-Post-Legitimation“.

Die Messe auf der Werft, die Beichten, die der Priester abnahm, wurde im Westen überbewertet und z. T. verkannt. Diese Handlungen bekamen ihre spezifisch politische Bedeutung von den Medien zugeordnet, die dieses traditionale Verhalten als solches nicht verstanden bzw. einordnen konnten.

Es handelte sich im Wesentlichen um eine übliche religiöse Praxis, die für Fernstehende Rituale sein mögen, die Arbeiter aber innere Bedürfnisse und Ausdruck ihrer religiösen Gefühle waren. Die Arbeiter entstammten überwiegend – wie z.B. in Nowa Huta auch – einer ländlichen damals an­wachsenden Bevölkerung. Man hatte ihnen an diesen industriellen Standorten Arbeitsplätze ge­geben und relativ preiswerte Wohnungen in den zu diesem Zwecke gebauten Hochhäusern zur Ver­fügung gestellt. Eine in damaliger Sicht pragmatische und vernünftige Lösung.

Sie brachten ihre traditionalen Verhaltensweisen aus ihren Dörfern mit. Dieses gilt auch für Wałęsa. Die Modernität westlicher Lebensweisen hat erst nach und nach eine Überformung er­geben; dieses insbesondere dann nach 1989/90.

Wenn man einen religiösen Menschen fragt, ob ihm religiöse Symbole oder personale Bezüge ge­holfen haben, dieses oder jenes zu leisten oder zu ertragen, dann antwortet er seinen Ge­fühlen entsprechend in seiner Tradition (Papst, Maria). Bezüglich der Priester und Bischöfe dann, wenn er es wirklich wahrgenommen oder ernsthaft erfahren hat. In diesem Zusammenhang seien Prälat Dr. Jastak in Gdynia zu nennen (er hat für seine Doktorarbeit in Hildesheim ge­forscht; außerdem war er in den neunziger Jahren der sog. König der Kaschuben). Im Unter­schied zu Prälat Jankowski hatte er zurückhaltender agiert. In seinem Wirkungsbereich hatte es nämlich 1970 viele Todesopfer ge­geben!

Als ich ihn 1993 befragte, waren zwei Damen in seinem Haushalt (Haushälterin, Gemeindemit­glied) die Kuchen gebacken hatten. Sie schirmten ihn sichtlich ab; er war damals schon über achtzig Jahre alt. Sie wurden aggressiv, als ich ihn nach seiner politischen Einschätzung bezüg­lich der 1980 befragte. Dieses, obwohl ich mit persönlicher Empfehlung aus seinem engen Um­feld in Gdynia Zutritt bekommen hatte. Die Frauen hatten gar nicht verstanden was ich eigentlich wollte und worum es mir ging.

Prälat Jankowski – zum Bereich seiner Brigittenkirche gehört die Werft; er ist also der zu­ständige Priester eines Teils der Arbeiter – residiert nahezu fürstlich prunkvoll. Er fuhr 1993 übrigens einen Mercedes, den ihm Gemeindemitglieder für seine Arbeit geschenkt hatten, so stand es in einem Zeitungsartikel.

Er gab eine historisch brisante Antwort: Er erzählte, dass er damals in den kritischen August­tagen 1980 mehrfach nachts von Vertrauten nach Warschau zu Kardinal Wyszyński gefahren worden sei. Morgens war er dann wieder auf der Werft, so dass niemand von seinen nächtlichen Ausflügen er­fuhr. Die Arbeiter wussten es nicht.

Seiner Einschätzung nach hatte auch der Geheimdienst nichts davon erfahren. Ein führendes Solidarność-Mitglied äußerte später die Vermutung, dass der Geheimdienst auch die Rolle Wałęsas völlig unterschätzt hatte. Man maß ihm keine nachhaltige Bedeutung zu. In Dossiers soll es sogar die Vermutung gegeben haben, dass es „den Wałęsa“ gar nicht gebe, sondern dass „viele Wałęsas“ als Fiktion, als Phantasieprodukte westlicher Medien existierten.

In der entscheidenden Nacht vom 17. zum 18. August 1980 war Jankowski wieder in Warschau gewesen. Die Verhandlungen mit der Regierungsdelegation waren am Tage faktisch zum Ab­schluss gekommen. Die sozialen und wirtschaftlichen Forderungen der Arbeiter waren im Prinzip erfüllt worden. Politische Forderungen in engen Sinne waren nicht verhandelt worden.

Jankowski sagte dazu wörtlich: „Ich war es, der die Arbeiter dazu gebracht hat, am nächsten Morgen weiterzustreiken.“ Der Streik ging weiter und jetzt wurde der Forderungskatalog ins­gesamt verhandelt, der dann zu den „Vereinbarungen von Danzig“ führte, dem Dokument, in dem die Regierung der VR Polen faktisch ihren politischen, moralischen und wirtschaftlichen Offen­barungseid leistete.

Die Regierungsdelegation war dazu gebracht worden, alle politisch brisanten Forderungen zu er­füllen und bisherige Tabus zu durchbrechen. Dazu gehörten: „Politische Häftlinge“, „Privilegien von Angehörigen der Staatsmacht“, Besetzung von Leitungspositionen (Direktorenposten) nach „politischer Loyalität und nicht nach Qualität“. Der Bruch einer zentralen politischen Glaubens­doktrin der Kommunisten erfolgte: nämlich das Eingeständnis, dass die bisherigen Gewerk­schaften nicht die Interessen der Arbeiter vertreten hatten.

Die von den Intellektuellen, den Beratern formulierten „Forderungen“ waren nahezu wortgleich in den „Vereinbarungen“ umgesetzt worden.

Dieses bedeutete die entscheidende Offenbarung für den politisch-moralischen Zusammenbruch des Systems.

Einige Randbemerkungen zu Jankowski: Er hat eine vielschichtige Rolle inne. Es stand in den achtziger Jahren „ganz oben“ auf der Liste des Geheimdienstes. Es wurde aber rund um die Uhr bewacht und beschützt. Wie wir wissen wurde dann Jerzy Popiełuszko umgebracht, die „Nummer zwei“. Jankowski wollte in den neunziger Jahren Militär-Bischof werden. Man ver­sagte ihm aber diesen Wunsch. Er war der Kirchenhierarchie ohnehin zu mächtig. Sein damaliger Bischof Tokarczuk wurde nach Przemysł versetzt. Ich habe ihn später mit Mühe er­reicht.

Jankowski kam u. a. wegen seiner Anti-Abtreibungs-Aktionen in die Medien. Später dann wurde er Mitbegründer des sehr rechtslastigen und antisemitischen „Radios Marya“, das ca. 5 Millionen Hörer erreichen soll. In der letzten Zeit erschien er in der schmuddeligen Ecke der Presse wegen vorgeblicher Geschichten „mit kleinen Jungs“.

Fünfzehn Monate Solidarność

Die Solidarność wurde nach dem 1.9.1980 gegründet und nahezu 90% der Werktätigen, um diesen DDR-Ausdruck zu gebrauchen, wurden Mitglied.

Zahlen sind in diesem Zusammenhang allerdings mit Vorsicht zu behandeln, da es vielfach Doppelmitgliedschaften gab und die „alten Gewerkschaften“ weiterhin für soziale Belange in den Betrieben zuständig waren. Später kam dann noch die „Bauerngewerkschaft“ hinzu.

Auf die erste Euphorie folgten im ganzen Land noch weitere Streiks zur Regelung regionaler und vor allem betrieblicher Angelegenheiten. Die wirtschaftliche Lage verschlimmerte sich. Macht­kämpfe zwischen der Solidarność und dem Staatsapparat verhärteten die Lage bis zum bitteren Ende, dem Kriegszustand, den General Jaruzelski am 13. Dezember 1981 ausrief.

Zu den Intellektuellen

Die große Frage nach der letztendlichen Zielsetzung der Intellektuellen wurde durchaus ein­deutig beantwortet. Dieses geschah oftmals aber „nur“ indirekt: Man strebte eine Veränderung nach west­lichem Muster an. Das damals kurzfristig anzustrebende Ziel war, das Maximum unter den ge­gebenen Bedingungen zu erreichen. [WPO, RGW; auch die Herrschaft der Spätstalinisten in der DDR]. Die Methode war es, Widersprüche offen zu legen, Unwahrheiten aufzudecken, Mängel zu benennen. Das System sollte mit seinen Schwachstellen konfrontiert werden und ge­zwungen werden, seine Unzulänglichkeiten zuzugeben. Nur dadurch konnte man es un­glaubwürdig machen und von innen heraus destabilisieren. Dies alles ist heute gut nachvollzieh­bar.

Für mich unerwartet war die Tatsache, dass es keine Schubladenpläne gab für die Zeit „danach“. Es gab keine Strategien und Pläne für den Übergang, für die Umwandlung des staats­sozialistischen Systems.

Ziel war die Abschaffung bzw. Überwindung des sozialistischen Systems, die Hinwendung zur westlichen Demokratie und zum Rechtsstaat.

Aber: Vielfach spürte man, dass eine Hinwendung zum kapitalistischen System US-ameri­kani­scher Prägung nicht gewollt war. Also: Beibehaltung des Sozialstaatsprinzip und Ab­lehnung des Kapitalismus, was immer man darunter verstand.

Mit dem Kapitalismus umzugehen hat man dann aber 1989/90 schnell gelernt. Man denke z.B. an die Solidarność-Bank in Danzig. Man vermarktete den Namen „Solidarność“ und stritt (auch vor Gericht) um die Nutzung des Namens. Adam Michnik wurde z. B. verwehrt, den alten Namen [Solidarność-Wahlzeitung] zu verwenden, aus der sie hervorgegangen war. Seine Zeitung nennt sich seitdem Gazeta Wyborcza – ohne das Solidarność-Logo.

Die Angehörigen oder Nahestehenden der „alten Macht“ kritisierten die Konzeptionslosigkeit der Solidarność nach deren Zulassung im September 1980. Fragen nach dem „Was“, dem „Wie“, dem „Wann“ blieben nach Etablierung der Solidarność im Nebel.

Der Zerfall der Solidarność in Gruppen und Parteien ab 1989 war im Grunde bereits mit ihrer Gründung angelegt und setzte dann schnell und unaufhaltsam ein. Der Mythos hielt im Lande nicht sehr lange, zumindest nicht wirklich.

Zweimal gab es bis heute Links-Regierungen. Wałęsa ist bisher der einzige, der von der Solidarność-Arbeiterbewegung für fünf Jahre eine Machtposition innehatte. Sonst niemand!

Sein Pendant und Mitstreiter in Stettin (Szcecin) Jurcyk hat ihn deshalb später deutlich kritisiert. Er ging auch auf Distanz zu den aus der Solidarność hervorgegangenen Parteien. Diese Arbeiter wollten Gerechtigkeit, und die hatten sie nicht bekommen.

Die Bevölkerung insgesamt hat aber eine Tradition bewahrt: Eine Regierung, die sie ablehnt, hat sie abgewählt. Dieses ist seit 1989 mehrfach geschehen und wird voraussichtlich im Herbst 2005 wieder erfolgen.6

Eine grundsätzliche Frage bleibt der sozialwissenschaftlichen und historischen Forschung weiterhin erhalten, nämlich inwieweit und bis zu welchem Punkt Bürger einem System gegen­über loyal bleiben, d.h. inwieweit sie Prinzipien wie Ordnungssicherheit oder wirtschaftliche Überlebens­garantie bei einem Mindeststandard noch als positive Werte ansehen und ab welchem Punkt solch ein System die Loyalität seiner Bürger verliert und es zusammenbricht.

Die Frage nach dem Maß der Akzeptanz des Systems seitens der Bevölkerung wurde in Polen nach 1980 nicht mehr gestellt. Im Gegenteil, man versuchte tunlichst sich von der eigenen Ver­gangenheit diesbezüglich zu distanzieren. Zum Vergleich: Jeder kennt die euphemistische Ver­klärung der friedlichen Revolution in der DDR, ausgehend von den Montagsdemonstrationen um die Nicolai-Kirche herum. Dass die überwiegende Mehrheit der DDR-Bevölkerung bis zum September 1989 loyal und vielleicht auch in gewisser Weise zufrieden war, ist kaum Unter­suchungsgegenstand der Wissenschaft in Deutschland.

Die eigentliche Frage ist also nicht:

  • Wie und warum ist das System zusammengebrochen? sondern:

  • Warum und unter welchen Bedingungen hat es so lange existiert?

Ein letzter Hinweis: Der theoretische Ansatz zur tiefer gehenden Betrachtung ist der zur Theorie einer Staatsgesellschaft wie der spezifische Weg zur Zivilgesellschaft auf der Ebene der Theorie der Zivilisation.

Anhang: Ausgewählte Zitate

Alle Befragten sind generell geprägt durch Wissensvermittlung über außer  und antistaat­liche Instanzen und haben ein ableh­nen­des – zumindest ambivalentes Verhalten gegenüber Wissens­inhalten entwickelt, die durch den Staat vermit­telt werden. Beide Gruppen, die aus linker, wie aus katholischer Sicht sich in Distanz zum Staat befinden, sind in der Regel durch Einfluss­losig­keit gekennzeichnet.

Für alle ist die höchst ambivalente Situation kennzeichnend, dass sie 1980 keinesfalls von einer prinzipiellen Änderung in überschaubaren Zeiträumen ausgingen – andererseits sich aber in einer graduell unter­schied­lich aktiven Distanz zum System befanden und zugleich in den Staat, in diesem Falle über das Bildungs­system integriert waren. Man arbei­tete in Instituten, absolvierte staatlich-universitäre Prüfungen und baute seine wissenschaft­lichen Karrieren. Nur wenige Oppositionelle, haben bewusst Gefängnisaufenthalt und damit individuelles Leiden in Kauf ge­nommen.

Die Möglichkeiten zu wissenschaftlichen Abschlüssen, die Arbeit an wissen­­schaft­lichen Hoch­schulen, erforderte nicht grundsätzlich eine hohe Loyalität gegen­über dem Staat. Dieses Prinzip ist anderer­seits auch keinesfalls als Ausdruck von Toleranz seitens der Kommunisten zu ver­stehen. Es ist Ausdruck tradier­ten Verhaltens, das über den Begriff der Doppelgesellschaft be­schrieben werden kann. Die im gege­ben­en Zusammenhang relevanten Macht­balancen bezüglich der Verfügung und die Auswahl wie Zuord­nung von Wissen haben sich niemals in eindeutigem Maße zugunsten der Kommu­nisten verschoben. Es sind Seg­mentierungen einer Gesellschaft möglich gewesen, die tradierte Überlebens­mecha­­nis­men verkörpern.

Die vorliegenden Zitate wurden ausgewählt aus den Bereichen ›gesellschaftliche Aktivitäten, Prinzipien und Motivationen‹, ›Rolle der Mittelschicht (der Intelligenz)‹, ›Nation‹ und ›Religion/Kirche‹ sowie ›Identifikation‹.

›Ich bin zwar Katholik, entscheidend aber waren meine politische Überzeugung und die persön­lichen poli­tischen Ziele‹ (Kaczyński).

›Ich muss über die Gründe sprechen, die mich dazu führten, mich der Oppo­si­tions­bewegung an­zu­schließen, der Solidarność und ROPCIO sowie die Mitarbeit im KOR. … Es handelte sich um moralische Gründe, um das Suchen nach der Wahrheit. Es ging um die Freiheit in Bezug zur aktu­ellen Situation in Polen. Weiterhin ging es um die Wahrheit über das gesell­schafts­poli­tische Leben in Polen sowie um die histo­rische Wahrheit. ... Ich selbst habe Geschichte studiert und bin zu der Konklusion gelangt, dass die offi­ziel­len Geschichtslehrer un­sere Geschichte verfälschten, wie auch das, was man über das gesellschaftspolitische Leben in Polen offiziell gesagt hat, also das, was man über die Mechanismen der Macht offiziell gesagt hat und die Ideologie die auf eine vorausgesetzte Dominanz der Arbeiterklasse gebaut wurde. Das betrach­tete ich alles als falsch und inkorrekt. Schon für mich als junger Mann war klar, dass alles verfälscht bzw. ver­leugnet wurde‹ (Borusiewicz).

›Ich war mit KOR verbunden. Ich war ein Mitarbeiter in der Gruppe ›Glos‹. Sie hat sich damals schon als nicht sozialistisch orientiert. Ich war zwei Jahre lang Redakteur dieser Monats­schrift des Untergrunds bis 1980. … In der Schule gab es wenig Politik. Aber in der Universität bin ich politisch tätig gewesen; dort gab es den ›ZMP‹, die Studentenorganisation. Wir haben einen Protest gegen die Vereinigung der verschie­denen Stu­den­­tenorganisationen organisiert. Das war 1973. Meine Arbeit war politisch motiviert. Aber reli­giös – das ist so weit gefasst, dass man im­mer daraus eine Motivation suchen kann.‹

Du bist prakti­zie­render katho­lischer Christ?

›Mit einer gewissen Distanz. Ich kann sagen, dass ich gläubig bin; aber so streng nicht‹ (Woycicki).

›Meine politische Arbeit 1980 konzentrierte sich in der akademischen Seelsorge. Ich studierte von 1965 bis 1970. In dieser Zeit fanden die sog. Märzereignisse 1968 statt. Daran habe mich aktiv be­teiligt. Zu dieser Zeit war die akademische Seelsorge nicht streng organisiert; allerdings war es eine politische Aktivität – zumindest in dem Sinne, dass wir für Organisationsfreiheit ge­kämpft haben. Unsere Camps der aka­de­mi­schen Seelsorge waren halb legal. Dank der akademi­schen Seelsorge, dank der Arbeit in diesen infor­mel­len katholischen Gruppen wurden soziale Kontakte sowie eine Integration möglich. Ich war damals nicht direkt politisch engagiert; zu­mindest nicht in dem Sinne, dass ich Mitglied von KOR war. Ich habe aber eine aktive Gewerk­schaftsarbeit geführt in den sog. Regime­ge­werkschaften, d.h. in den offiziellen Gewerk­schaf­ten. Ziel meiner Arbeit war zu dieser Zeit die Verbesserung meiner Arbeitsbedingungen. Ab Sep­tember 1980 war ich aktiv an der Gründung der neuen freien Gewerkschaften beteiligt. … Es gibt keine Diskrepanz zwischen politischer und religiöser Überzeugung. Diese Tatsache hat die Organisation der oppositionellen Kräfte er­leichtert‹ (Gołebiak).

›Die wichtigste Ursache (abge­sehen von religiösen und nationalen) war die Auflehnung gegen die Verlogenheit des Systems. …Es dominierte das Motiv der Auflehnung gegen die Sinnlosigkeit und die Absurdität des Systems. … Der Kom­mu­­nismus hat das ganze Leben auf den Kopf ge­stellt und es war eine Auflehnung gegen dieses Leben. Dieses System war gegen die Natur des Menschen ge­richtet, deshalb halte ich die Aufleh­nung gegen das System für eines der wichtig­sten Motive. Es gab im wesent­lichen folgende Motive: – das religiöse Motiv, der Drang nach der Wahrheit, die Suche nach der Wahrheit trotz menschlicher Schwächen; – das nationale Motiv, Polen wurde durch Russ­land dominiert, es gab keine Freiheit; – das wirtschaftliches Motiv; das Leben war auch im wirtschaftlichen Bereich auf den Kopf gestellt‹. (Erzbischof Tokarczuk)

War Ihre politische Motivation eher moralisch bestimmt oder poli­tisch im engeren Sinne?

›Das eine ließ sich vom anderen nicht trennen. Ich hatte mich in den zwei Jah­ren zuvor mit außenpo­litischen Themen beschäftigt und bin 1980 zum ersten Mal mit innen­politischen Themen in Be­rührung gekommen. Das geschah in einer kon­flikt­­beladenen Situation. Ich arbeitete damals in der Redak­tion der ‚Zycie Warszawy‛. In der Situation, in der ich mich damals befand, musste man sich dem Kon­flikt stel­len. Das war ein Kon­flikt zwischen den Vorstellungen der Redak­tions­leitung, die sich damals voll­stän­dig auf der Regie­rungs­linie befand, und den Vorstel­lungen einer relativ kleinen Gruppe. Es handelte sich um eine sehr kleinen Gruppe von Redaktions­mitgliedern, der sich dann im Laufe der Zeit erst andere Kolle­gen ange­schlossen haben. Es ging dabei auch um moralische Dinge, und zwar um Ehrlichkeit, also um die Kluft zwischen der dar­ge­stell­ten Wirk­lich­keit und der sich ab­spielenden Wirk­lich­keit. Diese Kluft hatte sich in dieser Zeit vertieft und erweitert. Die Wirklichkeit ehrlich darzu­stellen, war nicht nur eine Frage des beruf­lichen Ehr­geizes sondern war in solchen Zeiten auch eine Frage der Moral. Das Politische ließ sich vom Moralischen nicht trennen. Die moralische Motivation war damals entscheidend. Sie artikulierte sich auf eine politische Weise‹. War bei Ihnen auch eine religiöse Motivation gegeben? ›Nein das kann ich nicht sagen‹ (Reiter).

›Ich bin am Historischen Institut der Polnischen Akademie der Wissenschaften tätig. Ich war bis zum August des Jahres 1968 Mitglied der PVAP. Von 1978 bis 1980 war ich Mitarbeiter der il­legalen ‚Flie­gen­den Uni­versität‛ und der ‚Gesell­schaft der Wissen­schaft­lichen Kurse‛, die mit KOR verbunden war. Seit dem Ende der sechziger und dem Anfang der siebziger Jahre war ich über­zeugt, dass ein Intel­lektueller gegen­über den politischen und sozialen Problemen nicht neu­tral sein könne. In der Kommu­nistischen Partei war ich nicht aktiv tä­tig. Zuerst glaubte ich, dass der Verzicht auf jegliches politisches Engagement ist für mich als einen Historiker der beste Weg sei. Dann aber bin ich zur Über­zeugung gelangt, dass ich auf poli­tisches Engage­ment nicht verzichten dürfe. Ich habe anfangs die Verbreitung der politischen Bildung und die Einfüh­rung ethischer Werte in die Politik als Hauptaufgabe der politischen Tätigkeit ver­stan­den. In dieser Zeit lag mei­nem Programm keine politische oder ökonomische, son­dern vielmehr eine ethisch-moralische Motivation zugrunde. Später kam dann die ökono­mische und politische Motivation hinzu‹ (Geremek).

›Ende der 70er Jahre gehörte ich der sog. ,stillen Opposition’ an. Es handelte sich um keine or­ganisierte Gruppe. In dieser Zeit wa­ren ja nicht viele Leute in der Opposition aktiv tätig. Ein Wende­punkt war für mich das Jahr 1980. Einer­seits war es eine Über­raschung, andererseits be­deutete es die Erfüllung von Er­war­tungen des Großteils der Gesell­schaft‹ (Falandysz).

›Es waren vor allem gesellschaftliche Motive, die mich zu dieser Arbeit bewogen haben. Ich habe damals nicht über politische Motivationen nachgedacht. Es handelte sich um eine reforma­torische soziale Bewe­gung. Als ideologische Grund­lage dieser Bewegung galt für uns die Sozial­lehre der Kirche. Diese Sozial­lehre war für mich besonders wichtig, denn ich habe mich aus intel­lektuellen Gründen für dieses Problem interessiert, insbe­­son­dere für jene Doku­mente der Kirche, die zu Problemen der Menschenrechte und zum Verhältnis Mensch – Arbeit Stellung genommen haben. In unserer Arbeit habe wir uns oft auf die Enzyklika ›Pacem in terris‹ von Papst Johannes XXIII. und die erste Enzyklika von Papst Johannes Paul II. ›Laborem ...‹ beru­fen. Später beriefen wir uns auch auf Formulierungen aus den nach­folgenden Sozialenzykliken des Papstes‹ (Skowronska).

›Ich bin mit der Tätigkeit der Opposition seit ca. 1963 verbunden. 1963 entstand an der War­schauer Univer­si­tät der Politische Klub, der von den damals noch jungen Partei­an­ge­hörigen Karol Modzelewski und Alek­san­der Smolar gegründet wurde. Dieser Klub versammelte Studen­ten und Hoch­schul­­lehrer, aus denen dann die sog. Kommandos hervorgegangen sind. Mit der Entstehung dieses Klubs begann eine neue Etappe des politischen Kampfes, nach einer Zeit des Stillstandes seit 1956. Ich war im Politischen Klub tätig und so begann meine politische Arbeit. Im Jahre 1966 wurde ich aus der Partei ausgeschlossen, 1968 wur­de ich verhaftet. Ich saß ein halbes Jahr im Gefängnis. Danach hatte ich eine Pause in der politischen Tätigkeit, bis zur die Mitte der 70er Jahre. Mit den Protesten gegen die Verfassungsänderung in der Mitte der 70er Jahre begann ein neuer Anfang. Damals hat die Opposition bestimmte organisatorische Formen an­ge­nom­men. Es entstand die Oppositions­pres­se und das KOR. Ich war kein Mitglied von KOR, aber ich arbei­tete mit der Oppo­sitionspresse zusammen. 1977 entstand die sog. ‚fliegende Universität‛. Ich war einer der Mit­beg­rün­der. Im August 1980 war ich einer der Verfasser des Briefes der Vertreter der War­schau­er Intelligenz an die Regierung. … Nachdem ich von der Univer­si­tät entfernt wurde, arbeitete ich im Werk URSUS. Ich stand aber immer mit der Oppo­sition der Warschauer Intelligenz an den Hoch­schulen im Kontakt. … Es waren ethisch-politi­sche, keinesfalls aber religiöse Motive, die mich be­wogen haben, mich an der politischen Arbeit zu beteiligen. ...‹ (Kuczynski).

›Ich bin 1980 nach Danzig gekommen, als in der Werft der Streik begonnen hatte. Ich habe damals ge­meint, dass es vielleicht die erste Gelegenheit sei, dass die Arbeiter nicht allein bleiben und die Intellek­tu­el­len eben­falls nicht allein bleiben und dass sie zusammenarbeiten und dies die erste Ge­legenheit sei, (zu errei­chen), dass es nicht so entwickelt, wie im Jahre 1970, also dass die Situation nicht mit Blut beendet wird, sondern sich eine andere Zukunft öffnet. Ich habe gemeint …, dass wir mit einer Gewerk­schaft einen breiten Freiheitsraum bilden (könnten) um eine zu Kraft haben, die einen Einfluss auf die Regierung haben wird und diesen Freiheitsraum auch vergrößern wird. Das war auch die Schwäche dieses Systems, das sich immer damit legitimiert hat, dass es ein Arbeiter­staat sei und die Arbeiter eine spezielle Rolle in diesem System spielten, in dem die Arbeiter sich nicht frei organisieren könnten. Es war also ein Kampf um den Preis eines unab­hän­gigen Gewerk­schaftsbundes, ein Kampf der gegen die Schwäche des Systems gerich­tet war und uns eine Möglich­keit gab, einen Freiheits­raum zu bauen hatte. Das war die politische Motiva­tion. Es gab natürlich auch eine ethisch-moralische Motivation, dass ich ein­fach mit den Leuten zusammen sein wollte‹ (Mazowiecki).

›Es ging um den mündigen Bürger und die mündige Gesellschaft, so dass die Gesellschaft nicht Objekt sondern Subjekt des politischen Pro­zesse ist. … Das war am Anfang, die ökonomische Reflektion kam später. Deshalb wurde 1980/81 nichts formuliert, weil es für uns aus politischen Gründen unmöglich war, offen dar­über zu spre­chen. Wir wussten zwar, dass dieses ökonomische System des Sozia­lismus letztend­lich in eine Markt­wirt­schaft umgewandelt werden müsse. Es war aber politisch nicht durchsetz­bar und wir haben uns selbst be­grenzt auf die gesell­schaftspolitischen Ziele. … Die Möglichkeit des Dritten Weges war 1980/81 noch ge­geben. Es gab das Konzept des sog. Netzes, einer Vergesellschaftlichung der staatlichen Firmen durch die Arbeiterräte bzw. Mit­arbeitervertretun­gen im Sinne einer Selbst­verwaltung. Eine direkte Vorstel­lung eines kapitalist­ischen Systems war für uns zu gefährlich in einer an sich sehr instabilen politischen Lage. Dieser Mythos war bis 1981 präsent … es gibt keinen Dritten Weg.‹ (Borusiewicz)

›…dass es einen Dritten Weg nicht geben kann, jedenfalls nicht in dem real­­sozialistischen System, das wir hatten. Ich kam also zu der Erkenntnis, dass in diesem System keinerlei Reformmöglich­keiten bestehen.‹ (Toeplitz als junger Ökonom nach 1957)

Karski verdeutlicht die westliche Sichtweise des Begriffes vom Dritten Weg:

›Ich wurde schon mehrmals in Deutschland gefragt: Wir haben doch die Chance auf den Dritten Weg; meine Antwort ist: Wir haben fünf­undvierzig Jahre mit dem Sozialismus expe­rimentiert, wir wollen keine Experimente mehr, wir wollen ein­fach die Marktwirktschaft.‹ (Karski)

Die Sichtweise eines damaligen Gymnasiasten äußert Tomasz Markiewicz:

›Schon im Gymnasium und auch jetzt stand ich in Oppo­sition zu dieser Partei. Ich habe immer ge­dacht, dass es keinen dritten Weg zwischen So­zialismus und Kapitalismus gibt. … Wir haben nur an den Veranstaltungen an der Uni teilgenommen, z.B. mit Adam Michnik. Niemand ist damals im KOR gegen den Sozialismus gewesen bzw. hat dagegen argu­men­tiert. Aber die Welle hat es ermög­licht, dass viele dieser kleinen Gruppierungen die Möglich­keit beka­men, unter dem Schirm der Solidarität ihre Meinung darzu­stellen.‹ (Markiewicz)

›Was die ökonomischen Vorstellungen anbetrifft, war für uns – damals 1980 – die Wirtschaft des Westens eine wirtschaftliche Mustervision. Wir haben in diesem Wirtschaftsmo­dell ein Heil­mittel für alle unsere Probleme gesehen. Wir dachten damals an die direkte Über­nahme der Ord­nungs­modelle der westlichen Wirtschaft. Was den Dritten Weg anbetrifft: Die Überzeu­gung, dass es so etwas geben muss, entwickelte sich graduell bzw. stufenweise. Jetzt wissen wir, dass sich viele wirtschaft­liche Lösun­gen und Modelle nicht direkt über­nehmen lassen; insbesondere jetzt nicht, zu Beginn der Um­bau­phase. Unser damaliges Problembewusstsein war also damals anders als heute. … Die Transformation des Systems in den Übergang zur Markt­wirt­­schaft schien uns damals schwer durchführbar. Wir beschäf­tigten uns mehr mit praktischen Aufgaben und Problemen. Damals be­deutete das vor allem, die Rolle der Belegschaft in den Unternehmen zu stärken…‹ ( Gołębiak)

Toczyski verdeutlich die Rahmen­bedingungen sowie die Spannungssituation, unter denen moderne Wissenschaft an den Universi­täten be­trieben werden konnte, den Dritten Weg sieht er

›… als die unter den damaligen Bedingungen denkbare Zwischenform, d.h. es handelt sich nicht um ein denkbares oder irgendwie realisierbares Modell, sondern um ein von den gege­benen Be­dingungen abhängiges als temporär vorstellbares Modell. … Als ich angefangen habe, an der Uni zu arbeiten – ich habe 1975 an der Univer­sität Danzig mit einer Disser­tation über das Privateigentum im Sozia­lis­mus pro­moviert – war ich mir im klaren, dass diese Reformen hier notwendig seien. … Ich habe damals geglaubt, dass sich aus dem Hand­werk, aus dem klein­bürgerlichen Sektor, eine not­wendige Klasse der Klein­­kapitalisten entwickeln würde. Darüber hin­aus habe ich geglaubt, dass die staat­lich­en Unter­neh­men sich auch in der marktwirt­schaft­lichen Welt be­haupten könnten und dass die markt­wirt­­schaftlichen Bedin­gungen auch in einem staat­lichen Sozia­lismus umsetzbar seien. An diesen Dritten Weg habe ich damals in den siebziger Jahren noch geglaubt. Wir haben damals über Deutschland nichts gewusst. Solche Überlegungen waren uns fremd. Für uns bestand eine rie­sige Informationsgrenze gegenüber der äußeren Welt. Wir haben uns aus wenigen Infor­ma­tio­nen, aus den wenigen Büchern, die uns zur Verfügung standen, selbst ein Bild des Kapitalismus kon­struiert. Dass der Kapitalismus für Polen not­wendig sei, war auch ein Resultat dieser Infor­ma­tions­grenze. Dass der Kapita­lismus notwendig sei, wussten wir Ökonomen schon in den acht­ziger Jahren. Es war aber nur wenigen ande­ren Bürgern in Polen bewusst. Wir haben damals auch nicht an einen reinen wilden frühen Kapitalismus gedacht, sondern eher an eine Hybrid­form gedacht, ein Mischsystem, also eher an einen Dritten Weg, als den des reinen Kapitalis­mus‹.

Geremek verkörpert eine moralisch bestimmte Werthaltung:

›Im Jahre 1980 habe ich an der Gründung und Tätigkeit der Solidarność mit­ge­wirkt. Im Pro­gramm der Selbst­­­verwalteten Repu­blik vertrat ich die Forde­rung nach einer evolutionären Ent­wicklung zur Demo­kra­tie und zur Marktwirtschaft, ver­bunden mit einem sozialen Schutz der armen Bürger. In dieser Zeit habe ich mich auch mit der Möglichkeit eines Dritten Wegs zwischen Sozialismus und Kapi­talis­mus beschäftigt. Ich gelang­te dann zu der Überzeugung, dass es sich nicht um einen Dritten Weg geht, sondern vor allem um eine totale Ablehnung des totalitären Systems han­deln müsse. Ich war der Meinung, dass man zuerst den Totali­tarismus als Gesetz­mäßigkeit des ‚realen So­zialis­mus‛ ablehnen müsse. Die Markt­wirtschaft und das private Eigentum bilden die Grundlage einer richti­gen Wirtschaft. Die Sozialpolitik des Staates muss aber die armen Schichten der Gesellschaft schützen. Ich habe eine Revolution abgelehnt und den Kompromiss mit den Kommun­isten ge­wählt.‹

Eine moderate an langfristige zielorientierte Position vertritt Frau Skowronska:

›Ich bin für die parla­men­ta­rische Demokratie, für Gewaltenteilung und für die volle soziale Kon­trolle. …Ich bin für einen politische neu­tra­len Staat – auch hinsichtlich der Religion. … Aus pragmatischen Gründen bin ich nicht für den harten Kapita­lismus. Ich habe viele Kontakte zu ein­fachen Leuten und ich weiß, dass sie für die Änderung der Mentalität überhaupt nicht vorbe­reitet sind. Die Gesellschaft der Sklaven kann nicht sofort in eine Gesell­schaft der Manager um­ge­wandelt werden. Aus diesem Grund muss es eine Dritten Weg geben. Es muss eine Evolution geben. Es ist am schwierigsten, die Mentalität der Menschen zu ändern, sie zu aktivieren. Die Menschen haben jahrelang nur Befehle ausgeführt und plötzlich sollen sie jetzt selbständig den­ken und entscheiden. Deswegen brau­chen wir in Polen ein Programm des sozialen Schutzes des Staates für die Bürger. … Der Dritte Weg ist ein Weg der langsamen Änderungen in Richtung der freien Markt­wirtschaft und des Kapital­ismus, aber bei der Beibehaltung mancher sozialis­tischer Strukturen. Man darf die alten Strukturen nicht auf einmal zerstören, denn neue Struktu­ren können nicht von heute auf morgen auf­gebaut werden. In den Leuten entsteht manch­mal Aggression, denn sie haben Angst vor dem Neuen. Man muss also gewisse sozialistische Struk­turen – vor allem den sozialen Schutz der Bürger – bei­behalten. Das ist der polnische Dritte Weg. … Ich gehöre zu den wenigen Perso­nen, die die Chance (eines Kompromisses) gesehen haben. Aus die­sem Grunde wurde ich sehr oft kritisiert und ange­grif­fen. Ich glaube an diesen Kom­promiss, weil es in Polen nur wenige echte Kommunisten gab. Im all­gemeinen werden als Kommunisten jene Menschen bezeichnet, die mit der PZPR zusam­men­gear­beitet haben, die aber mit dem Kommunismus als Ideologie nur wenig gemeinsam hatten.‹

›... Ich war überzeugt, dass er (der reale Sozialismus) von der par­la­mentarischen und pluralistischen Demokratie, der Marktwirtschaft und dem System des euro­päi­schen Kapitalismus abgelöst werden muss. Ich hatte auch keine Illusionen über den Dritten Weg. Die Mei­nungen über den polnischen Dritten Weg, die z. B. von den französischen Sozia­listen vertreten wurden, haben mich immer irritiert. Ich war gegen die Vorschläge, Polen sollte versuchen, den Dritten Weg zu fin­den. Ich habe immer entgegnet: Polen ist zu arm, um eure Utopien in der Praxis auszuprobieren. Ich war ein Gegner des Dritten Weges. Ich habe diese Chance bis ca. 1966/67 gesehen, und ich habe daran auch ge­glaubt. Dann habe ich über mög­liche Reformen geschrieben, die einen Dritten Weg bedeuten würden. Ich tat dies nicht, weil ich an diese Reformen glaubte, son­dern es war meine Taktik. Seit 1966 glaubte ich nicht mehr an den Dritten Weg. Als ich 1989 nach Polen zurück­kehrte, gab ich Tadeusz Mazowiecki den fol­gen­­den Rat: keine Dritten Wege, keine neuen Experimente, keine Ver­suche; der beste Weg ist die Übernahme eines fertigen Modells aus Westeuropa. Ich war und bin ein Geg­ner des Dritten Weges. Die Länder Ost- und Mitteleuropas sollten ein politisches und wirt­schaft­liches System aus Westeuropa übernehmen. Ich bin ge­gen Utopien, die von armen Ostblockländern nur des­halb realisiert wer­den sollten, um die Rich­tig­keit der Vorstellungen der Intel­lek­tu­el­len im Westen zu prüfen. ...‹ (Kuczynski)

Bujak argumentiert als Vertreter des linken Flügels der Solidarność-Parteien:

›Die Idee der Reform in der Selbstverwaltung der Industrie bedeutete den Dritten Weg. Sie hat sich im Jahr 1989 in den proka­pi­ta­listischen Weg umgewandelt. Das Projekt des Dritten We­ges wurde damals unter Einfluss von Leszek Balcerowicz vorbereitet. Ich erachte den Dritten Weg nicht als eine schlechte Idee. Es ist ungünstig, dass heute die Elemente des Dritten Weg abgelehnt wurden. Unser Vorwurf gegen­über der Privati­sierung be­zieht sich auf die Besei­ti­gung der Mitbestimmung der Mitar­beiter in den Verfah­ren zur Privatisierung‹. (Bujak)

Die Rolle der humanistischen Intelligenz hebt Szymanski hervor:

›Es gibt in Polen keine einzelne Schicht, die als Intelligenz bezeichnet wird. Die erste Schicht ist die huma­nis­t­ische Intelligenz. Die zweite Schicht, die technische Intelli­genz, die dritte, die arbeitende Intelligenz, usw. Es unterliegt keinem Zweifel, dass in den Prozessen 1980/81 die humanis­tische Intelligenz die Haupt­rolle gespielt hat. Diesel­ben Kreise der Intel­ligenz versuch­ten auch im Jahre 1989 sehr ungeschickt die pol­nische Wirt­schaft umzubauen. Man weiß, dass diese humanistische Intelligenz im hohen Maße dem nie­der­en Adel entstammt. Diese Schicht hat auch keine besonders rühmliche Rolle im XIX. Jahrhundert gespielt, so z.B. in den polnischen Aufständen, die fast keine Chance hatten. An der Spitze dieser Aufstände stand die heutige polnische huma­nist­ische Intelli­genz. Diese Kreise kamen im Jahre 1989 an die Regie­rung. Ich bin ein Vertreter der technischen Intel­li­­genz. Ich weiß, dass wir lange nicht beachtet worden sind‹ (Szymanski).

›Es mangelt uns an den modern ausgebildeten Menschen. Der Druck bei der Ausbildung war auf Speicherung des Wissens gerichtet, anstatt auf die Entfaltung der Fertigkeiten‹ (Kubowicz).

›Hier denke ich daran, Wert auf die nationale Bildung zu legen. Eine Grundlage für die Her­zens­bildung der Mittelschicht ist die Vereinigung des potentiellen persönlichen Erfolges mit der Aus­bildung. In den westlichen Demokratien entdeckte man bereits vor langer Zeit, dass der gebildete Mensch wertvoll ist. Bei uns dagegen – zum Teil bedingt durch die kommunistischen Gewohnheiten – wird es nicht so hoch eingeschätzt. … vor allem würde ich aber in diesem Zusam­­menhang die Änderung einer bestimmten Mentalität sehen. Die Änderung des Menschen, den Tischner als ‚Homo Sowjeticus‛ bezeichnete. Der Mensch, der in der Demokratie, in der freien Marktwirtschaft lebt, muss es lernen, selbst Entscheidungen zu treffen und Verantwortung dafür zu tragen‹ … ›Heutzutage fehlt es etwas an der ‚Solidarität‛ unter solchen Experten aus der Intelligenz, die unsere Bewegung im Jahr 1980 hatte. Ein Teil der Intellektuellen ging 1989 in die Politik: ein Teil stieg an der ‚Haltestelle Unabhängigkeit‛ aus. …‹ (Rybicki).

›Diese Milieugruppen, die wir allgemein als Intelligenz bezeichnen, haben sich sehr in den Ver­än­der­ungs­­­pro­­zessen engagiert. … Ich glaube, dass alle Faktoren, die mit dem intellek­tuellen Poten­tial zusam­menhängen, die Hauptquelle bilden und die Möglichkeit eines Erfolges. Denn vom Wissen und von mensch­lichem Kapital hängt es ab, ob wir imstande sind, Probleme in an­deren Bereichen zu über­­win­den. … Hinsichtlich der Ausbildung und des Wissen ist es um die polnische Gesellschaft in Eu­ropa nicht schlecht bestellt, die Para­meter sind gut. Die Erfahrung der letzten Jahre zeigt, dass die Anwen­dung von Rezep­ten, die in anderen Situationen, unter an­deren Umständen konzipiert wurden, ohne Wirkung bleibt. … Heute müssen wir die Lösungen selbst suchen und vor Ort die Intelligenz mehr fördern. Heute müssen wir nach Lösungen su­chen und brauchen viel Mut und Vor­stel­lungs­kraft – auch von Wissen­schaft­lern, Ökono­men, Juristen und Ingenieuren. … Das Grundproblem liegt in der einfachen Wahrheit: Freiheit ver­pflichtet zur Verantwortung. Um die Freiheit voll genie­ßen zu können, muss man den Mut haben zum selb­ständigen, aktiven Tun. Das hat zur Folge, dass die Kultur der selbst­än­digen Aktivitä­ten besser entwickelt ist als in den Län­dern, in denen alles Selbst­ständige radikal einge­schränkt wurde. Das Grund­problem ist eben der Mut zum selbständigen Wirken und die Suche nach Lösungen für hier und heute, was uns niemand abnehmen kann‹ (Pawlak).

›Vaterland: ist mein Land, mein Volk, meine Geschichte, meine Tradition, meine Identi­tät; etwas, was ich sehr liebe. Ich meine nicht, dass mein Vaterland besser wäre, als irgend­ein ande­res Land oder Volk, aber ich bin der Meinung, dass es von mir mehr erwarten kann, dass ich ihm mehr schulde. Deswegen aber auch habe ich die Pflicht, mich dafür verantwortlich zu fühlen, was Schlimmes in meinem Vaterland passiert … . Ich möchte, dass Polen ein innerlich starker Staat wäre (wird), aber deren Stärke muss auf einer demo­kra­tischer Ordnung aufbauen (sowie) auf rationalen Lösungen. Wenn ich also heutzutage in Polen höre, wie man nach der Regierung einer starken Hand ruft, so antworte ich darauf, dass wir die Regie­rung eines star­ken Kopfes brauchen‹ (Michnik).

›Wenn es gelänge, die Deutschen in die politische und wirt­schaft­liche Zusammen­arbeit einzu­be­ziehen, dann würde es eine neue Zukunft für unsere beiden Natio­nen geben, d.h. dass wir uns nicht gegenseitig wie seit tausend Jah­ren verstehen als Deutsche und Polen, sondern, dass wir dann ge­meinsam mit Schwe­den, Dänen, Letten, Finnen und Esten etwas Gemeinsamen auf­bauen. Gegen­wärtig sehe ich aber keine Mög­lich­keit, Polen wieder mit Russland zu verbinden. … Familie ist für mich eine ganz persönliche Sache, die ich zunächst einmal nicht mit der Politik in Verbin­dung bringen würde. Problematisch ist es in Polen, wenn die Familie als eine Zuflucht vor der Gesell­schaft betrach­tet wird und wenn sie (dadurch) in einen Gegensatz zur Gesellschaft gerät. Also die Familie bedeu­tet nicht nur einen Schutz gegenüber der Gesell­schaft aus politi­schen oder öko­nomischen Gründen – früher eher aus poli­tischen Gründen, heute eher aus öko­nomischen Gründen – sondern die Familie ist ein Bestand­teil der Gesellschaft‹ (Toczyski).

›Ich glaube, alle genannten Werte wie Heimat, Familie, Staat, wirtschaftliche und poli­tische Un­ab­hängigkeit für die Bewegung der achtziger Jahre gleich wichtig waren. Die Heimat bildete aber die Grundlage des Wider­standes der Gesellschaft gegen den Totalitarismus. Die Familie machte den Rückzug ins Private möglich. Der souveräne Staat stellt für Polen einen besonders großen Wert dar. Das ist eine Konsequenz aus der Geschichte Polens, ins­be­sondere aus dem neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert, als Polen keinen eigenen Staat besaß. Deshalb gibt es auch große Be­stre­bungen, die gegen eine europäische Inte­gration ge­richtet sind. Das würde nämlich bedeuten, auf ge­wisse Attribute der Souveräni­tät des Staates zugun­sten der europä­ischen Integration verzichten zu müssen. …‹ (Geremek).

›Nationale Souveränität: Das war für uns immer ein sehr wichtiger Begriff, weil wir über hun­dert Jahre lang keinen souveränen Staat hatten. Dieses Gefühl ist in den Polen aufgrund der Geschichte sehr stark ausge­prägt. Es ist aber nicht der wichtigste Wert, denn manchmal muss man auf die Sou­veränität zugunsten an­derer Werte wie z.B. die Integration mit Europa teilweise verzichten. … Es mag vielleicht merkwürdig klin­gen, aber ich war nie für einen star­ken Staat. Ich glaube, ein starker Staat wird seine Macht irgend­wann gegen seine Bürger rich­­ten. Es gibt keinen Beispiel für einen starken Staat, der seine Macht nicht miss­brau­chen würde. ...‹ (Falandysz).

›Ich bin zwar Katholik, wenn ich Ungläubiger wäre, würden sich meine politischen Positionen und Über­zeugungen aber kaum ändern. Die objektive Rolle der Kirche in der Unterstützung des Kampfes der siebziger Jahre um die Unabhängigkeit war sehr groß. Sie bildete in den achtziger Jahren auch eine mate­rielle Basis für diesen Widerstandskampf. In einigen Regionen Polens hat sich das ganze unab­hängige Le­ben der Solidarność in der Kirche abge­spielt. In der Danziger Region aber nicht; das war eine Aus­nahme.7 Diese Einstellung hat auch die nicht so tiefgläu­bigen Polen beein­flusst. Man weiß, dass der Katholi­zismus in Polen nicht so intellektuell begrün­det wird – und wie Bischof Tokarczuk8 gesagt hatte, einer der klügsten Leute Polens. Es gibt keine hundertprozentigen Katholiken; die anderen sind die Mystiker. Man kann sagen, dass die geistige Wende, der Bewusst­seinsschock der Jahre 1980/81, im engen Zusam­men­hang steht mit der Religiosität der polnischen Bevölkerung obwohl er sich nicht darin erschöpft hat. Wenn es um den Hl. Vater geht, dann kann man sagen, dass bereits die Tatsache seiner Wahl zum Papst 1978 ein Nagel im Sarg des Kommunismus war. Der Prozess der geistigen Wende hat aber schon vorher begonnen. Schon in der Zeit der großen Erfolge der Gierek-Politik hat die Kirche eine zunehmend große Rolle im ge­sell­schaft­lichen Leben Polens gespielt. Dies gilt schon für die Jahre 1973/74. Vorher war der Ein­fluss der Kirche auf die Religiosität gering; damals begann der Prozess in die andere Richtung. Ich glaube auch nicht, dass ohne den Besuch des Papstes 1979 der September 1980 so ein Erfolg gewesen wäre‹ (Kaczyński).

›Ich bin in beiden Fragen indifferent. Ich habe die Katho­lische Univer­sität in Lublin absolviert. Ich bin nicht dort hingegangen, weil ich gläu­big war, sondern weil ich dort 1968 einen Studien­platz finden konnte. Obwohl ich indifferent bin, schätze ich die Rolle der Kirche sehr positiv ein. Sie hat eine große Rolle als Institution. Eine wichtige Rolle hat der sog. niedere Klerus gehabt, also die Pfar­rer in den Gemeinden. Aktiv wurde die Solidarność nur von etwa zwanzig Prozent der Geist­lichen unterstützt. Die Mehrheit der Priester war politisch indifferent. Sie hat sich nicht politisch beteiligt. In der Kirchenhierarchie war es etwas anders. Eine sehr wichtige Rolle hat die Kirche während der Streiks 1988 gespielt. Im Jahre 1980 war es unterschiedlich. Einzelne Priester haben die Streiks unterstützt. Aber der Primas Wyszyński hat eine Predigt gehalten, in der aufrief, in Ruhe weiter zu arbeiten. Er schaltete sich erst ein, als der Streik an Effektivität zugenommen hatte. Die Rolle des Papstes ist gewaltig. Sie entspricht nicht immer der Richtung, die von der Hierarchie ver­treten wurde. Dies gilt vor allem für die siebziger Jahre. Der Papst hat der Solidarność viel intensiver unter­­stützt als der Klerus. Dies kann nur vergli­chen werden mit den Priestern die wie Popiełuszko in Warszawa, Jastak9 in Gdynia und Pries­ter Jankowski in Gdansk‹ (Borusiewicz).

›Ja, wir haben versucht, in verschiedenen Bereichen des gesellschaftli­chen Lebens mit der Kirche zusam­­­menzuarbeiten. Das Verhält­nis zwischen Gierek und Wyszyński war sehr gut. Ich verrate kein Geheimnis, wenn ich Ihnen sage, dass es im Jahre 1980, als die Streiks begonnen hatten, ein Ge­spräch zwischen Gierek und Wyszyński gab. Da­mals hat Wyszyński zu Gierek gesagt: „Herr Sekretär, Sie wissen nicht, was man in einer sol­chen Lage macht? Man nimmt die Zügel, fest in in die Hände und zieht zurück.“ Das Verhältnis zwischen beiden war gut, die Zu­sammen­arbeit war gut. Das was ich am Anfang gesagt habe, liegt daran, dass wir stän­dig eine Politik der Nor­mali­sierung zur kathol­ischen Kirche betrieben haben. Wenn man etwas normali­sieren will, dann bedeu­tet das logischer­weise, dass es selbst un­normal ist. Und das soll ich normalisieren?‹ (Szydlak10).

Papst Johannes Paul II. hat damals zu Mäßigung und Vernunft aufgerufen. ...

›Die Kirche war schon immer die Institution, welche einigen und nicht trennen wollte. Für die polnische Kirche war immer wesent­lich, dass die Gesellschaft nicht zur vernichtenden Kraft wird, wenn sie ihrem Unbehagen Ausdruck gibt. In kritischen und für die Polen wichtigen Momenten appellierte die Kirche stets an Beson­nen­­heit. Sie stand aber immer auf der Seite der Nation. Sie be­gleitete die Nation im Kampf um ihre Würde, um ihre mensch­lichen Rechte. In vielen gesellschaft­lichen Konflikten hatte die Kirche die Rolle des Vermittlers zwischen der Macht und der Gesell­schaft. Während der Streiks im August waren die Priester die ganze Zeit mit uns in der Werft. Wir konnten an der von ihnen zele­brierten Messe teil­nehmen und konnten beichten. Sie stärkten unseren Geist. Aus dem Gebet schöpften wir unsere Kraft. Übrigens, zum Ausbruch von Solidarność hat in großem Maße der erste Besuch des Hl. Vaters, des polnisch­en Papstes, in seiner Heimat im Jahre 1979 beigetragen. Der Hl. Vater sprach damals zu den Polen über Freiheit, Menschenwürde und menschliche Rechte. Dieser Besuch leitete den moralischen Umbruch ein. … Uns wurde immer mehr bewusst, dass wir ein Subjekt und kein Objekt sind. Damals keimte die Saat, die im August aufging. Die Kirche war damals mit uns. Die Manipu­lie­rung mit der Homilie von Primas Wyszyński in Częstochowa misslang.11 Als wir uns mit dem ganzen Text bekannt machten, hatten wir keine Zweifel mehr. Auch das Kommuniqué des Hauptrates des Polnischen Episkopats und die Botschaft des Papstes bekräf­tig­ten uns in der Überzeugung, dass wir Recht haben. Primas Wyszyński, der in Polen den Status des moralischen nationalen Führers ge­noss, wollte kein in aktuelle Ereignisse ein­bezogener Politiker sein, deshalb unterstrich er, dass die wichtigste Aufgabe der Kirche sei, das Evangelium zu verkünden. …

In westdeutschen Veröffentlichungen kann man der Ansicht begegnen, dass die polnischen Arbeiter damals eher von den Pfarrern und weniger von den Bischöfen unterstützt wurden. War es in der Tat so?

›Es ist verständlich, dass die Pfarrer diejenigen waren, die am schnellsten im Zentrum der Ereignisse waren, indem sie den Streikenden die geistige Unterstützung direkt brachten. Sie gingen in den Be­trieben ihren Priester­pflichten nach. Täglich waren sie unter den protes­tierenden Arbei­tern und Bauern anwesend. Sie unterstütz­ten sie durch Gebet und Lehre. Ich möchte an zwei besonders be­deutende Namen aus jener Zeit erinnern: Priester Henryk Jan­kowski und der vom Sicherheitsdienst später ermordete Priester Jerzy Popiełuszko. Die Infor­mationen darü­ber, was in den Betrieben ge­schieht, brachten die Priester weiter nach oben. Sehr schnell hatte Kardinal Wyszyński einen Über­blick über die Situation. Die Rolle der kirchlichen Hierarchie war aber anders. Wie ich schon gesagt habe, zeigte die Kirche immer Beson­nenheit und Ver­nunft; sie ap­pellierte an den gesell-schaftlichen Frieden. Das bedeu­tet nicht, die Kirche wäre nicht mit uns. In den Erklä­rungen des Episkopats hat die Kirche deutlich Stellung genom­men. Es war offen­­sichtlich, auf wessen Seite sie steht‹ (Wałęsa).

Welche Persönlichkeiten aus der polnischen Geschichte haben für Sie die Bedeutung von per­sön­lichen Idealen?

›Jede Epoche hat ihre Helden. Es ist sehr oft schwer, ihre Ver­dienste von ihrer Epoche separat zu vergleichen. Es ist schwer z.B. die Verdienste des Marschalls Józef Pił­sudski, den ich sehr hoch schätze, mit dem Werk des Hl. Vaters Johannes Paul II. zu verglei­chen, der nicht nur für mich ein persön­liches Ideal ist. Das wäre ein bisschen so, als wenn wir die Meisterschaft im Boxen mit der Schach­­meisterschaft ver­gleichen wollten‹ (Wałęsa).

Anmerkungen

* Der Text stellt eine überarbeitete Fassung eines Vortrages dar, den der Vf. am 06.06.2005 an der VHS Hannover gehalten hat.

1 Eine Anekdote: Im März 1983 hatte ich mit einigen anderen Teilnehmern einer Reisegruppe in Danzig ein (geheimes) Treffen mit einer solchen Untergrundgruppe der Solidarność. Sie wünschten von mir Säge­blätter für Metalle zu bekommen. Sie machten deutlich, dass sie Waffen herstellen wollten. Ich bin nicht auf diese Phantastereien eingegangen. Wir gewannen bei diesen hoch qualifizierten Leuten den Eindruck von Weltfremdheit.

2 Dazu gehören u. a.: Bronisław Geremek, Lech und Jarosław Kaczyński, Tadeusz Mazowiecki, Adam Michnik und Donald Tusk.

3 Diese Studie wurde in kleinen Auflagen in Krakau publiziert. Die Polityka hat daraus veröffentlicht. Diese Zeitung wurde auch in die DDR geliefert. Und dort hat niemand etwas gewusst?!

4 Die Studie ist veröffentlicht in: Nettelmann 1997

5 Trotz guter persönlicher Kontakte durch Danziger Freunde war es 1993/94 nicht mehr möglich, Donald Tusk zu interviewen. Die früheren Solidarność-Funktionäre waren bereits erheblich etabliert in Politik und Privatwirtschaft. Sie wollten offensichtlich nicht mehr mit kritischen Fragen betreffend ihrer Ziele und Motive in der vergangenen Phase ihrer Untergrundtätigkeiten konfrontiert werden.

6 Im Oktober 2007 wurde die nationalkonservative Regierung von Jarosław Kaczyński abgewählt. Neuer Ministerpräsident ist Donald Tusk. Er repräsentiert eher die bürgerlich-liberale Mittelschicht. Lech Kaczyński ist gegenwärtig der gewählte Präsident der Republik Polen.

7 Er geht offensichtlich in gewisse Distanz zur Brigittenkirche. Bis zu diesem Zeitpunkt dominierte Jankowski. Jankowski wie auch Wałęsa gehören zu anderen Gruppen der sich auseinander entwickelnden Solidarność.

8 Kaczyński hält Bischof Tokarczuk (Przemysł) für sehr befähigt. Kaczyński kennt ihn gut, da Tokarczuk früher in Danzig gewirkt hat (Anmerkung des Dolmetschers).

9 Dr. Hilary Jastak hatte damals den Ehrentitel ›König der Kaschuben‹. Die Insignien wurden im Pfarr­haus aufbewahrt.

10 Jan Szydlak war Vertrauter Giereks. Er war in den siebziger Jahren Gewerkschaftsvorsitzender und zeitweilig Minister.

11Eine Homilie (Predigt) des Primas in Tschenstochau hat tradi­tio­nell eine besondere Bedeutung für die polni­sche Nation. Die am Mittwoch, d. 27.8.1980 gehal­tene Predigt, die als wenig streik­freundlich interpretiert werden kann, ist in den pol­nischen Medien fast voll­ständig veröffent­licht worden. (vgl. FR v. 28.8.80). Die Streikleitung in Danzig wollte den mäßi­gen­den Appell nicht zur Kenntnis nehmen und stellte die Kürzungen als Manipulierun­gen dar. Man unter­stellte auch, dass der Epis­kopat, der über sämtliche Aktio­nen der Streik­leitung unter­richtet war, Gespräche mit der Regie­rung führte mit dem Ziel, die Beendigung des Streiks herbei­zuführen. Die Folge war, dass man am Werfttor ein Plakat anbrachte mit den Worten: ‚Die Madonna streikt auch‛. Die Symbol­wirkung dieser Aus­sage hat maßgeblich zur Weiterführung des Streiks beigetragen.

Inhaltsübersicht:

Zu diesem Komplex

Die Kirche und die Frauen

Zum zeitgeschichtlichen Bezug

Die Öffnung

Die Fragen nach dem Warum

Ergebnisse der eigenen Studien

Fazit – Bezug zur Kirche

Fünfzehn Monate Solidarność

Zu den Intellektuellen

Anhang: Ausgewählte Zitate

Anmerkungen

Impressum für diese Seite:

Impressum für die Printausgabe von Dariusz Adamcyk, Lothar Nettelmann, Gerhard Voigt (Hrsg.): Façetten - Polen allein in Europa?

Polnische Selbstbehauptung im Netz internationaler Konflikte und Interessen – Aspekte in Geschichte und Gegenwart

Hannover 2007

politik unterricht aktuell Sonderheft S 07/1

Herausgegeben vom Verband der Politiklehrer e.V.

Herausgegeben von Gerhard Voigt

bismarckschule.voigt@gmx.de

Im Vertrieb der Schriftenreihe des UNESCO-Clubs für die UNESCO-Schule am Maschsee, Bismarckschule Hannover, e.V.

An der Bismarckschule 5

30173 Hannover

ISBN-10: 3-930307-16-2

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Internetpublikation auf http://www.polen-didaktik.de August 2009

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