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Grazyna Barbara Szewczyk

Schlesien als deutsch-polnischer Kulturraum

Das Wissen über Schlesien ist in Polen immer noch begrenzt. Es ist auch nie ein einfa­ches Thema gewe­sen, was mit der komplizierten Geschichte der Region und den Mythen, die darüber gesponnen worden sind, zusammenhängt. Im kulturellen Bewusstsein der Ge­genwart ist der Begriff der schlesischen Literatur so gut wie unbekannt. Das Spezifische an der Tradition der Landschaft, die in den vergange­nen Jahrhun­derten zu einem Kultur­raum wurde, in der sich die Repräsentanten dreier Nationen, der Polen, den Deutschen und den Tschechen begegnet sind, haben die polnischen und deutschen Literaturforscher lange Zeit nicht wahr­ge­nommen.

Die recht unzutreffenden oder gar fehlenden Anschauungen über den Begriff der schlesischen bzw. der ober­schlesischen Kultur trugen zu einer Prägung von ste­reo­typen Begriffen bei, wie dem des Regionalis­mus, des Provinzionalismus oder der Heimatkunst. Man hat vergessen zu erwähnen, was die Kultur über die deutsch-polnischen Beziehun­gen zu sagen hatte, inwieweit sich die Schriftsteller, Geistli­chen und Lehrer für die Idee der Verständigung und Solidarität zwischen beiden Völkern engagierten und welche Aus­wir­­kung die politischen Veränderungen auf die soziale und kulturelle Entwicklung in der Re­gion hatten. Die Zeit der Reformation, der Aufklärung und der Romantik, die In­du­stri­a­lisierungsepoche, die Teilung Ober­schlesiens im Jahre 1922, letztendlich die Nach­kriegs­wirklichkeit nach 1945 präg­ten das Bild der schlesischen Städte und der deutsch-pol­ni­schen Beziehungen. Aus der Distanz zu dieser Zeit nehmen viele Fragen eine neue Di­men­sion an und zwin­gen die heutigen Forscher und Kulturpolitiker zur Überprüfung des deutsch-polni­schen Problems. Dazu gehört auch die Untersuchung kul­tureller Ver­bin­dun­gen zwi­schen einzelnen geistigen Zentren in Schlesien und den Metro­polen in Polen bzw. in Eu­ropa. Besonders Oberschlesien, „ein Zwi­schenland, ein nicht ganz klar umris­se­n­es Gebilde”1 war mehr als Gesamtschlesien den verschiedensten Ein­flüssen sei­ner Nach­barländer ausgesetzt. Ende des 16. Jahrhunderts war es noch ein drei­spra­chi­ges Land (die Amtssprache war zum Teil tschechisch) und kirchlich gehörte es zu drei ver­schie­denen Diözesen (Bres­lau, Olmütz und Krakau). Als agrarisch struktu­riertes Gebiet ver­fügte Oberschlesien nicht über ein urbanes und geistiges Zentrum wie Breslau und regionale Knotenpunkte wie Liegnitz und Glogau. Des­halb kommt die niederschlesi­sche Kul­turlandschaft mit ihrem Zentrum Breslau als Vergleichs­grösse öfters zur Sprache; Ober­schlesien hatte im 16. und im 17. Jahr­hundert keine Chance, eine Alternative zu bil­den.

In meinen Ausführungen darf ich Schlesien als europäisches Phänomen darstel­len, als Raum, in dem sich ver­schiedene Völker und Kulturen begegnen und wo die Bedeu­tung der Grenzen in Frage gestellt wird. Am Beispiel der Kulturgeschichte Schlesiens können wir das Eigenartige an der Geschichte Europas feststellen: auf der einen Seite große Ideen und ein kultureller Reichtum, auf der anderen der Wille zur Zerstörung und Vernichtung. Dem Gedanken folgend sollte man erstens auf die Epochen und Ereignisse in der schlesi­schen Kulturgeschichte hinweisen, die durch die Intensivierung der kulturel­len Wechselbeziehungen zwi­schen Deutschen und Polen gekennzeichnet sind, zweitens die deutsch-polnische Zusammenarbeit im kul­turellen Grenzraum Oberschlesien untersu­chen, drittens als Beispiel der grenz­über­schreitenden kulturellen Tätigkeit das Werk der schlesischen Schriftstellerin Valeska von Bethusy-Huc charakterisieren.

Schlesien aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts hat eine durch “religiöse, politi­sche, wirtschaftliche, kulturelle und geschichtliche Verhältnisse bedingte Son­derentwick­lung durchgemacht”.2 Diese führte in ihrer Konsequenz zu einer einzig­artigen Blüte der schlesischen Dichtung, von der berühmte Namen wie Martin Opitz, Andreas Gryphius, Angelus Silesius, Daniel Czepko, Christian Günther, Wen­zel Scherffer von Scherffen­stein ein deutliches Zeugnis ablegen. „Das Haupt­merkmal der Sonderentwicklung Schle­siens im 17. Jahrhundert war vor allem die Uneinheitlichkeit sowohl in politischer als auch religiöser und nationaler Hinsicht”.3 Die Bevölkerung war überwiegend lutherisch, doch da die Habsburger in großen Teilen des Lan­des die Herrschaft übernahmen, begann für die Protestanten eine harte Bewährungszeit. Außer den Luthe­ranern und Katholiken lebten in Schlesien die Glieder der böhmischen Brüder Gemeinde und die polnischen Arianer. Zwi­schen all diesen Konfessionen bestand eine dauernde Spannung; die reli­giöse Viel­falt fand dann auch in den verschiedenen mystischen Richtungen, an denen Schle­sien reich war, ihren Niederschlag.

Auch die Klassen- und Nationalitätenstruktur war nicht kongruent.4 Unter den Feu­dalherren, im Bürgertum, auch im Bauernstand gab es Deutsche und Polen, al­lerdings war die Stadtbevölkerung, vor allem in ihren oberen Schichten deutsch. Für die polnische Gruppe hat man in Breslau in drei Kirchen (der Bernhardiner Kirche, der Hl. Geist Kir­che und der Christophorus Kirche) in Polnisch gepredigt. Auf Ini­tiative der Breslauer Kaufleute hat man 1766 eine polnische Schule gegründet. Kennzeichnend für die Son­derstellung und für die politische Schwäche der schlesi­schen Fürsten war das Fehlen ei­ner Landesuniversität. Der Fall war einzig im gan­zen Reich. Die Schlesier mussten in die Welt hinausziehen, um sich zu bilden. Die lutherischen Theologen gingen meist nach Wit­tenberg, die Juristen, Mediziner und Philosophen reisten über Danzig in die Nieder­lande, nach Leyden. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde das akademische Gym­nasium in Beuthen an der Oder von Georg von Schönaich gegründet, wo sich Refor­mierte, Arianer und Böh­mische Brüder aus Schlesien zum Unterricht sammelten. Der Ein­fluss des Gymna­si­ums auf das kulturelle Leben der Provinz war sehr bedeutend. In seinen Mauern ver­fasste Martin Opitz im Jahre 1617 seine Schrift ›Aristarchus‹, die 1624 in erwei­ter­ter Fassung als ›Buch von der deutschen Poeterei‹ erschien.

Beuthen an der Oder, das kleine Städtchen, unweit der damaligen polnischen Grenze gelegen, war durch starke wirtschaftliche, nationale und kulturelle Bande mit Polen ver­knüpft. Das Gymnasium Schönaichs, das als eine reformierte Hoch­schule gedacht war, üb­te eine große Anziehungskraft auf Studenten außerhalb der Grenzen Schlesiens aus. Gleichzeitig mit Opitz studierten hier der polnische Schriftsteller Andrzej Wegier­ski, An­hänger der Böhmischen Brüder, Martin Am­brosius aus Ostróg, Wladyslaw Gorajski und Mikolaj War­zywniec Siemieniecki. Professor dieser Schule war Georg Manlius, der ehe­malige Rektor der arianischen Schule in Raków.

Im Gymnasium – schreibt der Barockforscher und Breslauer Germanist Marian Szy­rocki – sammelten sich all die unruhigen Geister, die weder zu den Katho­liken noch zu den Lutheranern zählten. Es waren vor allem Reformierte, Böhmische Brü­der und Aria­ner, die auch polnische Brüder, Sozinianer oder Antitritarier genannt wurden”.5 Seine Tätigkeit missfiel dem österreichischen Kaiser. Es folgten Repres­sionen, die zur Schlie­ßung der Schule im Jahre 1628 führten. Schönaich selbst ret­tete sich vor weiteren Verfol­gungen nach Polen. Nach der Schließung der Schule bezogen die meisten Schüler und Lehrer das Gymnasium des na­hen polni­schen Grenzortes Lissa (heute Leszno), wo zu derselben Zeit der noch nicht bekannte Gelehrte Amos Comenius Lehrer wurde. Come­nius arbeitete hier an sei­ner revo­lu­tionären Schrift ›Janua linuarum reserata‹, deren polni­sche Übersetzung Opitzens Mitschüler Andrzej Wegierski anfertigte. Sowohl Come­nius als auch Martin Opitz setzten sich gleichzeitig für die Pflege der Nationalsprache ein und es war keine Zu­fälligkeit. Die deutsche Stadt Beuthen an der Oder und die polnische Stadt Lissa haben mit ihren Gym­nasien und Lehrern eine geistige Atmosphäre geschaffen, in der die jungen Deutschen und Polen gemein­same Anreger der kul­tu­rellen Veränderun­gen waren.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurden Kreuzburg (heute Kluczbork) und Pit­schen (heute Byczyna) die wichtigsten Städte in Schlesien. Dort entstand das Kul­turzentrum der polnischen Bevölkerung Schlesiens, um das sich zahlreiche prote­s­tantische Geistliche, Dichter und Lehrer gesammelt haben (z.B. Adam Gdacjusz). Zu dieser Zeit war Schlesien ein Land, in dem sich Einflüsse aus Ost und West, aus Nord und Süd kreuzten und das geistige Leben befruchteten. Die meisten schlesi­schen Dichter, die entweder mit dem Hof des Piasten-Fürsten in Brieg verbunden waren (z.B. Wenzel Scherffer von Scherffen­stein), oder in den kulturellen Zentren Schlesiens wirkten, in Breslau, Glogau und Schweidnitz, kannten die polnische Sprache. Dadurch, dass einige in Polen während der Gegenreformation Zuflucht suchten, lernten sie die polnische Literatur kennen. Schlesi­sche Dichter des Barock übersetzten polnische Dichtungen – Scherffer von Scherffer­stein, Organist an der Schloßkirche zu Brieg, übertrug über einhundert ›Scherzreime‹ des polni­schen Re­naissance-Dichters Jan Kochanowski ins Deutsche und schrieb Lobverse auf den verstorbenen polnischen König Sigismund III, (›Der Musik Lob‹) – führten die pol­nische Thematik in die deutsche Literatur ein, ließen ihre Werke in den polnischen Verlagen (z.B. in Lissa) veröffentlichen.

Der Music Lob

„Von diesen Göttern wend ich mich ins Land zu Polen,

dasselbst der Musik auch den Passbrief einzuholen

vom Dritten Sigemund; ob wol sein edler Geist

vorlängst dem Himmel zu, des Fleisches weeg gereist,

ist doch verewigt schon was aus des Mundes Pforte

der unvergleich Held, vor Königliche Worte,

der edlen Musica zu Lobe, weiland führt.”

[…]

„Ihr wisset, dass wir Euch nicht pflegen zubeschweren

mit Jägern, denn Uns darf niemand von Euch ernähren

der Hund ein ganzes Heer, als etwa sonst zur Lust

vor uns den Königen das Land erhalten musst,

als lasst uns die Musik unausgeredet bleiben:

denn die Zeit Uns baas, als Jagen kann vertreiben

so haben wir uns fest in unseren Königs-Ohrn

viel lieber die zuhören, als anders was erkorn. 6

Im 18. Jahrhundert verloren viele geistige Zentren in Schlesien an kultureller Bedeu­tung, die literarischen Kontakte zwischen Deutschen und Polen wurden aber weiter gepflegt. Es fehlte immer noch eine Lan­desuniversität, und es gab im Ver­gleich mit der Barockzeit keine großen Individualitäten unter den Schrift­stellern und Wissen­schaftlern. Es fand sich aber eine große Gruppe von gebildeten Verle­gern und Überset­zern, die die neuen Rich­tungen im europäischen Schrifttum wahr­nahmen und wichtige Werke aus dem Be­reich der Humanistik herausgaben. Die zentrale Rolle im schlesischen Buchwesen spielte da­mals Breslau, obwohl in ande­ren schlesischen Städten, Liegnitz, Glogau und Öls die ver­legerische Tätigkeit rege war. Die deutsch-polnischen Kontakte wurden dank zahlreicher Initiativen der Verlegerfamilie Korn entwickelt. 1732 hatte Johann Jacob Korn in Breslau eine Buchhandlung eröffnet, die er und vor allem sein Sohn, Wilhelm Gottlieb Korn, zum größten schlesischen Verlagsunternehmen ausbauten. Der polnische Buchmarkt sollte erschlossen, vor allem aber die einheimische Literatur gefördert werden. Korn entwic­kelte ein eige­nes polni­sches Verlagsprogramm, gründete Nie­derlassungen in Warschau, Posen, Lemberg, Wilna und Petersburg und fast zwei Jahrhunderte lang gab er wertvolle Übersetzungen (z.B. Kochanowskis ›Psalmen und Lieder‹, Comenius ›Gesang­buch‹, das ›Lexikon derer itzlebenden Gelehrten in Polen‹) und viele Sprachbücher her­aus. Selbst unter den schlesischen Autoren gab es einige, die ihre Beziehungen mit Polen in Form eines Reiseberichts, einer Ab­handlung oder eines Zeitungs­auf­satzes bekundeten. Johann Joseph Kausch (1751 -1825), ein gebürtiger Schlesier, war sein Leben lang mit der schlesischen Heimat aufs engste verbunden, wo er als Arzt praktizierte. Im Umgang mit der polnischen Grenzbevölkerung erwachte sein Interesse für das Nachbarland Polen. In der Zeit­schrift ›Freimütige Unterhaltungen‹, die er selbst redigierte, veröffent­lichte er unter dem Pseudonym ‚Piastophil‘ Briefe über Polen‹; drei Jahre später erschienen seine ›Nachrichten über Schlesien, Böhmen und das vormalige Polen‹ (1796). In allen diesen Publikationen war Kausch bestrebt, die deutsche Öffentlichkeit über die Staatsverfassung und Ge­schichte, gesellschaftliche Zustände und Lebensweise des Nachbarvolkes aufzu­klä­ren. Seine Zeitgenossen haben die Aktualität dieser Bei­träge erkannt und trotz man­cher Mängel für eine wichtige Quelle über Polen gehal­ten. Auch Johann Gottlieb Schummels ›Reise durch Schlesien im Juli und August 1791‹ (1792) ist ein Doku­ment des geisti­gen Lebens und der national-sprachlichen Verhältnisse in der Pro­vinz.

Anfang des 19. Jahrhunderts wurde Breslau zu einem richtigen Begegnungsort zwi­schen Deutschen und Polen. An der neu gegründeten Universität (1811) sam­mel­ten sich zahlreiche Studenten. 1836 entstand eine ›Literarisch-Slavische-Gesell­schaft‹, die bis 1886 existierte, daneben bestanden kleinere Studenten­vereine wie die ›Gesellschaft polni­scher Oberschlesier‹ und der ›Wissenschaftliche Verein ober­schlesischer Studenten‹, auch Zweiggruppen polnischer Jugendverbände. 1798 war an der Breslauer Jesuiten­hoch­schule ein polnisches Kolleg eingerichtet worden. 1841 veranlasste Friedrich Wilhelm IV die Gründung eines Sla­wistischen Instituts, „um der studierenden Jugend polnischer Ab­kunft Gelegenheit zur Vervollkomm­nung ihrer Muttersprache zu geben.”7 Nach Breslau gingen junge Oberschlesier, um dort Theologie und Jura zu studieren, einige beteiligten sich an den Vorlesungen des Slawischen Institutes, das unter der Leitung von Professor Wladyslaw Nehring ein hohes Ansehen hatte. Nehring war Wissenschaftler der späten von der deut­schen Ethnographie und Germanistik beeinflussten polnischen Romantik. Er befasste sich mit den Sprach- und Literaturverflechtungen und stellte damit die Be­zie­hung zu der in Oberschlesien aufblühenden polnischen Volksdichtung her. Den Initiati­ven der deut­schen Universitätsprofessoren war es auch zu ver­danken, dass sich im 19. Jahrhundert relativ viele Polen, darunter bekannte polnische Schriftstel­ler, so Julian Niemcewicz, Antoni Odyniec, Adam Asnyk, Jan Kasprowicz in Breslau befan­­den. Am günstigsten ge­staltete sich das deutsch-polnische Verhältnis in der Zeit zwischen dem Wiener Kongress und der Märzrevo­lution 1848 – meinen die For­scher des schlesischen Schrifttums. Die polnischen Aufstände wurden gerade in Schlesien aus der Nähe miter­lebt. Der Zustrom der Emigranten gab ein reales Bild des Unglücks. Im Jahr 1830 äußer­ten die Breslauer Bürger offen und einmütig ihre Sympathie für die Aufständischen. Zahl­reiche Schlesier stimmten in die deutsche ›Polendichtung‹8 ein.

Ein wesentlicher Grund des gegenseitigen Verständnisses lag in der deutschen Ro­mantik, die das elemen­tare Volksgut entdeckte und dichterisch auswertete. Die Romantik hat wie keine andere epochale Idee an die Gefühlswelt der Slawen appel­liert. Für einige, z.B. für den aus Oberschlesien stammenden Romantiker Eichen­dorff, war es fraglich, ob sich der Universalismus und die kosmopolitische Tendenz der Strömung mit der Folklo­ristik vereinbaren ließen. Eichendorff war dem polni­schen Volkstum zugeneigt, fühlte sich aber als absolut deutscher Dichter. Er be­herrschte zumindest die polnische Sprache, wie sie in Oberschlesien ge­sprochen wurde. In seinem dritten Zeugnis des Breslauer Mattias-Gymnasiums (1802) ist vermerkt, dass er Polnisch-Unterricht erhielt, und hinzu­gesetzt: „Er kennt diese Sprache als Utraquist ziemlich gut.”9 Dies beweisen auch die Ta­gebücher von 1798 bis 1814. Zwei Eintragungen in Heidelberg lauten: „Polnisch ge­spro­chen, zur Ver­wendung aller Begegnenden.” „Mein Singen: da droben auf jenem Berge und polni­sche Lieder.” In den Gedichten ›Die Zauberin im Walde‹, ›Trost‹ und ›Zeichen 1812‹ finden sich Motive aus sla­wischen Sagen. Über die polnische Geschichte äu­ßerte sich Eichendorff in seinen Essays nur sehr kurz, „in­dem er das unglückliche Volk der Polen” bedauerte, ein „Polen, wo es eigentlich niemals freie Landsleute noch Bürger, son­dern nur eine herrschende Form: den Adel gab.”

Die Liste der deutschen Schriftsteller und Gelehrten, die eine kurze oder län­gere Zeit mit Breslau verbunden waren und eine ausgesprochene polonophile Hal­tung bekundeten, ist lang. Für den heutigen Kulturforscher sind nicht nur ihre ›Polendichtungen‹ interes­sant, sondern ihre Kontakte zu den Polen. Die natürlich­sten und nachhaltigsten Bezie­hungen ergaben sich in Oberschlesien, wo das polni­sche Volkstum noch unentdeckt war und eine Gemeinsamkeit des Forschens not­wendig machte.

Ein erster Kreis von Volkslied-Forschern bildete sich in Rauden (Rauden bei Rati­bor, wurde durch die ein­malige Innenarchitektur des dortigen Zisterzienserklo­sters in ganz Europa bekannt) am Hofe des Herzogs Viktor von Ratibor, Fürsten von Corvey (1818 -1893). Auf Empfehlung seines württembergischen Schwie­gerva­ters (der Fürst zu Für­stenberg) nahm er 1847 Julius Roger in seine Dienste, der sich als Mediziner in Tü­bingen habilitieren wollte. Durch seine ärztliche Tätigkeit bei der Landbevölkerung lernte Roger Brauch­tum und Volkslieder kennen. Zu seinen Mit­arbeitern zählten der polnische, in Ro­senberg geborene Volks­tumsforscher Józef Lompa (1797 -1863) und der deutsche Dichter Hoffmann von Fallersleben. Lompa, po­pulärer Schriftsteller und Hei­mathistori­ker, stellte eine handschriftliche Sammlung polnisch-oberschlesischer Sagen, Le­gen­den und Mär­chen zusammen, gab auch in polnischer Sprache eine kleine Sam­mlung heraus u.d.T. ›Sprichwörter und Alltags­reden des polnischen Volkes in Schlesien‹ (1858). Hoff­mann von Fallersle­ben, der nach seiner Breslauer Emeritierung als Biblio­the­kar im west­fä­lischen Corvey arbei­tete, besuchte Rauden und veranlasste 1863 in Breslau die Heraus­gabe der von Roger gesammelten 546 Lieder unter dem Titel ›Piesni ludu pols­kiego w Górnym Slasku‹ (›Polnische Volkslieder in Oberschlesien‹). Es waren vor allem Lieder des Abschieds, des Sterbens, der Freuden und Leiden vom Ehe­stand, Soldaten­lie­der, Kriegslieder und Liebeslieder. Zwei Jahre später, im Todes­jahr Rogers, veröffent­lichte Fallersleben eine Teilübersetzung ›Ruda, Polnische Volkslieder der Ober­schlesier‹. Eine größere Übersetzung erschien 1891 aus der Feder eines in Straduna bei Oppeln gebo­renen Lehrers Emil Erbrich. Zu erwähnen sei, dass die deutschen Bemühungen um das polni­sche Volkslied mit der erwa­chenden wissenschaftlichen Folkloristik zeitlich zusam­men­hingen.

Das, was die Deutschen und Polen in Oberschlesien zu einer Solidarität und Zu­sam­menarbeit bewegte, war Jahrzehnte später nicht nur das Interesse an dem Volkstum – be­reits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vollzog sich eine Abwendung von der deutschen Romantik, eine Kehrtwendung mit anti­deutscher Tendenz – sondern auch die Bindung an die katholische Kirche. Zum Begegnungs­ort der beiden Nationen wurde St. Annaberg, der im Jahre 1856 mit Kirche und Franziskanerkloster bischöflicher Besitz und damit zu einem Diözesenheiligtum wurde. Der Wallfahrtsort nahm am Ausgang des 19. Jahrhunderts einen ungeahnten Aufschwung und wurde zum eigentlichen Mittelpunkt der oberschlesischen Fröm­migkeit. So­wohl der Berg mit der bekannten Wallfahrtskirche als auch der Anblick der pilgernden Leute gaben den Schriftstellern viele Anregungen; sie wurden zu lite­rarischen Motiven, Topoi und Symbolen im oberschlesi­schen Schrifttum. Die aus Oberschlesien stammende Autorin von oberschlesischen Erzählungen, Skizzen und Romanen, Valeska von Bethusy-Huc (1849-1926), schildert in ihrer Erzählung den Staatsgesellschaft. Annaberg als Stätte der religiösen Gemeinschaft und Ver­söhnung zwi­schen verschie­denen ethnischen Gruppen.

Am 14. September, dem Kreuzerhöhungsfest, kann man fünfzig bis sechzig­tausend Wallfahrer hier vereint sehen. Schon am Tage vorher kommen die Prozes­sionen von allen Seiten herangezogen, bis aus Russland und Galizien her. Die um­liegenden Gemeinden werden mitunter von ihren Pfarrern begleitet. Junge Mäd­chen mit Kränzen auf den Köp­fen tragen die Heiligenbilder, junge Burschen die bunten, wehenden Fahnen. Singend, oft von der Dorfmusik begleitet, bei der merkwürdige, posaunenartige Instrumente vorkom­men, ziehen sie aus dem Tal herauf, Tausende und Tausende - so ein eigenartiger An­blick, dass, wer, ihn einmal sah, ihn wohl nicht vergisst.”10

Ihre Beschreibung erinnert an die Zeilen im Poem ›Góra Chelmska‹, 1886 (›Das Chelm­gebirge‹) von Nor­bert Bonczyk, in dem die Wallfahrt poetisch beschrieben ist. Mag sein, dass die beiden Autoren aus den gleichen historischen Quellen schöpften. Va­leska von Bethusy-Huc, als Kind protestantischer Eltern, war von dem oberschlesischen Katholizismus fasziniert und fand in den Liedern der pil­gernden Polen und Deut­schen, in ihren Gebeten und frommen Gebärden etwas Einmaliges und Erbauendes.

In ihrem Werk nehmen die schlesischen Themen den wichtigsten Platz ein. Skizzen und Bilder aus dem Leben der Oberschlesier zeugen von einer guten Kenntnis der Orts­gegebenheiten und der Fähigkeit, menschliche Charaktere zu schildern. Im gleichem Masse wie das Dorf beschäftigte Valeska von Bethusy-Huc das Thema des industriellen Oberschlesien. Als eine der ersten Frauen ihrer Zeit be­suchte sie eine Steinkohlengrube (heute die Grube ›Katowice‹, früher ›Ferdinand‹) unter Tage und lernte vor Ort die Arbeit der Bergleute kennen. Sie besichtigte eben­falls die Eisenhütten Oberschlesiens, ging durch die neuentstan­denen Siedlungen der Bergarbeiterkolonien und führte Gespräche mit leitenden Direktoren der größ­ten Industrieunternehmen. Fasziniert von der Industrie und dem durch Zivilisations­fort­schritt sich verändernden Landschaftsbild, schrieb sie do­kumentarische Skizzen und Reportagen. Darin berichtete sie über die dama­ligen gesell­schaftlichen, sittli­chen und nationalen Verhältnisse in Schlesien und war eine der weni­gen unter den deut­schen Schriftstellern, die die sog. polnische Frage in Oberschlesien objektiv und ohne Emotion darstellte. In vielen Romanen, z.B. (›Hans der Pole‹, ›Die Czartoris­kys‹) beschrieb sie das Zusammenleben von Polen und Deutschen und zeigte aus der Perspektive der Frau die Möglichkeit auf, nationale Antago­nismen und Stereo­type zu überwinden. Ihre größte Popularität erreichte Valeska von Bethusy-Huc in den Jahren 1900-1907. Sie wohnte damals in Breslau, betei­ligte sich am Kulturleben der Stadt und begegnete ihren Lesern. In ihrem Hause unter­hielt sie einen literari­schen Salon, organi­sierte Festveranstaltungen, Dichterlesun­gen, Konzerte und lud bedeutende Schriftsteller und Intellektuelle aus verschiede­nen Gegen­den Schlesiens dazu ein (z.B. Wilhelm Böl­sche, Carl Hauptmann, Paul Keller). Neben den schlesi­schen und polnischen Themen griff sie in ihren Romanen das Frauenproblem auf. Sie vertrat die Ansicht, dass nur ak­tive, rege und wissens­begierige Frauen, die ihre angeborenen Fähigkeiten entfalten, das eigene Leben zu steuern vermochten. Schle­sien wird in dem Werk von Valeska von Bethusy-Huc zu einem offenen Kultur­raum, reich an der Vielfalt von Sprachen, Sitten und Traditio­nen.

Wenn man die Kulturgeschichte Schlesiens studiert, stellt man fest, dass die konkre­ten Orte der Begegnung der Menschen und Bilder des Zusammenlebens in der Zeit natio­naler Spannungen immer mehr symbolisch erfasst und gedeutet wer­den. Der Gedanke an Versöhnung findet im 20. Jahrhundert einen Halt in der Sym­bolik der schlesischen Land­schaft, in den Erinnerungen an die Kindheit, und den kul­turhistorischen Kon­strukten wie der Grenzlandmensch, das oberschlesische Volk, die oberschlesische Identität. Viele In­tellek­tuelle fliehen in den schweren politischen Zeiten, nach der Teilung Oberschlesiens im Jahre 1922, aus der Welt der Politik in die Welt der Literatur und utopischer Hoffnun­gen. Bereits 1920 erscheint in Katowice die zweisprachige Wochenschrift ›Most‹[›Die Brücke‹]11 redi­giert von dem polnischen Journalisten Karol Kozlowski. In der ersten Num­mer lesen wir: „Eine wahrhafte Brücke soll sie sein für hüben und drüben. Nicht nur zum Aus­tausch kultureller Güter soll sie dienen, sondern soll auch den Tausenden der Weg­weiser zu sein (...). Wir werden in vornehmer Ruhe die Gegensätze zu überbrücken suchen und uns gegenseitig ver­stehen lernen.” Im literarischen Teil der Zeitschrift, beti­telt ›Kreuz und Quer durch die Literatur‹, veröffent­lichte man Texte der bedeu­tenden polnischen Autoren, Jan Kochanowski, Mickiewicz, Slowacki, Jan Kaspro­wicz, Sta­nis­law Wyspianski in deutscher Übersetzung. Man stellte Schriftsteller und die Tendenzen der polnischen Literatur dar und verwies auf Ideen und Gedanken, die Deutsche und Po­len verbinden. Ob­wohl viele ein­ge­lei­tete Projekte sich als unwirksam erwiesen, bot die an­gestrebte Aussöhnungsidee im kul­turellen und sprach­lichen Bereich Schutz zur Bewah­rung des Eigenen, eigener Identität und Tradition.

Die Initiative der Zeitschrift, polnische Literatur, auch Werke polnischer Schle­sier in deutscher Sprache zu ver­öffentlichen, war trotz propagandistischer Tendenz ein wichtiger Beitrag zur Überbrückung des deutsch-polnischen Antagonismus in den 20er Jahren. Die Übersetzungsarbeit des oberschlesischen Dichters, Lite­ratur­historikers und leitenden Es­sayisten der ›Brücke‹, Jan Wypler (1890 -1965), hat den deutschen Lesern die verschlos­senen Räume der oberschlesischen Kulturland­schaft eröffnet.

Von den deutschen Wochenschriften hat ›Der Oberschlesier‹12 in den ersten Jah­ren seiner publizistischen Tätigkeit die Idee der deutsch-polnischen Verständi­gung unterstützt und propagiert. „Alles zu stützen und zu pflegen, was uns zusam­men­führt, was uns eint, was wir alle gemeinsam haben” – schrieb in der ersten Nummer der Herausgeber Georg Wenzel. Viel Raum bekamen in deren literari­schem Teil die oberschlesi­schen Märchen, Sagen, Lieder und Sprüche von polni­schen (J. Lompa) und deutschen (J. Roger, Hugo Gnielczyk) Volkskundlern und Dichtern gesammelt. Die Folklore bildete eine Nische, wo sich beide Kulturen begegneten und wo das ‚schlesische Nationalbewusstsein‘ gefestigt werden konnte. Im Gegensatz zu den Publizisten der Zeitschrift ›Die Brücke‹ halten die Redakteure des ›Oberschlesiers‹ an der oberschlesischen Identität fest und entwerfen die Vision einer starken selbst­ständigen Region. Die Artikelverfasser sind sich darüber einig, dass nur die geistige Bildung des schlesischen Volkes eine Garantie für Frieden und Ver­söh­nung sein kann. Diesem Gedanken schloss sich der polnische Pfarrer Dr. Emil Szra­mek an, der in seinem Buch aus dem Jahre 1934 ›Slask jako problem socjologiczny‹ (›Schle­sien als soziologisches Problem‹) auf die lange Tradition des Zusammenlebens der Deutschen und Polen in der oberschlesischen Provinz hinwies und das Recht der Ober­schlesier auf freie Wahl ihres Volkstums, der Sprache und der Kultur vertei­digte. „Bi­lingues sumus, sed concordes.” Der Mensch, der zwei Sprachen und Kul­turen kennt, stehe auf dem Bo­den fester als die anderen. Diesen Menschen unter­stellten der Kulturfor­scher Emil Szramek und der deut­sche Dichter Alfred Hein eine besondere Mission bei der deutsch-polnischen Annäherung.

Nach 1945 wurde die Provinz Schlesien erneut zu einer Begegnungsstätte zwi­schen Deutschen und Polen. Die katholische und die evangelische Kirche waren von Anfang an um die Annäherung bemüht. Der in den 70er Jahren trotz politischer Hindernisse einge­leitete Gedankenaustausch, Austausch von Menschen und Mei­nungen förderte das gegen­seitige Verständnis. Seit Anfang der 90er Jahre wollten auch die Medien, darunter die der deutschen Minderheit, wie z.B. zweisprachige Blätter ›Die Hoffnung‹ (Katowice), ›Schle­­si­sches Wo­chenblatt‹ (Opppeln) oder die deutschen Sendungen, die Politik der Ver­­stän­di­gung zwischen der Bun­des­republik Deutschland und der Volksrepublik Polen unter­stützen. Man darf dabei nicht ver­gessen, dass es in der deutschen Literatur nach 1945 viele Autoren gab, die das Thema Schlesien/Oberschlesien und die deutsch-polni­sche Frage aus einem ganz neuen Blickwinkel reflektiert haben. August Scholtis (1901-1969), bekannt durch den 1932 erschienenen Roman ›Ostwind‹, veröffentlichte nach dem Zweiten Welt­krieg drei Werke ( ›Die Katze im schlesischen Schrank‹, ›Ein Herr aus Bo­la­titz‹, ›Die Reise nach Polen‹), in de­nen er eine auf Verständnis und Versöhnung zie­len­de Haltung zu den deutsch-polnischen Beziehungen einnimmt und einen Ausgleich der natio­nalen Gegensätze anstrebt. In den Nachkriegsbüchern des Schrift­stellers offen­bart sich eine neue Tendenz, die über die Prosa von Lipinsky-Gottersdorf (›Prosna-Preußen‹), zu Arno Lubos, Horst Bienek und Janosch führt. Die deutschen Auto­ren halten an den Kind­heitserinnerun­gen fest, vermitteln aber nicht das verklärte Bild der oberschlesischen Landschaft, sondern greifen auf die damaligen politisch-sozia­len Zustände zurück, zeigen Armut und Not. Bei Horst Bienek, dem Verfasser der ›Gleiwitzer Tetralogie‹, werden die oberschlesische Heimat und dessen Kind­heit gleichgesetzt. Seine literari­schen Bilder sind durch die Bindung an die ober­schlesi­schen Menschen geprägt. Den Polen begegnet er ohne Vor­be­hal­te und sucht nach einer Annäherung. Bienek baut in seinen oberschlesi­schen Romanen eine Brücke aus Wor­ten und führt den Leser in die Zukunft, wo Grenzen nicht mehr Trennung, sondern Bindung und Nähe bedeuten. Im Sinne des Miteinanders und nicht Gegen­einanders lässt sich seine Liebe zur Hei­mat, die Ver­bun­denheit mit dem Land der Kindheit und seinen beiden Müttern, Deutschland und Polen, von denen er im Buch ›Beschreibung einer Provinz‹ schreibt, verstehen. Aus der Erfahrung der Grenzsi­tuation schreiben auch die polnischen Autoren Leon Bielas, Jan Goczol, Boleslaw Lu­bosz, Kazimierz Kutz, Albin Siekierski, Wilhelm Szewczyk, Leon Wantula, die am Bild einer multinationalen Bevölkerung mit eige­nen Sitten, Ge­bräu­chen, mit rei­cher Volkskul­tur und einer eigenen Sprache fest­halten und auf die Sonderstel­lung der ober­schlesischen Provinz in der Annäherung zwischen Polen und Deutschen verweisen.

Für die heutigen Bewohner Schlesiens sind die geistigen Brücken, die in der fernen und nahen Vergangen­heit von den in Schlesien lebenden Deutschen und Po­len geschla­gen wurden, ein Vermächtnis. Zu Beginn des zweiten Jahrtausends pol­nisch-deutscher Begegnung, gilt es die bestehenden Vorurteile zu beseitigen und ohne Illusionen kon­struktive Lösungen für die Zusammenarbeit zwischen den Schulen, aber auch zwi­schen den Gemeinden und Städten zu erarbeiten. Man darf nicht vergessen, dass den nahrhaften Boden jeder Verständigung die Kenntnis des Nachbarn, seiner Sprache, der Geschichte und der Kultur bilden. Die zahl­reichen Beispiele dieser Verständigung zwischen den Deutschen und Polen sind in der Kul­turgeschichte Schlesiens zu finden. Vielleicht ist gerade deswegen die Bezeichnung Schlesien als Kulturraum und als Region in Europa zum Begriff geworden. In sei­ner Offenheit liegen seine exemplarische Bedeutung und ihr Reichtum, auf die wir uns heute beziehen können. Die Erinnerung an Gemeinsames, an Sternstunden des Zu­sammenwirkens, an die Solidarität im Geistigen und Kulturellen, weckt ein Gefühl übernationaler Zu­sammengehörigkeit und Verantwortung. Polen und Deut­sche ha­ben einander noch viel zu vermitteln. Ich denke, dass es nur im Dialog ge­genseitiger Darstellung möglich sein wird, alte und neue Vorurteile abzu­bauen und das Ge­meinsame in der Zukunft zu bestärken. Es gibt, hat ein deutscher Historiker geschrie­ben, kein geistiges und kulturelles Leben im Herzen Europas ohne die Her­ausforderung ständiger Begegnung. Die­sen Worten schließe ich mich an in der Hoffnung, dass „meine Reise” in die schlesischen Orte der deutsch-polnischen Be­gegnung auf die besondere Rolle dieser Region im deutsch-polnischen Zusammen­wir­ken aufmerksam gemacht hat.

Literatur

Bethusy-Huc, Valeska von, 1912: Mein Oberschlesien. Skizzen und Geschichten, Kat­towitz.

Bienek, Horst, 1986: Beschreibung einer Provinz. Aufzeichnungen, München.

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Opitz, Martin, 1994: Eine Anthologie. Antologia. Wydawnictwo im. Joachima Lelewale. Gdansk.

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Wünsch, Thomas, (Hrsg.), 1995: Stadtgeschichte Oberschlesiens. Studien zur städ­ti­schen Ent­wick­lung und Kultur einer ostmitteleuropäischen Region vom Mittelalter bis zum Vor­abend der Industrialisierung, Berlin.

Aufklärung in Schlesien im europäischen Spannungsfeld. Traditionen-Diskurse-Wir­kun­gen. Wydawnictwo Uniwersytetu Wroclawskiego. Wroclaw 1996.

Anmerkungen

1  Vgl.: Lambrecht 1995, S. 196.

2  Vgl. Szyrocki 1986, S. 223.

3  Vgl. Szyrocki 1986, S. 224.

4  Vgl. Szyrocki 1986, S. 224.

5  Vgl. Szyrocki 1986, S. 226.

6  Scherffer von Scherffenstein, Wenzel: Der Music Lob, in: Szyrocki/òygulski 1957, S. 78.

7 Vgl. Lubos 1974, S. 501.

8  Als ›Polenlieder‹ werden in der deutschen Literatur diejenigen Gedichte bezeichnet, die während des Novem­beraufstands 1830/1831 oder kurz darauf entstanden sind und das his­torische Ereignis in Versen beschreiben. Sie umfassen allerdings eine Reihe von Themen und Motiven, die zeitlich von dem Ausbruch des Aufstands bis zur Emigration der Auf­stän­dischen reichen. Man lobt das Helden­tum polnischer Soldaten, man erinnert an histori­sche und zeitgenössische Persönlichkeiten (z.B. an Tadeusz KoÑciuszko), man solidarisiert sich mit den Inter­nierten, den Flüchtlingen und Verbannten. Zu den bedeutenden Dichtern der Polenlieder gehören u.a. Adalbert von Chamisso, Nikolaus Lenau, Julius Mosen, Ernst Ortlepp, August Graf von Platen, Gustav Schwab, Ludwig Uhland.

9  Vgl. Lubos 1974, S. 504.

10 Valeska von Bethusy-Huc: St.Annaberg. In von Bethusy-Huc 1912, S. 45.

11  Die Zeitschrift ›Most‹ [›Die Brücke‹] erschien unregelmäßig in den Jahren 1920 -1923.

12  Die erste Nummer der Wochenschrift ›Der Oberschlesier‹ erschien am 3. Oktober 1919. Nach der Abstimmung in Oberschlesien wurde die Herausgabe der Zeitschrift einge­stellt. Den Titel des Blattes übernahm 1923 Karl Scho­drok für seine eigene, neugeschaffene Zeit­schrift, die bis zum Jahre 1940 in ununterbrochener Folge erschienen ist.

Impressum zu dieser Seite:

Aus: Lothar Nettelmann / Dariusz Adamczyk, Hrsg.: Zur Frage einer polnischen Nationalkultur - Index - Polen in Europa: Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft.
Beiträge der Tagung »Zur Frage einer Polnischen Nationalkultur« der Deutsch-polnische Gesellschaft Hannover e.V. im Oktober 2001.

Schriftenreihe des UNESCO-Clubs für die UNESCO-Schule am Maschsee, Bismarckschule Hannover, e.V. [ISSN 0945-1536], Sonderheft 1 / 2002. Texte aus der Arbeit der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Hannover e.V. –
Buchausgaben vergriffen. [ISBN 3-93030307-10-3] –

Index – Durchgesehen Fassung. Alle Rechte vorbehalten. Verwendung im Schul- und Bildungsbereich zugestanden. Jede weitere Verwendung nur mit ausdrücklicher Zustimmung der Autoren beziehungsweise des Herausgebers, UNESCO-Club für die UNESCO-Schule am Maschsee, Bismarckschule Hannover, e.V. –

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