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Hans-Christian Trepte

Zur Narration nationaler Vergangenheit in der polnischen Literatur

Achtung: bei den Literaturangaben sind die polnischen Sonderzeichen noch nicht korrekt codiert!

1. Zum besonderen Geschichtsverhältnis der polnischen Literatur

Das Fehlen eines eigenen Staates in der Zeit der Teilungen Polens bewirkte eine eigen­willige Verbannung des polnischen politischen Lebens in die nationale Litera­tur, die (ka­tho­lische) Religion und in den Kampf um nationale Selbstbehauptung. Generationen von Polen holten sich ihr Wissen über die eigene Vergangenheit nicht aus Schullehrbüchern und Werken einer nationalen Historiographie, sondern aus einer stark historisierenden Literatur und Kunst. Daraus ist u.a. der hohe Stellen­wert, der dem historischen Roman sowie dem historisch bestimmten Essay zukommt, zu erklären. So dienten der historische Roman und Essay der kollektiven Selbstverständigung, mit ihrer Hilfe konnten gesamtna­tionale Tatbestände litera­risch vergegenwärtigt werden.

Die Mobilisierung historischer Erfahrungen diente u.a. aber auch der Deutung und Bewältigung von Gegenwartsproble­men. Das Herausstellen patriotischer Großtaten der Vorfahren bzw. die Einnahme einer selbstgefälligen messianischen Opferperspektive sollten den unterdrückten polnischen Landsleuten in den drei Tei­lungsgebieten Polens helfen, zumindest als ,moralische‘ Sie­ger aus der Geschichte hervorzugehen. Zwangsläu­fig gab es bei einem solchen Vorgehen kaum Platz für eine selbstkritische Distanz. Der Glanz nationaler Vergangenheit sollte vielmehr Kompensation für die in der Gegenwart erlittenen Niederlagen und die erfahre­nen Demütigungen sein.

Oft wurde nicht das literarische Werk per se, sondern ein be­stimmter Mythos, ein bestimmtes Geschichtsbild rezipiert. Während der Blick in die ei­gene Ge­schichte z.B. für die Deutschen immer wieder ein Problem darstellt, charakte­ri­siert die Polen und ihre Li­teratur bis 1989 ein spezifischer historischer Determinismus, der bei einigen Schriftstel­lern einer historischen Obsession gleichkam. Gern wurde gera­de von nicht aus Polen stammenden Literaturhistorikern und Kritikern die pol­ni­sche Lite­ra­tur in thematischer Hinsicht als ,hermetisch‘, in sich geschlossen, ego­zen­tristisch klassi­fiziert, da sie sich fast ausschließlich mit dem Schicksal der eige­nen Nation beschäf­tigten würde. Voreilig wur­den daraus Pauschalurteile über angebliche Schwierig­keiten bei der Rezeption polnischer literarischer Werke in anderen Ländern und Kulturen voraus­gesagt.

Der aus dem besonderen Verlauf der polnische Geschichte allerdings durchaus ver­ständliche historische Determinismus polnischer Literatur wurzelt zum Teil in einer be­sonderen, aus der martyrologisch-messianischen Tradition der polnischen Romantik des 19. Jahrhunderts hervorgehenden Geschichtsauffassungen, aber auch in nationalen My­then und Legenden. Der polnische Messianismus, nationale und historische Mythen wur­den von den Gegnern der ›romantischen Legende‹, vor allem den sogenannten ›Spöt­tern‹ (szydercy), dazu gehören namhafte polnische Schrift­stellern wie Stanislaw Wys­pianski, Witold Gombrowicz, Konstanty Ildefons Gal­czynski, Slawomir Mrozek immer wieder heftig angegriffen, ironisiert und ad absurdum geführt.

Ist die nach 1945 entstandene polnische Prosaliteratur gleichfalls als eine Art spezi­fi­scher Reflex auf die polnische und europäische Geschichte zu verstehen? Si­cher ist, dass gerade die national gesinnte polnische Literatur die zahlreichen Brü­che, Verwerfungen und krisenhaften Dauerzustände der polnischen Gesellschaft mit literarischen Texten do­kumentierte, in denen die soziale Realität fast immer an kon­krete historische Ereignisse gebunden ist. In der zweiten Hälfte der siebziger Jahre hatten Literaturwissenschaftler begonnen, den vom polnischen Nationaldich­ter Adam Mickiewicz weiter ausgebauten und popularisierten polnischen Messia­nismus zu verurteilen. So hatten Maria Janion und Maria Zmigrodzka den Messia­nismus polnischer Prägung als Ausdruck eines besonderen „Ver­rats an der Ge­schichte” charakterisiert, der den durch die geschichtlichen Ereignisse verursachten Leiden des polnischen Volkes einen höheren moralischen und geistigen Sinn ver­leihe. Lite­rarische Werke, die diesen Prämissen folgten, versuchten, den polnischen Ge­schichtsverlauf mit den romantischen Mythen zu versöhnen, dem Sieg der „dä­mo­­ni­­schen Kräfte der Geschichte” zumindest einen moralischen Sieg, die ver­söhnende Vision einer im Sinne der moralischen Erbauung verifizierte Geschichts­utopie ent­gegen­zuset­zen.[1]

Die besondere historische Situation zu Beginn der achtziger Jahre des 20. Jahr­hun­derts, als Polens Freiheitskampf gegen die kommunistische Diktatur mit der Solidarnosc­-Bewegung einen neuen Höhepunkt erreicht hatte, als vom ›Rat für na­tionale Rettung‹ (Ra­da Ocalenia Narodowego) unter Führung von General Woj­ciech Jaruzelski das Kriegs­recht über Polen verhängt wurde, schienen historische Analo­gien zum Freiheits­kampf während der Teilungen Polens im 19. Jahrhundert und zum Widerstand des polni­schen Volkes im Zweiten Weltkrieg gegen die deut­sche und sowjetische Okkupation des Landes gegeben zu sein. So kam es in der ersten Hälfte der achtziger Jahre zu einer Wie­derauferstehung zahlreicher roman­tisch-messianisch geprägter Muster, zumeist in Gestalt einer im ›romantischen Stil‹ gehaltenen Dich­tung.

Allerdings stimmte die historische Wirklichkeit der achtziger Jahre nicht mehr mit der aus dem 19. Jahrhundert kommenden Opposition: polnische Opfer auf der einen und fremde Henker auf der anderen Seite überein. Der gegen das eigene Volk geführte ›Krieg‹ des Generals Jaruzelski wurde, auch wenn man ihn als General ,ja ruski‘ [,ich (bin) Russe‘] verunglimpfte und zu entpoloni­sieren versuchte, von pol­ni­schen Soldaten und Offizieren gegen die eigenen opponieren­den Landsleute geführt. Eine Konstellation, die dem Leser polnischer Literatur bereits aus Tadeusz Kon­wickis berühmten Antiutopie Eine polnische Apokalypse (Mala apokalipsa) bekannt war. In diesem Roman Konwickis war der Russifizierungs- bzw. Sowjeti­sie­rungs­prozess in Polen bereits so weit fortge­schrit­ten, dass polnische Soldaten teilweise nicht mehr polnisch, sondern russisch spra­chen. Das Weiß in der weiß-roten polni­schen Nationalfahne war vom kommunistischen Rot sowjetischer Prä­gung bis auf einen schma­len Streifen am oberen Rand der Flagge fast völlig ver­drängt worden.

Konwickis lite­ra­ri­schen Werke Angst hat große Augen (Nic albo nic), 1971, Die polnische Apoka­lypse (Mala apokalipsa), 1979 und Unterirdischer Fluss, unter­irdische Vögel (Rzeka pod­ziem­na, podziemne ptaki) aus dem Jahr 1984 zei­gen, wie in der polni­schen Literatur sowie im historischen Bewusstsein der Polen ein Geschichtsbild zu ver­schwinden begann, das über eine versteckte innere Logik und ein konkretes Ziel verfügte, nämlich den Glau­ben an einen freien und unabhän­gigen polnischen Staat in der Zukunft zu stärken. In die­sen literarischen Werken spielt die Demythologisierung nationaler The­men, die Skepsis gegenüber tradierten ideologischen Leitbildern eine bedeutende Rolle. Verzichtet wird hier bewusst auf gesamtgesellschaftliche Modelle; die „stillgelegte natio­nale Geschichte” wird ledig­lich in stark reduzierten Ereignisstrukturen abgebildet. Ge­schichte stellt sich als eine Auswahl aus einer Reihe von Ereignissen dar.

Der historische Roman war traditionell besonders stark in der polnischen Lite­ra­tur vertreten. Allerdings unterschieden sich die Traditionslinien, auf die man sich berufen konnte, im Land und im Exil deutlich voneinander. In der polnischen Inlandsliteratur setzte man in der zweiten Hälfte der vierziger Jahre auf die Tradi­tion der Herrscherdy­nastie der Piasten. Teilweise in Auftragswerken wurde ver­sucht, die in Jalta beschlossene Ost-West-Verschiebung Polens als eine durch die Geschichte legitimierte und gerechte Rückkehr der an Deutschland verloren gegan­genen Nord- und Ostgebiete zum polnischen ,Mut­terland‘, in die alten piastischen Grenzen Polens aus dem 10. und 11. Jahrhundert, zu rechtfertigen. Literarische Beispiele dafür lieferten z.B. polnische Schriftsteller wie Antoni Golubiew mit den histo­ri­schen Romanen Boleslaus der Tapfere (Boleslaw Chro­bry), 1947; Wladyslaw Jan Grabski mit Der wilde Schatz (Dzikowy skarb), 1945 und Karol Bunsch mit Vater und Sohn (Ojciec i syn), 1946.[2]

Die Exilliteratur stellte dagegen in erster Linie die multiethnischen, multikultu­rellen Traditionen der Jagiellonen als Ausdruck eines bestimmten kulturellen Mus­ters und Mo­dells des polnischen Staates und seiner Kultur heraus. In der nostal­gisch verklärten Be­handlung von Themen der östlichen polnischen Grenzgebiete ver­schwinden im Verlauf der Zeit diesbezüglich bestehende Unterschiede zwischen der Inland- und Exilliteratur immer mehr. Der in Paris lebende Adam Zagajewski hatte in seinem Essayband Solidari­tät und Einsamkeit (Solidarnosc i samotnosc) auf die konsolidierende Wirkung des My­thos vom östlichen polnischen Grenzland verwie­sen. Dieser Mythos, den er selbst als eine Art Rekompensation für den unglückli­chen Verlauf der Geschichte in bestimmten lite­rarischen Werken ansah, würde maßgeblich zur Entstehung eines besonderen ›His­torylands‹ beitragen.[3]

Von großer politischer Tragweite war im Zusammenhang mit historischen Nar­ratio­nen in der polnischen Literatur das Problem der historischen Wahrheit. Sie betraf u.a. wichtige Tabuthemen und ›weiße Flecke‹ in der polnischen Geschichte wie die sowjeti­sche Okkupation Ostpolens, die Deportation polnischer Zivilisten in sowjetische Lager, das von Angehörigen des sowjetischen Geheimdienstes (NKWD) an polnischen Offizie­ren und Intellektuellen begangene Massaker von Katyn, den Warschauer Aufstand von 1944 sowie die antisemitischen Pogrome und Diskriminierung polnischer Juden in Polen nach dem Zweiten Weltkrieg. Es han­delte sich um Themen, die die Inlandliteratur auf­grund der Zensur und der unver­brüchlichen Freundschaft zur Sowjetunion zwangsläufig aus­sparen musste. Polni­sche Schriftsteller, die es dennoch wagten, diese Tabuthemen auf­zugreifen, hatten mit Repressalien, Druckverbot und Ausweisung aus ihrem Heimatland zu rechnen. So musste beispielsweise der polnische Schriftsteller Wlodzimierz Odo­jews­ki, der in seinem 1973 im Pariser Exil erschienenen Roman Katharina oder Alles ver­we­hen wird der Schnee (Zasypie wszystko, zawieje) indirekt auf den Massenmord an pol­nischen Offizieren und Intellektuellen in Katyn und dessen versuchte Ver­tuschung einging, ins Exil gehen. Sein vor allem politisch für Aufregung und heftige Angriffe sor­gendes litera­risches Werk konnte erst 1990 in Polen erscheinen.

Auf der anderen Seite erschienen in der polnischen Inlandsliteratur von 1956 bis zur wieder verstärkt einsetzenden Zensur nach 1957/58 zahlreiche Abrechnun­gen mit dem Stalinismus im schützenden Gewand des historischen Romans. Dazu gehö­ren die Romane von Kazimierz Brandys Die Verteidigung Granadas (Obrona Grenady, 1958), Die Mutter der Könige (Matka Krolów, 1957), Finsternis bedeckt die Erde (Ciemnosci kryja ziemie, 1956) von Jerzy Andrzejewski und Die gepflas­terte Hölle (Pieklo wybrukowane, 1957) von Andrzej Braun. Die historische Ko­stümierung als Reaktion auf den erfahrenen Tota­li­­tarismus stalinistischer Prägung mit ihrer Metasprache wurde vom polnischen Leser ohne weiteres als direkte, wohl verstandene Anspielung auf die jüngste Vergangenheit verstanden.

2. Zur Flucht aus der Geschichte in der polnischen Gegenwartsliteratur

Nach der demokratischen Wende der Jahre 1989/90 kam es in Polen zu einer tiefen Krise des romantischen Denkens und zu wichtigen Veränderungen im allgemeinen geschichts-philosophischen Bewusstsein.[4] In Übereinstimmung mit dem Krakauer Literaturwissen­schaftler Aleksander Fiut kann nach dem Sturz des Kommunismus und der demokrati­schen Wende in Polen von einer deutlichen Flucht aus der Ge­schichte ins Privat-Persön­liche gesprochen werden, die mit einer entsprechenden Umbewertung der nationalen Tra­dition, der historischen Mythen und Legenden ein­her ging[5]. Bereits 1991 hatte die renommierte polnische Literaturwissenschaftlerin Maria Janion darauf verwiesen, dass die in Polen übermächtig lastende Herrschaft eines einheitlich romantisch-literarischen Stils zu Ende gegangen sei: „Seit zwei­hundert Jahren organisierte sich unsere Kultur um gei­stige Werte, die als Symbole polnischer Identität begriffen wurden wie Vaterland, Frei­heit, nationale Solidarität. Zusammen mit den gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Veränderun­gen, die aus Polen ein ,normales‘ Land der Demokratie und des freien Marktes machen sollte, musste dieser eigenartige Monolith ins Wanken geraten. ›Ho­mogeni­tät‹ vertrug sich nicht mehr mit ›Plu­ralität‹, ›Solidarität‹ nicht mehr mit ›Kon­kur­renz‹ und ›Wert‹ (hauptsächlich als geistiger begriffen HCT) nicht mehr mit ›Ge­schäft‹ (vor allem als ökonomisches aufgefasst HCT).”[6]

Vor allem junge Schriftsteller begannen jetzt ihre Federn gegen jene romantisch ver­klärenden Mythen zu zücken, die die Zeit der polnischen Teilungen, die Okku­pation im Zweiten Weltkrieg, den stalinistischen Terror im Nachkriegspolen und das 1981 verkün­dete Kriegsrecht umfassten. Anfang der achtziger Jahre hatten auch im Exil vor allem jün­gere polnische Schriftsteller unter dem Einfluss der westlichen Kultur neue narrative Techniken, Ausdrucksweisen und Stilformen rezipiert und künstlerisch literarisch aus­probiert. Eine nationale polnische Sicht lehnten sie in ihren literarischen Darstellungen von Geschichte ab. Und so machte sich eine neue, frische Ichbezogenheit, frei von gesell­schaftlichen Erwartungen und Anforderun­gen, allein von den Bedingungen des privaten Umfelds geprägt, in der polnischen Litera­tur sowohl im Land als auch im Exil bemerkbar. Die forcierte Suche nach dem Au­thentischen, Wahren, die Befreiung von diversen politi­schen und gesell­schaftlichen Fesseln stand gerade bei den nach der demokratischen Wende von 1989/90 debütie­renden Vertretern der polnischen Inlandliteratur auf der Ta­gesord­nung. Auch sie sprachen sich für die ästhetische Option der sogenannten ,neuen Privatheit‘ aus und versuchten sie in ihren literarischen Werken entsprechend um­zuset­zen. So stellte beispielsweise Antoni Libera seinem im Jahre 2000 auch in deutscher Spra­che erschienenen Bestseller Madame ein Zitat von Artur Schopen­hauer voran:

„Die Aufgabe des Romanschreibers ist nicht

große Vorfälle zu erzählen,

sondern kleine interessant zu machen.”[7]

Sein Schriftstellerkollege Piotr Siemion, der einen der ersten Romane über Wroclaw mit dem Titel Picknick am Ende der Nacht schrieb, äußert sich wie folgt:

„Vergiss das (historische) ‚Früher’! Du denkst immer noch,

dass alles ist wie früher, dass wir immer noch per

Zeichensprache das große Ost-West-Gespräch führen. Vergiss es.

Es ist vorbei, und lass mich in Ruhe.”[8]

Die Literatur dieser neuen Schriftstellergeneration wendet sich bewusst vom Anspruch ab, die historische Erfahrung des Kollektivs aufzuzeigen. Sie flüchtet aus der gro­ßen, globa­len Geschichte in die kleine, intime, persönliche. Auf ironische bis sarkastisch-gro­teske Weise spielen die Vertreter der Gegenwartsliteratur mit Ver­satzstücken histori­scher und kultureller Mythen aus der ›Zeit des Kampfes‹. Damit ist in erster Linie die glorifi­zierte Zeit des Kriegsrechts in Polen gemeint, die viele Autoren nicht selten völlig igno­rierten.[9] Interessieren sie sich aber dennoch für Ver­gangenes, dann vor allem, um in der Vergan­genheit Quellen und Gründe für gegen­wärtige Verhaltensweisen und Muster sowie für die geistige Genealogie der Polen zu finden. In den literarischen Werken der jüngeren Generation verschwindet somit in zunehmendem Maße der ,Erwartungs­hori­zont‘. Dafür entwickelt sich der mit der Vergangenheit verbundene ‚Erfahrungs­raum‘, im Sinne von Ricoeurs „l’espace de l’experience”. Dieser ‚Erfahrungsraum‘ wird vielmehr als „l`é­fi­cience du passé” interpretiert, bewertet und als „reception du passé” rezipiert.[10] In diesen neuen Ver­fahrensweisen sieht der polnische Schriftsteller und Philosoph Leszek Kolakowski ein wichtiges „Zeichen der Normalisie­rung des polnischen Denkens”, aber auch ein „Symptom eines gewissen Verlusts von Identität, von Integrität und kultureller Kohärenz.”[11]

Jerzy Pilchs Roman Das Verzeichnis der Fremdgängerinnen. Reiseprosa (Spis cud­zo­­loznic. Proza podrózna) erweist sich beispielsweise als eine ausgezeichnete Parodie bzw. Persiflage auf stereotype Vorstellungen, die sich die Polen von sich selbst und ihrer Rolle in der Geschichte gemacht haben. Deutlich greift Pilch auf Muster eines Witold Gom­­­browicz und Slawomir Mrozek zurück. Das Ritual der aufgezwungenen historischen Form, vor allem der messianisch-martyrologischen, gipfelt bei Pilch in einer spezifischen, an Schwejk erinnernden Narrenposse. Dem Westen mit dem durch die Geschichte erfah­renen polnischen Leid zu imponieren, ist für den Hauptprotagonisten zu einem kaum noch zu ertragenden, auferlegten Zwang geworden. Bereits die Wahl des Namens, Gu­s­taw, der romantischen polni­schen Li­teratur des 19. Jahrhunderts entlehnt, signalisiert die kritische Auseinan­dersetzung mit der polnischen Romantik. Gustaw, ein verschrobe­ner Erotomane, führt seinen Gast, einen schwedischen Humanisten, durch eine eigenwil­lige Welt voller tücki­scher, kaum erklärbarer polnischer Erfahrungen. Handlungsort des Ro­mans ist das Pantheon polnischer Geschichte und Kultur, das altehrwürdige Kra­kau, das voller Symbole des aufopferungswilligen polnischen Heldentums, der pol­nischen Lei­dens­geschichte und der martyrologischen Selbstaufopferung ist. Auf amüsant-groteske Wei­se verlacht Pilch den anachronistischen Kult des polnischen Messia­nismus, der heroi­schen Selbstaufopferung und des ewig Polnischen. Das zeigt sich gerade beim Besichti­gen und Erklären der in Krakau so zahlreichen vor­handenen polnischen Denkmäler, gro­ßen historischen Personen und Ereignissen gewidmet. In diesem Pro­zess der nationalen Entmythologisierung wird die scham­hafte Seite des polni­schen Nationalbewusstseins nicht ausgespart. Dazu gehören laut Pilch vor al­lem Selbstmitleid, Minder-wertig-keits-gefühle, Opportunismus und Prahlerei.

Anders verhält es sich bei den Danziger Schriftstellern Pawel Huelle und Stefan Chwin, die in ihren literarischen Werken Weiser Dawidek und Silberregen. Danzi­ger Er­zählungen bzw. Tod in Danzig und Die Gouvernante eine neuartige Herme­neutik des individuellen historischen Gedächtnisses betreiben. Dabei sind sie bemüht, die vielsei­ti­gen Umschichtungen und Veränderungen in der polnischen Ge­schichtskultur unter dem Ein­fluss des neuen individuellen Zugangs zur Geschichte, aber auch des neuen Ansatzes in der polnischen Geschichtsschreibung vorzuführen. Auch in diesen literarischen Wer­ken geht es nicht mehr um die große, in erster Linie zerstörerische Geschichte im polni­schen Landesmaßstab, sondern um die Auswir­kungen der Geschichte auf die Schick­sals­wege von Menschen, um ihre Widerspie­gelung in Einzelschicksalen, in persönlichen Verhal­tensweisen, Gewohn­heiten, Haltungen und Überzeugungen.

Die Mythen und Legenden des östlichen Grenzlandes, die auf „malerischen Ruinen misslungener Ideen und Utopien”, auf dem sentimentalen Selbstbetrug auf­bauen und die erträumte Wirklichkeit mit der tatsächlichen gleichsetzen, weichen in der polnischen Gegenwartsliteratur immer mehr literarischen Auseinandersetzungen mit dem nördlichen und westlichen Grenzland.[12] Die Mythen vom östlichen Grenz­land, den ›Kresy‹, werden von den heute unabhängigen östlichen Grenzstaaten Po­lens, Litauen, Belarus und der Ukraine, als ,chauvinistisch‘ bzw. als Beweise eines auf den Osten Europas gerichteten polnischen Imperialismus aufgefasst. Sie stehen damit im Widerspruch zur Staatsräson des heute demokratischen polnischen Staa­tes.[13]

3. Welchen Beitrag leistete die polnische Exilliteratur im Prozess der ›Flucht aus der Geschichte‹?

In einer Zeit der erzwungenen Selbstisolation Volkspolens vom Westen stellte gerade das polnische Exil eine Chance für die polnische Kultur und Literatur dar, die westliche Entwicklung zu verfolgen, sich ihr anzunähern, modern zu wirken und sich schrittweise von der aufgebürdeten Last der Geschichte und dem ewig Polni­schen zu befreien. Doch der Schock der Beschlüsse von Jalta, mit denen der Mei­nung des polnischen Exilschrift­stellers Gustaw Herling-Grudzinski zufolge „Polen aus der europäischen Gemeinschaft verstoßen und von der westlichen Kul­tur verra­ten worden war”,[14] hatte u.a. auch zu einer Neuauflage literarischer Werke geführt, die die polnische Geschichte verklärten und erneut Mythen verbreiteten, die „Mega­lo­manie sowie Verwechslung politischer mit moralischen Maßstäben” zur Folge hatten.[15] So erkannte Czeslaw Milosz, der 1951 in Frankreich um politi­sches Asyl ersucht hatte, für die polnische Literatur im Exil nicht nur ein Ver­häng­nis, son­dern auch eine Chance: „Immer historisch orientiert, aber nur mit der eige­nen Ge­schichte beschäftigt, also kaum zugänglich für Fremde, wurde die polnische Litera­tur plötzlich mit einem universellen Thema konfrontiert. Doch nur wenige Schrift­steller zogen daraus ihre Konsequenzen.”[16]

Zu den nationale Horizonte überschreitenden Vertretern der sogenannten Kos­mo­po­len‹ (Kosmopolacy) gehörten beispielsweise Andrzej Bobkowski, der dieser Ausdruck prägte, sowie weitere Vertreter des literarischen polnischen Exils wie Czeslaw Milosz, Witold Gombrowicz, Tadeusz Nowakowski und Marian Pan­kow­ski. Die Ableh­nung his­torischer, nationaler und gesellschaftlicher Determinan­ten sollte im Falle von Gombro­wicz den Einzelnen dazu bringen, endlich auch Ver­antwortung für sich selbst zu über­nehmen, um damit sein eigenes Lebenskonzept verwirklichen zu können. Milosz setzte der unmenschlichen Geschichte einen Men­schen entgegen, der im Biologischen veran­kert, zur Epiphanie fähig und für meta­physische Erfahrungen offen ist. In der indi­viduel­len religiösen Erfahrung, die sich Dogmen und Institutionen entzieht, sollte der Einzelne aus der Hölle der Geschichte befreit werden. Für Herling-Grudzinski bedeutet Schreiben wiederum moralische Pflicht, eine Pflicht, die darin bestand, Zeugnis abzule­gen. Dazu gehörte die in Ost und West weitgehend unbekannt gebliebene „Welt ohne Erbarmen” der sowjeti­schen Straf-, Arbeits- und Deportationslager, eine grausame Welt, die den Men­schen zum Gefangenen einer „von der Kette gelassenen Geschichte” (Jerzy Stem­powski) gemacht hatte.

Zum Kanon des konservativen polnischen literarischen Exils gehörte aber auch der Traditionsbezug. Eine besondere Rolle spielten diesbe­züglich die historischen polnischen Erfahrungen aus der alten polnisch-litauischen Adelsre­pubik (Rzecz­pos­po­lita), aber auch der von 1919 bis 1939 bestehenden Zweiten Polni­schen Republik der Zwischenkriegszeit. Während das Londoner Exil das historische Denken im Sinne der ›ja­giellonischen Ostpolitik‹ sowie einer historischen bzw. histori­sierenden Literatur besonders förderte, sprach sich das um die Pariser Zeitschrift ›Kultura‹ gruppierende libe­rale polnische Exil dafür aus, die bankrott gegangene ›jagie­llo­ni­sche Idee‹ durch eine prononcierte „kultu­rel­le und politische Ausstrah­lung” zu ersetzen. Bereits seit den frühen fünfziger Jahren hatte vom Exil aus ein Dialog mit den Litauern, Weißrussen und Ukrai­nern begonnen. Liberale polnische Schrift­stel­ler und Publizisten um die Pariser ›Kul­tura‹ unterstrichen, dass den östli­chen Nach­barvölkern Polens die gleichen Rechte wie den Polen eingeräumt werden müssten, dass auch sie einem angestrebten europäischen Staa­tenbund angehören sollten.[17]

Die Pariser ›Kultura‹ war zur einzigen polnischen Zeitschrift im Exil avanciert, die regelmäßig über ukrainische Fragen schrieb und zu diesem Zweck eine ukraini­sche Chronik führte. Die Redakteure der ›Kul­tu­ra‹ standen in Verbindung mit der Sowjet­ukraine und dem ukrainischen Exil. Sie besprachen ukrainische Literatur und wollten diese auch dem polnischen Leser nahebrin­gen. In einer russischen Sonder­nummer der ›Kul­­tura‹ hatte sich 1961 der Londoner Publizist der ›Kultura‹, Juliusz Mieroszewski, für die das nationale Unabhängigkeitsstre­ben aller Republiken, die von der Sowjetunion ver­sklavt und annektiert wurden, einge­setzt: „Es geht uns dabei vor allem um die Ukraine und das Baltikum, allen voran Litauen.”[18] Dieses in den siebziger Jahren weiter präzisierte UBL-Programm (Ukraine, Belarus, Litauen) nahm u.a. auch direkten Bezug auf Vor­stel­lungen von Józef Pilsudski über eine Fö­deration Polens mit seinen östlichen Nachbarn, die aus dem Krieg von 1919/20 stammten.

Das UBL-Programm der „Kultura” gipfelte in einer 1977 unterzeich­neten gemein­sa­men Erklärung osteuropäischer, darunter auch russi­scher Emigranten, die die „Li­qui­die­rung des sowjetischen Kolonialismus” for­derten und dabei auch das Recht der Ukraine auf Unabhängigkeit hervorhoben. Die Erklärung wurde von füh­renden Zeit­schriften des Exils, der polnischen ›Kultura‹, der tschechoslowaki­schen ›Svedectví‹, der ungarischen ›Irodalmi Újság‹ und der russichen ›Kon­tinent‹ veröf­fentlicht. Von der Bedeutung, die von weitsichtigen Vertretern des Exils und der Aus­landspolen gerade den Beziehungen zur Ukraine beigemessen wurde, mag die Formulie­rung Zbigniew Brze­zinskis zeugen: „Wenn ich ein Bürger Polens wäre und zwischen der Zugehörigkeit Polens zur NATO und einem Bündnis Polens mit der Ukraine wählen könnte, so würde ich mich für letzte­res entscheiden.”[19]

Neben Schriftstellern wie Józef Lobodowski, Jerzy Stempowski und Stanislaw Vin­cenz war es Pater Innocenty Maria Bochenski, der 1951 in Polemik zum kom­munisti­schen Manifest ein demokratisches Manifest erarbeitet hatte. Von der Re­daktion der ›Kultura‹ unterzeichnet und in der Septemberausgabe 1951 veröf­fent­licht, wurde es zu einem wichtigen Dokument der polnischen Zeitschrift. Immerhin skizzierte Bochenskis demokratische Manifest mitten im Kalten Krieg die Vision eines vereinigten Europas, in dem niemand mehr nur Pole, sondern ein Euro­päer aus dem Kanton Polen sei. Diese An­sicht stimmte mit den Vorstellungen des polni­schen Schriftstellers Stanislaw Vincenz überein, der als Synthese von Univer­salis­mus und Regionalismus weit vorausschauend ebenfalls eine ›europäische Gemein­schaft der Vaterländer‹ vorschlug. Die europäische Einheit müsse sich stän­dig auf die regionalen Traditionen berufen, die kulturelle Vielfäl­tigkeit des Konti­nents her­vorheben und unterstützen. Ein Vorbild für die Europäer könne dabei die ›Confe­de­ra­tia Helvetica‹, die die Idee der Einheit in der Vielfalt verwirk­liche und ihre Kan­ton­-Regionen zu einem leistungsfähigen Staat organisiere.[20]

Zu den Traditio­nen des europäischen Föderalismus zählte für Vincenz nicht nur die von Dante entwick­elte Idee des universellen Staates der Christen, sondern auch die lebendige Erin­nerung an die multinationale und multikonfessionelle Polnische Adels­republik des 16. und 17. Jahr­hunderts, in der u.a. auch die Ukraine als eine von vielen Kanton-Regionen ein gleichbe­rechtigtes Mitglied sein sollte.[21] Die ›Kul­tura‹ unter ihrem Redakteur Jerzy Giedroyc sah Polen in einer wichtigen Ver­mittlerrolle zwischen Ost und West, eine his­torische Chance, eine gewichtige Rolle bei der Gestaltung der Zukunft Ost­europas zu spielen. Die damali­gen Visionen wur­den nach 1989 zum Fundament der neuen polnischen Außenpolitik der III. Pol­ni­­schen Republik. Jerzy Giedroyc wurde posthum für sein Wirken im Geiste der ukrainisch-pol­nischen Versöhnung mit einer der höchsten ukrainischen Auszeich­nungen geehrt.

4. Zur Auseinandersetzung mit Henryk Sienkiewicz

Zur Entstehung einer besonderen polnischen Geschichtskultur trugen die histori­schen Romane von Henryk Sienkiewicz, vor allem seine Trilogie Mit Feuer und Schwert (1884), Die Sintflut (1886) und Der kleine Ritter. Herr Wolodyjowski (1887/88) bei. Der polnische Geograph Wincenty Pol, der mit seiner Arbeit Das his­torische Territorium Polens (Historiczny obszar Polski) 1867 die historische Geo­graphie begründete, hatte 1875 mit seiner Ritterlichen Rhapsodie (Mohort. Rapsod rycerski) eine Apotheose des östlichen Grenzlandes der polnischen Adels­republik vorgelegt. Sienkiewicz hatte in deut­licher Anknüpfung an Wincenty Pol eine „patriotische Legende” gestiftet und ein farbiges historisches Gemälde ge­schaf­­­fen, das bis heute fasziniert. Es handelt sich um eine histori­sche polnische Le­gen­de, die gleichberechtigt neben den bereits von Witold Molik im Band Mythen der Nationen aufgezählten Legenden von Piast, der Schlacht bei Grun­wald /Tan­nen­berg, des Entsatzes von Wien, der Verfassung vom dritten Mai und des Kos­ciusz­ko-Auf­standes stehen müsste.[22] Die nationale Geschichtsphilosophie Sien­kie­wiczs, mit der Generationen polnischer Jugendlicher aufwuchsen, ist für den polni­schen Nobel­preis­trä­ger Czeslaw Milosz zum Symbol einer geradezu „idealen Ver­knüpfung und Stär­kung polnischer Illusionen” geworden. Sienkiewiczs „üble Lite­ratur,” in dessen Geist auch Mi­l­osz erzogen wurde, provozierte das Aufbegehren des späteren No­belpreisträgers gegen die „Hohepriester des nationalen polnischen Ritus.”[23]

Witold Gombrowicz hatte dem polnischen Exil vorgeschlagen, generell sein bisheri­ges Verhältnis zur polnischen Vergangenheit und zum polnischen National­charakter zu revidieren. Nur damit könne es gelingen, das bisherige Denken in his­torischen Mythen und nationalen Stereotypen obsolet zu machen. Mit dieser Forde­rung hatte sich der sei­nerzeit im argentinischen Exil lebende Schriftsteller direkt gegen das konservative polni­sche Exil mit Sitz in London gerichtete, welches das Po­lentum als eine gegen den Kom­munismus und die Revidierung der östlichen pol­ni­schen Grenzen verschworene Gemein­schaft betrachtete und jegliche Kritik an der katholischen Kirche und den großen sakro­sankten Schriftsteller wie Adam Mickie­wicz oder Henryk Sienkiewicz abschmetterte. In seinen im Exil geschriebenen Tagebüchern (Dzienniki) setzte sich Gombrowicz mit die­sen Vertretern der polni­schen Literatur auseinander. Mickiewicz und Sienkiewicz sprach er schuldig, die verkru­s­tete Form des polnischen Geistes geschmiedet zu haben, aus der er, Gom­browicz, Moses gleich, die Polen wieder herausführen müsse.[24] Die polnische Lite­ratur sollte – Gombrowiczs Meinung zufolge – keine „Bilder allerheiligster Gefühle” (obrazy najswietszych uczuc) zeichnen und gegenüber dem „polnischen Stil” (styl polski) eine gesunde Distanz bewahren.[25] Mickiewicz und Sienkiewicz waren für Gom­browicz Autoren, die den nachfolgenden Schriftstellergenerationen geradezu ihre patrioti­sche, heroische Thematik aufgedrängt hatten.

Doch die Polen bräuchten in ihrer Literatur vielmehr das befreiende Lachen, das der polnischen historischen Tragik angepasst werden müsse. In erster Linie könne das erreicht werden, wenn es gelänge, emotional und intel­lektuell von der Heimat bzw. dem Vater­land (ojczyzna) Abstand zu nehmen. Erst dann könne man auch nach außen frei wirken, freier schaffen und mit dem eigenen literarischen Schaffen international Aufmerksamkeit erzie­len.[26] Deshalb müssten die Polen aus dem histori­schen Käfig, in den man sie unfreiwillig gesteckt hatte, befreit werden. Gerade die Schriftsteller müssten sich in die­sem Prozess besonders engagieren, selbst zur Zer­störung historischer Mythen beitragen und sich auf Probleme der Gegenwart kon­zentrieren. Dabei sieht Gombrowicz in der Geschichte eine ererbte Bürde, die die Polen zwinge, sich immer wieder der „his­to­rischen Deduktion” an­zugleichen anstatt die eigene, reale Wirk­lichkeit zu leben.[27]

 Gombrowiczs Attacken galten in erster Linie dem „erstrangigen unter den zweitran­gigen polnischen Schrift­stel­lern”, Henryk Sienkiewicz,[28] und er stellte die Frage, was unter (schöngeistiger) Literatur eigentlich zu verstehen sei: „Fiktion?, Lüge? Selbstbe­trug? Geistige Ausschwei­fung?”[29] Sienkiewicz habe sich in seinen historischen Romanen nicht einmal fünf Minu­ten um die absolute Wahrheit geküm­mert. Im Gegenteil: Sienkie­wicz gehöre nicht zu denje­nigen polnischen Schrift­­stel­lern, welche die aufge­setzten his­torischen Masken herunterreißen, um zur Wahrheit vorzudringen, sondern er setze viel­mehr bewusst falsche historische Mas­ken auf, allein um zu gefallen. Dabei sei die Ver­brüderung mit dem einfachen Volk und des­sen simple Vorstellungswelt für Sien­kiewicz wichtiger, als die historische Wahr­heit. Aus diesem Grunde die geistige Bildhaf­tigkeit und Anschaulichkeit in seinen histori­schen Werken, die flache, idealisierte und mytho­lo­gisierte Geschichte, des­halb die einfa­chen Hindernisläufe seiner jungen, zumeist schönen und edlen Prot­ago­nisten zum Endziel des Altars, seine den Massenleser zufrie­denstellenden klei­nen und gro­ßen Happy-Ends.

Deshalb auch die so oft vorgenommenen historischen Schön­heitsoperatio­nen, die naiven Illusionen, die Kraftmeierei „zur Erbau­ung der Herzen” (dla pokrzepie­nia serc). Neben der Nation stehe bei Sienkiewicz Gott sowie die mächtige katholi­sche Kir­che, meint Gombrowicz. Und damit befinde sich der Verfasser der Trilogie in perfekter Har­mo­nie mit der patriotisch-vaterländischen und par excellence mora­li­sierenden polni­schen Literatur, denn alles, was ein solcher Schriftsteller zu Papier bringe, schreibe er im „Na­men der Nation und Gottes, Gottes und der Nation”. Am polnischen Patriotismus, einfach und behende in seinen Anfängen, blutig und gewal­tig in seinen historischen Fol­gen, be­trank sich das Polen Sienkiewiczs bis zur Bewusstlo­sigkeit. Gegenüber den äuße­ren Ge­schehnissen wurde die polnische Seele immer unemp­findlicher, ihre selbstgefälli­gen Vor­stellungen glichen immer mehr der Rüstung eines Don Quichote, dem man besser kei­nen Schlägen von außen versetzen sollte.[30] Ohne Zweifel ist es Sienkiewicz gelungen, die See­len seiner Leser zu erobern und deren Vorstellungs­kraft nachdrücklich zu beein­flussen.

Der Zweck heiligte die Mittel, und zwar in einem solchen Maße, dass Sienkie­wicz – Czeslaw Milosz zufolge – die Beziehungen zu den wichtigsten Nachbarvöl­kern der Polen, den Ukrainern im Osten und den Deutschen im Westen, für Gene­ra­tionen mit Erfolg vergiftete. Dazu gehören die historischen Romane ›Mit Feuer und Schwert‹ und ›Die Kreuzritter‹, die mit dazu beigetragen haben, die ste­reoty­pen Vorstellungen von den Ukrainern als ruchlose Verräter und von den Deutschen als grausame, herzlose Kreuz­ritter im polnischen Bewusstsein aufrecht zu erhalten. (Man denke dabei nur an die Gelöbnisse der polnischen Pfadfinder an den nach 1945 überall in Polen entstehenden Denkmälern des glorreichen polnisch-litaui­schen Siegs in der Schlacht von Grunwald/Tan­nenwald über die teutonischen Rit­ter, an die alten und neuen Verfilmungen Sienkie­wiczscher Werke). „Wenn die Literatur­geschichte den Einfluss der Kunst auf die Men­schen als Kriterium akzep­tie­ren würde”, schreibt Gombrowicz, „dann müsste Sien­kie­wicz, dieser Dämon, diese Kata­strophe unseres Verstandes, dieser Schäd­ling, in ihr einen fünf Mal grö­ßeren Platz als Mickiewicz einnehmen. (...) Denn Sienkie­wicz, das ist der Wein, an dem wir uns berauschten und bei ihm begannen unsere Herzen höher zu schla­gen... und mit wem man sich auch immer unterhielt, mit einem Arzt, einem Arbeiter, einem Pro­fessor, einem Adligen, einem Beamten, immer kam man auf Sienkie­wicz zu sprechen, Sien­kiewicz als das intimste Geheimnis des polnischen Geschmacks, des polni­schen ›Schön­heitssinns‹.[31]

Um das geheimgehaltene, das kompromittierende Liebesverhältnis der Polen zu Sienkiewicz zu verstehen, muss man – laut Gombrowicz – auch auf das Problem der pol­ni­schen Schönheit eingehen. Schön, attraktiv, verführerisch und begehrt zu sein, das würde gerade auf die ›Mutter Polen‹ (Matka Polka) zutreffen. Je schwächer, je bedrohter ein Volk in seiner Existenz sei, desto stärker schien das Gefühl ausge­prägt zu sein, gefal­len zu wollen, meint Gombrowicz. Und tatsächlich war Polen nicht ,everybody’s darling‹. Aus diesem Grunde sollten die polnischen Schriftsteller die Aufmerksamkeit auf ihr Land lenken nach dem Motto: Diskriminiert und unter­drückt mich nicht, sondern liebt mich!

Der herausgestellten eigenen Schönheit bedurfte es aber auch, um an sich selbst Gefallen zu finden, um im Namen der Eigenliebe der äußeren, fremden, feindlichen Welt Paroli bieten zu können. Dabei ist der literarische „salon de beauté” à la Sien­kiewicz als Ergeb­nis eines langen Prozesses aufzufassen. Wer die Geschichte der selbst erklärten polni­schen Schönheit und Tugend nicht kennt, der wird nur wenig von Polens großen heroi­schen Niederlagen und Triumphen verstehen. Bereits Adam Mickiewicz war es mit Hilfe seiner literarischen Werke gelungen, in Zeiten des nationalen Unglücks einen Bei­trag zur Linderung des polnischen Leides zu leis­ten, dabei zu einer neuen, unschuldigen und tugendhaften Schönheit zu gelangen und im Widerspruch zum wahren Verlauf der Geschichte für seine Leser tröstende Visionen zu entwerfen, die in der polnischen Litera­tur zahlreiche Nachahmer fan­den. Diese literarischen Bilder von Schönheit und Harmonie trugen dazu bei, dass die Polen geistig mit sich selbst einig sein konnten. Das bestätigte u.a. das wunder­volle, mär­chenhafte Ende des polnischen Nationalpoems ›Pan Tadeusz‹, ein Happy-End wider alle historischen Erkenntnisse, das im nationalen Zusammenhalt, in der nationalen Solidarität, im patriotisch-polnischen „Lieben wir uns” (kochajmy sie) und einer brillanten Polonaise gipfelt.

Der historischen Wahrheit ins Auge zu schauen, das konnte und durfte in Zei­ten nationaler Bedrängnis nicht Aufgabe eines wahren polni­schen Dichterpropheten sein. Der Ästhetik des Schmutzigen und Hässlichen wurde die Ästhetik des Un­schuldigen und Schönen entgegengesetzt. Die Interpretation und Darstel­lung der Geschichte sollte zuvor­derst den Interessen des Volkes entsprechen und glich aus diesem Grunde einem „wishful thinking”: „Weil wir die Unabhängigkeit verloren haben und schwach waren, wurde unsere Schwäche mit dem Federbusch der Ro­mantik dekoriert, wurde aus Polen der Christus der Völker gemacht, wurde unsere christliche Tugend dem Unrecht der Tei­lungsmächte entgegengestellt und die Schönheit unserer Landschaften besungen”, schreibt Gombrowicz in seinem Tage­buch (Dziennik).[32]

Ob es allerdings bei der heutigen stark individualisierten und korrigierenden Sicht auf die Geschichte – wie beispielsweise in Magdalena Tullis Roman ›In Rot‹ oder in Marek Lawrynowiczs Buch ›Der Teufel auf dem Kirchturm‹ – bleibt, oder ob es in der Zukunft erneut zu einem Wiederaufleben romantischer Mythen und verklärter Ge­schichts­auffas­sungen in der literarischen Narration kommen kann, das wird allein die Zeit zeigen.

Literaturliste

a) Primärliteratur

Andrzejewski, Jerzy, 1956: Ciemnosci kryja ziemie, [dt. 1961: Finsternis bedeckt die Erde, München], Warszawa.

Brandys, Kazimierz, 1956: Obrona Grenady, [dt. 1959: Die Verteidigung Granadas], Warszawa.

Brandys, Kazimierz, 1958: Matka Królów, dt. 1959: Die Mutter der Könige, Köln, Berlin 1959, Warszawa.

Braun, Andrzej, 1957: Pieklo wybrukowane, Warszawa dt. 1958: Die gepflasterte Hölle, Stuttgart, Warszawa.

Chwin, Stefan, 1995: Hanemann (dt. 1997: Tod in Danzig, Berlin), Gdansk, War­szawa.

Chwin, Stefan, 2000: Esther (dt. 2000 Die Gouvernante, Berlin), Gdansk, War­szawa.

Giedroyc, Jerzy; Jelenski, Konstanty, 1995: Listy 1950-1987 (Briefe 1950-1987). War­szawa.

Herling-Grudzinski, Gustaw, 1983: Ksiegi Narodu Polskiego i Pielgrzymstwa Pol­skiego na nowej emigracji Die Bücher des polnischen Volkes und der polnischen Pilgerschaft in der neuen Emigration) In: Ders. 1983: Wyjscie z milczenia (Ausweg aus dem Schwei­gen). Warszawa.

Gombrowicz, Witold, 1956/86: Dziennik 1953-1956 (dt. Das Tagebuch 1953-1956, Pful­lingen), Paris/Warszawa.

Huelle, Pawel, 1987: Weiser Dawidek (dt. 1995: Weiser Dawidek, Frankfurt am Main), London.

Huelle, Pawel, 1996: Pierwsza milosc i inne opowiadania (dt. 2000: Silberregen. Danzi­ger Erzählungen, Berlin), London.

Kolakowski, Leszek, 1992: Filozofia historii czy historia filozofii (Philosophie der Geschichte oder Geschichte der Philosophie). In: Ders.: Historia i wyobraznia. Stu­dia ofiarowane Bronislawowi Baczce (Geschichte und Phantasie. Studien Bro­nislaw Baczka gewidmet), Warszawa.

Libera, Antoni, 1998: Madame (dt. 2000: Madame, München), Kraków.

Lawrynowicz, Marek, 1998: Diabel na Dzwonnicy (dt. 2000: Der Teufel auf dem Kirch­turm, München), Warszawa.

Mickiewicz, Adam, 1834: Pan Tadeusz, (dt. 1882: Herr Thadäus oder der letzte Einritt in Litauen, Leipzig), Kraków, Warszawa.

Mieroszewski, Juliusz, 1961: Program UBL (Das UBL-Programm (Ukraine, Bela­rus, Litauen). In: „Kultura” Nr. 1-2, Paris.

Milosz, Czeslaw, 1984/1988: Nieobjeta ziemia (Unerfasstes Land). Paris/Kraków.

Odojewski, Wlodzimierz, 1973: Zasypie wszystko, zawieje ..., (dt. 1977: Katharina oder Alles verwehen wird der Schnee, Wien 1977), Paris.

Pilch, Jerzy, 1993: Spis cudzoloznic. Proza podrózna (Das Verzeichnis der Fremd­gän­ge­rinnen. Reiseprosa), London.

Sienkiewicz, Henryk,1884: Ogniem i mieczem, (dt. 1913: Mit Feuer und Schwert, Ber­lin), Warszawa.

Sienkiewicz, Henryk, 1886: Potop (dt. 1905: Die Sintflut, Berlin), Warszawa.

Sienkiewicz, Henryk, 1888: Pan Wolodyjowski (dt. 1905: Der kleine Ritter. Herr Wolo­dyjowski, Berlin), Warszawa.

Siemion, Piotr, 2000: Niskie laki (dt. Picknick am Ende der Nacht, Berlin 2000), War­szawa.

Tulli, Magdalena, 1998: W czerwieni (dt. 2000: In Rot, Stuttgart, München), War­szawa.

Zagajewski, Adam, 1986: Solidarnosc i samotnosc, (dt. 1986: Solidarität und Ein­samkeit, München), Paris.

b) Sekundärliteratur

Burkot, Stanislaw, 1997: Literatura polska w latach 1986-1995 (Die polnische Lite­ratur in den Jahren 1986-1995), Kraków.

Dybciak, Krzysztof (Hrsg.), 1988: Polen im Exil, Frankfurt am Main.

Fiut, Aleksander, 1995: Ucieczka od historii (Flucht aus der Geschichte). In: Ders.: Pytanie o tozsamosci, Kraków.

Janion, Maria: 1991: Projekt krytyki fantazmatycznej. Szkice o egzystencjach ludzi i duchów. (Das Projekt einer phantasmagorischen Kritik. Skizze über menschliche und geistige Existenzen), Warszawa.

Janion, Maria/Zmigrodzka, Marta, 1978: Romantyzm i historia (Romantik und Geschichte), Warszawa.

Kerski, Basil/Galecki, Lukasz, 2000: Die polnische Emigration und Europa 1945-1990. Eine Bilanz des politischen Denkens und der Literatur Polens im Exil, Osna­brück.

Kolbuszewski, Jacek, 1995: Kresy (Grenzland), Wroclaw.

Kuninski, Milowit, 1993: Historiozofia zywiolowa a upadek komunizmu (Die ele­mentare Historiosophie und der Fall des Kommunismus. In: Czy historia moze sie cofnac? (Kann sich die Geschichte zurückziehen?), hg. v. B. Lagowski, Kraków.

Molik, Witold, 1998: „Noch ist Polen nicht verloren”. In 1998: Mythen der Natio­nen. Ein europäisches Panorama, Berlin.

Pol, Wincenty, 1875: Historyczny obszar Polski (Das historische Gebiet Polens), Lwów.

Ricoeur, Paul, 1985: Vers une herménetique de la conscience historique. In: Ders.: Temps et récit, III, Le temps raconté, Paris.

Wyka, Kazimierz, 1974: Powiesc piastowska Der Piastenroman. In: Pogranicze po­wiesci (Grenzraum des Romans), 2. Ausgabe, Warszawa.

Zawada, Andrzej, 1996: Milosz, Wroclaw 1996.

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Anmerkungen

 [1]       Janion/Zmigrodzka 1978, 30.

 [2]       Wyka, 1974.

 [3]       Zagajewski 1986.

 [4]       Kuninski 1993, 23.

 [5]       Fiut 1995, 187-202.

 [6]       Janion 1991, 6.

 [7]       Libera 1998, 3.

 [8]       Siemion 2000, 14.

 [9]       Burkot 1997, 80ff.

 [10]     Ricoeur 1985, 26.

 [11]     Kolakowski 1992, 35.

 [12]     Kolbuszewski 1995, 205.

 [13]     Kolbuszewski 1995, 210.

 [14]     Dybciak 1988, 302.

 [15]     Herling-Grudzinski 1983, 30.

 [16]     Milosz 1984/88, 68.

 [17]     Giedroyc Jelenski, 1995, 433 ff.

 [18]     Mieroszewski 1961, 107.

 [19]     Kerski/Galecki 2000, 110.

 [20]     Kerski/Galecki 2000, 80.

 [21]     Kerski/Galecki 2000, 110 ff.

 [22]     Molik 1998, 295-320.

 [23]     Zawada 1996, 205.

 [24]     Gombrowicz 1971/1986, 59.

 [25]     Gombrowicz 1971/1986, 26, 28.

 [26]     Gombrowicz 1971/1986, 163.

 [27]     Gombrowicz 1971/1986, 137.

 [28]     Gombrowicz 1971/1986, 352.

 [29]     Gombrowicz 1971/1986, 239.

 [30]     Gombrowicz 1971/1986, 360-61.

 [31]     Gombrowicz 1971/1986, 361 ff.

 [32]     Gombrowicz 1971/1986, 356.

Inhalt

1. Zum besonderen Geschichtsverhältnis der polnischen Literatur

2. Zur Flucht aus der Geschichte in der polnischen Gegenwartsliteratur

3. Welchen Beitrag leistete die polnische Exilliteratur im Prozess der ›Flucht aus der Geschichte‹?

4. Zur Auseinandersetzung mit Henryk Sienkiewicz

Literaturliste

a) Primärliteratur

b) Sekundärliteratur

Impressum zu dieser Seite:

Aus: Lothar Nettelmann / Dariusz Adamczyk, Hrsg.: Zur Frage einer polnischen Nationalkultur - Index - Polen in Europa: Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft.
Beiträge der Tagung »Zur Frage einer Polnischen Nationalkultur« der Deutsch-polnische Gesellschaft Hannover e.V. im Oktober 2001.

Schriftenreihe des UNESCO-Clubs für die UNESCO-Schule am Maschsee, Bismarckschule Hannover, e.V. [ISSN 0945-1536], Sonderheft 1 / 2002. Texte aus der Arbeit der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Hannover e.V. –
Buchausgaben vergriffen. [ISBN 3-93030307-10-3] –

Index – Durchgesehen Fassung. Alle Rechte vorbehalten. Verwendung im Schul- und Bildungsbereich zugestanden. Jede weitere Verwendung nur mit ausdrücklicher Zustimmung der Autoren beziehungsweise des Herausgebers, UNESCO-Club für die UNESCO-Schule am Maschsee, Bismarckschule Hannover, e.V. –

Verantwortlich für die Internet-Publikation: Gerhard Voigt, OStR i.R.

Revidierte Neupublikation: letzte Durchsicht 19.02.2011

   
   

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Letzte Bearbeitung: 19.02.2011

   
   

 

     
   

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