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Elwira Sliwinski:

Konflikte zwischen Polen und Ukraine

Geschichte und Gegenwart

Schülerreferat im Erdkunde-Leistungskurs Klassenstufe 13, Schuljahr 2001/2002, Bismarckschule Hannover, zur Vorbereitung einer Studienfahrt nach Ostpolen / Kraków im Herbst 2001

Da in Westen und Osten (Polen und Russland ) natürliche Grenzen fehlten, hatte das schlimme Auswirkungen auf die Geschichte der Ukraine. Diese offene Grenzen ermöglichten Großmächten im Westen wie Polen ,Ungarn, Österreich und Russland Teile der Ukraine unter ihre Herrschaft zu bringen.

Von 16. – 18. Jahrhundert gehörten weite Teile der Ukraine (Wolhynien und Polesien) zu Polen – Litauen.

Doch die Einnahme der Ukraine hatte auch historisch –politische Ursachen. Schon in der Mitte des 14 Jahrhunderts fiel das westliche Randgebiet der Ukraine an das Königreich Polen, das von den Polen Galizien genannt wurde. So blieb Galizien bis zur ersten Teilung bei Polen. Im Laufe des 15 Jahrhunderts trat der höhere Adel von Galizien zum römisch – katholischen Glauben über und musste sich auch der polnischen Sprache und der polnischen Kultur anpassen. Die ukrainischen Länder wurden aus dem Gebiet des Großfürstentums Litauen ausgegliedert und unter polnische Herrschaft vereint.

Die polnische Ukraine wurde dann in Wojewodschaften aufgeteilt in polnische Verwaltung eingegliedert.

Wegen der Attraktivität des Adelsstandes ging die Mehrheit der ukrainischen Adligen bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts in die katholische Schlachta ein, die die politische Nation des Königreichs bildete. Nur wenige ukrainische Adlige blieb orthodox.

Somit wuchs die Kluft zwischen den polnischen Adel der privilegiert war und den benachteiligten ukrainischen Grundschichten. Aufgrund dieses Prozesses verlor die Ukraine den größten Teil ihrer politischen und sozialen Elite.

Der polnische sowie polonisierte ukrainische Adel bauten ihrer Stellung gegenüber anderen Ständen immer weiter aus. Circa ¾ Boden der rechtsufrigen Ukraine gehörte etwa 40 Magnatenfamilien.

Polen war weiterhin nicht bereit, die Ukraine als eigenständiges Land anzuerkennen. Deshalb versuchte es Ukraine zu schwächen, indem es die Ukrainer nicht als einheitliches Volk zu betrachten, sondern es in Großtruppen (Ruthenen, Lemken, Bojhen...) spaltete. Römisch-katholische Ukrainer wurden als Polen klassifiziert.

Diese Polnisierung vollzog sich auf unterschiedliche Ebenen, doch am wichtigsten war der kulturelle Bereich. Es wurden beispielsweise zweisprachige polnisch-ukrainische Schulen eingerichtet, in denen die polnische Sprache dominierte. In der Verwaltung war polnisch die Staatssprache und die polnische Regierung machte Veränderungen auch in der Boden – und Siedlungspolitik: Polnische Bauern wurden nach Wolhynien umgesiedelt, die finanzielle Unterstützung erhielten. Die ukrainischen Gebiete Polens blieben aber vorwiegend agrarische Randgebiete mit einer wenig entwickelten Industrie.

Die lange polnische Herrschaft wird von der Ukraine als soziale und konfessionelle Unterdrückung empfunden. Ende des 18. Jahrhunderts kam es aufgrund der polnischen Teilung zum Ende der polnischen Herrschaft.

Doch der polnische Adel und die polnische Kultur hatten auch nach dem Zusammenbruch Polens und seiner mehrfachen Teilungen, immer noch Einfluss auf die Ukrainer. Viele der Ukrainer lebten danach vorwiegend im russischen Reich und zum kleineren Teil in der Habsburger Monarchie (Ostgalizien, Bukowina). Obwohl die Zahl des ukrainischen Volkes in Ostgalizien das polnische überwog, war der größte Teil des Adels polnisch und in den Städten dominierten Juden und Polen.

Nach dem 1. Weltkrieg gehörte ein größter Teil der Ukraine zum wiedererstandenen Polen, das nicht mehr eine Adelsrepublik war, sondern sich als Nationalstaat verstand. Im Jahre 1923 verfolgte die polnische Regierung gegenüber der Ukraine eine Polnisierung. Doch die Ukrainer erhoben Widerstand gegen die polnische Politik, der sich in Wahlboykotts und anderen Untergrundaktivitäten äußerte. Seit 1924 kam es in östlichen Gebieten sogar zu einem richtigen Kleinkrieg, der noch von der Sowjetregierung unterstützt wurde.

Es entstand 1920 die Ukrainische Militärische Organisation (UVO), die mit terroristischen Mitteln gegen die polnische Herrschaft ankämpfte. Es wurden polnische Gutshöfe verbrannt und Attentate auf polnische Politiker verübt. Neben der UVO gab es auch die Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN), die zahlreiche junge Anhänger besaß. Diese Organisation plante vom Jahre 1930 auch terroristische Anschläge auf polnische Institutionen, Beamte und Gutsherren..

Die polnische Regierung reagierte darauf mit Verhaftungs- und Einschüchterungsmaß- nahmen. Man ging vor allem sehr scharf gegen die orthodoxe Kirche, indem man sie zwang im Gottesdiensten, die polnische Sprache zu benutzen. Im Jahre 1938 wurde ein großer Teil der orthodoxen Kirchen niedergerissen.

1939 wurde dann Ostgalizien von sowjetischen Truppen besetzt, die sowohl ukrainische als auch polnische Organisationen verboten. Damit war die Dominanz der Polen in der Westukraine verschwunden. Die sowjetische Führung betonte immer wieder die Ukraine von der polnischen Herrschaft befreit zu haben, so dass die Ukrainer die sowjetische Besetzung als Verbesserung ihrer Lage verstanden.

Doch der deutsche Angriff auf die Sowjetunion beendigte 1941 diese sowjetische Eroberung der Ukraine, da jetzt Deutschland und Ungarn die Ukraine einnahm. So auch in dieser Situation hoffte der größere Teil der ukrainischen Bevölkerung wieder auf eine Besserung ihrer Lage. Diese Hoffnung wurde zunichte gemacht. Die deutsche Besatzungsmacht spielte die Westukraine bewusst gegen die Polen aus. Jetzt kämpfte Deutschland zwar gegen die Sowjetunion und Polen, doch es war nicht Hitlers Absicht die Ukraine als gleichberechtigten Partner anzuerkennen. Die Ukraine sollte als Kolonie fungieren und von der deutschen „Kriegswirtschaft“ ausgebeutet werden.

Als 1943 die Rote Armee die Ukraine wiedereroberte, wurden die ukrainischen Gebiete noch mal unter sowjetische Herrschaft gebracht. Somit war die Ukraine als Hauptschauplatz des 2. Weltkrieges weitgehend zerstört. Die Ukraine kämpfte sehr lange für ihre Unabhängigkeit, die erst 1991 in Kraft trat.

Das stark belastete Verhältnis zu Polen stabilisierte sich wieder und die Polen erkannten die Unabhängigkeit der Ukraine an. 1992 schloss Ukraine mit Polen ein Friedensvertrag ab und 1996 ein „Memorandum über strategische Partnerschaft“.

Dennoch könnte es aussehen, als ob der ukrainisch-polnische Krieg immer noch andauern würde, da man sich in der ukrainischen und polnischen Zeitung um folgende Fragen fechtet. Z.B ob Lwiw eigentlich eine polnische und Przemysl eine ukrainische Stadt ist und was mit der „Osslineum Bibliothek“ in Lwiw und was mit Zeugnissen der ukrainischen Kultur in Polen geschieht.

Die ukrainischen Medien liefern außerdem kein angemessenes Bild über ukrainisch-polnische Beziehungen. Gleichzeitig kommen noch Faktoren dazu, die künftig die polnisch- ukrainische Beziehungen stark belasten könnten.

Der wichtigste Faktor wäre das Transformationstempo der beiden Länder. Da Polen ein höher Einkommen las die Ukraine besitzt, wird dort die Binnen-Nachfrage gestärkt und somit die polnische Wirtschaft und Infrastruktur besser entwickelt. Der polnische Wohlstand könnte sich als Ursache für künftige Konflikte herausstellen.

Ein anderer Faktor ist die Religion. Die Beziehung der römisch-katholischen Kirche in Polen und der griechisch-katholischen in der Ukraine wird durch verdrängte historische Gegensätze bedrückt. „Die meisten Skandale und Missverständnisse zwischen Polen und der Ukraine erwachsen heutzutage aus dem unsinnigen Konkurrenzkampf der beiden Gemeinden um die Sympathie der Laien...“

Um die Konflikte zu schlichten sollte man sich um wirkliche Verständigung der beiden Staaten bemühen. Günstig für die polnisch-ukrainischen Beziehungen wäre eine konkurrenzfähige Ukraine zu schaffen, in der bessere Lebensbedingungen herrschen.

Diese Aufgabe sollte das ukrainische Parlament übernehmen und die Wirtschaft in eine Marktwirtschaft umzuforen. Notwendig wären aber auch progressive Gesetze, die verabschiedet werden müssten. Als nächstes wäre wichtig, dass die beiden Länder mehr über sich erfahren sollten, z.B Kultur, „denn im kulturellen Bewusstsein der meisten Ukrainer ist Polen praktisch abwesend.“ Es sind dennoch Fortschritte in der Verständigung vorhanden. Polnische Studenten werden gefördert, über die Ukraine zu schreiben, aber auch ukrainische und polnische Schüler diskutieren über gemeinsame Geschichte (das sowjetische Regime), über Konflikte etc. Man ist deshalb optimistischer geworden, dass die Ukraine ein gleichberechtigtes Mitglied der EU. Dabei sollte Polen eine wichtige Rolle gespielt haben.

Quellenangabe:

Andreas Kappeler: Kleine Geschichte der Ukraine, München 1994 S. 18, 44-47, 102-105,206-212,217,218,270

http://www.ji-magazine.lviv.ua/HBSconf-may2001/texts/stempien-de.htm

http://www.ji-magazine.lviv.ua/n12texts/pavlyshynger.htm

 

Redaktionelle Anmerkung:

In der Vorbereitung der Studienfahrt nach Kraków/Polen wurden mehrere Referate zur Geographie und Geschichte des ost- und ostmitteleuropäischen Raumes gehalten, deren Texte hier veröffentlicht werden. Für die inhaltliche Gestaltung sind die jeweiligen Referentinnen und Referenten verantwortlich.

Die Vorbereitung und Auswertung der Studienfahrt erfolgte im Rahmen des »Arbeitsschwerpunktes Polen« zum Thema »Länderübergreifende elektronische Partnerschaften / Begegnung mit Polen« im Projekt InfoSCHUL II-2 im Schulverbund Hannover / gefördert durch das BMB+F

Impressum für diese Seite

Erstellt im Rahmen des Unterrichts an der Bismarckschule Hannover. An der Bismarckschule 5. D 30173 Hannover. Leistungskurs Erdkunde Schuljahr 2001/2002 / Lehrer: OStR Gerhard Voigt.

Referat zum Rahmenthema „Transformationsländer“. Studienfahrt nach Kraków, Herbst 2001.

Autorin: Elwira Sliwinski.   

Veröffentlicht im Internet im April 2002 unter

http://www.unesco-club-hannover.de .

Vergleiche auch:

http://www.Bismarckschule.de .

Verantwortlich: Gerhard Voigt, OStR i.R.

Bismarckschule.Voigt@gmx.de.

http://www.voigt-bismarckschule.de - Vgl. Impressum

Alle Urheberrechte vorbehalten. Freie Verwendung für Zwecke der Bildung und Ausbildung in Schulen und Hochschule ist zugestanden.

IV/02/Voigt / v. 19.06.02 

Internetpublikation revidiert am 20.07.2009

   
   

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Gerhard Voigt, OStR i.R. - Kontakt vgl. Impressum

bismarckschule.voigt@gmx.de

Bearbeitungsstand: 25. 07 2005.

Letzte Bearbeitung: 06.01.2011

   
   

 

     
   

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