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Vgl. auch: Reisebericht 1994 - Informationen zu Krakau / Kraków
und Fototagebuch Polen

Alexander Spengler

Krakau

Stadtgeschichte und Stadtstruktur

Schülerreferat im Erdkunde-Leistungskurs Klassenstufe 13, Schuljahr 2001/2002, Bismarckschule Hannover, zur Vorbereitung einer Studienfahrt nach Ostpolen / Kraków im Herbst 2001

Krakau/Kraków:

747000 Einwohner, 120000 Studenten, 13 Hochschule,
13 Theater, 38 Museen,
24 Klöster, 3 buddhistische Gemeinden, 160 katholische Kirchen,
15 Priesterseminare, 27 Krippenbauer, 
7 Synagogen, davon eine noch in Nutzung,
30 Milchbars, über 350 Restaurants in der Altstadt

1.   Geschichte der Stadt Krakau

Der Beginn der Siedlungsgeschichte im Bereich der heutigen Stadt Krakau reicht bis auf das 8./9. Jahrhundert zurück. Mit der Herrschaft der Piasten, der ersten polnischen Führerdynastie, erfolgte gegen Ende des 10. Jahrhunderts die Christianisierung der Stadt, welche durch den Bau des Krakauer Bistums im Jahre 1000 symbolisiert wurde. Im 11. Jahrhundert übernahm die Stadt Krakau erstmals Hauptstadtfunktionen, die sie – nach einer Unterbrechung während der Zeit der Teilfürstentümer – wieder seit dem 14. Jahrhundert ausübte. Im 12. Jahrhundert entstand auf einer felsigen Anhöhe namens Wawel eine Burg mit einer dazugehörigen Marktsiedlung. Am Nordfuße dieser felsigen Anhöhe gab es eine befestigte Handwerkssiedlung, genannt Okół. Für ihre Entwicklung war die vorteilhafte topographische Lage an einer Weichselfurt und an der Kreuzung von zwei wichtigen Fernhandelswegen, die von Süddeutschland über Prag nach Kiew und von der Ostsee über Ungarn nach Südeuropa verliefen, entscheidend. Der wirtschaftliche Aufschwung Krakaus begann mit der Anlage einer städtischen Gemeinde nördlich der bestehenden Siedlungen, die mit Magdeburger Stadtrecht ausgestattet wurde (1257). Wie für „Kolonisationsstädte“ typisch, erhielt die Stadt einen schachbrettförmigen Grundriss. Dieser wurde im südlichen Teil durch die Einbeziehung früherer Siedlungen jedoch leicht abgewandelt. Den zentralen Mittelpunkt der ca. 50 ha großen Anlage bildete der fast quadratische, ca. 200 x 200 m große Hauptring (Rynek Glowny), auf dem sich vielerlei Geschäfte abspielten. Die Mehrheit der Einwohner bestand zunächst aus deutschstämmigen. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts wurde durch König Wladislaw Lokietek versucht, die wachsende wirtschaftliche und politische Macht der Bürgerstadt einzudämmen.

König Kasimir der Große, der Nachfolger von Lokietek, gründete in unmittelbarer Nähe Krakaus zwei Konkurrenz-Städte: im Süden Kazimierz (1335) und im Norden das kleinere Florentina, welches später in Kleparz umbenannt wurde (1366). Die Stadt Kazimierz, die recht großzügig geplant war – vor allem der Marktplatz – erhielt ebenfalls eine Wehrmauer. Im Jahre 1364 wurde in Kazimierz von Kasimir dem Großen die erste Universität Polens gegründet, die aber um 1400 von den Jagiellonen nach Krakau verlegt wurde. Kazimierz und Florentina (Kleparz) entwickelten sich jedoch nie wirklich zu Konkurrenten von Krakau. Im Jahre 1495 zog die jüdische Bevölkerung, die aus Krakau ausgewiesen und vertrieben wurde nach Kazimierz, wo sie auch fortan lebte.

Im 15. und 16. Jahrhundert wuchs die reiche Kaufmannsstadt Krakau zu einem bedeutsamen geistigen Zentrum, in dem Handwerker und Künstler (wie zum Beispiel Veit Stoß) ebenso wie Wissenschaftler (unter anderem Nicolaus Kopernikus) aus Süddeutschland, Italien und anderen Teilen Westeuropas arbeiteten. Zu verdanken war dieses Wachstum der Entwicklung der Universität, des Druckereiwesens wie auch der Entstehung anderer kultureller Institutionen. Häufig wird das 15. und 16. Jahrhundert auch als das „Goldene Zeitalter“ bezeichnet, da während dieser Zeit Krakau durch deutsche und italienische Künstler in eine Renaissance-Stadt verwandelt wurde. Zwei der schönsten Bauwerke aus dieser Zeit sind das Wawel-Schloss und die Tuchhallen.

Mit dem Verlust der Hauptstadtfunktionen an Warschau im Jahr 1611, mit der Pest um die Mitte des 17. Jahrhunderts und mit der Besetzung von fast ganz Polen durch schwedische Truppen begann der wirtschaftliche Abstieg Krakaus. Ein Aufstand unter Führung von General Tadeusz gegen die drohende Besetzung der Stadt Krakau schlug fehl. Des Weiteren trugen auch die in unmittelbarer Nähe Krakaus, hauptsächlich vom Adel gegründeten Juridiken (Stadtteile, die zum Privateigentum von Adel oder Klerus gehörten und nicht der Gerichtsbarkeit der Städte unterlagen) zur Schwächung der Wirtschaft und insbesondere des Handwerks bei. Besonders deutlich äußerte sich der Niedergang der Stadt im Bevölkerungsrückgang. Während Krakau Mitte des 17. Jahrhunderts 16750, mit Vororten ca. 30000 Menschen zählte, hatte die Stadt 100 Jahre später nur noch 7000 Einwohner. Im Jahre 1783 wurde von den Österreichern auf dem rechten Weichselufer eine neue Stadt gegründet. Diese Stadt wurde Josephstadt genannt und ist der spätere Vorort Podgórze. 1792 erweiterte man das Stadtgebiet Krakaus um die Städte Kleparz und Kazimierz sowie um alle 16 Juridiken.

Während der dritten und letzten Teilung Polens im Jahr 1795 (voraus gingen die Teilungen 1772 und 1793) wurde Krakau zunächst Österreich zugeschlagen. 1809 wurde die Stadt dem autonomen Großherzogtum Warschau angegliedert. Nach dem Wiener Kongress 1815 war Krakau dann eine selbstständige Stadtrepublik, die jedoch von Österreich, Russland und Preußen kontrolliert und beaufsichtigt wurde. Begünstigt durch die Zollfreiheit, die die Stadtrepublik genoss, vollzog sich ein wirtschaftlicher und kultureller Aufschwung. Während dieser Zeit wurden zahlreiche Arbeiten vorgenommen, um das Erscheinungsbild der Stadt zu verändern. So wurde unter anderem die aus dem Mittelalter stammende Stadtmauer fast vollständig abgetragen und an ihre Stelle Grünanlagen, die auch als „Planty“ bezeichnet werden, angelegt. Heute umschließen diese Grünanlagen ringförmig die Altstadt. Im Jahre 1846 verlor Krakau abermals seine Selbstständigkeit an Österreich. Zwischen 1847 und 1870 wurde Krakau mit dem Eisenbahnnetz verbunden. Es entstanden Verbindungen mit Lemberg (1856-1870), mit Breslau über Oberschlesien (1847) und mit Warschau über Tschenstochau (ebenfalls 1847). Durch die relativ liberale Nationalitätenpolitik der Österreicher wurde eine Stärkung der geistig-kulturellen Funktionen Krakaus begünstigt. Es wurde die Universität erweitert und es wurden Theater, Museen und Druckereien erbaut. Außerdem entstanden zahlreiche wissenschaftliche und kulturelle Institutionen und Gesellschaften. Obwohl Krakau damals ein bedeutendes Zentrum für Kultur und Handel und ebenso Garnisonsstadt war, blieb es, zumindest bis zum Ersten Weltkrieg, von der Industrialisierungswelle fast vollständig verschont. Im Jahr 1850 begannen die Österreicher Krakau in eine Grenzfestung zu verwandeln. Zwischen 1850 und 1865 wurden in der Stadt neue Festungsanlagen gebaut. Dessen innerer Ring verlief mit einer Entfernung von lediglich einem bis anderthalb Kilometern vom Hauptmarkt. Da zudem eine feste Bebauung in dem 1,7 Kilometer breiten Vorfeld der Festungsanlagen untersagt war, wurde das räumliche Wachstum der Stadt für einige Jahrzehnte unterbunden. Im Jahr 1869 war Krakau 688 ha groß und hatte 49837 Einwohner. Bis 1900 wuchs die Zahl auf 85837 an. Nach der Verlegung des Festungsrings ins Umland und nach dessen späterer Abtragung konnte zwischen 1909 und 1915 das Stadtgebiet um mehrere Gemeinden und die Stadt Podgórze erweitert werden.

Seine dominierende Bedeutung als Zentrum nationaler Kultur verlor Krakau teilweise – zugunsten Warschaus – nach dem Ersten Weltkrieg. In einigen Bereichen der Kultur und Wissenschaft behielt Krakau jedoch eine der Hauptstadt gleichwertige Stellung. In der Zeit zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg vollzog sich ein Aufschwung im industriellen Bereich. Während sich die Industrie zum größten Teil in den östlichen Stadtteilen (z.B. Grzegórzki, Dąbie, Płaszów), im Süden der Stadt (z.B. Podgórze) sowie in den südlichen Vororten (z.B. Borek Fałęcki und Łagiewniki) ansiedelte, konzentrierte sich der Wohnbau in den westlichen Stadtteilen. In dieser Zeit entstanden in der Stadt mehrere Repräsentationsbauten, wie zum Beispiel die Jagiellonische Bibliothek und das Nationalmuseum. Im Jahr 1919 wurde in Krakau die Bergbau- und Hüttenwesen-Akademie gegründet, die bis heute die einzige Hochschule dieser Art in Polen ist. Zwischen 1921 und 1939 stieg die Einwohnerzahl von 183700 auf 259000 an.

Mit dem Einmarsch der deutschen Truppen am 6. September 1939 wurde Krakau zum Verwaltungs- und Germanisierungszentrum des Generalgouvernements. Unter Generalgouverneur Hans Frank, der im Königsschloss auf dem Wawel amtierte, wurden 184 Professoren und Mitarbeiter der Universität verhaftet sowie Schulen, Theater und Museen geschlossen. Die polnische Kultur und Wissenschaft war in den folgenden Jahren der Verschleppung und Vernichtung preisgegeben. Auch wenn die Stadt Krakau den Krieg weitestgehend unversehrt überstand, so brachte der Einmarsch der deutschen Truppen Tod und Leid für Tausende seiner Bewohner. So überlebte im jüdischen Ghetto im Krakauer Stadtteil Podgórze, in das zwischen 1941 und 1945 alle 70000 jüdischen Bewohner eingesperrt wurden, kaum ein Bewohner.

Am 18. Januar 1945 wurde Krakau, obwohl es bereits zur Sprengung freigegeben war, von der sowjetischen Armee befreit und somit wurde verhindert, dass die Stadt von der Wehrmacht in Schutt und Asche gelegt wurde. Während der folgenden 45 Jahre wurde die Stadt Teil eines sozialistischen polnischen Staates. Durch den Bau eines großen Hüttenwerks (Nowa Hutta) vor der Stadt und den Bau eines Stahlwerks wurde das konservative Bürgertum mit der Arbeiterklasse konfrontiert. Zwischen 1990 und 2000 fand ein politischer Systemwechsel statt; Demokratie und Marktwirtschaft wurden eingeführt. Mit der Rückgabe des 1945 konfiszierten Eigentums wurden Kirche und Adel zu den größten Grund- und Immobilienbesitzern der Stadt. Im Jahr 2000 präsentierte sich Krakau als europäische Kulturhauptstadt.

2.   Stadtstruktur

2.1 Innere Struktur der Stadt Krakau

Krakau bietet, da es während des Zweiten Weltkrieges nicht zerstört worden ist, ein interessantes Beispiel, an dem die räumliche Entwicklung und die Umgestaltung der inneren Struktur der Großstädte in Polen vom Mittelalter bis zur Gegenwart exemplarisch dargestellt werden kann.

Das innere Gefüge der Stadt Krakau ist ein Abbild seiner fast 1000-jährigen Entwicklungsgeschichte. Bis heute sind hier die ältesten Grundrissformen und die einzelnen Elemente der räumlichen Struktur erhalten geblieben.

Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts breitete sich Krakau in Form von konzentrischen Ringen aus, deren Verlauf durch die mittelalterlichen Wehrmauern und später die im 19. Jahrhundert errichteten Verteidigungsanlagen bestimmt wurden. Dementsprechend wies die Stadt eine klare, ringförmige (schalenartige) Gestalt auf, deren Kern durch die mittelalterliche Stadtanlage und die Wawel-Anhöhe mit dem Königsschloss gebildet wurde. Erst als zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Festungsring schrittweise abgetragen wurde, setzte sich eine neue räumliche Entwicklungstendenz durch. Die Stadt begann hauptsächlich entlang der Hauptausfallstraßen zu expandieren. Durch den Bau des Eisenhütten-Kombinats im Osten der Stadt wurde die ursprünglich konzentrisch-radiale Gestalt Krakaus stark verändert. Durch die seit dem vornehmlich in östlicher Richtung verlaufende räumliche Entwicklung wachsen die beiden gesonderten Strukturelemente des „alten“ Krakau und des neuen Industriekomplexes von Nowa Huta immer weiter zusammen.

Der über viele Jahrhunderte andauernde Prozess der Umgestaltung der inneren Struktur und des Wachstums der Stadt hat dazu geführt, dass sich fünf Zonen herausgebildet haben.

2.1.1 Kernzone

Die Kernzone wird gegenwärtig aus der Innenstadt und dem Wawel gebildet und umfasst eine Fläche von 0,89 qkm. Mitte der 70er Jahre wurde diese Fläche von 12400 Einwohnern bewohnt. Die Kernzone kongruiert mit dem mittelalterlichen Stadtgebiet. Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts wurde dieser Stadtteil beziehungsweise diese Zone durch die mittelalterlichen Wehrmauern und später durch den an dessen Stelle angelegten Planty (Grünring) von ihrem Umland abgegrenzt. Bis heute ist die Kernzone das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum und erfüllt nach wie vor zentrale Funktionen. Seit der Stadterweiterung im Jahre 1792 wurden hier immer mehr die Wohnfunktionen durch kommerzielle Nutzung verdrängt. Zahl und Dichte der Bevölkerung nahmen seitdem, mit Ausnahme des Zeitraums von 1945 bis 1960, kontinuierlich ab. Es entstand sozusagen ein „Bevölkerungskrater“ und es begann sich eine „City“ zu bilden, deren Entwicklung noch immer nicht abgeschlossen ist.

Neben dem Stadtkern (Kernzone) umfasst die Altstadt Krakaus auch einen südlichen Teil der Übergangszone, der hier durch die ehemals selbständige Stadt Kazimierz und die Vorstadt Stradom (1792 eingemeindet) repräsentiert wird. Die räumliche Integration dieser Siedlungskerne vollzog sich nach der Zuschüttung des Weichsel-Altarms und der anschließenden Anlage der heutigen Dietla Straße.

Die geschlossene, drei- bis vierstöckige Bauweise, die man in der Altstadt vorwiegend vorfindet, ist typisch für diese. Die meisten der Häuser, vornehmlich die Bebauungen in den Hinterhöfen im Stadtkern und zahlreiche Gebäude in Kazimierz, sind ruinös. Etwa ein Fünftel der Bausubstanz steht unter Denkmalschutz. Charakteristisch für solche Gebäude ist eine Mischnutzung. Das bedeutet, dass man etwa ein Drittel des Hauses als Wohnraum nutzt. Im Jahre 1970 befanden sich in etwa 80% aller kulturellen Einrichtungen und ca. zwei Drittel aller Einzelhandelsgeschäfte in der Altstadt.

Schon ab Mitte des 19. Jahrhunderts begann der Stadtkern sich in eine Art „City“ zu verwandeln. Es siedelten sich hier Banken, Handelsvertretungen und die Börse sowie Geschäfte des gehobenen Bedarfs an. Die zahlreich vorhandenen Restaurants, Nachtlokale und Kaffeehäuser wurden zu Begegnungsstätten der Krakauer Künstler. Heute sind die Geschäfte und die gastronomischen Betriebe zum größten Teil Eigentum vergesellschafteter Unternehmen. Nach dem Zweiten Weltkrieg schrumpfte das vorher umfangreich vorhandene Warenangebot stark ab. Geschäfte der Bekleidungs- und Textilbranche, Andenken- und Kunstgewerbegeschäfte sowie Buchhandlungen sind heute im Stadtkern führend. Der private Handel nimmt lediglich noch ergänzende Funktionen ein und beschränkt sich hauptsächlich auf Galanterieartikel und auf den Verkauf von Gemüse, Obst und Blumen. Im Jahr 1980 befanden sich im Stadtkern 73 gastronomische Betriebe, meist Cafés und Restaurants. Da immer mehr Hinterhofhäuser abgerissen werden, in denen sich häufig Handwerksbetriebe befinden, zieht sich das Handwerk immer weiter zurück.

Der mittelalterliche Stadtkern von Krakau steht auf der Liste erhaltenswerter internationaler Kulturgüter der UNESCO. An diesem Baukomplex werden seit 1960 Schritt für Schritt Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten vorgenommen. Da sie neben einem großen Arbeitsaufwand auch noch viel Geld erfordern, schreiten die Arbeiten nur sehr langsam voran. Im Jahr 1961 zum Beispiel gab man 37,5 Millionen Zloty aus der Staatskasse für diesen Zweck aus. Im Jahr 1979 belief sich die Summe sogar auf 455 Millionen Zloty. Die Bevölkerung spendete im gleichen Jahr 87 Millionen Zloty für Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten.

 2.1.2 Übergangszone

Die Übergangszone schließt sich an die Kernzone an. Ihre Außengrenze verläuft entlang des im 19. Jahrhunderts (1850-1865) errichteten Festungsringes. Somit liegt die Grenze etwa 1 bis 1,5 km vom Hauptmarkt entfernt. Heute verläuft an der Stelle des Festungsrings die zweite Ringstraße. Im Süden wird die Übergangszone von der Weichsel von der Außenzone abgegrenzt. Die Übergangszone zeichnete sich 1975 mit einer Fläche von 4,33 qkm und einer Bevölkerungszahl von 107200 durch die höchste Einwohnerdichte (24758 Einwohner/qkm) aus. Zum Bestand der Zone gehören die 1792 eingemeindeten Städte Kazimierz und Kleparz, alle 16 Juridiken sowie mehrere Vorstädte. Von 1866 bis 1920, als diese Zone von dem Festungsring begrenzt war, vollzogen sich in ihr grundlegende strukturelle Umgestaltungen. Diese setzte sich auch nach Abschaffung des Festungsrings weiter fort. So gab es eine rege Bautätigkeit, die zu einer sehr starken Verdichtung der Bebauung und Bevölkerung führte. In den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts erreichte diese Entwicklung ihren Kulminationspunkt. Die Übergangszone erfüllt überwiegend Wohnfunktionen. An dem vom Zentrum aus radial verlaufenden Straßen und an der ersten Ringstraße befinden sich geballt Geschäfte und andere Dienstleistungsunternehmen. Die Pläne für diese Zone sehen vor, dass die kommerziellen Funktionen weiter ausgebaut werden sollen, während der Dichtewert der Bevölkerung abnehmen soll. Vor allem sollen qualitative Veränderungen stattfinden, wie beispielsweise das Ersetzen der zweistöckigen Gebäude aus dem 19. Jahrhundert durch drei- bis vierstöckige Häuser.

2.1.3 Außenzone

Die Außenzone lehnt sich schalenförmig an die Übergangszone an und bildet einen relativ unregelmäßigen Gürtel, der sich entlang der Hauptverkehrsadern ausdehnt. Die Stetigkeit der Zone wird an der östlichen Seite durch den Wohnkomplex Nowa Huta, der ebenfalls zur Außenzone gehört, unterbrochen, weil dieser eine gesonderte Enklave in der Randzone bildet. Die Außenzone umfasst 35 qkm und wurde 1975 von 393505 Personen bewohnt. Daraus ergibt sich eine Einwohnerdichte von 11240 Einwohnern je qkm. Die Bebauung, die unmittelbar an die Übergangszone angrenzt, stammt vorwiegend aus der Zwischenkriegszeit (mit Ausnahme des Stadtteils Pogórze), während am äußeren Rand der Außenzone eine nachkriegszeitliche Hochhausbebauung (inklusive dem Wohnkomplex Nowa Huta) dominiert. Die Nutzungsstruktur hat sich geschichtlich gesehen in diesem Gebiet am schnellsten gewandelt. Die Expansion der Industrie und der Wohnbau wirkten sich hauptsächlich auf die landwirtschaftlichen Flächen aus, die sich hervorragend zum Obst- und Gemüseanbau eignen. Die Nutzfläche für die Agrarwirtschaft beträgt in dieser Zone mittlerweile nur noch 12%. In der Außenzone befinden sich die meisten Sport- und Grünanlagen von ganz Krakau. Geplant sind neue Wohnsiedlungen, die an den Rand der Zone gebaut werden sollen. Von allen fünf Zonen ist die Außenzone das Gebiet, dass seit Anfang des 20. Jahrhunderts den höchsten Bevölkerungszuwachs hat: 1900: 40160 Einwohner, 1946: 93910 Einwohner und 1975: 393500 Einwohner. Im Jahr 1975 lebten hier auf 11% des Stadtgebietes rund 57% der gesamten Einwohner Krakaus.

Für den noch andauernden Umgestaltungsprozess in der Außenzone ist eine Mischung aus unterschiedlichen Flächennutzungsarten charakteristisch. Industrieflächen, Hochschulkomplexe und Obst- und Gemüseanbauflächen wechseln sich mit Villenvierteln, Mietshäusern und neuen Hochhaussiedlungen ab.

2.1.4 Randzone

Die Randzone verläuft im Anschluss an die Außenzone, wobei ein Teil zwischen dem Gebiet von „Alt-Krakau“ und Nowa Huta liegt. Bei einer Fläche von 85 qkm und einer Bevölkerung von 98175 ergibt sich eine mittlere Einwohnerdichte von 114 Personen je qkm. Erst gegen Ende der 50er Jahre wurde dieser Bereich von dem Verstädterungsprozess erfasst. Die ältesten Elemente der Siedlungsstruktur bilden hier die 1941 eingemeindeten Dörfer. Der auffälligste Strukturwandel vollzog sich in dem Gebiet des heutigen Stadtteils Podgórze um die Jahrhundertwende, als sich dort entlang der Eisenbahnlinie viele Industriebetriebe ansammelten. Augenblicklich konzentrieren sich die meisten Investitionsaktivitäten in der Randzone auf den Ausbau des Hütten-Kombinats, die Errichtung neuer Industrielager-Komplexe (im Südosten: Prokocim und Bieżanów) und den Bau von Wohnsiedlungen (Bieżanów Zachodni, Piaski Wielkie und Prądnik Biały). Unter der expandierenden Bebauung leiden vornehmlich die Grünschutzzonen zwischen Krakau und Nowa Huta und zwischen dem Wohnkomplex Nowa Huta und dem Eisenhütten-Kombinat. Der Anteil der Fläche von der Randzone, der landwirtschaftlich genutzt wird, beträgt 4 %. Vom gesamten Stadtgebiet umfasst die Randzone 26% und von den gesamten Einwohnern Krakaus wohnen 15% in der Randzone. Allem voran ist sie ein Gewerbe- und Industriestandort, denn von dort stammen in etwa 80% der industriellen Produktion. Da sich aber auch der Wohnungsbau im Wachstum befindet, wächst gleichzeitig auch ihre Bedeutung als Wohngebiet. 

2.1.5 Periphere Zone bzw. äußere Randzone

Mit einer Fläche von 197 qkm ist dies der größte Stadtteil (61% des Stadtgebietes). Die Bevölkerungsdichte ist mit 327 Einwohnern/qkm in dieser Zone sehr gering. Infolgedessen ist auch die bebaute Fläche sehr klein. Sie beträgt lediglich 1% und konzentriert sich vornehmlich auf die alten Dorfkerne. Die Ackerlandnutzung liegt bei 55%, was zeigt, dass dieses Gebiet noch weitgehend agrarisch geprägt ist. Die periphere Zone ist quasi „Bauerwartungsland“ bzw. Reservefläche der Stadt. Der größte Teil dieses Gebiets wurde erst im Jahr 1973 nach Krakau eingemeindet.

2.1.6 Umland von Krakau

Im Jahr 1984 wohnten im Umland von Krakau 465215 Personen. Das sind 38,6% der Gesamtbevölkerung der Wojewodschaft Krakau, wovon 7,7% auf neun dort vorhandene Städte entfielen. Im Vergleich zu dem Umland von Warschau oder von Lodz ist in Krakau der Verstädterungs- bzw. Urbanisierungsprozess noch nicht so weit fortgeschritten. 1984 hatten lediglich drei der neun Städte mehr als 10000 Einwohner: Skawina, Wielicka und Myślenice.

Literatur

MERIAN Krakau, Nr.5 des 54.Jahrgangs, Mai 2001, Hamburg

DROTH, Alf/GRIMM, Frank-Dieter/HAASE, Annegret: Polen Aktuell, Daten-Fakten-Literatur zur Geographie Europas. Institut für Länderkunde e.V. 2000, Leipzig

JONE, Katarzyna/RAHN, Christiane: Krakau, Warschau. Reise Know-How Verlag Peter Rump GmbH, Jahr-2000-Sonderausgabe, Bielefeld

KAPALA, Alice: Polen. 1. Auflage Klett 1988, Stuttgart

PELZER, Friedhelm: Polen: Eine geographische Landeskunde. (Wissenschaftliche Länderkunden; Bd. 36) Wiss. Buchges. 1991, Darmstadt

WOLLMAN, Helmut: Systemwandel und Städtebau in Mittel- und Osteuropa. Birkhauser 1994, Basel

GORYNSKI, Juliusz: Räumliche Politik in Polen. Hrsg. Von G.Curdes, Dt. Gemeindeverlag 1988, Koeln

FUHRMANN, Rainer W.: Polen: Handbuch. vollst. ueberarb. und erg. Neuausg. Fackeltraegerverlag 1990, Hannover

Inhalt

1.  Geschichte der Stadt

2.  Stadtstruktur

2.1.  Innere Struktur der Stadt Krakau

2.1.1.  Kernzone  

2.1.2.  Übergangszone

2.1.3.  Außenzone

2.1.4.  Randzone

2.1.5.  Periphere Zone bzw. äußere Randzone

2.1.6.  Umland von Krakau

Literatur

Redaktionelle Anmerkung:

In der Vorbereitung der Studienfahrt nach Kraków/Polen wurden mehrere Referate zur Geographie und Geschichte des ost- und ostmitteleuropäischen Raumes gehalten, deren Texte hier veröffentlicht werden. Für die inhaltliche Gestaltung sind die jeweiligen Referentinnen und Referenten verantwortlich.

Die Vorbereitung und Auswertung der Studienfahrt erfolgte im Rahmen des »Arbeitsschwerpunktes Polen« zum Thema »Länderübergreifende elektronische Partnerschaften / Begegnung mit Polen« im Projekt InfoSCHUL II-2 im Schulverbund Hannover / gefördert durch das BMB+F

Impressum für diese Seite

Erstellt im Rahmen des Unterrichts an der Bismarckschule Hannover. An der Bismarckschule 5. D 30173 Hannover. Leistungskurs Erdkunde Schuljahr 2001/2002 / Lehrer: OStR Gerhard Voigt.

Referat zum Rahmenthema „Transformationsländer“. Studienfahrt nach Kraków, Herbst 2001.

Autor: Alexander Spengler.  

Veröffentlicht im Internet im April 2002 unter

http://www.unesco-club-hannover.de .

Vergleiche auch:

http://www.Bismarckschule.de .

Verantwortlich: Gerhard Voigt, OStR i.R.

Bismarckschule.Voigt@gmx.de.

http://www.voigt-bismarckschule.de - Vgl. Impressum

Alle Urheberrechte vorbehalten. Freie Verwendung für Zwecke der Bildung und Ausbildung in Schulen und Hochschule ist zugestanden.

IV/02/Voigt / v. 19.06.02

Internetpublikation revidiert am 20.07.2009

   
   

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Gerhard Voigt, OStR i.R. - Kontakt vgl. Impressum

bismarckschule.voigt@gmx.de

Bearbeitungsstand: 25. 07 2005.

Letzte Bearbeitung: 06.01.2011

   
   

 

     
   

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