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Christina Bleeck:
Galizien
Geschichtliche
Hintergründe und jüdisches Leben in Galizien
Schülerreferat
im Erdkunde-Leistungskurs Klassenstufe 13, Schuljahr 2001/2002,
Bismarckschule Hannover, zur Vorbereitung einer Studienfahrt nach Ostpolen
/ Kraków im Herbst 2001

1.
Galizien
Die Provinz
Galizien, welche seit dem späten 17. Jh. unter diesem Namen bestand, ist eine
der historischen Regionen Polens. Speziell der westliche Teil (westlich des San
Flusses gelegen). Er wurde Klein-Polen (Malopolska) im Gegensatz zu Groß-Polen
(Wielkopolska), die Provinz Posen genannt.
Die bedeutenste Stadt, Krakau (Kraków), war lange Zeit Regierungssitz der
polnische Könige gewesen. Der östliche Teil Galiziens wurde früher Ruthenien
(Ruthenia) genannt und war ursprünglich von den Ruthenen bewohnt, die heute in
Ukrainer und Weißrussen aufgeteilt werden. Wegen des polnischen Einflusses seit
dem 14.Jh. siedelten sich mehr und mehr Polen in Ruthenien an, und viele
Ruthenen nahmen die polnische Sprache und Kultur an. Während der polnischen
Teilungen von 1772 und 1795 wurde Klein-Polen und Ruthenien Österreich-Ungarn
zugesprochen. Österreich führte den Namen Galizien für diese neuen Gebiete
ein. 1815 wurden die nördlichen Regionen Galiziens an Russland abgetreten und
dem Königreich Polen, welches von Russland abhängig war, zugeschlagen.
Zwischen 1815 und 1846 war die Stadt Krakau (Kraków) zusammen mit der engeren
Umgebung eine sogenannte unabhängige Republik (auf der Karte unten grün
gekennzeichnet). 1846 wurde dieses Territorium Galizien eingenommen und wurde
damit ein Teil Österreichs. Die Industrie war in Galizien immer sehr schwach
entwickelt, kleinere Gewerbe und Handwerksbetriebe bildeten neben der
Landwirtschaft die typischen Erwerbsmöglichkeiten. Auch unter der Herrschaft Österreichs
blieb Galizien ein rückständiger Landesteil, obwohl Bildungswesen, Kultur und
Wissenschaft einen geringen Aufschub erhielten. Im 19.Jh. waren ungefähr 50%
der Bewohner Galiziens polnische Katholiken, die die Mehrheit in den westlichen
Distrikten bildeten und ungefähr ein Drittel der Bewohner des östlichen Teils
ausmachten. 40% der Einwohner (meist des östlichen Teils) sprachen Ukrainisch
und waren byzantinische Katholiken. Die jüdische Minderheit (ungefähr 10%)
lebte meistens in den Städten. Eine kleine deutsche Minderheit war ebenfalls
dort ansässig. Nach dem 1.Weltkrieg wurde Galizien ein Teil des unabhängigen
Polens. Während des 2.Weltkriegs wurden die meisten der jüdischen Einwohner
der Provinz von den Nationalsozialisten ermordet. Nach dem Krieg wurde Galizien
zwischen Polen und der Ukraine (damals noch Teil der Sowjetunion) aufgeteilt.
Die meisten Polen, welche östlich der neuen Grenze lebten, wurden nach Polen
umgesiedelt, während die ukrainisch sprechende Bevölkerung, vom bei Polen
verbliebenen Teil in die Ukraine ausgesiedelt bzw. in andere Teile Polens
umgesiedelt wurde.
Das galizische Territorium vor
dem 1.Weltkrieg
Die rosafarbene Linie ist
die nach dem 2.Weltkrieg gezogene Grenze zwischen Polen und der Ukraine. Die
galizischen Gebietsteile von Zips und Orawa sind gelb markiert, und die rote
Linie zeigt die Grenzlinie zwischen Polen und der Tschechoslowakei im Jahre
1920.

Quelle:
http://www.polshroots.org/genpoland/galizien.htm
2. Kurzer Abriss der jüdischen Geschichte
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Um 2000
v.Chr.
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Vermutete Zeit der Stammväter Abraham, Isaak
und Jakob, nomadische Sippen im Raum Palästina
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1290-1214
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Ramses II. und sein Sohn Merenptah Pharaonen
in Ägypten. Sie haben wahrscheinlich zahlreiche israelische Söldner und
Arbeiter in ihren Diensten, die Ägypten verlassen, als sich ihre
materielle und soziale Situation verschlechtert (Exodus des Volkes Israel
aus Ägypten unter ihrem Führer Mose)
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13.Jh.
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Landnahme der Israeliten durch Eroberung des
Landes Kanaan.
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1010
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Zusammenschluss der israelischen Stämme zu
einem Staatsverband unter dem König Saul. Ausdehnung des Reiches auf das
heutige Jordanien und Syrien unter König David (1004-965) und König
Salomon (965-926). Jerusalem wird Heiligtum des einen Gottes Jahwe,
Tempelbau
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926
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Nach dem Tod Salomons Spaltung des Reiches
in den Noedstaat Israel und den Südstaat
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720
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Juda Untergang des Reiches Israel, das zur
Provinz Samaria des assyrischen Reiches wird
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700-400
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Zeit der Propheten
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587
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Eroberung des Reiches Juda und Zerstörung
des salomonischen Tempels in Jerusalem durch den babylonischen Herrscher
Nebukadnezar mit anschließender Verschleppung großer Teile der Bevölkerung
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586-536
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Babylonische Gefangenschaft
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539/538
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Der Perserkönig Kyros II. erobert das
babylonische Reich und gestattet den Israeliten die Heimkehr
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Ab 520
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Wiederaufbau des Tempels in Jerusalem
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332-323
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Alexander der Große unterwirft Palästina
griechischen Einfluss
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175-164
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Der syrische Herrscher Antiochus unterjocht
die Juden, entweiht den Tempel und verbietet die Ausübung jüdischer
Religionsbräuche
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Ab 164
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Unter der Führung des Judas Makkabäus
befreien sich die Juden und reinigen den Tempel (Makkabäraufstand).
Wiedererrichtung des judäischen Königreiches; Rabbiner bringen den
jüdischen Glauben zu neuer Blüte
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63
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Das römische Reich unter Pompejus unterwirft
das jüdische Reich
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37-4 v.Chr.
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König Herodes der Große regiert Judäa und
die angrenzenden Gebiete unter der Oberhoheit Roms
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6 n. Chr.
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Judäa wird einem römischen Statthalter
unterstellt
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66-73
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Aufstand gegen die römische Besetzung, als
die Römer den Tempelschatz beschlagnahmen. Siebenjähriger Kampf. 73 wird
in der Bergfeste Masada der letzte Widerstand von den Römern zerschlagen
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132
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Erneuter Aufstand unter Fürst Simeon ben
Kossiba, Vertreibung der Juden aus Jerusalem und Palästina durch die
Römer, die eine Wiederherstellung eines jüdischen Staates verunmöglichen
wollen. Die Vertreibung und Zerstreuung der Juden mobilisiert deren
Überlebenswillen als Gemeinschaft und führt zu einer verstärkter Pflege
der jüdischen Religion. Mischna und Talmud entstehen in der Folgezeit
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391
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Einführung des christlichen Glaubens als
Staatsreligion im römischen Reich. In der Folgezeit verstärkt sich der
Druck auf jüdische Gläubige
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638
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Arabische Eroberung Palästinas, ab 750
zunehmende Islamisierung, Jerusalem wird zur heiligen Stätte des Islams
erklärt
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900-1050
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Jüdische Gemeinden in Spanien erreichen
wichtige Stellung im öffentlichen Leben
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1096-1270
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Christliche Kreuzzüge zur „Befreiung des
heiligen Landes“; Verbrennung von jüdischen Gläubigen in ihren Synagogen;
blutige Verfolgung der Juden
auch in Europa; gesellschaftliche Entrechtung der Juden
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1290
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Versuch der vollständigen Vertreibung der
Juden aus England
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1336-1349
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Zeit der blutigsten Judenverfolgungen in
europa
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1492
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Vertreibung der Juden aus Spanien
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16.Jh.
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Ghettoisierung der jüdischen Bevölkerung in
den Judenvierteln
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1648-1656
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Chmielnizki- Massaker an den polnischen
Juden
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18. Jh.
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Beginn der Aufklärung, die auch für die
Rechte der Juden eintritt
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1776
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Völlige Gleichstellung der jüdischen Bürger
in den Vereinigten Staaten von Amerika
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19. Jh.
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Schrittweise Emanzipation der Juden in den
europäischen staaten, Entwicklung einer geistigen, wissenschaftlichen und
wirtschaftlichen Elite, die der modernen Entwicklung der Staaten wichtige
Impulse verleiht. Starke Assimilationsbewegung vieler jüdischer Bürger an
die Kultur ihrer Wohnländer. Gleichzeitig Entstehung des Zionismus als
eine Bewegung, die für alle Juden eine gemeinsame Heimstatt, einen
jüdischen Staat schaffen will, möglichst auf dem Gebiet Palästinas (Uganda
als diskutierte Alternative wird bald verworfen)
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1917
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Der englische Minister Balfour erklärt seine
Sympathie mit dem Gedanken einer „nationalen Heimstätte für das jüdische
Volk“ in Palästina, was von Bedeutung ist, da Palästina in der Folgezeit
aus türkischer Herrschaft in englische Mandatshoheit überführt wird.
Verstärkte Einwanderung nach Palästina.
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1933-1939
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Die nationalsozialistische Diktatur in
deutschland setzt den Judenhass als progandistisches Mittel zur
systematischen Volksverhetzung ein; sofortige Entfernung aller
jüdischstämmigen Bürger aus öffentlichen Ämtern, systematische
Diskriminierung (Nürnberger Rassengesetze 1935), Zerstörung der Synagogen
in der Reichskristallnacht am 9./10. Nov. 1938
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1940-1945
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Verschleppung der jüdischstämmigen Bürger in
Konzentrationslager, die zu Massenvernichtungslagern ausgebaut werden. Dem
wahnsinnigen Versuch, „die jüdische Rasse ein für allemal auszulöschen“
(Hitlers Endlösung, Holocaust) fallen mehrere Millionen jüdische Menschen
zum Opfer
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1947
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Die UNO spricht sich für die Schaffung eines
jüdischen Staates durch die Teilung Palästinas in einen jüdischen und
einen arabischen teil aus
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1948
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Gründungserklärung des Staates Israels,
Beginn des sog. Unabhängigkeitskrieges, in dem sich der junge Staat gegen
seine arabischen Widersacher durchsetzt
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1956
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„Sinai-Krieg“ mit den arabischen Staaten
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1967
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„Sechstagekrieg“ mit den arabischen Staaten
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1973
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„Jom-Kippur-Krieg“ mit den arabischen
Staaten
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1973- heute
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Weiterbestehendes Spannungsverhältnis
zwischen Israel und arabischen Nachbarstaaten. Ende der 80er Jahre
verstärkte Aufstandsbewegungen unter den palästinensischen
Bevölkerungsteilen in Israel
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3. Das galizische Judentum vor der ersten polnischen
Teilung
Aufgrund ihrer Herkunft standen die Juden des
osteuropäischen Raumes in enger Beziehung zu Mitteleuropa. Sieht man von einer
ganz dünnen jüdischen Bevölkerungsschicht ab, die vielleicht schon seit dem
10. Jahrhundert vom Chazarischen Reich her die weiten Landstriche des politisch
noch ungeformten europäischen Ostens überzog, so erfolgte die wesentliche
Welle der Einwanderung aus dem böhmischen und deutschen Ländern seit der Zeit
der mitteleuropäischen Judenverfolgungen in der Epoche der Kreuzzüge. Der
Kosakenaufstand von 1648 brachte über die Juden eine Verfolgungswelle von noch
nicht dagewesenen Ausmaß. Vor diesem Hintergrund erhoben sich messianische Bewegungen, die ihre Kraft gerade
aus dem Kontrast zogen, den die völligpreisgegebene, unsichere Existenz mit den
mystischen Heilserwartungen einer messianischen Zukunft bildete. Die Anhänger
des „Messias“ Sabbatai Zwi traten gleichsam eine Flucht nach vorne an, um
ihrer hoffnungslosen Lage zu entrinnen. Untergeänderten Umständen konnte die
Frankistenbewegung des 18. Jahrhunderts dieses chiliastische Element des jüdischen
Messianismus noch einmal mobilisieren; verworrene Gedanken von einer überkonfessionellen
Religionsstiftung, wie sie dem Zeitalter der Aufklärung entsprachen, und eine,
oft allzu menschliche Züge tragende Scharlatanerie des Führers der Bewegung,
Jakob Frank (1726-1791), vereinten sich zu jenem seltsamen Syndrom der
Verunsicherung jüdischer Existenz, das in der Lemberger Disputation zwischen
Frankisten und orthodoxen Juden (1759) gipfelte und mit dem Übertritt etlicher
Familien zum Christentum nach dem Vorbild des Führers endete. Nur einem ganz
oberflächlichen Betrachter konnte das polnische Judentum, dessen extreme Gefährdung
am Beispiel der Teilerfolge des Frankismus sichtbar wurde, als Einheit
erscheinen. Auch die Kernschichten der jüdischen Bevölkerung waren von
tiefgreifenden sozialen und dementsprechend religiös-ideologischen
Differenzierungsprozessen erfasst worden.
4. Chassidismus
Die Juden in Galizien rückten Anfangs des 18. Jh.
mehr und mehr von der strikten Talmudlehre ab und wandten sich mit grosser
Intensität der Kabala und der messianischen Lehre zu. So nahm die beinahe
volkstümliche Bewegung des Chassidismus ihren Anfang, bevor sie sich nach Polen
ausbreitete.
Die jüdische
Bevölkerung schien wirtschaftlich dem Untergang geweiht.
In dem Pseudo-Messias Sabbatai Zwi suchte man in dieser Situation Erlösung.
Dieser brachten jedoch nur entsetzliche Enttäuschung. Die eigentliche
befreiende schöpferische Tat kam von den Juden selbst. Es entstand eine religiös
gesellschaftliche Selbstbefreiung aus den Tiefen des nationalen Lebens - der
Chassidismus. Die Juden erkannten ihre Resignation und mobilisierten ihrer
letzten Kräfte. Durch die Sehnsucht nach Überwindung der furchtbaren
gesellschaftlichen Not entstand der Chassidismus. Im Gegensatz zum zeitgenössischen
Rabbinismus predigte diese neue Bewegung religiöses Gefühl und Gleichheit.
Auch der Unwissende wird durch die Stärke seines Gefühls ein
Gleichberechtigter. Im Chassidismus lässt sich der Gedanke der Demokratie in
geistiger und ökonomischer Hinsicht feststellen. Es entstehen hier nicht übersteigerter
Intellekt und Wertung eines Juden nach seiner Gelehrsamkeit im Vordergrund wie
im Rabbinismus, sondern man setzt prinzipiell auf das jedem zugängliche religiöse
Gefühl und die Intention (Kawwana). Der radikale gesellschaftliche
Demokratismus zeigte sich bei den ersten Führern, den Zaddikim. Rabbi Israel
Baalschem tov (ca. 1700 -1760) war der Schöpfer der Bewegung und widmete sich
mit Vorliebe Ungebildeten und Armen aus dem Volk. Damit schuf er sich den Weg
zum Herzen des Volkes. Er passte seine Sprache und sein Lebensgefühl ihren
Neigungen an. Die Nächstenliebe zum Volk stand im Vordergrund. Der Zaddik repräsentierte
den Typus des autonomen Führers und entspricht so dem Charakter des
Chassidismus als einer autonomen Gemeinschaftsbildung. Er wird aufgrund seiner
Begabung zum Führer und ist das Gegenteil eines falschen Messias. Dieser will
die Erlösung jedes einzelnen selbst vollziehen.
Eine weitere
Erscheinung des Chassidismus aus gesellschaftlicher Struktur ist, dass sie nicht
wie in der Mystik des Abendlandes oder der Kabbala einzeln zurückgezogen und
ganz in sich gekehrt leben, sondern ihre Religion in der Gemeinschaft
verwirklichen. Der innere religiöse Zusammenhang, der zwischen der Idee der
Gemeinschaft und der chassidistischen Religiosität besteht, wird in der
Antwort, die der Chassidismus auf die Frage nach der Möglichkeit religiöser
Erkenntnis gibt, deutlich: Gott erkennen, ist Gott in der Welt verwirklichen.
Deshalb spielt die Freude als Verwirklichung dieser Art religiöser Erkenntnis
eine so große Rolle im Chassidismus.
Der
Chassidismus, als Antwort auf politische wie wirtschaftliche Unterdrückung in
Galizien und Rußland, war eine Bewegung die das religiöse Leben über das
weltliche stellte. So war es möglich die harte Gegenwart zu vergessen, um sich
in eine Art Traumwelt zu begeben, in der man mit Gott vereinigt werden konnte.
Eine Bewegung, die den jüdischen Glauben nicht verändern, sondern wieder neu
beleben wollte. Als sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts mehrere tausend Juden,
unter ihnen viele Chassidim, entschlossen ihre bisherigen Heimatländer zu
verlassen, um in Ländern wie den Vereinigten Staaten oder Palästina eine neue
Existenz aufzubauen, entstand ein gewisser Konflikt innerhalb dieser Bewegung.
Einerseits war das Heilige Land das Land der Väter, das Land der Offenbarungen
Gottes, das Zentrum des Judentums wo die chassidische Idee ihre höchste Stufe,
die geistige Einheit mit Gott, erreichen kann. Andererseits waren einige
chassidische Rabbiner gegen die Auswanderung nach Palästina, weil dort der
Einfluss zionistischer Gruppen immer größer wurde, die Palästina eher als
nationale Heimstätte, denn als religiöses Ursprungsland empfanden, und somit
im Widerspruch zu den Chassidim standen. Ein weiteres Argument welches sie anführten,
war ein Hauptprinzip des Chassidismus, nämlich die Verneinung des Seienden, es
war demnach gar nicht nötig auszuwandern; die Erlösung komme von Gott.
Mit dem Niedergang des
Chassidismus verliert dieser auch seinen demokratischen Charakter. Dies drückt
sich am stärksten in der Veränderung der Bedeutung des Zaddiks aus. Die Kluft
zwischen ihm und der Masse wurde immer größer und zwar wohl in geistiger wie
in wirtschaftlicher Hinsicht. Der Zaddik wird zum Mittler, und er ist im Besitz
ganz besonderer, dem Volke ansonsten unzugänglicher Eigenschaften. Seine
Konstitution ist qualitativ prinzipiell verschieden von der des Volkes. Diese
Kluft drückt sich auch in seiner wirtschaftlichen Situation aus. Der Zaddik
wird wohlhabend und gibt sein Geld nicht dem Volk, sondern steckt es in seine
eigene Tasche. Für einen Rat an andere Menschen verlangt er reichlich Geld.
Trotz persönlicher Anspruchslosigkeit umgibt ihn ein fürstlicher Hof. Außerdem
basiert der Beruf des Zaddiks nicht mehr auf Freiwilligkeit, sondern wird
vererbt. Mit dem neuen Typus von Zaddik war aber das ursprüngliche
gesellschaftlich-religiöse und revolutionäre Prinzip des Chassidismus verloren
gegangen.
5. Das Ostjudentum – das Westjudentum
Der überwiegende
Teil der Westjuden versuchte seit etwa 1800, in das deutsche Bürgertum
aufzusteigen. Bedingung der Integration war dabei die Assimilation, d.h. die
Anpassung an die Lebensweise des Bürgertums in Kleidung und Sitten, in
Ausbildung und Beruf, Familienleben und Freizeit. Die meisten Juden gehörten
bald mit Handwerksberufen wie Schneider, Trödler oder Buchhändler zum Kleinbürgertum,
aber einer Minderheit gelang aber der Aufstieg ins Großbürgertum. Sie
erwarteten, dass sie im Gegenzug zu ihrer Anpassung an die Lebensweise der
Deutschen auch als Deutsche akzeptiert würden.
Nach dem
Ersten Weltkrieg kamen zunehmend Juden aus Polen nach Berlin und Wien, um der
Armut im ostjüdischen Schtetl zu entkommen. Sie brachten eine Lebensweise in
die großen Städte, die von den Westjuden schon längst abgelegt worden war.
Nach ihrer Ankunft lebten sie in der Regel unter ärmlichsten Umständen,
behielten aber zunächst ihre Sitten und Bräuche bei. Innerhalb des
Westjudentums riefen die einwandernden Ostjuden riefen innerhalb des
Westjudentums eine tiefe Spaltung hervor, weil sie für die Deutschen das alte
Judenbild wiederbelebten. Mit Kaftan, wallendem Bart und Schläfenlocken,
jiddischer Sprache, in Armut lebend und ohne Ausbildung auch ohne große
Zukunftshoffnungen, entsprachen sie dem Klischee, das die Westjuden durch
Assimilation abstreifen wollten. Da die meisten 'Krawattenjuden' glaubten, dass
dem Antisemitismus durch Assimilation der Boden entzogen würde, fühlten sie
sich durch die 'Kaftanjuden' in ihrer Existenz bedroht. Innerhalb des Judentums
entstand also ein tiefer Gegensatz zwischen 'Krawatten-' und 'Kaftanjuden'. Spätestens
mit dem Nationalsozialismus stellte sich aber heraus, dass es ein tragischer
Irrtum der Westjuden war zu glauben, durch Assimilation würden sie auf Dauer
als gleichberechtigte Bürger anerkannt. Abgesehen von Warschau und einigen
anderen größeren Städten mit hohem Anteil an Juden lebten die meisten Juden
in Polen im sog. Schtetl. Obwohl die Armut groß ist und gegen Ende des 19.
Jahrhundert die Zahl der Pogrome zunimmt, entwickelt sich eine reiche und vielfältige
Kultur, die vor allem in der spezifisch osteuropäischen Ausformung des
Judentums im Chassidismus wurzelt.
Unter den Ostjuden war die Frömmigkeit besonders groß.
Eine wichtige Institution war das Bethaus, in dem sich die Männer zu Gebet und
Studium trafen. Um die notwendige Zahl von mindestens zehn Betern zu versammeln,
klopfte morgens der sogenannten "Schammes" an die Fensterläden. Zum
Gebet legte man einen besonderen Mantel (Tallit) und die Gebetsriemen (Tefillin)
an und trug am Arm und an der Stirn jeweils eine lederne Kapsel, in die vier
Bibelstellen eingeschlossen waren.
Das Zentrum
der ostjüdischen Gemeinde bildeten die Rabbiner. Sie waren gelehrte Männer,
die wegen des Bibel- und Talmudstudiums, mystischer Erkenntnisse und persönlicher
Ausstrahlung als Vermittler zwischen Gott und seinem Volk galten. Sie wurden zur
Taufe und zur Hochzeit eingeladen und bei jeder wichtigen Entscheidung befragt.
Sie schlichteten Streitigkeiten beim sog. "Bet Din", dem jüdischen
Gericht. Manche Rabbiner galten als Wundertäter. In ihrer besonders engen
Beziehung zu Gott wurde ihnen die Fähigkeit zugeschrieben, Kranke zu heilen und
die Ungerechtigkeit der Welt wieder ins rechte Lot zu bringen. Insbesondere die
Wunderrabbis wurden zum Ziel tausender von Wallfahrern, da man sich von ihnen
Hilfe in allen Lebenslagen erhoffte. Sie waren aber v.a. als Weise berühmt, die
ihre mystischen Einsichten in einfachen Geschichten ausdrückten. Der
Chassidismus ist daher besonders reich an Erzählungen und Sprüchen, die den
Juden bei der Bewältigung ihrer Not halfen und sie an den kabbalistischen
Spekulationen der Rabbiner auf verständliche Weise teilnehmen ließen.
Die
Schtetl-Juden waren in aller Regel arm. Nur wenige besaßen Land, um sich wie
die polnischen Bauern ernähren zu können. In den größeren Städten hatte die
Industrialisierung schon eingesetzt und gab den Juden Arbeit, aber im Schtetl
war es schwierig, eine dauerhafte Arbeit zu finden. Typische Berufe waren etwa
Lastträger, Wasserträger oder Kleinhändler. Dazu kamen der schon genannte
Schammes, der Melamed, d.h. der Lehrer, der Schadchen, also der
Heiratsvermittler, und vor allem die Musikanten (Klezmorim). Sie durften in
keinem Schtetl fehlen, gehörten doch Fest, Musik und Tanz, z.B. bei Hochzeiten,
zu den wichtigsten Äußerungsformen der Chassidischen Religiösität. Dabei fühlte
der fromme Jude, dass er trotz allen Leidens Gott nahe war.
6. Der Aspekt: Sitten, Bräuche und Zusammenleben
Sitten und Bräuche
der polnischen Juden bildeten sich unter den Bedingungen einer zunehmenden
Isolierung der jüdischen Bevölkerung von ihrer Umgebung heraus, unter anderem
infolge der bewussten Politik sowohl der katholischen Kirche als auch der
Synagogen.
In den Judenvierteln
bildete die Synagoge das Zentrum der gemeinschaftlichen und religiösen Lebens
der Juden. In den meisten Gemeinden
war sie nicht nur der ort, an dem zweimal täglich Gebete gesprochen wurden,
sondern auch der Versammlungsraum der Männer. In größeren Städten wurden
besondere Gebäude, die Judenrathäuser, errichtet, in denen es gewöhnlich ein
Gefängnis für verurteilte Schuldner, Diebe, Randalierer und Personen gab, die
die rituellen Vorschriften übertreten hatten. Neben der Synangoge standen
Schule, das Spital, das Badehaus und ein gesondertes Bad, die Mikwa für die
Frauen. Da die Judenviertel räumlich begrenzt waren, wurde die Raumnot mit
zunehmender Einwohnerzahl immer größer. In den Häusern wohnten mehrere, bis
zu ein Dutzend, Familien, die in winzigen Räumen nur durch schäbige Vorhänge
voneinander getrennt waren. Nur die Reichsten besaßen eine Wohnung mit mehreren
Räumen, während die Ärmsten im Kellergeschoss oder unter dem Dach wohnten. In
den Häusern der Juden gab es mehr Geschirr als in christlichen Haushalten, da
nach dem Ritual für Fleischgerichte andere Gefäße benutzt wurden als für
Milchspeisen. Der Lebensablauf änderte sich bei den Juden an Samstagen und
feiertagen. Am Samstag gingen die Erwachsenen morgens in die Synagoge, dann
setzte man sich an den reich und üppiger als gewöhnlich gedeckten Tisch.
Nachmittags studierte der Hausvater die Bibel oder den Talmud und die Frauen
lasen Liebesromane oder die mit Legenden und Geschichten durchflochtene Biblia
pauperum. Die wichtigsten Feste waren Jom Kippur (Versöhnungstag), Sukkot
(Laubhüttenfest), Pessach (Passah-Fest), Chanukka (Fest der Wiederweihe des
Tempels), Rosch hasch-schana (Neujahrsfest) und Purim (Losfest). Diese feste können
nicht nur als Quelle religiöser Erbauung und mystischen Erlebens angesehen
werden, sondern auch als ein wesentliches Element der gesellschaftlichen
Gemeinsamkeit. Die jüdischen Feste enthielten gleichermaßen sakrale Elemente
und Elemente der Tradition als auch ethische und historische Elemente. Die Feste
trugen zur Entwicklung verschiedener formen des künstlerischen Ausdrucks der ästhetischen
Sensibilität bei. Sie erforderten Musik, Gesang und auch einen entsprechenden künstlerischen
Rahmen.
Die Geburt eines
Kindes und die Beschneidung eines Sohnes wurden in den jüdischen Familien sehr
feierlich begangen. Das Wochenbrett wurde geschmückt und den Gästen wurden
Leckereien und Wein angeboten. In der Nacht vor der Beschneidung des
Neugeborenen wachten die Frauen im Zimmer der Mutter, nicht nur sie zu pflegen,
sondern auch, gemäss der Überzeugung in der Zeit der Kabala, um das
Neugeborene vor dem Einfluss von Hexen und bösen Geistern zu schützen.
Bis zum
dritten Lebensjahr wurden die Jungen ausschließlich von den Eltern
erzogen, vom vierten Jahr an übernahm die Schule einen Teil der
Erziehungspflichten. Die Mädchen blieben bis zu ihrer Verheiratung zu Hause und
bereiteten sich auf ihre Rolle als künftige Hausfrau vor. Für die Mädchen
wurden mit zwölf und für die Jungen mit dreizehn Jahren besondere
Feierlichkeiten zum Abschluss der Kindheit veranstaltet. Besonders feierlich war
für die Jungen Bar Mizwa, der Moment, da sie als Dreizehnjährige erstmals
zusammen mit den Erwachsenen an den gemeinsamen gebeten in der Synagoge
teilnahmen.
Ehen wurden sehr früh
geschlossen. Die jungen Männer heirateten meist mit 18 Jahren und die Mädchen
zwischen den 12. und dem 14. Lebensjahr. Die Ehe wurde ausschließlich durch
einen Heiratsvermittler, dem Schadchan, geschlossen. Die betroffenen wurden
meist gar nicht gefragt.
In der öffentlichen
Meinung der Christen herrschte in der Zeit der Aufklärung die Ansicht, das
Eheleben der Juden sei mustergültig., während unter den Juden laut wurde, dass
die Ehen in zu jungem Alter geschlossen würden.
7. Zukunftsaussichten mit dem Standpunkt von heute
Nach dem Holocaust war
es kaum noch möglich irgend eine Form zu finden, an der ein jüdisches Leben
aufgebaut werden konnte. Die wenigen polnischen Juden, die überlebt haben,
versuchten in den Jahren zwischen
1946 und 1957 nach Israel auszuwandern. Heute gibt es etwa noch 10 000 Juden in
Polen, der größte Teil lebt in Warschau und Krakau. Die Beziehungen Polens mit
Israel lässt vielleicht wieder auf bessere Beziehungen zwischen der polnischen
Bevölkerung und den Juden hoffen. Allerdings sollte dabei nicht der
geschichtliche Hintergrund vernachlässigt werden. Vielleicht wären Zugeständnisse
die angebrachteste Lösung.

Ein jüdisches Dorf
Quelle :
http://www.emol.org/emol/zucker/galiciaeurope.html
Verstädterung in Polen:
jüdische
und nicht-jüdische Bevölkerung
(Stand 9.12.1931)
Bevölkerung
Juden
auf tausend
Juden (%)
Nicht-Juden (%) Nicht-Juden
Land
733.858 (23,6) 22.450.874 (77,9)
33
Städte 2.380.075 (76,4)
6.350.972 (22,1) 375
davon:
Städte mit
Einwohnern
von weniger
als 20.000 929.852 (29,9) 2.301.566
(8,0) 404
mehr
als 20.000 1.450.223 (46,6) 4.049.406
(14,1) 358
Insgesamt 3.113.933 (100) 28.801.846
(100) 108
Quelle:
Drugi Powszechny Spis Ludno9ci Z Dn. 9.XII 1931 R.; Mieszkania 1
Gospodarstwa Domowe, Ludno§é, Stosunki, Zawodowe; Polska (Dane Skrôcone);
Glowny Urzqd Statystyczny Rzeczypospolitej Polskiej, Statystyka Polski, Seria C,
Zeszyt 62 (Deuxième Recensement Général de la Population du 9 Décembre
1931; Logements et Ménages, Population, Professions; Pologne - Données Abrégées
-), Warschau, 1937
Ostpolnische
Städte: Gesamtbevölkerung und Juden
(Stand 9.12.1931)
Wojewod-
schaft Stadt Gesamtbevölkerung Jüdische
Bevölkerung Jüdischer Anteil-%
Wilna
Wilna
195.071
55.006
28
Nowogrodek
Baranowicze
22.818
9.680
42
Bialystok
Bialystok
91.101
39.165
43
Grodno
49.669
21.159
43
Lomza
25.022
8.912
36
Suwalki
21.826
5.811
27
Polesien
Brest
48.385
21.440
44
Pinsk
31.912
20.220
63
Wolhynien
Kowel
27.677
12.842
46
Rowno 40.612
22.737
56
Luck 35.554
17.366
49
Wlodzimierz 24.591
10.665
43
Lemberg Lemberg 312.231
99.595
32
Boryslaw 41.496
12.996
31
Drohobycz 32.261
12.931
40
Jaroslaw 22.195
6.272 28
Przemysl
51.038
17.326
34
Rzeszow
26.902
11.228
42
Sambor
21.923
6.274
29
Stanislau
Kolomyja 33.788
14.332
42
Stanislau 59.960
24.823
41
Stryj 30.491
10.869
36
Tarnopol
Tarnopol 35.644
13.999
39
23 Städte 1.282.167
475.648
37
Anteil
Stadt Gesamtbevölkerung Jüdische
Bevölkerung Jüdischer Anteil-%
50-63 % 2
Städte 72.524
42.957
59
40-49 % 11
Städte 452.706
195.631
43
30-39 % 7
Städte 517.845
169.971
33
27-29 % 3
Städte 239.092
67.089
28
27-63 % 23
Städte
1.282.167
475.648
37
Andere
Städte 1.221.809
448.364
37
Alle Städte 2.503.976
924.012
37
Flaches Land 10.898.567
405.069
4
Ostpolen 13.402.543
1.329.081
10
Quelle: Wie Tabelle 3,
jedoch Zeszyt 48 (Miasto Wilno); 58 (M. Lwów); 65 (Województwo Stanisławowskie);
68 (W. Lwowskie); 70 (W. Wołyńskie); 71 (W. Nowogródzkie); 78 (W. Tarnopolskie);
83 (W. Białostockie); 87 (W. Poleskie).
Beide Tabellen aus: http://www.vho.org/D/da/1.html
Physische Karte von Galizien

http://dcn.davis.ca.us/~feefhs/maps/ah/galicia.jpg
9. Quellenverzeichnis
-
Fuks, Marian : Polnische Juden, Geschichte
und Kultur; Verlag Interpress; k.A. zu Ort und Jahr
-
Häusler, Wolfgang: Das galizische Judentum in
der Habsburgermonarchie; R.Oldenbourg Verlag, München 1979
-
Landmann,
Salcia: Erinnerungen an Galizien; München
1983
-
http://www.biblint.de/ostjudentum.html
-
http://www.lgd.de/projekt/judentum/chassidismus.htm
-
http://www.hausarbeiten.de/rd/archiv/kul/kul-2312001-5055.shtml
-
http://www.hagalil.com/galluth/polen6.htm
-
http://www.hagalil.com/galluth/chasid1.htm
-
http://www.hagalil.com/galluth/chasid2.htm
-
http://www.hagalil.com/galluth/chasid3.htm
-
http://www.vho.org/D/da/Zusammen.html
-
http://www.jmw.at/de/pr_zwischen_ost_und_west.html
-
http://www.fes.de/fulltext/historiker/00712001.htm
-
http://www.hagalil.com/galluth/polen10.htm
-
http://www.jewish-culture.de/ukraine/ukraine.htm
-
http://www.hausarbeiten.de/rd/archiv/kul/kul-chassi.shtml
-
http://www.vho.org/D/da/1.html
-
http://www.emol.org/emol/zucker/galiciaeurope.html
-
http://www.easytravel.ch/ukr_galizien.html
-
http://www.easytravel.ch/ukr_juedischeukraine.html
-
http://www.genealogienetz.de/gene/reg/ESE/galicia-d.html
top
Inhaltsverzeichnis:
-
Galizien - geschichtlicher Hintergrund
Das galizische Territorium
vor dem 1.Weltkrieg (Karte)
-
Kurzer Abriss der jüdischen Geschichte
-
Das galizische Judentum vor der Ersten
Polnischen Teilung
-
Chassidismus
-
Das Ostjudentum - das Westjudentum
-
Der Aspekt: Sitten, Bräuche und Zusammenlebem
-
Zukunftsaussichten mit dem Standpunkt von heute
Ein jüdisches Dorf
(Abb.)
Verstädterung in Polen (Tabelle)
Ostpolnische Städte: Gesamtbevölkerung und Juden
(Tabelle)
Physische Karte von Galizien
-
Anhang
-
Quellenverzeichnis
Redaktionelle Anmerkung:
In der Vorbereitung der
Studienfahrt nach Kraków/Polen wurden mehrere Referate zur Geographie und
Geschichte des ost- und ostmitteleuropäischen Raumes gehalten, deren Texte
hier veröffentlicht werden. Für die inhaltliche Gestaltung sind die jeweiligen
Referentinnen und Referenten verantwortlich.
Die Vorbereitung und
Auswertung der Studienfahrt erfolgte im Rahmen des »Arbeitsschwerpunktes
Polen« zum Thema »Länderübergreifende elektronische Partnerschaften /
Begegnung mit Polen« im Projekt
InfoSCHUL II-2
im
Schulverbund Hannover / gefördert
durch das
BMB+F
Impressum für diese Seite
Erstellt im Rahmen des
Unterrichts an der Bismarckschule Hannover. An der Bismarckschule 5. D 30173
Hannover. Leistungskurs Erdkunde Schuljahr 2001/2002 / Lehrer: OStR Gerhard
Voigt.
Referat zum Rahmenthema
„Transformationsländer“. Studienfahrt nach Kraków, Herbst 2001.
Autorin:
Christina Bleeck.
Veröffentlicht im Internet
im April 2002 unter
http://www.unesco-club-hannover.de .
Vergleiche auch:
http://www.Bismarckschule.de .
Verantwortlich:
Gerhard Voigt, OStR i.R.
Bismarckschule.Voigt@gmx.de.
http://www.voigt-bismarckschule.de -
Vgl.
Impressum
Alle Urheberrechte
vorbehalten. Freie Verwendung für Zwecke der Bildung und Ausbildung in Schulen
und Hochschule ist zugestanden.
IV/02/Voigt / v. 19.06.02
Internetpublikation revidiert
am 20.07.2009 |
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