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Lothar Nettelmann:

Wirkungsbereiche von Albrecht Riechers

[*17.07.1939 † 25.08.2012]

Wir trauern um Albrecht Riechers. Ich bin der einzige, der während der gesamten Zeit, als er Vorsitzender der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Hannover war, mit ihm im Vorstand zusammengearbeitet hat, also von 1979 bis 1997. Danach wirkte er viele Jahre im Bundesvorstand in Berlin mit. Aber zurück zum Anfang unserer Zusammenarbeit.

Ich kenne Albrecht Riechers seit 1974. Damals war ich Referendar an der Bismarckschule Hannover und wurde im Studienseminar Hannover I ausgebildet. Albrecht Riechers war Studiendirektor und stellv. Seminarleiter am Studienseminar III in Hannover. Er war zuständig für die allgemein-pädagogische Ausbildung. Man kannte sich durch die sog. Unterrichtsbesuche und Lehrproben anderer Referendare. Persönlich hatte ich damals noch keine Kontakte zu ihm.

Im August 1975 wurde Ulrich Bauermeister neuer Schulleiter der Bismarckschule. Albrecht Riechers und Ulrich Bauermeister kannten sich gut aus der Arbeit in der GEW und der SPD. Später erfuhr ich, dass sie eine immer enger werdende kollegiale Zusammenarbeit und auch Freundschaft verband. Dies schloss deren Ehefrauen Lilo und Monika ein. Ich hatte mit Albrecht Riechers nur sporadisch Kontakt, wenn er seine Referendare an der Bismarckschule besuchte.

Ich lernte Albrecht näher kennen im April 1979. Es war der Tag der Gründung der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Hannover. Ich war gerade aus Polen von einer von mir privat organisierten Studienreise mit Schülern und Lehrern zurückgekehrt, als mich mein damaliger Chef, Ulrich Bauermeister, ansprach mit den Worten. „Es wird morgen eine Deutsch-Polnische Gesellschaft in Hannover gegründet, geh da mal hin! Es findet statt in den Räumen der Volkshochschule. Du kannst dort für das Amt des stellv. Vorsitzenden kandidieren. Als Kandidat für den Vorsitzenden ist Albrecht Riechers vorgesehen.“ Das tat ich dann auch. Eine sinnvolle ehrenamtliche Tätigkeit neben dem Beruf war für mich sehr positiv. Ich konnte dadurch beides in hervorragender Weise verbinden, was ich dann auch tat.

Eine entsprechende Bereitschaft, den Willen, sich sinnvoll aktiv zu engagieren, galt mit Sicherheit auch für Albrecht Riechers und die anderen Kolleginnen und Kollegen im Vorstand sowie z.B. für Ulrich Bauermeister, der manchmal besondere Aufgaben übernahm.

So begann eine langjährige fruchtbare enge Zusammenarbeit in freundschaftlicher und kollegialer Atmosphäre. Man lernte dabei auch gegenseitig seine Stärken und Schwächen kennen.

Wir nahmen schnell Kontakt zu den bereits zuvor gegründeten Deutsch-Polnischen Gesell­schaften in Norddeutschland auf und traten deren informellem Verbund bei. Es bedeutete, dass Informationen ausgetauscht und Aktionen der ansonsten eigenständigen Gesellschaften koordiniert wurden. Auf Eigenständigkeit legten alle Gesellschaften sehr viel Wert. Das hatte aber auch zur Konsequenz, dass es eine langjährige gespannte Atmosphäre, wenn nicht gar eine Konkurrenz zur sog. „Düsseldorfer Gesellschaft“ gab, die aus der „Helmut-Gerlach-Gesellschaft“ hervor­gegangen war und sich damals in „Deutsch-Polnische Gesellschaft der BRD“ umbenannte.

Von den „Düsseldorfern“, wie wir sie nannten, vermutete man, dass sie in den siebziger Jahren über ihren „Rochus-Verlag“ durch das Außenministerium der damaligen VR Polen subventioniert worden sei. Entsprechende Hinweise erhielten wir von polnischen Journalisten. Diese waren zwar alle Mitarbeiter der staatlichen Institutionen wie PAP oder Interpress, andererseits waren sie aber persönlich relativ unabhängig. Sie vertraten zumeist offen ihre Meinung und gaben uns Hintergrundwissen. Dies geschah u. a. in öffentlichen Diskussionen, zumeist aber hinterher beim Bier im kleineren Kreis. Man erhielt dadurch nach und nach in allen uns verbundenen Deutsch-Polnischen Gesellschaften ein recht genaues und differenziertes Bild von der wirklichen Situation in Polen.

Dies war für uns sehr wichtig, insbesondere, weil es eine wichtige Basis war für eine offene, enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit wichtigen Personen in Polen. Eine Zentrum der freundschaftlichen Begegnungen und fruchtbaren Kontakte war eine sehr lange Zeit das Haus Riechers in der Hewigstraße in Hannover. Viele polnische Journalisten, Wissenschaftler und auch Politiker haben dort als Gäste gewohnt. Es ist auch festzustellen, dass dieses alles mit den systemhörigen deutschen Journalisten und Wissenschaftlern aus der DDR niemals möglich gewesen wäre.

Am Anfang erschien auch einmal ein Vertreter der Botschaft aus Köln, der uns nahe legen wollte, uns der Düsseldorfer Gesellschaft anzuschließen. Wir dankten diesem Mann höflich und verzichteten. Sein Auftrag enthielt ersichtlich eine politische Implikation.

Unmittelbar nach Gründung der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Hannover ergab sich die für uns zwar ungemein interessante Phase einer rasanten politischen Entwicklung im damals noch durch den „Eisernen Vorhang“ geteilten Europa. Für Polen wurde jedoch eine zunehmend bedrückender werdende Krise überall spürbar. Die westlichen Zeitungen waren voll davon: Wirtschafts-, Finanz- und Versorgungskrise und vor allem für jedermann immer deutlicher werdend, die umfassende politisch-moralische Krise in der damaligen VR Polen.

In den ersten Sitzungen des Vorstandes unserer Gesellschaft berieten wir über mögliche Aktivitäten. Die zentrale Frage war: Wie können wir es bewirken, dass Menschen aus beiden Ländern, und für uns besonders nahe liegend, die Bürger der beiden Messestädte Posen und Hannover sich besser kennen lernen? Ziel war die Förderung einer „Begegnung mit Polen“. Damit hatten wir auch schon unbeabsichtigt den Titel der Informationsreihe gefunden, die zusammen mit der VHS Hannover ins Leben gerufen worden ist. Studienreisen und die Information der Menschen in Hannover waren das angestrebte Ziel. Auf Albrecht Riechers ging maßgeblich die Idee zurück, eine Vortragsreihe regelmäßig durchzuführen. Es gab mit dem damaligen Leiter der VHS, Helmut Breuer, sowie seinem Stellvertreter, Dietrich Heimann, der auch sein Nachfolger im Amte wurde, ein Gespräch, an dem ich ebenfalls teilnahm.

Prinzip war: Die Deutsch-Polnische Gesellschaft Hannover lädt Referenten ein oder schlägt sie vor. Die VHS stellt den Raum zur Verfügung und zahlt das Honorar. Wir sorgten unsererseits für die Einladungen, dann für die Unterbringung der Gäste, selbstverständlich – wenn möglich – privat, sowie für die Fahrtkosten. Das alles war damals noch recht kompliziert. Es sollten möglichst 3 – 4 Veranstaltungen (Vorträge, immer mit Diskussion, Lesungen, Konzerte, Ausstellungen) pro Halbjahr stattfinden. Dazu benötigten wir Partner. Intensiv war jahrzehntelang die enge Partnerschaft mit der VHS, wichtig auch mit der damaligen Nieder­sächsischen Landesbibliothek, und mit einigen Kirchengemeinden in Hannover und vor allem mit der Stadt Hannover, also dem Oberbürgermeister, dem Rat und der Verwaltung.

Wir konnten auf diese Weise hervorragende Kunst-Ausstellungen und Konzerte durchführen. Hervorzuheben ist eine Ausstellung polnischer Maler in der Niedersächsischen Landesbibliothek 1983 mit Andrzej Samulowski und Jan Stanisławski und Jerzy Śramkiewicz. Es folgte die Jan Staszak-Ausstellung (1986) in der Marktkirche und die Schaffung des Korczak-Denkmals neben der Kinderklinik auf der Bult an der „Janusz-Korczak-Alle“. Die Benennung der Straße ging auch auf unseren Vorstandsbeschluss zurück. Letztere Idee kam von mir. Die Idee mit dem Denkmal von Albrecht Riechers. Die Organisation hatte Harald Böhlmann in die Hand genommen. Er war damals ebenfalls stellv. Vorsitzender der DPG-Hannover. In der Stadt Hannover war er Kulturamtsleiter und wurde später Kulturdezernent. Eine wichtige Aufgabe bestand für ihn in der Koordination der kulturellen Zusammenarbeit beider Partnerstädte. Erich Dauzenroth, Professor für Pädagogik, aus Gießen, ein Korczak-Spezialist, war der Redner. Die Botschaft der VR Polen ins Köln war anwesend. Für uns bemerkenswert war, dass der Botschaftsvertreter von dem „polnischen Bürger Janusz Korczak“ sprach. Dieses war damals noch nicht allgemein üblich und wurde von den Beteiligten mit hohem Interesse aufgenommen.

Unvergessen ist die Zusammenarbeit mit dem Ballhof. Ich denke an die Korczak- und die Kolde-Matinee. Es gab die Zusammenarbeit mit Schultheatern. Einen großen Raum nahm die Kultur ein. Albrecht Riechers legte sehr viel Wert darauf.

Wichtig bleibt, festzustellen, dass wir keine Gesellschaft aus Politikern werden wollten, deren Vertreter eine Vorstandsarbeit „so nebenher“ von ihrer Sekretärin erledigen lassen würden und die dann wesentlich nur zu Repräsentationszwecken erschienen. Nein, wir wollten eine Gesellschaft sein, die möglichst breit angelegt war und viele Menschen unserer Region in und um Hannover umfassen sollte.

Es ist kein Widerspruch zu diesem Selbstverständnis, dass die Idee, unsere Deutsch-Polnische Gesellschaft zu gründen, im Hannoverschen Rathaus entstanden ist und im Zusammenhang mit der Verbindung der beiden Messestädte stand, eine Verbindung, die sich zu einer offiziellen und gut funktionierenden Partnerschaft entwickelte.

Wesentlich war für unsere Arbeit immer der ausgesprochen gute Kontakt zur Landeshauptstadt Hannover und zu deren Repräsentanten, allen voran der Person des langjährigen Oberbürgermeisters Herbert Schmalstieg. Es gab einen Konsens über alle Parteigrenzen hinaus und mit Vertretern vieler Verbände sowie der Hannover-Messe AG.

In der VHS-Hustedt, unserem kooperativen Mitglied, fanden Wochenend-Tagungen und Seminare statt. Stellvertretend für viele seien Namen genannt, die z. T. Hannover mehrfach besucht haben:

Jerzy Budwiłło, Jerzy Centkowski, Tadeusz Cieslak, Antoni Czubiński und bis heute viele Mitarbeiter des Instytut Zachodni (des Westinstitutes) in Posen, Marek Dutkowski, F.E.O. Jagemann-Jerzykiewicz, Jerzy Kleer, Bronisław Kortus, Adam Krzemiński, Bogdan Kurowski, Andrzej Kwilecki, Władysław Markiewicz, Tomasz Markiewicz, Cesław Moijsiewcz, Jan Nowak, Hubert Orłowski und viele damalige Kolleginnen und Kollegen des Germanistischen Institutes der UAM, weiterhin Miecysław Rakowski, Jerzy Toeplitz, Janusz Tycner, Anna Wolff-Poweńska, Urszula Radwańska, Zbigniew Radwański und andere Gäste aus Posen, wie z. B. der Medizinischen Akademie.

Viele Zeitzeugen waren unter den Referenten und Gesprächspartnern. Es gab gemischte Gefühle, wenn z.B. ein jetzt älterer Herr aus Polen über den Warschauer Aufstand berichtete und ein ehemaliger Wehrmachts-Soldat aus Hannover feststellte, dass er damals in der gleichen Straße auf der anderen Seite geschossen hat.

Viele Namen in meinem Notizbuch kann ich nicht mehr zuordnen; Żimowski z.B.; Helmut Breuer begrüßte einmal den Herrn „Matzurkewitz“ (Mazurkiewicz). Albrecht und ich beschlossen darauf hin, an der Volkshochschule Polnisch zu lernen.

Es waren viele Namen, die jetzt spontan ohne Anspruch auf Vollständigkeit einfallen, darunter auch mehr oder weniger staatsnahe Personen. Die Referenten wurden zunächst aus Posen eingeladen oder von anderen Gesellschaften uns empfohlen. Bald hatten wir genügend eigene Kontakte. Selbstverständlich luden wir auch Referenten ein, die die Botschaft der VR Polen in Köln empfahl. Wichtige Kontakte erhielten wir über die Ev. Akademie Loccum.

Jeder Mensch hat seine Prägung erfahren und eine unterschiedliche Vita. Es war bedrückend zu erfahren, dass z.B. der überzeugte Kommunist Antoni Czubinski gemeinsam mit Werner Remmers in das frühere Emsland-Lager fuhr, um ihm dort zu zeigen, wo er als vierzehnjähriger polnischer Junge Zwangsarbeit leisten musste. Oder Miecysław Rakowski, der als Junge erfuhr, wo und wann sein Vater erschossen wurde. Oder der Maler Andrzej Samulowski aus Olsztyn/Allenstein: Weil seine deutsche Mutter zu seinem polnischen Vater stand, hatte die Familie Nachteile. Der Vater wurde später in einem KZ umgebracht. 1942 zog man Andrzej Samulowski zur Deutschen Wehrmacht ein. Er konnte 1944 „abhauen“, wie er mir anlässlich einer privat organisierten Ausstellung seiner Bilder in mehreren Städten, darunter in meinem heimatlichen Gehrden, berichtete und schlug sich unter Lebensgefahr als Deserteur zur Armee des polnischen Generals „Anders“ in Italien durch. Dort kämpfte er dann auf der Seite der Alliierten bei Monte Cassino. Der in Posen geborene Władysław Markiewicz hat im KZ Mauthausen gelitten. Er hat als Präsident des Westinstitutes und Leiter der polnischen Delegation der Schulbuchkonferenz hohe Anerkennung und enge Freundschaft bei uns gefunden. Die ersten Referenten, die zu uns kamen, hatten allesamt schreckliche Erfahrungen aus dem Zweiten Weltkrieg mitgebracht, einem Krieg, der Polen vom ersten Tage bis zu seinem Ende Tod und Elend gebracht hat. Jeder unserer Gäste war zwangsläufig traumatisiert. Alle wünschten aus ganzem Herzen Verständigung und Versöhnung mit uns Deutschen.

Dass all dieses möglich war, ist in hohem Maße der Tatkraft von Albrecht Riechers zu verdanken.

Einige Wissenschaftler hatten enge Kontakte über die Schulbuchkonferenz zu ihren vielen anderen Kollegen in Westdeutschland. Sie alle trugen nachhaltig zum Verständigungsprozess bei und nahmen Wissen, Freundschaft, Zuversicht von all den aktiven Menschen in Westdeutschland mit – besonders von unserem Albrecht Riechers. Er wurde dafür mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet und in Polen mit einem hohen Orden für Ausländer, dem Kavalierskreuz, geehrt.

Die polnischen Gäste mussten nach ihrer jeweiligen Rückkehr in ihrem Heimatland den dortigen Behörden Bericht erstatten. Dies wurde für sie bald nur noch zur einer lässlichen Routine. Das wirklich Wichtige und Wirksame war aber der dortige Diskurs in privaten Kreisen und in den Hochschulen, wo man den Studenten mündlich Frage und Antwort stand, zuerst zurückhaltend geschickt, aber immer mehr deutlich und aussagekräftig.

Ein wichtiger Aspekt unserer Arbeit war, die Aktivitäten von Schulen im Raum Hannover zu unterstützen. Die Kolleginnen und Kollegen vieler Schulen, die einen Schüleraustausch mit einer polnischen Schule durchführten oder es vorhatten, waren unsere Mitglieder, so dass wir an einer gewissen Vernetzung mitwirken konnten. Die vielfältigen Kontakte Albrecht Riechers zu den Schulbehörden und der Kultusbürokratie waren diesbezüglich von Nutzen.

Unsere Studienfahrten führten wir im Wechsel durch. Er verstand es, polnische Freunde als Experten mit einzubeziehen, die die Fahrten begleiteten oder in deren Heimatstadt als Gesprächspartner und private Gastgeber einzubeziehen.

Die Hilfsaktionen für die Menschen in Polen waren, was die kurzfristigen und eine breite Ebene umfassenden Tätigkeiten betrafen, in hohem Maße ebenfalls sein Verdienst. Dies kann uneingeschränkt festgestellt werden. Andere hätten vielleicht länger überlegt, und das Problem ausgiebig diskutiert.

Eine wichtige Hilfe für unsere Arbeit war in all den Jahren die enge Zusammenarbeit mit der Niedersächsischen Landeszentrale für politische Bildung. Deren Leiter, Wolfgang Scheel, und mehrere Mitarbeiter, so z. B. Horst Lahmann, der dann von 1997 – 2001 Vorsitzender der DPG-Hannover wurde, waren ebenfalls aus innerer Überzeugung engagiert. An dieser Stelle möchte ich mein völliges Unverständnis darüber äußern, dass die Niedersächsische Landeszentrale für politische Bildung 2004 völlig liquidiert wurde.

Eine Anerkennung der Arbeit aller Deutsch-Polnischen Gesellschaften in Niedersachsen erfolgte in den neunziger Jahren indirekt durch den Wunsch der Landesregierung, nur einen einzigen Ansprechpartner für alle zu haben, da Projekte der einzelnen regionalen Gesellschaften nicht separat gefördert werden konnten. Es wurde daraufhin die DPG-Niedersachsen gegründet. Der Vorsitz wurde ursprünglich Albrecht Riechers angeboten. Er verzichtete aber. Er schlug daraufhin unser Vorstandsmitglied Annelies Langner vor. Diese hatte für viele Jahre den Vorsitz inne. Sie engagierte sich in hervorragender Weise. Ein Schwerpunkt war für sie, die gebürtige Breslauerin, die Mitwirkung beim Kulturpreis Schlesien.

Vertreter der politischen Parteien unterstützten und begleiteten von Anfang an wohlwollend und nachhaltig unsere Arbeit. Es seinen genannt Werner Remmers, Walter Hirche und Rolf Wernstedt. Auch Gerhard Schröder gehörte zeitweilig zu den Mitgliedern unserer Gesellschaft.

Die Aufstellung der Aktivitäten und der Namen hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Ziel ist es, deutlich zu machen, dass all diese Aktivitäten wesentlich mit dem Namen Albrecht Riechers, seinem Engagement und seiner Fähigkeit, in vertrauensvoller Kooperation im Team sowie der Vernetzung mit anderen Gesellschaften zu wirken.

Als Fazit ist festzustellen: Das umfangreiche, erfolgreiche Wirken der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Hannover ist nicht ohne Albrecht Riechers denkbar. Seine Lebensleistung ist nicht denkbar ohne die Deutsch-Polnische Gesellschaft Hannover.

Es ist historisch nicht beweisbar, aber der Gedanke liegt sehr nahe, dass all diese Beziehungen, die Verträge, die Begegnungen mit Menschen, das sich gegenseitige Informieren, in hohem Maße, dazu beigetragen haben, zuerst den „Eisernen Vorhang“ zu durchlöchern und dann zu seinem Verschwinden beizutragen.

Der Mensch Albrecht Riechers verfügte über eine besondere Fähigkeit, Menschen zu beeinflussen. Dies ist uneingeschränkt positiv zu verstehen. Er konnte sie mitreißen und sie mit wenigen Worten überzeugen. Er verfügte über eine Mischung von Talenten: aus liebenswert – spöttisch – ironisch – nachhaltig, aber auch nur wenig Widerspruch duldend. Andererseits war er immer gesprächsbereit, konnte auch zuhören und war kompromissfähig. Zudem hatte er ein hohes Konsensbedürfnis.

Durch seine positive Art, mit Menschen umzugehen, auf sie unkompliziert zuzugehen, hatte er fast überall „offene Türen“. Man konnte ihm vertrauen; d.h. man konnte immer sicher sein, dass sich bei ihm keinerlei „böse Absichten im Hinterkopf“ verbargen.

Er hatte keinerlei Scheu, mit unterschiedlichen Menschen Kontakte anzuknüpfen und auch klar seine Position erkennen zu geben. Vielleicht und gerade auch deshalb wurde er akzeptiert. Er gehörte irgendwie zu den Menschen, „denen man nicht böse sein kann“.

Von daher war er ideal für die Besetzung seines Amtes. Andererseits verärgerte er manche Mitglieder durch Alleingänge; d.h. er entschied etwas und handelte, ohne vorherige Rücksprache mit anderen und erwartete dann im Nachhinein deren Zustimmung. Dadurch überschritt er manchmal auch seine Kompetenzen. Wenn Absprachen erfolgt waren, dann kam es vor, dass er „im Vorbeigehen“ dieses erledigte, obwohl jemand anders das tun sollte. Es entstanden manchmal auch Unstimmigkeiten, die zum Rückzug einiger führten.

Wir dürfen nicht vergessen, eine Person zu erwähnen, die als Geschäftsführerin in hohem Maße wesentliche Tätigkeiten zuverlässig und selbstständig übernahm: Gertrud Irmler. Jemand wie Albrecht Riechers – und auch andere Vorstandsmitglieder – die belastende Jobs hatten, benötigten diese Unterstützungen. Und deshalb funktionierte es bei uns so gut. Leider hat die Deutsch-Polnische Gesellschaft Hannover vom Tode Gertrud Irmlers, die am 11.10.2008 verstorben ist, keine Kenntnis genommen.

Eine wesentliche Stütze für ihn und ein „guter Geist für die Gesellschaft“ war damals seine Ehefrau Lilo Riechers. Sie führte die Aufgabe der Geschäftsführerin bis 2010 fort, nachdem Gertrud Irmler sie 1997 aus gesundheitlichen Gründen abgegeben hatte. Ich möchte hinzufügen, dass viele Mitglieder, deren Ehefrauen und Partnerinnen und Partner, so auch meine Frau Inge, die Arbeit unserer Gesellschaften in erheblichem Maße mitgetragen haben.

Ulrich und Monika Bauermeister sind bereits verstorben. Hajo Matthias und Frau, die ebenfalls beide schon verstorben sind, haben auch eine lange Zeit aktiv und begleitend für die Gesellschaft gewirkt.

Im Kontext all des Genannten lag der Erfolg der – immer ehrenamtlichen – Arbeit der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Hannover.

Wir verneigen uns vor Albrecht Riechers.

gez.: Lothar Nettelmann

07.09.2012

 
   

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Gerhard Voigt, OStR i.R. - Kontakt vgl. Impressum

bismarckschule.voigt@gmx.de

Bearbeitungsstand:07.09.2012

Letzte Bearbeitung:13.09.2012

   
   

 

     
   

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